Lebensdaten
1897 bis 1965
Geburtsort
Lichtensteig (Kanton Sankt Gallen)
Sterbeort
Zürich
Beruf/Funktion
Literaturkritiker ; Essayist
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118750526 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Rychner, Max

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Zitierweise

Rychner, Max, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118750526.html [24.08.2019].

CC0

  • Genealogie

    Aus seit 1534 nachweisbarer, ursprüngl. in Aarau ansässiger Fam.;
    V Max Eugen (1866–1960), Unfall- u. Frauenarzt (s. Biogr. Lex. verstorbener Schweizer);
    M Clara Heberlein (1875–1958);
    Zürich 1922 Elly Kaufmann (1899–1975);
    1 T Claudia Mertz-R. (* 1927), Dr. phil., Lit.wiss. in Frankfurt/M., edierte u. a. d. Briefwechsel Carl Zuckmayer – Carl Jacob Burckhardt, R.Rainer Maria Rilke (s. W).

  • Leben

    Nach dem Gymnasialbesuch in Zürich und Bern studierte R. – angeregt von Eduard Korrodi, dem späteren Feuilletonredakteur der „Neuen Zürcher Zeitung“ – 1916-21 dt. und lat. Philologie und Literatur sowie Geschichte an den Universitäten dieser Städte. Er wurde 1921 bei Emil Ermatinger (1873–1953) mit der Dissertation „Georg Gottfried Gervinus, Ein Kapitel über Literaturgeschichte“ (gedr. 1922) promoviert und hielt sich für weitere Studien in Paris und Berlin auf. 1922 wurde er Redakteur, 1923 Chefredakteur der Schweizer Kulturzeitschrift „Wissen und Leben“. R. stellte seine Zeitschrift – seit 1923 mit dem Untertitel, seit 1926 mit dem Haupttitel „Neue Schweizer Rundschau“ – neben die „Nouvelle Revue Française“, José Ortega y Gassets „Revista de Occidente“ oder T. S. Eliots „Criterion“. In ihr sollten – wie in den literarischen Salons des 18. Jh. – Exponenten bedeutungsvoller und maßgebender Denkweisen zu Wort kommen. R. versammelte Autoren wie Ernst Robert Curtius, Rainer Maria Rilke, Walter Benjamin und Hugo v. Hofmannsthal und berichtete selber im Schnittpunkt zwischen dt. und franz. Moderne über das europ. Kulturgeschehen. Er übersetzte Paul Valéry (Herr Teste, 1927; Eine method. Eroberung, 1946) und stellte dessen Werk dem dt.sprachigen Publikum vor; er polemisierte gegen Alfred Döblin, schaltete sich mit einem kritischen Portrait in die Kontroverse um Oswald Spenglers „Untergang des Abendlandes“ ein und schrieb erste große Essays: über Lessing, Rilke und André Gide. 1931 wurde R. Feuilletonredakteur bei der „Köln. Zeitung“, die ihn im März 1933 wegen seiner liberalen Gesinnung entließ. Er blieb bis 1937 als Sonderkorrespondent der „Neuen Zürcher Zeitung“ in Köln, wurde 1937 Feuilletonredakteur der Berner Tageszeitung „Der Bund“ und übernahm 1939-62 eine leitende Stellung bei der in Zürich erscheinenden Tageszeitung „Die Tat“. Bis 1943 schrieb R. hauptsächlich außenpolitische Leitartikel, bevor er sich seiner eigentlichen Aufgabe, dem Aufbau eines Feuilletons, widmete, das in den 50er Jahren zu einem der bedeutendsten literarischen Foren im dt.sprachigen Raum wurde. Intensiv befaßte sich R. mit jungen Autoren wie Uwe Johnson, Max Frisch oder Arno Schmidt und setzte sich mit Klassikern der Moderne auseinander: Große Abhandlungen widmete er den Werken Thomas Manns (Thomas Mann u. d. Pol., 1947); wiederholt schrieb er über Gottfried Benn, Hofmannsthal und Valéry. In seinem essayistischen Werk, das R. in mehreren Sammelbänden zusammenfaßte, verstand er es, die großen Gestalten der Weltliteratur und deren Werke in der Vielfalt ihrer historischen und literarischen Bezüge darzustellen. Von bleibendem Wert sind seine Aufsätze zu Ovids „Arachne“ (1954) und zu Lichtenberg (1947); sein Vorwort zu einer Ausgabe von Goethes „West-Östlichem Divan“ (1952) und ein Porträt Jean Pauls (1956) sind herausragende Beiträge zur Kunst des literarischen Essays im dt. Sprachraum. Umfangreiche Briefwechsel führte er mit Hofmannsthal, Benn, Thomas Mann und Carl J. Burckhardt. Schließlich erwarb sich R. als Förderer junger Dichter und Essayisten zumal nach 1945 große Verdienste. Sein schmales und eher unbedeutendes literarisches Œuvre umfaßt Gedichte (Freundeswort, 1941; Glut u. Asche, 1946; Die Ersten, Ein Epyllion, 1949) sowie kleinere Prosawerke (Das Buchenherz, Erz., 1957; Frühe Erfahrungen, 1957). – Mitgl. d. Dt. Ak. f. Sprache u. Dichtung, Darmstadt (1950), d. Bayer. Ak. d. Schönen Künste (1951), d. Ak. d. Wiss. u. d. Lit., Mainz u. d. Ak. d. Künste, Berlin (1961); Präs. d. Thomas-Mann-Ges., Zürich (1956–65); Preis d. Schweizer. Schiller-Stiftung (1930); Preis d. BDI (1954); Gottfried-|Keller-Preis (1956); Willibald-Pirckheimer-Medaille (1960); Lit.preis d. Stadt Zürich (1961); Essay-Preis d. Dt. Ak. f. Sprache u. Dichtung (1965 postum).

  • Werke

    Weitere W Welt im Wort, Lit. Aufss., 1949;
    Sphären d. Bücherwelt, Aufss. z. Lit., 1952;
    Arachne. Aufss. z. Lit., 1957;
    Antworten, Aufss. z. Lit., 1961;
    Bedachte u. bezeugte Welt, Prosa, Gedichte, Aphorismen, Aufss., M. R. z. 65. Geb.tag (Biogr.; W)
    ;
    Bei mir laufen Fäden zus., Lit. Aufss., Kritiken, Briefe, hg. v. R. Bucheli, 1998 (P).Briefe: Thomas Mann. M. R., hg. v. H. Wysling, 1967;
    Ernst Robert Curtius, M. R., hg. v. Claudia Mertz-Rvchner, 1969 (P);
    Der Briefwechsel, R. M. R. – M. R. 1923-1925, hg. v. ders., in: Rainer Maria Rilke u. d. Schweiz, hg. v. J. Steiner, 1992, S. 135-48 (P);
    Carl J. Burckhardt, M. R., Briefe 1926-1965, hg. v. ders., 1970;
    Hugo v. Hofmannsthal, M. R., Briefwechsel 1922-1929, hg. v. ders., 1973;
    Rudolf Borchardt, M. R., hg. v. ders., 1975. – Hg: Gottfried Keller, Ges. Werke in 8 Bdn., 1929;
    Conrad Ferdinand Meyer, Sämtl. Werke in 4 Bdn., 1929. – W. Siebert, R., Bibliogr., 1986.

  • Literatur

    K. Kerényi, in: Schweizer Mhh. 43, 1963, S. 87-91;
    M. Wehrli. ebd. 45, 1965, S. 497-502;
    H. E. Holthusen, in: Merkur 19, 1965, S. 760-66;
    U. Schneider, Das krit. Werk R.s, Diss. Frankfurt/M. 1971;
    R. u. Zürich z. B., bearb. v. G. Schuster, Marbacher Magazin 41, 1987 (P);
    HBLS;
    Kosch, Biogr. Staatshdb.;
    Zürcher Personenlex., 1986;
    Kosch, Lit.-Lex.3 (L, W);
    Wi. 1962;
    Munzinger;
    Killy;
    Schweizer Lex. (P).

  • Autor/in

    Roman Bucheli
  • Empfohlene Zitierweise

    Bucheli, Roman, "Rychner, Max" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 309-310 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118750526.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA