Lebensdaten
1473 bis 1535
Geburtsort
Kufstein
Sterbeort
Kufstein
Beruf/Funktion
Bergwerksbesitzer ; Palästinafahrer
Konfession
katholisch,evangelisch?
Normdaten
GND: 133276163 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Baumgartner auf Breitenbach, Martin Ritter von
  • Baumgarten, Martin Ritter von
  • Baumgarten auf Breitenbach, Martin Ritter von
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Zitierweise

Baumgartner, Martin Ritter von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd133276163.html [17.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    Mit der Wasserburger Familie Baumgartner verwandt;
    V Hanns Baumgartner, Kaufmann und Bergwerksbesitzer;
    M Elisabeth Soiter aus Winda;
    1) 7.9.1499 Benigna ( 1505), T des Ritters Christoph Scheller von Gartenau in Salzburg, 2) Apollonia ( 1568), T des Thomas Grafen von Liechtenstein auf Karneidt;
    1 S, 2 T aus 1), 7 S, 1 T aus 2).

  • Leben

    B., der den Bergwerksbesitz seines Vaters 1494 durch den Bau in Rattenberg und 1510 durch den in Lienz vermehrte, konnte trotz seiner Tüchtigkeit und trotz Unterstützung von Seiten der Innsbrucker Regierung und Aufwendung großer Geldsummen das Unternehmen nicht vor dem Untergang retten. 1509 mußte er die Schwazer Gruben aufgeben und 1522 übernahmen die Fugger, welche ihm schon laufend Geld vorgestreckt hatten, seinen schwer verschuldeten Besitz. Die Regierung, die mit Bedauern B.s Bankrott sah, verschaffte ihm für seinen Lebensabend das oberste Bergmeisteramt. Er regte seinen Begleiter, einen gewissen Georg, der damals lateinischer Schulmeister in Kufstein war, sich dann später in die Kartause Gamming zurückzog und dort als Prior um 1541 starb, zur Abfassung einer ausführlichen Reisebeschreibung ihrer gemeinsamen Pilgerfahrt nach Palästina (1507/08) an. Bernhard Pez gab diese im „Thesaurus anecdotorum novissimus“ (Band 2, Augsburg 1721, S. 455-635, mit Einleitung S. LXXII ff.) gedruckt heraus. Eine andere Fassung davon benutzte der evangelische Pfarrer Christoph Donauer, als er im Auftrage des Sohns B.s die Reisebeschreibung unter dem Titel „Martini a Baumgarten in Breitenbach peregrinatio in Aegyptum, Arabiam, Palaestinam et Syriam“ in Nürnberg 1594 drucken ließ. B. wandte sich um das Jahr 1522 dem Protestantismus zu und stand mit Martin Luther im Briefwechsel.

  • Literatur

    ADB II;
    J. Strieder, Die Inventur d. Fa. Fugger aus d. J. 1527, in: ZStW 17, Erg.-H., 1905, S. 41 ff.;
    M. Jansen, Stud. z. Fugger-Gesch., H. 3, 1910, S. 129;
    W. Krag, Die Paumgartner v. Nürnberg u. Augsburg, in: Schwäb. Gesch.qu. u. F., H. 1, 1919, S. 58, S. 127 bis 129;
    M. Mayer, Regg. z. Gesch. Kufsteins, in: Das Archiv, Wiss. Beihh. z. d. Tiroler Heimatbll., hrsg. v. R. Sinwel u. H. Hochenegg, Doppelheft 1/2, Innsbruck 1927, S. 27;
    ders., Die Reise Ritter M. B.s ins Hl. Land 1507 u. sein Lb., in: Tiroler Heimatschrr., Bd. 4, 1931;
    ders., Das Leben d. Ritters M. B. v. B. u. seine Reise ins Hl. Land 1507, in: 60 J. Tiroler Grenzbote 1871-1931, 1931, S. 36-41;
    G. v. Pölnitz, Jakob Fugger, Bd. 1, 1949, S. 37 ff.

  • Autor/in

    Fritz Steinegger
  • Empfohlene Zitierweise

    Steinegger, Fritz, "Baumgartner, Martin Ritter von" in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 665 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd133276163.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Baumgarten: Martin von B. (auch M. Baumgartner) auf Braitenbach, in Kufstein im Jahr 1473 geboren und dort ansässig, ursprünglich ein Glied des bairischen Adels, aber seit der Besetzung jener Stadt durch Kaiser Maximilian I. in den Reihen der tirolischen Ritterschaft erscheinend (s. Brandis, Gesch. der Landeshauptleute von Tirol, S. 409), unternahm im Frühjahr 1507 eine Pilgerreise nach Palästina, auf welcher er im Hinweg Aegypten und die Sinai-Halbinsel, im Herweg Syrien mitbesuchte, und gab dadurch den Anstoß zu einer der interessanteren und ausführlicheren Reisebeschreibungen jener Zeit. Verfaßt wurde dieselbe von einem gewissen Georgius (ursprünglich Gregorius genannt?), welcher anfangs eine Lehrerstelle in Kufstein inne gehabt hatte, dann in Diensten Baumgarten's jene Reise mitmachte und sich später in die Karthause Gaming (Gemnicum, in Oesterreich unter der Enns unweit Scheibs) zurückzog, als deren Prior er um 1541 starb. Aus einer Handschrift dieses Klosters gab Pez (Thes. anecd. noviss. II. pars 3. p. 453—640) die Reisebeschreibung heraus mit dem Titel: „Georgii Prioris Gemnicensis Ephemeris“. Eine andere Handschrift desselben Werks wurde dem evangelischen Pfarrer Christoph Donauer in Wiesent (Oberpfalz) mitgetheilt, als er von dem Sohne Baumgarten's den Auftrag erhielt, jene Reise für den Druck zu bearbeiten. So entstand das Buch: „Martini a Baumgarten in Braitenbach peregrinatio in Aegyptum, Arabiam, Palaestinam et Syriam“. Norimb. 1594, in welchem Martin in der ersten Person redend eingeführt, auch ein von ihm während der Reise niedergeschriebenes Tagebuch als weitere Quelle erwähnt wird, ohne daß jedoch eine bestimmte Spur der Benutzung eines solchen zu Tag tritt. Donauer schreibt vielmehr, wie ich in Petzholdt's „Litter. Anz.“, Jan. 1873, näher nachgewiesen habe, meist wörtlich der Relation des Georgius nach, kürzt aber bedeutend ab und läßt in theologischem Eifer namentlich solche Partien ganz aus, welche auf den katholischen Cultus (Heiligendienst, Reliquienverehrung, Ablaß) Bezug haben. Der Ritter selbst dachte über diese Dinge freilich später auch anders, als zur Zeit seiner Pilgerreise. In seinen ältern Jahren nämlich (mindestens seit 1522) wandte sich Martin von B. der evangelischen Lehre zu, war für dieselbe eifrig thätig, wie er denn z. B. im Jahr 1526 wegen Begünstigung des protestantischen Predigers Wolfgang Ochsenhauter vom Regiment in Innsbruck zur Verantwortung gezogen wurde, und erfuhr um seines Glaubens willen viele Anfechtungen, weshalb ihm Luther (11. Sept. 1528) ein Trostschreiben zusandte. Sonst widmete er seine Hauptthätigkeit und große Summen Geldes den Bergwerken in Rattenberg, Lienz und Schwatz, welche er theils zum Nutzen des Hauses Oesterreich, theils zu seinem eigenen ausbeutete. Er starb im Jahr 1535 in Kufstein. — Was wir außer|der Orientreise von seinen Lebensumständen wissen, verdanken wir fast durchaus Donauer, welcher theils der genannten Peregrinatio biographische Notizen vorausgeschickt, theils im Anhang zu der Leichenpredigt, die er dem Sohn Martins, Christoph Philipp von B., hielt (gedruckt zu Nürnb. 1594), vier Briefe und Actenstücke aus Martins Feder und das erwähnte Trostschreiben Luther's an ihn mitgetheilt hat.

  • Autor/in

    W. Heyd.
  • Empfohlene Zitierweise

    Heyd, Wilhelm von, "Baumgartner, Martin Ritter von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 2 (1875), S. 160-161 unter Baumgarten [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd133276163.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA