Lebensdaten
1892 bis 1953
Geburtsort
Plettenberg (Kreis Altena, Sauerland)
Sterbeort
Haan (Rheinland)
Beruf/Funktion
Wirtschaftspolitiker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118892363 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Nölting, Wilhelm Erik
  • Nölting, Wilhelm (ursprünglicher Rufname Wilhlem)
  • Nölting, Erik
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Zitierweise

Nölting, Erik, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118892363.html [17.07.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Theodor (1860–1940), Gerichtsoberinsp., zuletzt in Bielefeld, S d. August (1809–88) aus Gellersen (Westfaten), Kunst- u. Handelsgärtner in Paderborn, u. d. Dorothea Ortmann (1821–94, kath.);
    M Wilhelmine Auguste, T d. Karl Pöllmann (1829–69), Ackerbürger in Medebach (Sauerland), u. d. Ferdinandine Köster (1833–99);
    B Ernst (1901–67), Dr. rer. pol., Dir. d. Staatl. Fachschule f. Wirtsch. u. Verw. in Berlin, 1946 Wirtsch.min. in Niedersachsen (s. W);
    1) Hartmannshof b. Hersbruck (Mittelfranken) 1924 Lilli (Rapunzel) (1898–1935), Dr. rer. pol., bis 1933 in d. pol. u. kulturellen Arbeiterbildung tätig, dann Fotografin, T d. Ludwig Sebald (1873–1921), Zementfabr. in Hartmannshof, u. d. Anna Höflich (1873–1949), 2) Berlin-Zehlendorf 1941 Maria (1912–81), T d. Bernhard Craan (1885–1924), Anstreicher in Medebach, u. d. Maria Guntermann (1887-1968);
    1 S aus 1) Peter (* 1926), Dr. rer. nat., Gießereileiter in Bernau/Chiemsee, 1 S aus 2) Matthias (* 1948), RA, Notar in Bottrop, 1 T aus 2);
    E Claudia (* 1954), Dr. phil., Biographin N.s (s. L).

  • Leben

    Bereits als Gymnasiast in Bielefeld und als Student beschäftigte sich N. mit sozialdemokratischem und liberalem Gedankengut. Das Studium von Nationalökonomie, Rechtswissenschaften und Soziologie unterbrach er 1914-17 für die freiwillige Kriegsteilnahme. Der folgende Einsatz im Wirtschaftsamt der Stadt Guben lieferte ihm Material für seine Dissertation, mit der er 1919. bei Franz Oppenheimer in Frankfurt/Main zum Dr. rer. pol. promoviert wurde und die eine Grundlage für seine spätere Beschäftigung mit den Problemen von Wirtschaftsplanung und -lenkung legte. Nach einer Tätigkeit als Dozent an der Landeshochschule für Staats- und Wirtschaftswissenschaften in Detmold wurde N. 1923 als o. Professor für Wirtschaftstheorie und Wirtschaftspolitik an die Akademie der Arbeit in Frankfurt/Main berufen. Neben seiner akademischen Tätigkeit engagierte er sich als Redner und Autor im Frankfurter sozialdemokratischen Kulturkartell. 1928 ging er als preuß. SPD-Landtagsabgeordneter in die aktive Politik. Überregional bekannt wurde er 1930, als er im Rundfunk erfolgreich ein Streitgespräch mit dem NS-Wirtschaftsexperten Gottfried Feder führte.

    1933 wurde N. aus allen Ämtern entlassen und kurzzeitig inhaftiert. Die Jahre der NS-Herrschaft verbrachte er hauptsächlich in Berlin. Er verdiente seinen Lebensunterhalt als Autor von fachlichen, journalistischen und belletristischen Arbeiten einschließlich Drehbüchern, die großenteils unter Pseudonym oder anonym erschienen. Er hatte Kontakt zu Julius Leber, Adolf Reichwein und Adolf Grimme, war aber selbst nicht aktiv am Widerstand beteiligt. 1943 zog sich N. mit seiner zweiten Frau ins Sauerland zurück. Als politisch unbelasteter Wirtschaftsfachmann übernahm er am 10.9.1945 den Posten des Generalreferenten für Wirtschaft bei der westfäl. Provinzialregierung und wurde anschließend bis Juli 1950 Wirtschaftsminister von Nordrhein-Westfalen. Seit 1946 vertrat er außerdem die SPD im Landtag und wurde 1949 in den ersten Bundestag gewählt. Seine administrative und politische Tätigkeit galt erst der Sicherung der Versorgung, dann dem Wiederaufbau von Wirtschaft und Industrie in Auseinandersetzung mit der brit. Besatzungsmacht auf der einen (u. a. Steinkohleförderung, Rettung der Henrichshütte in Hattingen) und der marktwirtschaftlichen Auffassung seines Studienkollegen Ludwig Erhard auf der anderen Seite. Zu N.s vielen Funktionen gehörten auch die Mitgliedschaften im wissenschaftlichen Beirat der Verwaltung für Wirtschaft der Bizone, im Verwaltungsrat der Kreditanstalt für Wiederaufbau und in der deutschen Delegation zum Europarat.

    N. vertrat entsprechend den zu seiner Zeit in der Sozialdemokratie herrschenden Vorstellungen eine planwirtschaftliche Auffassung, die auf den drei strategischen Komponenten Wirtschaftslenkung, Wirtschaftsdemokratie und Sozialisierung beruhte. Seinen größten theoretischen Einfluß hatte er in den Jahren nach 1945, als er die wirtschaftspolitische Programmatik der SPD entscheidend mitformulierte.

  • Werke

    u. a. Der liberale Sozialismus Franz Oppenheimers als proletar. Ideologie, in: Wirtsch. u. Ges., FS f. Franz Oppenheimer, 1924 (Neudr. 1969), S. 365-83;
    Das „zersetzende“ Judentum, Eine Auseinandersetzung mit d. kulturellen Antisemitismus, 1924;
    Das Problem e. nat. Kultur, Drei Vorträge, 1925;
    Wirtsch.not u. Wirtsch.gesundung, 1926;
    Die Lohnfrage im Licht d. neuen Wirtsch.entwicklung, Referat u. Diskussion auf d. 15. Verbandstag d. dt. Holzarbeiter-Verbandes, 1927;
    Die neue Wirtsch.struktur, Leitgedanken d. neuen Wirtsch.gestaltung, Vortrag, 1928;
    Einf. in d. Theorie d. Wirtsch., 1929 (mit Ernst Nölting);
    Wider d. Kultur-Reaktion, Stenogramm e. am 18. Jan. 1933 im Preuß. LT gehaltenen Rede, 1933;
    (Wilhelm N.), Polen, 1936;
    Freiheit u. Bindung in d. sozialist. Wirtsch., in: Sozialist. Wirtsch.ordnung, Btrr. z. Diskussion (hg. mit Alfred Weber), 1948, S. 13-40;
    Gegen d. Zwangswirtsch.! Die wirtsch.pol. Vorschläge d. SPD. Referat auf d. gemeinsamen Sitzung d. Parteivorstandes, d. Parteiausschusses, d. Kontrollkomm. u. d. Vorstandes d. BTfraktion d. SPD am 1. April 1951 in Bonn, 1951;
    N. kontra Erhard, Streitgespräch zw. Bundeswirtsch.min. Prof. Dr. L. Erhard u. Prof. Dr. E. N. am 8. Dez. 1951 in Düsseldorf, 1952.

  • Literatur

    H. P. Ehni, in: Zw. Ruhrkampf u. Wiederaufbau, hg. v. W. Först, 1972, S. 146-52;
    R. Stübling. E. N.zw. bürgerl. u. marxist. Theorie, in: F. König u. R. Stübling (Hg.), Gewerkschafter, Soz.demokraten, Friedensfreunde in Frankfurt am Main 1900-1933, 1985, S. 36-61;
    Claudia Nölting, in: Gesch. im Westen 4, 1989. H. 1, S. 65-88;
    dies., E. N., Wirtsch.min. u. Theoretiker d. SPD (1892–1953), 1989;
    B. Faulenbach u. a. (Hg.), Vom Außenposten zur Hochburg d. Soz.demokratie, Der SPD-Bez. Westl. Westfalen 1893-1993, 1993 (P);
    F. Osterroth, Biogr. Lex. d. Sozialismus 1, 1960;
    Schumacher, M. d. L.;
    Biogrr. bedeutender Biographien Dortmunder 1, 1994 (L, P);
    M. Asendorf u. R. v. Bockel (Hg.), Demokrat. Wege, 1997. |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Archiv d. soz. Demokratie d. Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn (P).

  • Autor/in

    Christoph Stamm
  • Empfohlene Zitierweise

    Stamm, Christoph, "Nölting, Erik" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 315 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118892363.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA