Lebensdaten
erwähnt 1508, gestorben um 1548
Beruf/Funktion
Formschneider ; Drucker
Konfession
katholisch,evangelisch
Normdaten
GND: 122072766 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Negker, Jobst de
  • Necker, Jost de
  • Denecker, Jost
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Zitierweise

Negker, Jost de, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd122072766.html [15.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V N. N.;
    M N. N.;
    Augsburg N. N. ( n. Okt. 1548); 3 (?) S, u. a. David (1530-um 1585), führte d. väterl. Werkstatt in Augsburg weiter, verließ die|Stadt wegen e. Konflikts mit d. Behörden um ref. Schmähschrr., zuletzt tätig in Wien.

  • Leben

    In den Niederlanden aufgewachsen und mit ersten monogrammierten Werken hervorgetreten, siedelte N. um 1508, spätestens 1510 nach Augsburg über und trat in die Dienste Kaiser Maximilians als Formschneider für den Holzschnitt. Er führte Vorlagen von Leonhard Beck, Hans Burgkmair, Hans Schäuffelein und anderen Zeichnern aus, bewährte sich durch technische Brillanz und Erfindungsreichtum und gilt daher als einer der wichtigsten Kunsthandwerker seines Zweiges in der Dürerzeit. Besondere Bedeutung kommt ihm als einem der Erfinder des altdeutschen Farbholzschnitts zu: Zunächst experimentierte er mit Golddruck (Reiterbildnisse des Hl. Georg und Kaiser Maximilians, nach Burgkmair), dann bildete er den echten Clairobscur-Schnitt aus, bei dem sich mehrere Tonplatten zum Bildganzen ergänzen (Bildnis Jakob Fugger, um 1511, als Vorstufe; Bildnis Hans Paumgartner, 1512; beide ebenfalls nach Burgkmair).

    In einem Brief vom Oktober 1512 an den Kaiser, in dem er wie ein selbstbewußter Unternehmer auftritt, erscheint er erstmals als Haupt einer Gruppe von Formschneidern, die, später zeitweise bis zu zehn Mann stark, die umfangreichen Serien hervorragender Illustrationen zu Maximilians historisch-autobiographischen Werken anfertigte (Theuerdanck, Weisskunig, Triumphzug u. a.). Er sicherte dadurch dem Augsburger Holzschnitt Überlegenheit gegenüber dem Nürnberger, wo Dürer keine ebenbürtigen Kräfte zur Verfügung standen. Neben den Auftragsarbeiten nach unmittelbaren Vorlagen anderer Zeichner schuf N. selbständige Schnitte, häufig als Kopien (etwa nach Cranach und Dürer), seltener nach eigenen Erfindungen. Nach Maximilians Tod blieb er zwar in Augsburg, jedoch offenbar in bescheidenen Verhältnissen. Er arbeitete vermehrt als Drucker und auf eigene Rechnung, lebte jedoch überwiegend von den Erfindungen der früheren Zeit und deren Neuauflagen. Einen Typenvorrat und eine Presse für Textdruck besaß er wohl nicht, da er sich für längere Bildunterschriften Typensätze anderer Drucker entlieh. Dagegen trat er gelegentlich als Verleger in Erscheinung. Seit Mitte der 20er Jahre ließ die Qualität seiner Produkte deutlich nach, was z. B. an den erst 1544 erschienenen, vergrößerten und groben Kopien nach Holbeins „Totentanz“-Bildern evident ist.

  • Werke

    W-Verz. M. Geisberg, Der dt. Einblattholzschnitt in d. ersten Hälfte d. XVI. Jh., 1924–30, Nr. 47, 48, 51, 350/51, 453, 463-75, 497-500, 505-07, 955-63, 1099, 1438, 1545, 1546;
    ders., Die anatom. Tafeln d. J. de N., 1928;
    Hollstein's German Engravings, Etchings and Woodcuts 1400-1700 (v. T. Falk), XXIX, 1990, S. 245-59 (mit Verweisen auf entwerfende Künstler).

  • Literatur

    ADB 23;
    A. Buff, in: Jb. d. kunsthist. Slgg. d. Allerhöchsten Kaiserhauses Wien, XIII, 1892, II. T., S. XVII f. (Ed. d. Briefes);
    A. Reichel, Die Clairobscur-Schnitte d. 16., 17. u. 18. Jh., 1926;
    Hans Burgkmair, Das Graph. Werk, Ausst.kat. Augsburg/Stuttgart 1973;
    Hollstein (s. W), XXIX, 1990;
    D. Landau u. P. Parshall, The Renaissance Print 1470-1550, 1994, S. 198 ff., 211 ff.;
    ThB.

  • Autor/in

    Tilman Falk
  • Empfohlene Zitierweise

    Falk, Tilman, "Negker, Jost de" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 33 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd122072766.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA