Lebensdaten
1706 bis 1757
Geburtsort
Ballenstädt
Sterbeort
Halle
Beruf/Funktion
lutherischer Theologe
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 118653938 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Baumgarten, Siegmund Jakob
  • Baumgarten, Sigmund Jacob
  • Baumgarten, Siegmund Jakob
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Objekt/Werk(nachweise)

Orte

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Zitierweise

Baumgarten, Sigmund Jacob, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118653938.html [26.05.2019].

CC0

  • Genealogie

    B Alexander Gottlieb Baumgarten (s. 1).

  • Leben

    B. besuchte das Franckesche Waisenhaus zu Halle, an dem sein Vater 1697 Inspektor gewesen war, und blieb auch nach der Gymnasial- und Universitätszeit mit ihm in enger Verbindung, bis er 1743 nach 13jähriger Adjunktentätigkeit an der theologischen Fakultät ordentlicher Professor wurde. - Seine Bedeutung in der Geschichte der Theologie liegt darin, daß er die philosophische Begriffsbildung des Leibnizschülers Christian Wolff in die Theologie übertrug und so das orthodoxe Dogma sowohl durch rationale Beweisführung als durch historisch-kritische Exegese einerseits stützte, andererseits einschränkte. Eine eigene Stellungnahme hat er meist vermieden, wurde aber durch seine Methode ein Wegbereiter des Rationalismus und insbesondere der Lehrer des großen Neologen Johann Salomo Semler (1725–91). Voltaire sah in ihm die Krone der deutschen Gelehrten.

  • Literatur

    P. Knothe, S. J. B. u. seine Stellung in d. Aufklärungstheol., in: Ztschr. f. Kirchengesch. 46, 1928, S. 491-536;
    PRE;
    RGG.

  • Autor/in

    Martin Schmidt
  • Empfohlene Zitierweise

    Schmidt, Martin, "Baumgarten, Sigmund Jacob" in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 660 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118653938.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Baumgarten: Siegmund Jakob B., von Voltaire die Krone deutscher Gelehrten, von Andern das Orakel der Theologen genannt, Professor der Theologie in Halle, war 1706 zu Wolmirstädt geboren und starb am 4. Juli 1757. Sanft, klug, gelehrt, namentlich in der englischen Litteratur belesen, hat er mit außerordentlichem Fleiße sich über alle Theile seiner Wissenschaft verbreitet. Nur des Abends bei Tische im Kreise einiger Studenten pflegte der Mann menschliches Vergnügen zu genießen, der sonst mehr als ein Tagelöhner an die gleich starken Arbeiten gewöhnt war. Die Art seines Vortrags — er sprach aber im Collegium so langsam und ohne allen Affect, als wäre die Absicht, daß man Alles nachschreiben solle — wurde bemeisternd genannt und eifrige Schüler ahmten seinen hüstelnden Ton auf den Kanzeln nach. Er war vom Pietismus ausgegangen, das hallesche Waisenhaus hatte ihm zur theologischen Professur verholfen, und er pflegte nach der Kirche ascetische Stunden in seinem Hause zu halten, aber, um Heuchelei und geistliches Schwatzen fern zu halten, mit aller Vorsicht. Weil er aber von der Gnade abwich und nach Wolff eine philosophisch-tabellarische Theologie lehrte, nahmen die Heilandsbrüder an ihm ein wahres Aergerniß, warfen ihm kalte Subtilität vor, wie er auch selbst gesteht, daß es ihm jederzeit an einer paränetischen Begabung gefehlt habe. In der exegetischen Theologie versäumt, mußte bei ihm Alles die Demonstration thun, womit er auch so überzeugend wirkte, daß jeder Lehrsatz seiner Dogmatik seinen Schülern als mathematisch gewiß galt, jede Abweichung als Frevel und Hochverrath. Seine Orthodoxie erkennt man an seiner fortlaufenden Bestreitung von Bengel's kritischen Arbeiten. Er kämpfte für das unfehlbare Ansehn des vulgären neutestamentlichen Textes. Ihm hieß jede Aenderung der Lesart in einem Spruche, den das System zu brauchen pflegt, ein freventlicher Kirchenraub, die Doxologie des Vaterunsers ächt, die Stelle der drei Zeugen (1. Joh. 5, 7) ein theures dictum classicum. Doch wenn er auch in öffentlichen Vorlesungen und Schriften vorsichtig und dunkel blieb, für diejenigen, welche Fähigkeit hatten, weiter und freier zu forschen, fehlte es nicht an den nöthigen Winken zwischen vier Wänden. Eine Reihe bedeutender Schüler ist von ihm ausgegangen: Nösselt, Büsching, Heilmann, Töllner, Steinbart und vor Allen Semler, der an B. die exemplarische Ordnung und Gründlichkeit bewunderte.

    • Literatur

      Biographien von Semler (Halle 1758), Niemeyer (in der Allgemeinen Encyclopädie VIII. S. 205 und in der Schrift: Die Universität Halle nach ihrem Einfluß auf gelehrte und praktische Theologie. Halle 1817, S. 70 ff.), Herzog (in seiner Realencyclopädie für prot. Theologie I. S. 740). Schriftenverzeichniß in Meusel's Lexikon.

  • Autor/in

    G. Frank.
  • Empfohlene Zitierweise

    Frank, G., "Baumgarten, Sigmund Jacob" in: Allgemeine Deutsche Biographie 2 (1875), S. 161 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118653938.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA