Lebensdaten
1863 bis 1949
Geburtsort
Meppen/Ems
Sterbeort
Essen
Beruf/Funktion
Journalist
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 116430117 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Seeberg, Dierk
  • Reismann-Grone, Theodor
  • Seeberg, Dierk

Porträt(nachweise)

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Zitierweise

Reismann-Grone, Theodor, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116430117.html [16.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Theodor R. (1826-63) aus Freren, zeitweilig in Amerika, Fabr., Bes. e. Hochofens in M.;
    M Luise Sunder (1835–1909) aus Münster ( 2] 1873 Josef Deiters, 1826–1900, auf Gut Grone in Ibbenbüren, Fabr.);
    1) Toni Daelen, 2) Elfriede Bullerschen;
    5 K aus 1), 1 K aus 2), u. a. Almut ( Otto Dietrich, 1897–1952, Dr. rer. pol., 1933-45 Reichspressechef d. NSDAP, s. Biogr. Lex. z. Dritten Reich, hg. v. H. Weiß, 21998), Gustav Albrecht. Verleger.

  • Leben

    Nach dem Besuch des Gymnasiums in Meppen und Osnabrück studierte R. seit 1883 Geschichte und Staatswissenschaften in Berlin, München, London, Paris und wiederum Berlin. Seine Dissertation betreute Gustav Droysen (1838–1908), der von Berlin nach Halle/Saale berufen wurde, wo R. 1889 zum Dr. phil. promoviert wurde. Danach zunächst Stenograph bei einem Berliner Korrespondenzbüro, wurde er 1889 Redakteur der „Dt. Industrie-Zeitung“ (Berlin). Daneben publizierte er in der 1866 von dem Eisenbahnaktionär Bethel Henry Strousberg (1823–84) gegründeten freikonservativen „Die Post“ (Berlin). Im Gefolge der Streikbewegung 1889 übertrugen ihm Ruhrmagnaten den Aufbau eines Büros für industrielle Statistik in Düsseldorf, bald auch die Geschäftsführung des Bergbau-Vereins in Essen und die Redaktion der Zeitschrift „Glückauf“, für die R. eine Beteiligung vom Verlag Baedeker erwarb. Sein organisatorisches Talent führte 1893 zur Bildung des Rhein.-Westfäl. Kohlensyndikats. In seinen v. a. gegen Sozialdemokratie und Zentrum gerichteten Beiträgen plädierte R. für die Bewahrung von Bismarcks politischem Erbe. Mit Gleichgesinnten, darunter Alfred Hugenberg, gründete R. im April 1891 den „Allgemeinen Dt. Verband“, den er 1915 verließ, weil er den Kriegseintritt zugunsten Österreich-Ungarns ablehnte. Seine ideologische Position verrät auch seine Mitgliedschaft in der „Dt. Kolonialgesellschaft“, die sich für die dt. Flottenrüstung einsetzte. Ende 1894 wurde R. neben Dietrich Baedeker ( 1923) Mitbesitzer der „Rheinisch-Westfälischen Zeitung“ (RWZ, Essen). Seit 1898 verlegte er die Zeitschrift „Germania“ (Brüssel), die dem fläm. Volksteil gewidmet war. In wenigen Jahren gelang es R., die RWZ redaktionell und technisch zu modernisieren. Die Tendenz des Blattes entwickelte sich extrem nationalistisch und völkisch-antisemitisch. 1902 erwarb R. die Zeitschrift „Glückauf und die „Rheinische Zeitung“ (Duisburg), im folgenden Jahr Verlag und Druckerei der RWZ und 1910 „Die Post“. Mit dem „Sport-|Anzeiger“ (Essen) kam er einem wachsenden Interesse breiter Leserkreise nach. 1921-27 gab R. die Wochenschrift für dt. Kunst „Der Hellweg“ (Essen) heraus, mit der er zur Rettung der dt. Kultur beitragen wollte. Die redaktionelle Linie prägte der nationalistische Kriegsdramatiker Paul Joseph Cremers (1897–1941) von der RWZ, der Autoren wie Hans F. K. Günther (1891–1968), Paul Krannhals (1883–1934) und Walter Vollmer (1903–65), aber auch sog. Arbeiterdichter heranzog, während z. B. Thomas Mann von Hanns Johst (1890–1978) massiv kritisiert wurde. In seinen kunstkritischen Beiträgen vertrat „Der Hellweg“ durchaus widersprüchliche Positionen. Für den seit der Ruhrbesetzung defizitären Verlag Reismann-Grone GmbH, an dem sein Sohn Gustav Albrecht beteiligt war, fand R. im April 1929 mit dem Bergbau-Verein, der sich über Mittelsmänner engagierte, einen finanzkräftigen Anteilseigner. Seit 1931 war R. nur noch minimal beteiligt; sein Sohn wurde als Chefredakteur durch Eugen Mündler (1889–1981), der später „Das Reich“ (Berlin) leitete, ersetzt. R. korrespondierte seit etwa 1926 mit Hitler und trat vermutlich Anfang 1932 in die NSDAP ein. Vom NS-Gauleiter Joseph Terboven (1898–1945) vorgeschlagen, amtierte R. von Juli 1933 bis April 1937 als Essener Oberbürgermeister. Das gegen ihn eingeleitete Entnazifizierungsverfahren wurde 1948 wegen seines hohen Alters eingestellt.

  • Werke

    u. a. Gesch. d. Gfsch. Tecklenburg bis z. Untergang d. Egbertiner 1263, Diss. Halle 1889 (in: Zs. d. Ver. f. Gesch u. Altertumskunde Westfalens, 1894);
    Schicht u. Lohn d. Ruhrbergleute, 1890;
    Die Bergarbeiterbewegung d. niederrhein.-westfäl. Zechen im J. 1890/91, 1890/9l;
    Die Kohlenkartelle u. d. Eisenind., 1891/92;
    Die Arbeitseinstellung auf d. Kohlengruben Durhams im J. 1892, 1892;
    Die dt. Reichshäfen u. d. Zollbündnis mit d. Niederlanden, 1899;
    Die slaw. Gefahr in d. Ostmark, 1899;
    Überseepol. oder Festlandspol.?, 1905;
    Der Sang v. d. Ruhr, 1908;
    Dänenfahrt, 1909;
    Es war einmal e. blinder Kg., 1909;
    Blut, 1910;
    Das alte Geschl., 1913;
    Bruderkrieg, 1913;
    Der Erdenkrieg u. d. Alldeutschen, 1919/20;
    Die unbek. gefallenen Krieger, 1921;
    Die Neuberin, 1922;
    Die Metallstadt, 1924-30 (Die Mauer u. d. Stadt, 1924;
    Zwischenstadt, 1927;
    Oberstadt, 1927;
    Unterstadt, 1930);
    Der Essener Gen.bauplan, 1924;
    Erdkraft, 1925;
    Gen.bauplan v. Groß-Essen, 1929;
    Siegfried, 1938;
    Die Geogr. d. Ptolemäus f. Niederrhein-Westfalen, 1938;
    Gedanken z. Wiederaufbau v. Essen, 1943.

  • Literatur

    FS f. Th. R., 1925;
    R. Ippen, Zwei Jhh. im Spiegel d. RWZ, 1938;
    K. Mews, in: Btrr. z. Gesch. v. Stadt u. Stift Essen 79, 1963, S. 5-32 (P);
    K. Wernecke, Der Wille z. Weltgeltung, 1970;
    K. Koszyk, Dt. Presse 1914-1945, 1972;
    D. Guratzsch, Macht d. Organisation, 1974;
    Klaus Werner Schmidt, Die „RWZ“ u. ihr Verleger R., in: Btrr. z. Gesch. Dortmunds u. d. Gfsch. Mark 69, 1974, S. 241-382;
    E. Schütz, Projekt e. organ. Moderne?, Die Zs. Der Hellweg (1921–1927) u. ihr Verleger Dr. Th. R., in: Die Moderne im Rheinland, 1994;
    K. Pardey, Meppen 1827 bis 1877, 1996;
    Rhdb. (P);
    Wenzel;
    Rohnke-Rostalski.

  • Autor/in

    Kurt Koszyk
  • Empfohlene Zitierweise

    Koszyk, Kurt, "Reismann-Grone, Theodor" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 393-394 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116430117.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA