Friedrichs, Kurt Otto

Lebensdaten
1901 – 1982/83
Geburtsort
Kiel
Sterbeort
New Rochelle (New York, USA)
Beruf/Funktion
Mathematiker
Konfession
evangelisch-lutherisch
Normdaten
GND: 118820265 | OGND | VIAF: 108408923
Namensvarianten

  • Friedrichs, Kurt Otto (auch Frieder)
  • Friedrichs, Kurt Otto
  • Friedrichs, Kurt Otto (auch Frieder)
  • Frieder
  • Friedrichs, K.
  • Friedrichs, K. O.
  • Friedrichs, K.O.
  • Friedrichs, Kurt
  • Fridrīšs, Kūrt Ūtū
  • Friedrichs, Curt Otto
  • Friedrichs, Curt Otto (auch Frieder)
  • Friedrichs, Curt
  • Fridrīšs, Cūrt Ūtū

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Zitierweise

Friedrichs, Kurt Otto, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118820265.html [18.01.2026].

CC0

  • Friedrichs, Kurt Otto (auch Frieder)

    1901 – 1982/83

    Mathematiker

    Kurt Friedrichs forschte auf den Gebieten der Partiellen Differentialgleichungen, der Numerischen Analysis und der Mathematischen Physik und gilt als einer der bedeutendsten Mathematiker des 20. Jahrhunderts. Seine Arbeiten zur Operatortheorie in Hilbert-Räumen, zu symmetrischen hyperbolischen Systemen und Spektraltheorie waren bahnbrechend. Das Lax-Friedrichs-Verfahren dient zur Lösung nichtlinearer hyperbolischer Erhaltungsgleichungen.

    Lebensdaten

    Geboren am 28. September 1901 in Kiel
    Gestorben am 31. Dezember 1982/1. Januar 1983 (Tod offiziell festgestellt) in New Rochelle (New York, USA)
    Grabstätte ehemaliges Wochenendhaus von Kurt und Nellie Friedrichs in Stanford (New York, USA)
    Konfession evangelisch-lutherisch
    Kurt Friedrichs, MFO (InC)
    Kurt Friedrichs, MFO (InC)
  • 28. September 1901 - Kiel

    um 1902 - Düsseldorf

    Übersiedlung der Familie

    1908 - 1920 - Düsseldorf

    Schulbesuch (Abschluss: Abitur)

    Realgymnasium

    1920 - 1922 - Greifswald; 1921/22 Freiburg im Breisgau; 1922 Graz

    Studium der Mathematik und Physik

    Universität

    1922 - 1925 - Göttingen

    Studium der Mathematik

    Universität

    1925 - Göttingen

    Promotion (Dr. phil.)

    Universität

    1925 - 1927 - Göttingen

    Universität

    1927 - 1929 - Aachen

    1928 - Aachen

    Habilitation für Mathematik

    TH

    1929 - Göttingen

    Umhabilitation; Privatdozent

    Universität

    1930 - 1937 - Braunschweig

    ordentlicher Professor für Mathematik

    TH

    1937 - New York City

    Assistent Courants; Visiting Professor

    Department of Mathematics an der New York University

    1938 - 1982 - New York City

    Associate Professor für Mathematik; seit 1943 Full Professor (1966/67 Direktor)

    Department of Mathematics an der New York University (seit 1958 Courant Institute of Mathematical Sciences)

    31. Dezember 1982/1. Januar 1983 (Tod offiziell festgestellt) - New Rochelle (New York, USA)

    alternativer text
    Kurt Friedrichs (links), MFO (InC)

    Friedrichs übersiedelte mit seiner Familie kurz nach seiner Geburt nach Düsseldorf, wo er seit 1908 das Realgymnasium besuchte. Nach seinem Abitur 1920 studierte er Physik und Mathematik an den Universitäten in Greifswald, Freiburg im Breisgau und Graz. Im Herbst 1922 ging er an die Universität Göttingen, wo er den Mathematikprofessor Richard Courant (1888–1972) traf und Interesse an der Philosophie Edmund Husserls (1859–1938) und Martin Heideggers (1889–1976) entwickelte. Mit Friedrichs traf 1922 Hans Lewy (1904–1988) in Göttingen ein, mit dem er später zahlreiche Arbeiten verfasste. Friedrichs’ Vorlieben lagen in der Mathematischen Physik und sein mathematisches Vorbild war Hermann Weyl (1885–1955).

    Nach seiner Promotion zum Dr. phil. 1925 bei Courant mit der Dissertation „Die Rand- und Eigenwertprobleme aus der Theorie der elastischen Platten“ wurde Friedrichs dessen Assistent und arbeitete mit ihm am zweiten Band der „Methoden der mathematischen Physik“ (1937) von Courant und David Hilbert (1862–1943), das mehrfach aufgelegt zu einem Standardwerk avancierte. Auf Courants Empfehlung wechselte er 1927 als Assistent des Aerodynamikers Theodor von Kármán (1881–1963) an die TH Aachen, um Anwendungen der Mathematik zu studieren. 1928 erschien Courants, Friedrichs’ und Lewys Aufsatz „Über die partiellen Differenzengleichungen der mathematischen Physik“ in den „Mathematischen Annalen“, der, obwohl rein theoretischen Charakters, bis heute große Bedeutung in der Numerik partieller Differentialgleichungen hat.

    Nach seiner Habilitaion für Mathematik 1928 an der TH Aachen, habilitierte sich Friedrichs 1929 an die Universität Göttingen um und erhielt 1930 einen Ruf als ordentlicher Professor für Mathematik an die TH Braunschweig. 1931 wandte Friedrichs eine von John von Neumann (1903–1957) entwickelte Theorie der Energieintegrale erfolgreich auf lineare hyperbolische partielle Differentialgleichungen an. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme emigrierten Courant und Lewy in die USA; Friedrichs besuchte Courant 1935 an der New York University, um Möglichkeiten für seine Emigration auszuloten. Mit seiner späteren Ehefrau, die jüdisch war, reiste er über Frankreich nach New York City, wo er im März 1937 ankam und wieder als Assistent Courants arbeitete. Mit Courant und dem ebenfalls 1937 an das Institut gekommenen James Johnston Stoker (1905–1992) gilt Friedrichs als Gründungsvater des Courant Institute of Mathematical Sciences an der New York University. 1938 wurde er Associate Professor für Mathematik und 1943 Full Professor.

    In New York City arbeitete Friedrichs an symmetrischen hyperbolischen Systemen, wobei ihm Durchbrüche in der Theorie der Existenz und Eindeutigkeit von Lösungen gelangen. Während des Zweiten Weltkriegs kehrte er zur Strömungsmechanik zurück, verfasste mit Courant das erst 1976 veröffentlichte Werk „Supersonic Flows and Shock Waves“, das wegen der Entwicklung von Strahlflugzeuge mit hohen Fluggeschwindigkeiten sehr einflussreich wurde, und hielt im Sommer 1941 mit Richard von Mises (1883–1953) an der Brown University eine Vorlesungsreihe über Strömungsmechanik. Das Vorlesungsskript zirkulierte lange, ehe es Friedrichs 1971 überarbeitet als Monografie „Fluid Dynamics“ publizierte. Neben der Beschäftigung mit Fragen der partiellen Differentialgleichungen, der Spektraltheorie und der Strömungsmechanik entstanden fünf Arbeiten zur mathematischen Begründung der Quantentheorie, die er in „Mathematical Aspects of the Quantum Theory of Fields“ publizierte. Friedrichs legte 1965 in seinem Buch „Perturbations of Spectra in Hilbert Space“ einen etwas anderen Zugang zu diesem Thema dar.

    Friedrichs, der weltweit zu Gastvorträgen eingeladen wurde, hielt sich 1982 noch einmal in Braunschweig auf. Er war einer der wichtigsten angewandten Mathematiker des 20. Jahrhunderts, dessen Beiträge zur Theorie partieller Differentialgleichungen, zur Numerik von Erhaltungsgleichungen und zur Operatortheorie als grundlegend gelten. Zu seinen Schülern zählen Jerome Berkowitz (1928–1998), Eugene Isaacson (1919–2008), Peter Lax (1926–2025), Cathleen Morawetz (1923–2017) und Wolfgang Wasow (1909–1993).

    1954 Josiah Willard Gibbs Lecturer der American Mathematical Society
    1959 Mitglied der National Academy of Sciences (USA)
    1962 Guggenheim Fellowship
    1971 Dr.-Ing. E. h., TH Aachen
    1972 Applied Mathematics and Numerical Analysis Award der National Academy of Sciences (USA)
    1974 Humboldt-Forschungspreis
    1975 korrespondierendes Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, München
    1977 National Medal of Science for 1976 (USA)
    1977 Dr. h. c., Universität Uppsala
    1980 Dr.-Ing. E. h., TU Braunschweig
    1981 Hon. D. Sc., Columbia University, New York City

    Teilnachlass:

    Universitätsarchiv Braunschweig, Best. G009.

    Weitere Archivmaterialien:

    Universitätsarchiv Braunschweig, Best. B 7 Nr. 269 (Personalakte) u. Best. B 2 Nr. 54. (Ehrendoktorwürde)

    Niedersächsisches Landesarchiv Wolfenbüttel, Best. 12 Neu 7 II Nr. 124. (Personalakte)

    Gedruckte Quelle:

    Nellie H. Friedrichs, Erinnerungen aus meinem Leben in Braunschweig 1912–1937, 1980, 31998.

    Weiteres Quellenmaterial:

    Korrespondenz mit Christopher Friedrichs (Vancouver, Kanada), August 2025, privat.

    Monografien:

    Richard Courant/David Hilbert, Methoden der mathematischen Physik, 2 Bde., 1924/37, Nachdr. New York 1943, 31968, russ. 1951, engl. 1953/62, Nachdr. 2004, japan. 2020. (Mitarbeiter)

    Mathematical Aspects of the Quantum Theory of Fields, 1953.

    Perturbations of Spectra in Hilbert Space, 1965.

    Richard von Mises/Kurt Friedrichs, Fluid Dynamics, 1971

    Richard Courant/Kurt Otto Friedrichs, Supersonic Flows and Shock Waves, 1976.

    Artikel:

    Die Rand- und Eigenwertprobleme aus der Theorie der elastischen Platten, in: Mathematische Annalen 98 (1928), S. 205–247. (Diss. phil.)

    Hans Lewy/Kurt Friedrichs/Richard Courant, Über die partiellen Differenzengleichungen der mathematischen Physik, in: Mathematische Annalen 100 (1928), S. 32–74.

    Kurt Otto Friedrichs, The Identity of Weak and Strong Extensions of Differential Operators, in: Transactions of the American Mathematical Society 55 (1944), S. 132–151.

    Kurt Otto Friedrichs/Peter Lax, Systems of Conservation Equations with a Convex Extension, in: Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA 68 (1971), S. 1686–1688.

    Neumann’s Hilbert Space Theory and Partial Differential Equations, in: SIAM Review 22 (1980), H. 4, S. 486–493.

    Cathleen S. Morawetz (Hg.), Kurt Otto Friedrichs, Selecta, 2 Bde., 1986.

    Werkverzeichnis:

    Cathleen S. Morawetz (Hg.), Kurt Otto Friedrichs, Selecta, Bd. 1, 1986, S. 23–31.

    J.  C. Poggendorffs biographisch-literarisches Handwörterbuch der exakten Naturwissenschaften, Bd. 6, 1937, S. 820 f., Bd. 7a, 1958, S. 125 f. u. Bd. 8, 2002, S. 1293 f. (W)

    Constance Reid, Richard Courant 1888–1972. Der Mathematiker als Zeitgenosse, 1979.

    Karl Stein, Nachruf Kurt Otto Friedrichs, in: Jahrbuch der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (1984), S. 211 f. (P) (Onlineressource)

    Constance Reid, The Life of Kurt Otto Friedrichs, in: Cathleen S. Morawetz (Hg.), Kurt Otto Friedrichs, Selecta, Bd. 1, 1986, S. 11–22.

    Cathleen S. Morawetz, Kurt Otto Friedrichs, in: Biographical Memoirs 67 (1995), S. 131–145. (W; P) (Onlineressource)

    John J. O’Connor/Edmund F. Robertson, Art. „Kurt Otto Friedrichs“, in: MacTutor History of Mathematics Archive, 2005. (P) (Onlineressource)

    Christopher R. Friedrichs, Kurt Otto Friedrichs (1901–1982). Mathematiker, Hochschullehrer, in: Braunschweiger Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts, hg. v. Arbeitskreis Andere Geschichte e. V., 2012, S. 76-79.

    Gerd Biegel/Angela Klein/Peter Albrecht/Thomas Sonar (Hg.), Jüdisches Leben und akademisches Milieu in Braunschweig. Nellie und Kurt Otto Friedrichs. Wissenschaftliche Leistungen und illegale Liebe in bewegter Zeit, 2012.

    Fotografien, Mathematisches Forschungsinstitut Oberwolfach, Photo Collection.

  • Autor/in

    Thomas Sonar (Braunschweig)

  • Zitierweise

    Sonar, Thomas, „Friedrichs, Kurt Otto“ in: NDB-online, veröffentlicht am 01.01.2026, URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118820265.html#dbocontent

    CC-BY-NC-SA