Lebensdaten
nach 1500 bis 1548
Geburtsort
Straßburg (?)
Sterbeort
Würzburg
Beruf/Funktion
Herausgeber ; Redaktor ; Übersetzer ; Medizinschriftsteller ; Architekturtheoretiker ; Mathematiker ; Apotheker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118604376 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Reif, Walther Hermann
  • Ryf, Walther
  • Rivius, Gualther Hermenius
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Zitierweise

Ryff, Walther, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118604376.html [23.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    Eltern unbekannt;
    vor 1540 Anna N. N. ( 1553), aus Rostock; keine K bekannt.

  • Leben

    Vermutlich als Pharmazeut ausgebildet, studierte R. möglicherweise 1533 in Basel. 1537 ist er als (Hof-)Apotheker in Güstrow nachweisbar. Gegen 1540 übersiedelte er nach Straßburg, 1541/42 könnte er sich in Metz aufgehalten haben. Wahrscheinlich Anfang 1544 zog er nach Frankfurt/M. und im Sommer desselben Jahres nach Mainz, 1546 nach Nürnberg und 1548 über Kulmbach nach Würzburg.

    R. war auf unterschiedlichen Wissensgebieten tätig und wirkte gleichermaßen als Herausgeber, Redaktor und Übersetzer. Da er nicht nur antike bzw. mittelalterliche Vorlagen bearbeitete (Plinius, Dioskurides, Ps.-Albertus Magnus), sondern auch auf zeitgenössische Texte zurückgriff (Ps.-Rößlin, Hans von Gersdorff, Vesal), kritisierten Leonhart Fuchs (1501–66) und Konrad Geßner (1516–65) ihn als Plagiator und prägten damit das Urteil über ihn bis in die Gegenwart. Dabei sah sich R. selbst, wie diverse Wendungen (ernewert, an den Tag gegeben, in den Druck verordnet) zweifelsfrei zeigen, nicht als Verfasser, sondern als Editor und Bearbeiter, wurde jedoch dank seiner großen Sachkenntnis auch zum Autor. In der „Großen Wundarznei“ (1545) gelang ihm eine beispielhafte Gesamtdarstellung chirurgischen Wissens, die von der Instrumentation über die Traumatologie bis zur Operationslehre ausgreift und an der Schwelle zur Neuzeit auch die allgemeine Chirurgie mit einbezieht. Mit dem Würzburger „Nützlichen bericht/wie man … den Mundt/die Zän vnd Biller … gesundt erhalten soll“ (1548) gelangte R. zumindest punktuell über bereits verfügbares Wissen hinaus. Sieht man von der Mittweidaer „Zähne-Arznei“, einem stomatologischen Rezeptar von 1530, ab, verfaßte er den ersten Spezialtraktat zur Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde. Hohes Niveau erzielten auch seine Schriften zur Mathematik (u. a. nach Niccolò Tartaglia) und Architektur. So brachte er eine lat. Ausgabe des Vitruv (1543) heraus, vermittelte mit seiner „Unterrichtung zu rechtem Verstandt der lehr Vitruvii“ (1547) auch die Theorien von Serlio und Alberti und publizierte die erste dt. Vitruv-Übersetzung („Vitruvius teutsch“, 1548, basierend auf der ital. Übers. v. Cesare Cesarino).

    R. gilt als erfolgreichster Wissensvermittler des 16. Jh. Während eines Jahrzehnts brachte er mehr als 200 (194 nachgewiesen) z. T. umfangreiche Werke heraus, von denen einige von außerordentlicher räumlicher wie zeitlicher Wirkmächtigkeit waren. Sein „Newer Albertus Magnus“, eine phyto-, thero- und lithotherapeutisch angereicherte gynäkologisch-obstetrische Schrift, hielt sich mit mehr als 30 Auflagen bis in die Goethezeit, sein „Kurtz Handtbüchlin vnd experiment vieler Artzneyen/durch den gantzen Cörper des Menschens“ erzielte gleiche Auflagenhöhe und Reichweite, sein „Traumbüchlein“ (1540) erreichte acht Auflagen. „Handtbüchlin“ und „Newer Albertus“ gelten als Prototyp des medizinischen Hausbuchs und bilden die Grundlage, auf der Martin Pansa (1580–1626) die literarische Gattung des Gesundheitskatechismus entwickelte. Mit dem „Newen Kochbuch, wie man krancke Persohnen wartten vnd pflegen soll“ (1545, Faks. mit Nachwort v. W. Dobras, 1979), schuf R.|ein Standardwerk für Krankenwärter und Krankenpflege.

    R. arbeitete mit verschiedenen Verlegern bzw. Druckern zusammen, in Straßburg zunächst mit Jakob Cammerlander, dann mit Balthasar Beck und seit 1542 mit Hans Knobloch. In Frankfurt ließ er bei Christian Egenolff (1502–55), aber auch bei Hermann Gülfferich (erwähnt 1534, 1554) verlegen: seine Würzburger Aufträge führte Hans Myller aus, die Vitruv-Ausgaben besorgte der Nürnberger Drucker Johann Petreius (um 1497–1550).

  • Werke

    Gualtherus Hermenius Rivius, Der furnembsten notwendigsten der gantzen Architectur angehörigen mathematischen und mechanischen Künst eygentlicher bericht und vast klare verstendliche Unterrichtung zu rechtem Verstandt der lehr Vitruvii, Nürnberg 1547 (Nachdr. 1981);
    Gualther Hermenius Rivius, Vitruvius teutsch, nemlichen des aller namhafftigisten vñ hocherfahrnesten römischen Architecti/vnd kunstreichen Werck oder Bawmeisters Marci Vitruvij Pollionis/zehn Bücher von der Architectur und künstlichem Bawen …/erstmals verteutscht, Nürnberg 1548 (Nachdr. v. E. Forssman, 1973).

  • Literatur

    E. Gurlt, Gesch. d. Chirurgie u. ihrer Ausübung, III, 1898, S. 41-78;
    H. Röttinger, Die Holzschnitte zur Architektur u. zum Vitruvius teutsch d. Walther Rivius, 1914;
    W. L. Schreiber, Die Kräuterbücher d. 15. u. 16. Jh., 1924, Nachdr. 1982;
    C. Lüdtke. W. R. u. seine „Teutsche Apoteck“. in: Zur Gesch. d. Pharmazie 14, 1962, S. 25a-28b;
    J. Benzing. W. H. R. u. sein lit. Werk, in: Philobiblion 2, 1958, S. 126-54, 203-26;
    C. Nissen, Die botan. Buchill., 21966;
    L. Grenzmann, Traumbuch Artemidori. Zur Tradition d. ersten Übers. ins Deutsche durch W. H. R., 1980;
    H. W. Kraft, Gesch. d. Architekturtheorie, 1985, S. 186 f.;
    G. Skalecki, Dt. Architektur z. Zt. d. 30j. Krieges, 1989, S. 39, 70, 88;
    N. F. Palmer u. K Speckenbach, Träume u. Kräuter, 1990, S. 127, 136, 147, 158;
    R. Vollmuth, Eine „Persona non grata“ d. Wiss.gesch., in: Gesch. d. Pharmazie 50, 1998, S. 55a-57b;
    ders., Der „Nützliche Bericht“ d. W. H. R., ersch. in Würzburg 1548, in: Quintessenz 49, 1998, S. 815a-821b;
    ders., Traumatol. u. Feldchirurgie an d. Wende v. SpätMA zur Neuzeit, exemplar. dargest. anhand d. „Großen Chirurgie“ d. W. H. R., 2001;
    ders., Verbrannt oder vergiftet?, Zur Theorie v. Schußverletzungen durch Feuerwaffen im 15. u. 16. Jh., in: Würzburger med.hist. Mitt. 20, 2001, S. 36-42;
    M. Gnehm, R.s Schoben zu Virgil. in: Scholion 2002, Nr. 1, S. 69-87;
    Kosch, Lit.-Lex.3 (W, L);
    Killy;
    Dict. of Art;
    Stadtlex. Nürnberg;
    LGB.

  • Autor/in

    Gundolf Keil
  • Empfohlene Zitierweise

    Keil, Gundolf, "Ryff, Walther" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 310-311 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118604376.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Apollinaris: Quintus A., Arzt und Alchemist im Anfange des 16. Jahrhunderts. Soll sich eine Zeit lang zu Hof bei Baireuth aufgehalten und bald reich und stolz zu Roß, bald arm und bescheiden zu Fuß einhergezogen sein. (Mencken, „Rer. germ.“ t. III. p. 740). Weitere Nachrichten fehlen. Unter demselben Namen, den schon Conrad Geßner für angenommen hielt ("Tragi De stirpium etc.“ Argent. 1552, Blatt CIIII Q.) erschienen zwei populäre medicinisch-naturhistorische Werke, welche von Mitte des 16. bis ins 18. Jahrhundert vielfach aufgelegt sind: nämlich eine deutsche Uebersetzung des fälschlich dem Albertus Magnus zugeschriebenen Buches von Henricus de Saxonia: „Ein neuer Albertus Magnus von Weibern und etlicher fürnehmer Kräuter Tugenden“ (Ausgaben von 1549 bis 1588); und „Kurzes Handbüchlein und Experiment vieler Arzneien“ (s. Haller, Bidl. bot. I. p. 222. 253. 295. II. p. 669 und Pritzel, Thes. lit. bot.), mit den trefflichen kleinern Holzschnitten des Brunfels, welche auch des Hieronymus Brunschwyg Destillirbuch zieren. Angehängt ist meist Tarq. Schnellenberg's „Experiment Büchlein“ (Ausgaben von 1549 bis 1700); ins Lateinische übersetzte es Rud. Goclenius „Enchiridion remediorum facile parabilium“ 1610. Nach Haller soll C. Geßner den Ryff unter diesem Namen vermuthet haben. (Bibl. bot. I. p. 295), er gibt aber nicht an, wo diese Aeußerung sich findet, so daß vielleicht ein Irrthum vorliegt.

  • Autor/in

    Jessen.
  • Empfohlene Zitierweise

    Jessen, Carl, "Ryff, Walther" in: Allgemeine Deutsche Biographie 1 (1875), S. 507 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118604376.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA