Lebensdaten
1897 – 1952
Geburtsort
Essen
Sterbeort
Düsseldorf
Beruf/Funktion
Journalist ; Reichspressechef der NSDAP ; Staatssekretär ; Politiker
Konfession
römisch-katholisch
Normdaten
GND: 118678388 | OGND | VIAF: 54942425
Namensvarianten
  • Dietrich, Jacob Otto
  • Dietrich, Otto
  • Dietrich, Jacob Otto
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Zitierweise

Dietrich, Otto, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118678388.html [05.10.2022].

CC0

  • Kritische Würdigung

    Otto Dietrich hatte eine führende Rolle in der Presselenkung des NS-Staats und gehörte als Reichsleiter für mehr als 13 Jahre zum engsten Stab Adolf Hitlers (1889–1945). Er verantwortete von 1931 bis 1945 als Reichspressechef der NSDAP die Führung der nationalsozialistischen Zeitungslandschaft und war seit 1938 Pressechef der Reichsregierung und Staatssekretär im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda.

    Lebensdaten

    Geboren am 31. August 1897 in Essen
    Gestorben am 22. November 1952 in Düsseldorf
    Grabstätte Friedhof Stoffeln in Düsseldorf
    Konfession römisch-katholisch
    Otto Dietrich, BSB / Bildarchiv / Fotoarchiv Hoffmann (InC)
    Otto Dietrich, BSB / Bildarchiv / Fotoarchiv Hoffmann (InC)
  • Lebenslauf

    31.·August 1897 - Essen

    1904 - 1907 - Essen

    Schulbesuch

    Volksschule

    1907 - 1915 - Essen

    Schulbesuch

    Realgymnasium

    1915 - 1918 - Frankreich; Belgien

    Kriegsdienst

    I. Westfälisches Feldartillerie-Regiment Nr. 7

    1917 - Gent (Belgien)

    Notabitur

    1919 - 1921 - Freiburg im Breisgau; Frankfurt am Main; München

    Studium der Staatswissenschaften und Philosophie

    Universität

    1921 - Freiburg im Breisgau

    Promotion (Dr. rer. pol.)

    Universität

    1921 - Dezember 1921 - Essen

    wissenschaftlicher Hilfsarbeiter

    Handelskammer

    1922 - 1922 - Duisburg-Ruhrort

    Leiter der wirtschaftlichen Abteilung

    staatliche Schifffahrtsbehörde

    1922 - 1924 - Düsseldorf

    Mehrere Positionen in Einkauf und Vertrieb – Handelsvollmacht

    Max Heimann Aktiengesellschaft

    1924 - 1925 - Solingen

    selbstständige Tätigkeit als beratender Volkswirt

    u. a. Solinger Stahlwarensyndikat

    1925 - 1927 - Essen

    Redakteur

    Essener Allgemeine Zeitung

    1928 - 1931 - München

    Leitender Handelsredakteur; zugleich Korrespondent anderer konservativ und deutschnational orientierter Zeitungen

    München-Augsburger Abendzeitung

    1929 - 1945

    Mitglied

    NSDAP

    1931 - 1931 - Essen

    stellvertretender Chefredakteur

    National-Zeitung

    1931 - 1945 - München; Berlin

    Reichspressechef

    NSDAP

    1932 - 1945

    Mitglied (1941 Obergruppenführer)

    SS

    1932 - 1945

    Reichsleiter

    NSDAP

    1933 - 1934 - Berlin

    Vorsitzender

    Reichsverband der Deutschen Presse

    1936 - 1945 - Berlin

    Abgeordneter der NSDAP

    Reichstag

    1938 - 1945 - Berlin

    Staatssekretär

    Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda

    1938 - 1945 - Berlin

    Pressechef

    Reichsregierung

    1945 - 1949 - Plön (Holstein); Neuengamme; Fallingbostel (Niedersachsen); Nürnberg; Landsberg am Lech

    Verhaftung und Inhaftierung

    1949 - Nürnberg

    Verurteilung im Wilhelmstraßen-Prozess zu sieben Jahren Haft

    Internationaler Militärgerichtshof

    1949 - 1950 - Landsberg am Lech

    Inhaftierung; Niederschrift der Memoiren

    War Criminal Prison No. 1

    1952 - 1952 - Düsseldorf

    Mitarbeiter

    Deutsche Kraftverkehrsgesellschaft mbH

    22.·November 1952 - Düsseldorf
  • Genealogie

    Vater Philipp Dietrich geb. 1865 aus Thüringen; Korbmachermeister; seit Anfang der 1890er Jahre in Essen, wo er den Korbwarenhandel eines Schwagers übernahm
    Großvater väterlicherseits Heinrich Dietrich geb. 1814 Weber; Kaufmann
    Großmutter väterlicherseits Regina Dietrich, geb. Wolf geb. 1831
    Mutter Elisabeth Emma Dietrich, geb. Pudenz geb. 1872
    Großvater mütterlicherseits Christoph Pudenz geb. 1838 Bauer
    Großmutter mütterlicherseits Martha Elisabeth Pudenz, geb. Pudenz geb. 1845
    Bruder Philipp Dietrich
    Schwester Maria Dietrich
    Bruder Alfred Dietrich geb. 1900
    Bruder Wilhelm Dietrich geb. 1902
    1. Heirat 11.12.1927 in Essen-Rüttenscheid
    Ehefrau Almut Gisela Dietrich, geb. Reismann geb. 1900
    Schwiegervater Theodor Reismann-Grone 1863–1949 aus Meppen (Ems); völkischer Journalist und Verleger, seit 1894 Mitbesitzer der „Rheinisch-Westfälischen Zeitschrift“, seit 1898 Verleger der „Germania“, 1921–1927 Herausgeber der Kunstzeitschrift „Der Hellweg“; 1932 NSDAP; 1933–1937 Oberbürgermeister von Essen.
    Schwiegermutter Elfriede Reismann, geb. Bullerschen
    Tochter Christa Dietrich, verh. Seppelfricke geb. 1934
    Scheidung 1940
    2. Heirat 13.8.1940
    Ehefrau Erika Dietrich, geb. Scherhag geb. 1910
    Tochter Juga Dietrich geb. 1943
    Scheidung 1952
  • Biografie

    alternativer text
    Otto Dietrich (links), BSB / Bildarchiv / Fotoarchiv Hoffmann (InC)

    Dietrich wuchs in kleinbürgerlichen Verhältnissen in Essen auf, besuchte seit 1904 Volksschule und Realgymnasium und meldete sich im März 1915 freiwillig zum Kriegsdienst. Bis Kriegsende an der Westfront eingesetzt, absolvierte er 1917 das Notabitur und begann nach Kriegsende ein Studium der Staatswissenschaften und Philosophie in Freiburg im Breisgau. Hier wurde er 1921 bei Karl Diehl (1864–1943) mit der Arbeit „Georg Simmel und seine Bedeutung für die Nationalökonomie“ zum Dr. rer. pol. promoviert und fand nach ersten Stationen in der Wirtschaft 1925 als Redakteur der „Essener Allgemeinen Zeitung“ zum Journalismus.

    Durch Verbindungen seines einflussreichen Schwiegervaters Theodor Reismann-Grone (1863–1949) wurde Dietrich 1928 leitender Handelsredakteur bei der deutschnational orientierten „München-Augsburger Abendzeitung“. Seit 1929 Mitglied der NSDAP, wechselte er 1931 als stellvertretender Chefredakteur zu der von Hermann Göring (1893–1946) herausgegebenen „National-Zeitung“ in Essen und wurde im selben Jahr von Adolf Hitler (1889–1945) zum persönlichen Pressechef und Reichspressechef der NSDAP ernannt.

    Im Wahlkampfjahr 1932 organisierte Dietrich die Zeitungspropaganda der aufsehenerregenden „Deutschlandflüge“ des NS-Parteiführers mit der Parole „Hitler über Deutschland“. Seine Erlebnisse trug er 1933 in der verklärenden Propagandaschrift „Mit Hitler in die Macht. Persönliche Erlebnisse mit meinem Führer“ zusammen, die bis Ende des Zweiten Weltkriegs in 35 Auflagen millionenfache Verbreitung fand. Seit 1932 Reichsleiter der NSDAP, gehörte Dietrich bis 1945 zu den ständigen Begleitern Hitlers auf dessen Reisen sowie seit 1939 im Führerhauptquartier.

    Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wurde Dietrich im April 1933 mit großer Mehrheit der überwiegend bürgerlichen Journalisten zum Vorsitzenden des Reichsverbands der Deutschen Presse gewählt. In dieser Funktion sorgte er für den Ausschluss jüdischer und politisch unerwünschter Kollegen. Das von ihm mitentwickelte „Schriftleitergesetz“ vom 4. Oktober 1933 untersagte „Nichtariern“ jede journalistische Tätigkeit.

    War Dietrich in den ersten Jahren des „Dritten Reichs“ nur für die Lenkung der parteieigenen Presse verantwortlich, so erweiterte sich sein Einflussbereich erheblich, als er 1938 Staatssekretär im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda sowie Pressechef der Reichsregierung wurde. Fortan war es seine Aufgabe, die gesamte deutsche Presselandschaft auszurichten und zu kontrollieren. Zudem oblag ihm die Aufsicht über die in Berlin akkreditierten Auslandskorrespondenten.

    In den folgenden Jahren baute Dietrich seinen Einfluss weiter aus und stand dabei in Konkurrenz zu anderen NS-Funktionären, v. a. Joseph Goebbels (1897–1945). Dieser war als Minister seinem Staatssekretär zwar übergeordnet, in der Parteihierarchie standen beide als Reichsleiter jedoch auf einer Stufe. Im November 1940 setzte Dietrich gegen den Widerstand von Goebbels die Einführung der „Tagesparole des Reichspressechefs“ durch, wodurch er auch vom Führerhauptquartier aus telefonisch auf die Ausrichtung der Printmedien einwirken konnte, indem er ausformulierte Presseanweisungen vorgab. Dietrich konnte so die nationalsozialistische Kriegspropaganda mitgestalten und forderte im September 1941 etwa Journalisten dazu auf, stärker auf die „Schädlichkeit der Juden hinzuweisen“ und somit zur Rechtfertigung der deutschen „Judenpolitik“ beizutragen. Im Oktober 1941 verkündete er in einem der größten Informationsdesaster des NS-Regimes auf einer Pressekonferenz, die Sowjetunion sei „militärisch erledigt“.

    1942 ernannte Dietrich seinen langjährigen Weggefährten Helmut Sündermann (1911–1972) gegen Goebbels’ Willen zum stellvertretenden Pressechef der Reichsregierung. Sein Ziel, ein Presseministerium unter seiner Führung zu etablieren, erreichte er allerdings nicht. Nach wiederholten Auseinandersetzungen über die Ausrichtung der Propaganda setzte Goebbels im März 1945 bei Hitler die Entlassung seines Rivalen durch.

    Dietrich ließ sich im August 1945 in Plön (Holstein) von britischen Truppen verhaften und durchlief mehrere Internierungslager. Am 11. April 1949 wurde er im Wilhelmstraßen-Prozess zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt, jedoch bereits im August 1950 begnadigt und aus dem Kriegsverbrechergefängnis in Landsberg am Lech entlassen. In seinen während der Haft verfassten Memoiren, die 1955 postum unter dem Titel „12 Jahre mit Hitler“ erschienen, nivellierte er seine zentrale Rolle bei der nationalsozialistischen Presselenkung. Dietrichs auf die Person Hitlers fixierte Interpretation der NS-Geschichte förderte die Vorstellung einer „Ein-Mann-Diktatur“, wie sie lange Zeit die historische Forschung prägte.

  • Ehrungen, Auszeichnungen und Mitgliedschaften

    1918 Eisernes Kreuz II. und I. Klasse
    Goldenes Parteiabzeichen der NSDAP
    • Quellen

      Nachlass:

      Privatbesitz.

      Weitere Archivmaterialien:

      Bundesarchiv, Berlin-Lichterfelde, NS 42 (Reichspressechef der NSDAP); R 55 (Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda); R 103 (Reichsverband der Deutschen Presse).

      Gedruckte Quellen:

      NS-Presseanweisungen der Vorkriegszeit. Edition und Dokumentation, hg. v. Hans Bohrmann, bearb. v. Gabriele Toepser-Ziegert, 19 Bde., 1984–2001.

      Die Tagebücher von Joseph Goebbels, hg. v. Elke Fröhlich, 3 Teile in 32 Bde., 1993–2008.

    • Werke

      Georg Simmel und seine Bedeutung für die Nationalökonomie, 1921. (Diss. rer. pol.)

      Mit Hitler in die Macht. Persönliche Erlebnisse mit meinem Führer, 1934, 351944, span. 1937.

      Die philosophischen Grundlagen des Nationalsozialismus. Ein Ruf zu den Waffen deutschen Geistes, 1935, bulgar. 1941.

      Das Wirtschaftsdenken im Dritten Reich, 1936.

      Weltpresse ohne Maske, 1937, 51938.

      Nationalsozialistische Pressepolitik, 1938, ital. 1938, span. 1938, franz. 1938.

      Revolution des Denkens, 1939, 21943, engl. 1939, tschech. 1940, bulgar. 1941.

      Auf den Straßen des Sieges. Erlebnisse mit dem Führer in Polen, 1939, 81941, tschech. 1940.

      Die geistigen Grundlagen des neuen Europa, 1941, ital. 1941, span. 1941, franz. 1941, engl. 1941, bulgar. 1941.

      12 Jahre mit Hitler, 1955, engl. 1957.

    • Literatur

      Peter Longerich, Propagandisten im Krieg. Die Presseabteilung des Auswärtigen Amtes unter Ribbentrop, 1987.

      Eva Rimmele, Art. „Dietrich, Otto“, in: Hermann Weiß (Hg.), Biographisches Lexikon zum Dritten Reich, überarb. Neuausg., 22011, S. 88.

      Stefan Krings, Das Propagandaministerium. Joseph Goebbels und seine Spezialisten, in: Lutz Hachmeister/Michael Kloft (Hg.), Das Goebbels-Experiment. Propaganda und Politik, 2005, S. 29–48.

      Stefan Krings, Hitlers Pressechef. Otto Dietrich (1897–1952). Eine Biografie, 2010. (P)

      Peter Longerich, Goebbels. Biographie, 2010.

      Martin Herzer, Auslandskorrespondenten und Auswärtige Pressepolitik im Dritten Reich, 2012.

      Heike B. Görtemaker, Hitlers Hofstaat. Der innere Kreis im Dritten Reich und danach, 2019.

    • Onlineressourcen

    • Porträts

      Fotografien, Digitales Bildarchiv des Bundesarchivs.

      Fotografien, Bildarchiv der Bayerischen Staatsbibliothek München, Sammlung Heinrich Hoffmann.

      Fotografie, ca. 1937, Abbildung in: Der Großdeutsche Reichstag 1938, IV. Wahlperiode (nach dem 30. Januar 1933). Mit Zustimmung des Herrn Reichstagspräsidenten hg. v. E. Kienast, 1938, S. 479. (Onlineressource)

  • Autor/in

    Krings, Stefan (Münster)

  • Zitierweise

    Krings, Stefan, „Dietrich, Otto“ in: NDB-online, veröffentlicht am 01.10.2022, URL: https://www.deutsche-biographie.de/118678388.html#dbocontent.

    CC-BY-NC-SA