Lebensdaten
1836 - 1927
Geburtsort
Littau (Litovel) bei Olmütz
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Mineraloge ; Petrograph
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 117431613 | OGND | VIAF: 789911
Namensvarianten
  • Tschermak, Gustav (bis 1906)
  • Tschermak Edler von Seysenegg, Gustav
  • Tschermak-Seysenegg, Gustav von
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Zitierweise

Tschermak von Seysenegg, Gustav (seit 1906), Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117431613.html [19.05.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Ignaz Markus Czermak (1791–1864), Steuereinnehmer, Gde.beamter in L.;
    M Rosa Kostersitz (1802–57);
    1) 1861 Julie Franer ( 1863), 2) 1867 Hermine (1838–1929), T d. Eduard Fenzl (1808–79), Prof. d. Botanik in W., Dir. d. Botan. Gartens ebd., ausw. Mitgl. d. Ungar. Ak. d. Wiss., Mitgl. d. Leopoldina (s. ADB 48; ÖBL), u. d. Josefa Eleonora Knoll (1813–93);
    1 T Ida aus 1) (?) ( 1889, Karl Grobben, 1854–1945, o. Prof. d. Zool. in W., s. NDB VII), 2 S aus 2) Armin (1870–1952, Ilse Penck, 1886–1951, T d. Albrecht Penck, 1858–1945, o. Prof. f. Physikal. Geogr. in W., s. NDB 20), 1906–13 o. Prof. d. Physiol. an d. Tierärztl. Hochschule, 1908–11 Rektor, 1913–39 an d. Dt. Univ. in Prag (s. Pogg. VI-VII a; Hist. Lex. Wien; Fischer; Lex. Naturwiss.), Erich (s. 2), 1 T Sylvia (1869–1923, ⚭ Franz Hillebrand, 1863–1926, 1896 o. Prof. d. Philos. in Innsbruck, Mitgl. d. Ges. f. experimentelle Psychol.), Malerin, Chemikerin, Mineralogin, (s. F. Pertlik u. J. Ulrych, Personalbiogrr. d. Alumnae d. Faches „Mineralogie u. Petrographie“ (Univ. Wien) […], in: Jb. d. Geol. Bundesanstalt, 150, Dez. 2010, H. 3+4, S. 451).

  • Leben

    Bereits als Gymnasiast in Olmütz gründete T. einen dt. naturgeschichtlichen Verein. Nach dem Schulabschluß begann er 1856 zunächst mathematisch-chemisch ausgerichtete Studien an der Univ. Wien, die er mit der Lehramtsprüfung abschloß. Seine mineralogischen Studien beendete er 1860 an der Univ. Tübingen mit einer Promotion zum Dr. phil. bei Friedrich August Quenstedt (1809–89). 1861 habilitierte sich T. an der Univ. Wien für die Fächer Mineralogie und Chemie, was ihm 1862 zu einer Anstellung als 2. Kustosadjunkt am k. k. Mineralogischen Hof-Cabinet in Wien verhalf. 1867 avancierte er zum 1. Kustosadjunkten; 1868–77 übernahm T. die Leitung des Cabinets. Er wurde 1873 zum o. Professor der Mineralogie und Petrographie an der Univ. Wien ernannt (1883/84 Dekan, 1893/94 Rektor, em. 1906).

    T. gründete 1878 das mineralogisch-petrographische Institut in Wien und legte damit den Grundstein für die modernen Geowissenschaften in Österreich. Auf ihn geht die Lehre der Isomorphie der Silikate zurück. Sein wissenschaftliches Hauptgebiet war die Untersuchung gesteinsbildender Mineralien wie der Feldspatgruppe sowie die Erforschung von Silikatmineralen und Meteoriten. T.s Arbeit über die Porphyrgesteine 1867, die 1869 unter dem Titel „Porphyrgesteine Österreichs aus der Mittleren geologischen Epoche“ als Buch erschien, erhielt eine Auszeichnung der österr. Akademie der Wissenschaften. Dabei wurde eine Methode zur Berechnung der mikroskopischen Zusammensetzung aus den Daten der chemischen Analysen angedeutet und erstmals mikroskopische Gesteinsanalysen mittels polarisierten Lichts angewandt. 1871 gründete T. die Zeitschrift „[Tschermaks] Mineralogische und petrographische Mitteilungen“ (seit 1878 u. d. T.: Mineralog. u. Petrograph. Mittheilungen, heute: Zs. f. Kristallogr., Mineral. u. Petrogr.), die er bis 1890 herausgab. Das 1884 veröffentlichte „Lehrbuch der Mineralogie“ wurde rasch zum Standardwerk und erschien bis 1923 in neun Auflagen. Zu seinen Dissertanten zählten u. a. die späteren akademischen Lehrer Friedrich Becke (1855–97) in Cernivci, Prag und Wien, Josef Hockauf (1860–1928) in Wien, Karl Hinterlechner (1874–1932) in Lubljana, Michael Kispatic (1851–1926) in Zagreb, Edmund Neminar (1851–1931) in Innsbruck sowie Rudolf Köchlin (1862–1939) und Friedrich August Focke (1875–1904).

  • Auszeichnungen

    A korr. Mitgl. d. Österr. Ak. d. Wiss. (1866, wirkl. 1875), d. Bayer. Ak. d. Wiss. (1870) u. d. Preuß. Ak. d. Wiss. (1881); HR (1877); Offz.kreuz d. brasilian. Rosenordens (1873); Rr.kreuz d. ital. St. Mauritius u. Lazerusordens (1875); Österr. Ehrenzeichen f. Wiss. u. Kunst (1898); Gründungsmitgl. d. Wiener (heute Österr.) Mineral. Ges. (Präs. 1901, Ehrenmitgl., Ehrenpräs. 1911); G.-T.-Gasse, Wien (1935); G. v. T.-S.-Preis d. Österr. Ak. d. Wiss. (seit 1965); Benennung d. Amphibol-Minerals Tschermakit.

  • Werke

    Weitere W u. a. Die Feldspatgruppe, 1864;
    Über d. Raibler Porphyr, in: SB d. Ak. d. Wiss. in Wien, I. Abt. 52, 1865, S. 436;
    Felsarten v. ungewöhnl. Zus.setzung in d. Umgebungen v. Teschen u. Neutitschein, ebd. 53, 1866, S. 260;
    Über Serpentinbildung, ebd. 56, 1867, S. 283;
    Die mikroskop. Beschaffenheit d. Meteoriten, 1885, engl. u. d. T. The Microscopic Properties of Meteorites, hg. v. J. A. u. E. M. Wood, 1964;
    Die Aufgaben d. Mineralchemie, 1871;
    Über d. Vulkanismus als kosm. Erscheinung, 1877.

  • Literatur

    L Z. Weyberg, Jubileusz profesora Gustawa Tschermaka, in: Wszechswiat 25, 1906, S. 417–19;
    F. Becke, in: Tschermarks mineralog. u. petrograph. Mitt. 39, 1927, S. I-X.;
    ders., in: Alm. d. Ak. d. Wiss. in Wien 77, 1927, S.187–95;
    H. Scholler, in: Gesch. d. Mikroskopie, Leben u. Werk gr. Forscher, Bd. III, 1966, S. 397–403 (P);
    B. Fritscher, Mineral. u. Kultur im Wien d. Donaumonarchie, Zu Leben u. Werk G. T.s, in: Jb. d. Geol. Bundesanstalt 144, 2004, S. 67–75 (P);
    V. Hammer u. F. Pertlik, Das wiss. Erbe v. G. T. (1836–1927), Eine Zus.stellung biogr. Daten seiner Doktoranden, in: Mitt. d. Österr. Mineralog. Ges. 155, 2009, S. 189–230 (P);
    Wurzbach;
    Pogg. III–VI; ÖBL.|

  • Portraits

    P Reliefplakette v. R. Marschall, 1936 (Univ. Wien, Arkadenhof), Abb. in: Th. Maisel, Gelehrte in Stein u. Bronze, Die Denkmäler im Arkadenhof d. Univ. Wien, hg. v. d. Univ. Wien, 2007, S. 44 u. in: Hammer/Pertlik (s. L), S. 192; Büste (Naturhist. Mus. Wien, Mineralog.-Petrograph. Abt.), Abb. ebd.

  • Autor/in

    Christa Riedl-Dorn
  • Empfohlene Zitierweise

    Riedl-Dorn, Christa, "Tschermak von Seysenegg, Gustav" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2016), S. 474-475 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117431613.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA