Lebensdaten
um 1480 bis 1542
Geburtsort
Augsburg
Sterbeort
Augsburg
Beruf/Funktion
Miniaturist ; Zeichner für den Holzschnitt
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119383330 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Beck, Leonhard
  • Böck, Lienhard

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Zitierweise

Beck, Leonhard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119383330.html [16.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Georg Beck (ca. 1449–1512), Maler und Illuminator in Augsburg;
    1505 Dorothea Lang;
    1 S, 1540 von Karl V. in den Adelstand erhoben.

  • Leben

    1501 wird B. urkundlich in Frankfurt/Main als anwesend, wahrscheinlich als Mitarbeiter H. Holbeins des Älteren am Altar der Dominikanerkirche, erwähnt. 1503 Meister in Augsburg, wird er seit 1512 als Hausbesitzer in den Steuerbüchern geführt. Für 1509 ist die nicht mehr erhaltene Ausmalung der Apsis des Würzburger Domchores gesichert. - Als Frühwerke dürfen die Miniaturen in den 1495 entstandenen Psalterien in München (Staatsbibliothek, Cod. lat. monacensis 4301) und Augsburg (Stadtbibliothek, Cod. f. 49a) gelten, wenn B. mit dem als Mitarbeiter bezeugten Sohn des Georg B. identisch ist. Der gesamte Buchschmuck war von F. Dörnhöffer dem Vater zugeschrieben worden, mit Ausnahme des im Londoner Victoria und Albert Museum befindlichen Widmungsblattes des Augsburger Codex (nicht des Münchner Codex, wie von E. Steingräber richtiggestellt wurde). Im Gegensatz dazu sieht Steingräber nur im Londoner Titelblatt das stilistisch ältere Werk des Vaters, im übrigen Buchschmuck den Anteil des von Werken H. Holbeins dem Älteren beeindruckten B.. Das Titelblatt des Codex 478 (Nationalbibliothek Wien) wird von O. Benesch und E. Buchner erst mit später entstandenen Werken in Zusammenhang gebracht. Für die Folgezeit muß mit B.s Mitarbeit in der Holbein-Werkstatt gerechnet werden. - Von Benesch wurden B. vier um 1510 entstandene Tafeln mit Szenen aus dem Leben der heiligen Margaretha im Stift St. Florian zugeschrieben, die auf einen Aufenthalt in Österreich schließen lassen und auf seinen im einzelnen allerdings noch ungeklärten Zusammenhang mit der Kunst des Donaustils hinweisen. Gesicherter Ausgangspunkt für die Beurteilung B.s ist das im Dienst Kaiser Maximilians entstandene Holzschnittwerk. Auf Grund von Monogrammen und alten Beschriftungen wurden von S. Laschitzer 126 Holzschnitte in dem zwischen 1513 und 1518 entstandenen „Weisskunig“ als Arbeiten B.s erkannt und diesem 77 Holzschnitte zum „Theuerdank“ (1512-16) sowie sämtliche 123 Holzschnitte zu den „Heiligen aus der Sipp-, Mag- und Schwagerschaft des Kaisers Maximilian I.“ auf Grund stilkritischer Vergleiche zugewiesen. (Einzelne Berichtigungen und Angaben weiterer vereinzelter Buchillustrationen bei Dörnhöffer und C. Dodgson.) Zur Holzschnittausgabe des „Triumphzuges“ steuerte B. nur 7 Blätter bei. Benesch wies auf den Zusammenhang der Tafeln aus St. Florian mit den Illustrationen des „Theuerdank“ hin. In diesem Werk bestreitet B. den Hauptanteil der Illustrationen, deren stilistische Entwicklung nicht der Abfolge innerhalb des Werkes entspricht. Erst in den späteren Illustrationen des „Theuerdank“ vollzieht sich die Annäherung an den Stil des am Werke beteiligten H. Burgkmair, den dieser erst im „Weisskunig“, an dem die Arbeit neben dem|„Theuerdank“ herlief, zur Entfaltung brachte. B.s Illustrationen zum „Weisskunig“ zeigen ihn dann ebenso unter dem Eindruck des an Zahl und Qualität der Holzschnitte überlegenen Burgkmair wie die zu den „Heiligen“. Letztere gehen, wie schon Laschitzer beobachtete, z. T. auf Skizzen des Innsbrucker Hofmalers J. Kölderer (Wien Cod. 2857) zurück. Diese im einzelnen noch nicht völlig geklärten Zusammenhänge werden durch den von V. Oberhammer erbrachten Nachweis der Übereinstimmungen bestätigt, die zwischen den B.schen Holzschnitten und den auf die gleiche Quelle zurückgehenden, 1514-20 entstandenen Bronzestatuetten der Heiligen des Hauses Habsburg des L. Magt für das Innsbrucker Maximiliansgrab bestehen.

    Im Gegensatz zu den Holzschnitten besteht das übrige Werk B.s aus Zuschreibungen, bei denen z. T. noch keine Übereinstimmung herrscht. Von den Gemälden wurden H. A. Schmids Zuschreibungen des Drachenkampfes des Heiligen Georg im Kunsthistorischen Museum Wien und der Anbetung der Heiligen drei Könige in der Augsburger Galerie (beide um 1515 entstanden) durch E. Buchner sowohl für die Zeit zwischen den frühen Miniaturen und den Tafeln in St. Florian wie für die spätere Zeit von B.s Tätigkeit durch weitere Zuschreibungen ergänzt, während einige Zuschreibungen von Dörnhöffer nach Benesch und Buchner nicht aufrechterhalten werden können. Eine Gruppe von Bildnissen, die zwischen 1505 und dem dritten Jahrzehnt entstanden sind, wurden B. von E. Buchner, L. Baldass und F. Winkler z. T. im Widerspruch mit E. Schilling, H. Swarzenski und H. A. Schmid zugeschrieben. Eine Reihe von Bildniszeichnungen in den Museen von Berlin, ehemals Danzig, Hamburg, Kopenhagen und Weimar mit Datierungen zwischen 1502 und 1515 wurden von H. Feurstein, K. Feuchtmayr, L. Baldass und E. Buchner auf B. und verschiedene andere zeitgenössische Augsburger Künstler aufgeteilt, wobei die Datierungen der älteren Zeichnungen allen Zuschreibungen außer denen an Breu und Burgkmair im Wege stehen. Diese Zeichnungen mit F. Winkler einheitlich als Werke B.s anzusehen, bereitet Schwierigkeiten. Die Vorzeichnung zum Wiener Georgsbild wurde durch E. Baumeister in Stockholm aufgefunden. Weitere Zeichnungen wurden B. von Buchner (London, Graphische Sammlung München), Rupê (Wolfegg) und Winkler (2 Porträtzeichnungen im Berliner Kupferstichkabinett, um 1520) zugewiesen. Von den von M. Geisberg übernommenen Holzschnitt-Zuschreibungen H. Röttingers werden die karikaturenhaften Blätter von Th. Musper abgelehnt. - Zusammenfassend erscheint B. zwar als anpassungsfähige, wandelbare, nicht führend schöpferische Künstlerpersönlichkeit, aber doch auch als ein nicht zu unterschätzender und auch noch nicht endgültig beurteilbarer Meister aus der Blütezeit der Augsburger Kunst.

  • Literatur

    S. Laschitzer, Die Heiligen usw., in: Jb. d. Kunstslg. d. Allerhöchsten Kaiserhauses 5, Wien 1887, S. 159;
    ders., Der Theuerdank, ebenda, 8, 1890, S. 89;
    A. Schultz, Der Weisskunig, ebenda, 6, 1888, S. 25 f.;
    A. H. Schmid, in: Ztschr. f. bildende Kunst 4, 1893, S. 76 f.;

    C. Dodgson, Catalogue of early German and Flemish woodcuts, London 1911, S. 122-38;
    ders., in: Burlington Magazine, 1944, S. 47 f.;

    J. Bier, L. B., Gemälde im Würzburger Dom, in: Schwab. Mus. 3, 1927, S. 14 f.;

    E. Buchner u. K. Feuchtmayr (hrsg.), Btrr. z. Gesch. d. dt. Kunst, Bd. 2, 1928 (darin: E. Buchner, L. B. als Maler u. Zeichner, S. 388 f.;

    K. Feuchtmayr, in: Apt-Stud., S. 107, 132;

    H. Rupê, S. 205);

    M. Geisberg, Der dt. Einblattholzschnitt, 1930, Nr. 133 f.;

    E. Schilling, Early paper drawings of the Augsburg school, Apropos, 1945, S. 11-14;

    J. Meder, Dürer-Kat., 1932, S. 223 f. (Triumphzug); Th. Musper, Verwirrung im Altdt. Holzschnitt, in: Belvedere 3, 1932-34, S. 174-79;

    E. Baumeister, in: Münchner Jb. d. bild. Kunst 10, 1933, S. XX;
    K. Th. Parker, Old Master Drawings, London 1934, Tafel 15;

    O. Benesch, Kirchenkunst, 1935, S. 13-16;
    ders., in: Jb. d. preuß. Kunstslg., 1936, S. 166 f.;
    ders., in: K. Ginhart, Bildende Kunst in Österr. II, 1938, S. 140 f.;

    V. Oberhammer. Die Bronzestandbilder d. Maximiliansgrabmales in d. Hofkirche zu Innsbruck, 1935, S. 218 f.;

    A. Haemmerle, in: Vjh. z. Kunst u. Gesch. Augsburgs 2, 1936/37, S. 205-35: Die Epiphanie d. L. B. in Augsburg; E. Buchner, Kat. d. Altdorfer-Ausstellung München, 1938, S. 147 f.;
    ders., in: Ztschr. f. Kunst 4, 1950, S. 320;
    H. A. Schmid, Holbeinstud., in: Ztschr. f. Kunstgesch., 1941/42, S. 1 f.;

    F. Winkler, Augsburger Malerbildnisse d. Dürerzeit, 1948 (L); E. Steingräber, Die Kirchl. Buchmalerei Augsburgs um 1500, Diss. München 1950, S. 27 f., 64 f.;
    ThB (s. a. Monogrammist BB, vgl. a. f. V Georg B.).

  • Portraits

    Zeichnung, London, Univ. College (nach E. Buchner Selbstbildnis in d. Augsburger „Anbetung der Könige“ verwendet).

  • Autor/in

    Wolfgang Wegner
  • Empfohlene Zitierweise

    Wegner, Wolfgang, "Beck, Leonhard" in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 705-706 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119383330.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA