Lebensdaten
1896 bis 1966
Geburtsort
Siegen (Westfalen)
Sterbeort
Bad Mergentheim
Beruf/Funktion
Politiker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 129440337 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Middelhauve, Friedrich

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Zitierweise

Middelhauve, Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd129440337.html [21.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Louis (1870–1950), Reichsbahn-Obering., S d. Heinrich, Schlosser im Reichsbahn-Ausbesserungswerk in Witten, u. d. Wilhelmine Zollingkofer; M Maria Friederike gen. Julie (* 1874), T d. Kappenmachers Carl Schweisfurth u. d. Emilie Hasenbach;
    Winsdorf Kr. Solingen 1928 Bertha (1893–1988, kath.), Gymnasiallehrerin in Opladen, 1948-59 FDP-Stadtverordnete in Leverkusen, Initiatorin d. Städt. Mus. f. zeitgenöss. Kunst in Schloß Morsbroich, 1949 Mitgründerin u. 1958-64 Bundesvors. d. Dt. Frauenrings (s. L), T d. Postmeisters Valentin Reichert in Montabaur u. d. Magdalene Schott;
    1 S, 2 T, u. a. Friedrich (* 1931), Dr. iur., Verleger u. Druckereibes. in Opladen, führte d. väterl. Betriebe fort, Gertraud (* 1929), Verlegerin in Köln.

  • Leben

    M. wurde nach Absolvierung des Realgymnasiums in Solingen-Ohligs 1916 eingezogen; bis Kriegsende war er Dolmetscher im Kriegsgefangenenlager Wesel. Anschließend studierte er Deutsche Literatur, Geschichte und Kunstgeschichte in Marburg, Münster, Bonn und Köln. 1921 wurde er mit einer Arbeit über Adalbert Stifters „Nachsommer“ in Köln zum Dr. phil. promoviert. Im selben Jahr gründete er eine Buchhandlung in Leverkusen (damals Wiesdorf) und 1924 eine Druckerei in Opladen. 1938 übernahm er zudem eine Papierfabrik in Köln-Ehrenfeld. 1946 gründete er die wissenschaftliche „Westdeutsche Verlag GmbH“ (Köln und Opladen) und 1947 den schöngeistigen Verlag „Friedrich Middelhauve GmbH“ (Opladen).

    Obwohl in der Welt des deutschen Idealismus und des Schöngeistigen verankert, führte ihn sein starkes Pflichtbewußtsein nach dem Zusammenbruch in die Politik. Bereits im Mai 1945 gründete M., der 1932 – erfolglos – in Düsseldorf für die Deutsche Staatspartei zum Reichstag kandidiert hatte, im Rhein-Wupperkreis die „Deutsche Aufbau-Partei“, die sich im Januar 1946 der FDP Nordrhein anschloß. Bis zur Gründung des Landesverbandes Nordrhein-Westfalen der FDP am 27.5.1947 war er Landesvorsitzender des Landesverbandes Nordrhein, dann bis Februar 1956 Landesvorsitzender der FDP Nordrhein-Westfalens. Zugleich war er 1946-58 Mitglied des Landtags von Nordrhein-Westfalen und bis Juli 1954 Vorsitzender der FDP-Fraktion, sowie 1949/50 und 1953/54 Bundestagsabgeordneter. M. war zwar ein parlamentarisch gewandter, politisch jedoch bisweilen naiver Gegenspieler des Ministerpräsidenten Karl Arnold und dessen 1947-50 aus CDU, SPD und Zentrumspartei gebildeten Kabinetts. Er bekämpfte die Politik des sozialdemokratischen Wirtschaftsministers Erik Nölting und die Bodenreform des Landwirtschaftsministers Heinrich Lübke und setzte sich für die Stärkung des Einheitsstaates und die Einführung der christlichen Gemeinschaftsschule als Regelschule ein. Innerhalb der FDP, deren Bundesvorstand er 1949-56 angehörte, war er früh ein umstrittener Politiker, vor allem wegen seines Bemühens, Verführte und Mitläufer des Naziregimes für den demokratischen Staat und die ihn tragenden Parteien zu gewinnen. Besonders heftige Kritik traf M., als er zur Landtagswahl 1950 eine Listenverbindung mit der „Nationalen Rechten“ des Deutschnationalen Lothar Steuer einging. Nachdem sich Arnold 1950 zwar mit den Stimmen der FDP zum Ministerpräsidenten hatte wiederwählen lassen, jedoch nur die Zentrumspartei an seinem neuen Kabinett beteiligte, führte M. weiterhin die FDP-Fraktion, nunmehr verstärkt durch die Hospitanten der „Nationalen Rechten“, in der Opposition. Die innerparteiliche Rivalität zwischen dem liberal orientierten und dem national geprägten Flügel erreichte ihren Höhepunkt, als auf dem Bundesparteitag von Bad Ems im November 1952 mit dem von M.s Landesverband Nordrhein-Westfalen vorgelegten „Deutschen Programm“ und dem vor allem durch die Liberalen der Hansestädte befürworteten „Liberalen Manifest“ zwei unterschiedliche Richtungen im Sinne der früheren DVP und DDP einander gegenüberstanden. Anfang 1953 wurde M.s Position durch die „Naumann-Affäre“ empfindlich geschwächt: Man kreidete ihm seine Kontakte zum früheren Staatssekretär im Reichspropagandaministerium, Werner Naumann, an, der im Januar 1953 unter dem Verdacht neonazistischer Konspiration verhaftet worden war. Innerparteiliche Kritiker wie die „Jungtürken“ Wolfgang Döring und Willi Weyer bereiteten seither die Hinwendung der Partei zur SPD vor.

    Nachdem Ministerpräsident Karl Arnold in der Landtagswahl vom Juni 1954 mit seinem Kabinett aus CDU und Zentrumspartei die Mehrheit verloren hatte, lag es in Adenauers Interesse, im Hinblick auf die bevorstehende Verabschiedung der Verträge über den Eintritt der Bundesrepublik Deutschland in das westliche Verteidigungsbündnis eine Erneuerung von Arnolds früherer Koalition mit der SPD in Nordrhein-Westfalen zu verhindern. Somit amtierte seit Juli 1954 in Düsseldorf ein Kabinett Arnold-M. aus CDU, FDP und Zentrumspartei. M. wurde Staatsminister für Wirtschaft und Verkehr und zugleich Stellvertretender Ministerpräsident. Doch am 20.2.1956 scheiterte die Koalition infolge eines konstruktiven Mißtrauensvotums, und es kam zur Bildung des Kabinetts Steinhoff-Weyeraus SPD, FDP und Zentrumspartei. M., der als einziger innerhalb seiner Fraktion für Karl Arnold gestimmt hatte, trat vom Amt des Landesvorsitzenden, im April 1956 auch von dem des Stellvertretenden Bundesvorsitzenden zurück. Er blieb aber Vorsitzender der Deutschen Gruppe der Liberalen Weltunion und Schatzmeister der Liberalen Bewegung für ein Vereintes Europa.|

  • Auszeichnungen

    Ehrenbürger d. TH Aachen; Dr. rer. pol. h. c. (Köln 1966); Gr. Bundesverdienstkreuz mit Stern u. Schulterband (1961).

  • Literatur

    W. Henkels, Zeitgenossen, 1954, S. 161-65 (P);
    F. Henning, in: W. Först (Hrsg.), Zw. Ruhrkampf u. Wiederaufbau, 1972, S. 166-72;
    D. Hein, Zw. liberaler Milieupartei u. nat. Sammlungsbewegung, 1985;
    K. Schröder, Die FDP in d. brit. Besatzungszone 1946–48, 1985;
    Wi. 1962. – Zu Bertha: A. Dertinger, Frauen d. ersten Stunde, 1989, S. 119-30 (P);
    Wi. 1985.

  • Portraits

    Hdb. d. Dt. Bundestages, 1953.

  • Autor/in

    Franz Menges
  • Empfohlene Zitierweise

    Menges, Franz, "Middelhauve, Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 461-462 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd129440337.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA