Lebensdaten
1714 bis 1762
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Frankfurt/Oder
Beruf/Funktion
Philosoph ; Ästhetiker
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 118507605 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Baumgarten, Alexander Gottlieb
  • Aletheophilus
  • Baumgarten, A. G.
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Zitierweise

Baumgarten, Alexander Gottlieb, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118507605.html [19.07.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Jakob Baumgarten (1668–1722), Garnisonsprediger in Berlin;
    M Rosine Elisabeth (* 1690), T des Goldschmieds Joachim Sigismund Wiedemann und der Anna Barbara Cubitz;
    Gvv Paul Nikolaus Baumgarten, Schlächter und Brauer in Wolmirstedt;
    Gmv Barbara Böttcher;
    B Nathanael Baumgarten ( 1763), Oberkonsistorialrat in Berlin, geistlicher Berater der Königin und der Prinzessin von Preußen, Sigmund Jakob Baumgarten (s. 2);
    1) 1741 ( 1745) T des Berliner Hofrats Alemann, 2) 1748 Justina Elisabeth, T des Amtmanns Johann Jakob Albinus in Bischofssee;
    1 S, 1 T.

  • Leben

    B. hat gleichzeitig mit den in ähnliche Richtung gehenden Versuchen J. C. Gottscheds, J. J. Bodmers und J. J. Breitingers der philosophischen Ästhetik in Deutschland durch seine Theorie der Dichtkunst einen entscheidenden Anstoß gegeben, der bis auf Kant und Schiller nachwirkte. Er ist durch seine „Aesthetica“ der Begründer der wissenschaftlichen „Ästhetik“, die er als Lehre vom Schönen zur selbständigen philosophischen Disziplin formte. Das Franckesche Pädagogium in Halle, das den früh Verwaisten aufnahm, die dortige Universität, an der er von 1730 an Theologie und Schöne Wissenschaften studierte und 1737 zum außerordentlichen Professor der Weltweisheit ernannt wurde, die Universität Frankfurt/Oder, wo er von 1740 bis zu seinem Tode als Professor der Philosophie wirkte, sind die äußeren Stationen seines Lebens. Seine philosophische Entwicklung ist vom rationalistischen System Ch. Wolffs bestimmt, in dessen Rahmen auch seine unvollendet gebliebene Ästhetik als Theorie des sinnlich angeschauten Vollkommenen steht.

  • Werke

    u. a. Meditationes philosophicae de nonnullis ad poema pertinentibus, Halle 1735 (Übers. in: A. Riemann, Die Ästhetik A. B.s, Diss. Erlangen 1926); Metaphysica, ebenda 1739; Ethica philosophica, ebenda 1740; Aesthetica, Frankfurt a. O., Bd. 1, 1750, Bd. 2, 1758; Sciagraphia encyclopaediae philosophicae, ed. J. C. Foerster, Halle 1769; Philosophia generalis, ed. J. C. Foerster, ebenda 1770.

  • Literatur

    ADB II;
    G. F. Meier, A. G. B.s Leben, Halle 1763 (W-Verz.);
    J. Chr. Foerster, Charakter drei berühmter Weltweisen, Leibnizens, Wolffs u. B.s, ebenda 21765;
    R. Sommer, Grundzüge einer Gesch. d. dt. Psychol. u. Ästhetik v. Wolff-B. bis Kant-Schiller, 1892;
    B. Poppe, A. G. B., seine Bedeutung u. Stellung in d. Leibniz-Wolffschen Philos. u. seine Beziehungen z. Kant, Diss. Münster 1907;
    E. Bergmann, Die Begründung d. dt. Ästhetik durch A. G. B. u. G. F. Meier, 1911;
    Goedeke IV/1, 1916, S. 5;
    A. Baeumler, Kants Kritik der Urteilskraft, Bd. 1, 1923;
    H. G. Peters, Die Ästhetik B.s u. ihre Beziehungen z. Ethischen, 1934;
    P. Menzer, Zur Entstehung v. A. G. B.s Ästhetik, in: Ztschr. f. dt. Kulturphilos., 1938, S. 289-96;
    Überweg, 121924, Bd. 3, S. 458 f.;
    Ziegenfuß I, 1949.

  • Portraits

    |

  • Autor/in

    Josef Hanslmeier
  • Empfohlene Zitierweise

    Hanslmeier, Josef, "Baumgarten, Alexander Gottlieb" in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 660 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118507605.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Baumgarten: Alexander Gottlieb B., geb. 17. Juli 1714 in Berlin, als Professor der Philosophie zu Frankfurt a. d. O. 27. Mai 1762, Anhänger Chr. Wolff's, dessen Lehre er, abgesehen von minder wesentlichen Punkten, namentlich dadurch ergänzt, daß er die Aesthetik als ein besonderes Glied in das System der philosophischen Wissenschaften einreiht (Aesthetica, Francof. ad Viadr. 1750—58). Schönheit ist Vollkommenheit d. h. Ubereinstimmung der Theile zum Ganzen, sofern sie den Sinnen erscheint, also verworren erkannte Vollkommenheit, während die deutliche Erkenntniß derselben dem Verstande eignet. Daher ist die Aesthetik Theorie der niederen, sinnlichen, wie die Logik Theorie der höheren, verständigen Erkenntniß; sofern aber das Object der letzteren in beiden Fällen das gleiche ist, und nur die Weise des Erkennens eine verschiedene, ist sie Theorie oder auch Kunst eines Analogons der Vernunft. Ihr oberstes Princip nach der praktischen Seite ist die Nachahmung der Natur, da in ihr, entsprechend der Lehre von der besten Welt, die größte Vollkommenheit zur sinnlichen Erscheinung kommt. Daneben besteht ziemlich unvermittelt die Welt der Dichter oder die heterokosmische Welt, durch welche Raum für die Freiheit der künstlerischen Erfindung gewonnen wird. Die Fiction ist berechtigt, sofern sie der Wahrheit dient, sie ist nothwendig, weil die Beispiele, durch welche wir die moralischen Lehren einschärfen möchten, nicht immer schon von der Geschichte an die Hand|gegeben werden. Während der richtig geleitete Geschmack einerseits Vorbildung für die Entwicklung des Verstandes ist, dient er ihr zugleich zur Ergänzung, indem er uns befähigt die nakten Formen des logischen Gedankens mit materieller Fülle zu bekleiden. — Trotz ihrer Mängel war Baumgarten's Aesthetik von bedeutender Nachwirkung. Aus der Art, in der er sie dem Ganzen der Philosophie einordnete, erklärt sich; wie einerseits der zuerst von ihm gebrauchte Name in der Folgezeit ausschließlich zur Bezeichnung der Philosophie des Schönen und der Kunst, von Kant dagegen in unmittelbarem Anschlusse an B. zur Bezeichnung des ersten Theiles der transcendentalen Elementarlehre verwandt werden konnte.

  • Autor/in

    v. Hertling.
  • Empfohlene Zitierweise

    Hertling, von, "Baumgarten, Alexander Gottlieb" in: Allgemeine Deutsche Biographie 2 (1875), S. 158-159 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118507605.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA