Lebensdaten
1871 - 1962
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Agrarwissenschaftler ; Botaniker ; Pflanzenzüchter
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 117431656 | OGND | VIAF: 115500058
Namensvarianten
  • Tschermak Edler von Seysenegg, Erich
  • Tschermak, Erich (bis 1906)
  • Tschermak-Seysenegg, Erich von
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Zitierweise

Tschermak von Seysenegg, Erich (seit 1906), Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117431656.html [12.05.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Gustav (s. 1);
    M Hermine Fenzl;
    1) Wien 1912 Maria (Mizzi) (1873/75–1923/25), T d. Ludwig August Lohnstein (1843–1917, jüd., 1883 ev.), Gen.dir. d. k. k. Länderbank in W. (s. Neues Wiener Tagbl. v. 12. 3. 1917), u. d. Rosalia N. N. (* 1849), beide aus Worms (beide s. A. L. Staudacher, „… meldet den Austritt aus dem mosaischen Glauben“, 2009), 2) St. Wolfgang (Salzkammergut) 1926 Lottka (1874–1950), T d. Ernst Rr. v. Niebauer (österr. Adel 1840, Rr. 1856), Hof- u. Ger.advokat, k. k. Hofsekr. u. Expeditionsdir. b. d. Geh. Haus-, Hof- u. Staatskanzlei in W., k. k. Sektionsrat; Schwager Anton Rr. v. Niebauer (1832–1914), Jur., k. k. Sektionschef im Finanzmin. in W. (s. ÖBL); Schwägerin Marie v. Niebauer ( Viktor Rr. v. Hacker, 1852–1933, 1895 o. Prof. d. Med. in Innsbruck, 1899/1900 Rektor, 1903–24 o. Prof. in Graz, Vorstand d. chirurg. Klinik ebd., s. ÖBL).

  • Leben

    Mit kurzer Unterbrechung besuchte T. 1881–91 das Gymnasium des Benediktinerstifts Kremsmünster. Nach der Matura studierte er zwei Semester an der Hochschule für Bodenkultur und der Univ. Wien Naturwissenschaften und unterbrach dann sein Studium, um auf dem Rittergut Rotvorwerk bei Freiberg (Sachsen) als Volontär praktische Erfahrungen zu sammeln. 1893 setzte T. seine Studien in Botanik, Landwirtschaft und Philosophie an der Univ. Halle/Saale fort, wo er 1896 mit der Arbeit „Über die Bahnen von Farbstoffen und Salzlösungen in dicotylen Kraut- und Holzgewächsen“ bei dem Botaniker Gregor Kraus (1841–1915) zum Dr. phil. promoviert wurde. Es folgte 1896–99 eine praktische Ausbildung in den Pflanzenversuchsanstalten in Stendal, Quedlinburg, Gent und im ksl. Familienfond-Gut in Essling. 1898 begann T. in Gent mit Kreuzungsversuchen an Goldlack und Erbsen. Die Ergebnisse der Versuche mit Erbsen, veröffentlicht unter „Über künstliche Kreuzung bei Pisum sativum“ (in: Berr. d. Dt. Botan. Ges. 18, 1900, S. 232–39), führten zur Wiederentdeckung der Mendelschen Gesetze und verschafften T. Weltruhm. Nahezu gleichzeitig und voneinander unabhängig publizierten auch Hugo de Vries (1848–1935) und Carl Correns (1864–1933) ihre Ergebnisse aus Kreuzungsversuchen, die die Mendelschen Vererbungsgesetze bestätigten. Nach seiner Habilitation 1900 an der Hochschule für Bodenkultur in Wien und zweijähriger Assistenztätigkeit wurde T. 1906 ao. Professor für Pflanzenzüchtung. 1909 erhielt er hier ein Ordinariat und begründete den ersten Lehrstuhl für Pflanzenzüchtung in Europa (em. 1941). Anläßlich seines 90. Geburtstags stiftete T. einen Preis, der bis 1999 abwechselnd auf den Gebieten der Mineralogie und Petrographie, der medizinischen Physiologie und der angewandten Botanik vergeben wurde.

    Aufgrund weiterer Kreuzungsversuche fand T. 1901 miteinander gekoppelte Erscheinungsmerkmale sowie die Verstärkung eines elterlichen Merkmals bei Hybriden. 1904 entdeckte er die Kryptomerie, das phänotypische Verborgenbleiben von Erbfaktoren. Als einer der ersten wandte T. die Erkenntnisse der klassischen Genetik auf die Pflanzenzüchtung an. Neben gärtnerischen Pflanzenhybriden waren die Züchtungen neuer Getreide- und Leguminosensorten, v. a. frühreifer und ertragreicher Getreidesorten, sowie eines Speisekürbisses, „Tschermak-Ölkürbis“, mit weichschaligen, ölreichen Samen von besonderer Bedeutung. T. gründete 16 Pflanzenzuchtstationen in Mähren und Böhmen, 15 in Österreich und 5 in Deutschland. Zu seinen Schülern zählen u. a. Ladislaus Michael Kopetz (1902–66), Franz v. Frimmel (1888–1957), Ernst Martin Theodor Roemer (1883–1951) und der österr. Bundeskanzler Leopold Figl (1902–65).

  • Auszeichnungen

    A HR (1921); Mitgl. d. Leopoldina (1925); korr. Mitgl. d. Österr. Ak. d. Wiss. (1926, wirkl. 1930); ausw. Mitgl. d. Ungar. Ak. d. Wiss. (1932) u. d. Ac. des Sciences Paris (1937); Mitgl. d. Fläm. Ak. d. Wiss. u. Künste Brüssel (1957); Dr. h. c. (Berlin 1924, Gießen 1931, Landwirtsch. Hochschule Brünn 1936, Wien 1948 u. 1950, Gent 1957); CotheniusMedaille (1938); Mitgl. d. KWG (1939); Ehrenmitgl. d. Zool.-Botan. Ges. in Wien (1942, Präs. 1946–59), d. Dt. Botan. Ges. in Berlin (1950), d. Span. Ges. f. Naturgesch. in Madrid (1951) u. d. Japan. Ges. f. Vererbungsforsch. (1951); Ehrenring d. Stadt Wien (1951); Österr. Ehrenzeichen f. Wiss. u. Kunst (1958).

  • Werke

    W mehr als 100 Publl., u. a. Über Züchtung neuer Getreiderassen mittels künstl. Kreuzung, Krit.-hist. Betrachtungen, in: Zs. f. d. landwirtsch. Versuchswesen in Österr. 4, 1901, S. 1029–60;
    Die Theorie d. Kryptomerie u. d. Kryptohybridismus, 1903;
    Samenbildung ohne Befruchtung, 1949;
    Leben u. Wirken e. österr. Pflanzenzüchters, 1958 (Autobiogr.);
    Nachlaß: Archiv d. Österr. Ak. d. Wiss., Wien.

  • Literatur

    L I. Jahn, Zur Gesch. d. Wiederentdeckung d. Mendelschen Gesetze, in: Wiss. Zs. d. Friedrich-Schiller-Univ. Jena, math.-naturwiss. R. 7, 1958;
    F. Knoll, Alm. f. d. J. 1962, Österr. Ak. d. Wiss. 112, 1963, S. 412–19;
    P. Ruckenbauer, E. v. T.-S. and the Austrian Contribution to Plant Breeding, in: Vortrr. f. Pflanzenzüchtung 48, 2000, S. 31–46 (P);
    P. S. Stöllner, E. T.-Seysenegg, 100 J. Wiederentdeckung d.|Mendelschen Vererbungsgesetze, in: Öff. Stiftsgymn. Kremsmünster, 144, 2001, S. 84–98 (P);
    Gesch. d. Biol., hg. v. I. Jahn, R. Löther u. K. Senglaub, 1982;
    Pogg. VI-VIII;
    Forscher u. Erfinder;
    Biogr. Lex. Pflanzenzüchtung; Biogr. Hdb. Pflanzenbau.

  • Portraits

    P Photogr. (Archiv d. MPG), Abb. in: J. Ellwanger, Forscher im Bild, T. 1, Wiss. Mitgll. d. KWG z. Förderung d. Wiss., 1989, S. 164

  • Autor/in

    Christa Riedl-Dorn
  • Empfohlene Zitierweise

    Riedl-Dorn, Christa, "Tschermak von Seysenegg, Erich" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2016), S. 475-476 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117431656.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA