Lebensdaten
1874 bis 1922
Geburtsort
Mülheim/Ruhr
Sterbeort
Geltow bei Potsdam
Beruf/Funktion
Unternehmer
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 126746265 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Nöllenburg, Rudolf
  • Nöllenburg, R.

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Zitierweise

Nöllenburg, Rudolf, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd126746265.html [17.08.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Wilhelm (1833–79), Zimmermstr., Bauunternehmer in M., S d. Georg u. d. Catharina Rendenburg;
    M Sibilla Menß (Mänß) ( n. 1880);
    Ov Friedrich ( n. 1879), Bauunternehmer in Eppinghoven.

  • Leben

    N. ging nach dem Besuch der Volks- und Mittelschule 1888 in einer Mülheimer Großhandlung und in der Kohlenfirma „Feldmann & Klockenberg“ in Ruhrort, wo er acht Jahre arbeitete, in die Lehre. 1896 übernahm er in einer Schiffahrtsgesellschaft Kohlenverfrachtung auf dem Rhein. Durch zeitweise Arbeit in Holland wurde er mit internationalen Geschäften vertraut. 1898 wechselte er zur „Kali-Bohrgesellschaft Behnsen“ in Bonn, der späteren Gewerkschaft „Desdemona“. 1899 wurde N. zum Vorstand der im Januar desselben Jahres von H. Busch, W. Laupenmühlen, Robert Sauer und anderen in Nordhausen gegründeten „Deutschen Tiefbohr-Aktiengesellschaft“ (DTA) berufen. Deren erfolgreiche Entwicklung zur „Deutschen Erdöl-Aktiengesellschaft“ (DEA) ist N.s Lebenswerk.

    Die DTA bohrte zunächst hauptsächlich auf Kali und Steinkohle im Südharz, im Rheinland und in Oberschlesien, bis sie sich 1905 mit großem Erfolg dem Erdöl zuwandte. Sie arbeitete für fremde und für eigene Rechnung und erwarb zudem andere Unternehmen wie die „Pechelbronner Erdölgruben“ im Elsaß und viele Rohölbetriebe im Gebiet von Celle und Wietze. 1911 verfügte die DTA über 90% der deutschen Rohölgewinnung. Außerdem erwarb das 1911 in „Deutsche Erdöl-AG“ umbenannte Unternehmen Beteiligungen an galiz. Rohöl-, Raffinerie- und Pipelineunternehmen und übernahm die maßgebliche Beteiligung der „Disconto-Gesellschaft“ an rumän. Erdölunternehmen. Mit dem Erwerb der österr. „Olex-Gesellschaft“ erhielt die DEA die notwendig gewordene große Verkaufsorganisation in Deutschland und in den Nachbarländern. N. erkannte bereits vor dem 1. Weltkrieg die künftige Bedeutung der Kraftstoffe im Zusammenhang mit der rapiden Entwicklung des Automobil- und Flugwesens. Er widersetzte sich daher der Einführung eines Reichsmonopols für Leuchtöl. Im 1. Weltkrieg wurde die DEA in Deutschland zum maßgeblichen Versorger der Wirtschaft und der Streitkräfte mit Mineralölprodukten. Die Unterbrechung des Rohölnachschubs aus Galizien und Rumänien sowie das völlige Ausbleiben der überseeischen Einfuhren machten eine Steigerung der inländischen Erdölförderung notwendig. N. initiierte die Übernahme der Braunkohlenfelder in Sachsen-Altenburg durch die DEA und ließ während des Krieges bei Rositz|Schwelanlagen zur Braunkohlenteergewinnung bauen. Daraus wurden insbesondere Heizöl für die Kriegsmarine und Schmieröl für die Eisenbahn hergestellt. Nach dem 1. Weltkrieg verlor die DEA ihre elsäss., galiz. und rumän. Besitzungen. N. verstand es, die Verluste durch Verkauf von ausländischen Beteiligungen an eine Schweizer Gesellschaft in erträglichen Grenzen zu halten.

    1921 schied N. aus gesundheitlichen Gründen aus dem Vorstand aus und trat in den Aufsichtsrat über. Die DEA baute in den 20er Jahren vor allem ihre Position in der Braun- und Steinkohleförderung in Deutschland aus, entwickelte sich in den 30er Jahren und im 2. Weltkrieg wieder zu einem bedeutenden Rohölproduzenten in Deutschland und konnte schließlich nach 1945 mit den im Westen verbliebenen Betrieben das Unternehmen weiterführen. Heute firmiert es als „RWE-DEA Aktiengesellschaft für Mineraloel und Chemie“, zählt zu den führenden Mineralölgesellschaften in Deutschland und verfügt hier über den größten Raffineriebesitz in einer Hand. Außerdem wurde der Geschäftsbereich Chemie ausgebaut; bei Waschmittelgrundstoffen und hochreinen Tonerden spielt das Unternehmen auf dem Weltmarkt eine maßgebliche Rolle.

  • Literatur

    H. Rothbarth, DEA, Gesch. 1899 bis 1933 (ungedr.);
    R. N., ein Lb., Ansprachen gehalten am Sarge R. N.s bei seiner Bestattung zu Geltow am 26. Juli 1922;
    Zs. Petroleum, XVIII, Bd. 22, 1922.

  • Portraits

    Fotos im Hist. Archiv d. RWE-DEA. Hamburg.

  • Autor/in

    Klaus Brüning
  • Empfohlene Zitierweise

    Brüning, Klaus, "Nöllenburg, Rudolf" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 314 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd126746265.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA