Lebensdaten
1849 bis 1923
Geburtsort
Dresden
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Molkereiunternehmer
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 137423039 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Pfund, Paul Gustav Leander
  • Pfund, Paul Gustav Leander

Verknüpfungen

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Zitierweise

Pfund, Gustav Leander, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd137423039.html [24.09.2017].

CC0

  • Genealogie

    V August Friedrich (1811–87), aus Oschatz, Bürger, Ökonom u. Spritfabr. in D.-Antonstadt, Gutsbes. in Reinholdshain b. Dippoldiswalde; M Bertha Clementine (1818–78), T d. Johann Georg Christian Fischer, Privatsekr. und Erbe d. Lord Jacob Findlater, Peer v. Schottland; B August Friedrich (1811-87), gründete mit P. d. Dresdner Molkerei Gebrüder Pfund; – 1891 Mathilde N. N. (1853-91); 2 S Kurt (1874-1931), Dr. phil., Offz., Afrikaforscher, befreundet mit G. Stresemann, Max Friedrich (1881–1950, ⚭ Leonore Thiele, Pianistin), Molkereidir., 4 T Else (1875-1912, N. N. Klöckner), Liddy (1877-1966, Erich Windeis, * 1884, Dipl., seit 1921 im Dienst d. AA, 1926 dt. Gen.konsul in Kanada und Algier, s. Rhdb.), Bertha (1878–1948, 1898-1905 Eberhard Gf. v. Königsdorff, 1865–1934), Dora Charlotte (1884-1949, N. N. Testorpf), Malerin, zu ihrem Freundeskreis gehörten Gret Palucca, Otto Dix, Gerhart Hauptmann, Emil Ludwig, Erich Maria Remarque u. Ernst Rowohlt; E Peter Paul (1910–78), Prokurist; Ur-E Paul Friedrich (* 1939), Dipl.-Ing., Betriebsleiter, stellv. Dir. d. Molkerei, Regina Sophia (* 1945, ⚭ Friedrich Kircheis, * 1940, Organist, Cembalist, 1972 Preisträger b. IV. Internat. Johann-Sebastian-Bach-Wettbewerb in Leipzig), Finanzökonomin.

  • Leben

    P. sollte ursprünglich die väterliche Spirituosenhandlung übernehmen, ging aber aufgrund einer Kriegsverletzung nach Reinholdshain (Erzgebirge), wo er als Landwirt lebte. 1879 begann er in Dresden mit dem Verkauf der Milch von Kühen, die vor den Augen der Kunden gemolken wurden. Diese Verkaufsform, die bei der allgemein mangelhaften Milchhygiene frische Ware garantierte, führte zusammen mit dem Aufbau eines eigenen Milchtransport- und Zwischenhändlersystems und der Einführung weiterer hygienischer Maßnahmen zu großem geschäftlichen Erfolg. 1880-83 war sein Bruder Friedrich Teilhaber der „Dresdner Molkerei Gebrüder Pfund“, die 1905 bereits 447 Beschäftigte hatte, 1909 20 000 000 l Milch verkaufte und 1930 55 Filialen betrieb. Der wirtschaftliche Erfolg war nicht zuletzt durch den Einsatz neuer technischer Entwicklungen in der Milchwirtschaft begründet: 1880 setzte P. als erster die Lavall'sche Entrahmungsmaschine ein, 1885 einen Pasteurisierungsapparat, 1900 kam das Dauerpasteurisierungsverfahren des Dresdners Walther Hesse (1846–1911) zur Anwendung. Auch für die geschützte Vermarktung seiner Produkte entwickelte P. Strategien. 1888 ließ er sich als erster Molkereiunternehmer Deutschlands eine Schutzmarke für Kondensmilch eintragen; diese wurde nach einem aus Amerika stammenden und 1866 in der Schweiz eingeführten Verfahren eingedickt. Die Produktion wurde innerhalb von 5 Jahren von 375 000 1 auf fast das Vierfache gesteigert. In der Folge gelang es P., auch internationale Absatzstrategien für die Marken „Saxiona“ und „Zwilling“ zu entwickeln: Nach Filialen in Chemnitz und Annaberg wurden in Hamburg und London Vertretungen gegründet, im böhm. Lobositz eine eigene Kondensmilchfabrik. Die Milch in den Dosen aus eigener Produktion erreichte mit dem patentierten Dosenöffner über alle großen Häfen Afrikas, Amerikas, Asien und Australiens die Kunden in vielen Ländern. Neben der Kondensmilch und anderen speziellen Molkereiprodukten erzielte|P. nach geschickten Marktofferten auch mit „künstlicher Muttermilch aufgrund der Eiweißtheorie“ sowie Milchseife große Erfolge.

    Als Branchenführer hatte er 1894 mit zwei anderen Dresdner Unternehmern die 1. Fachausstellung Dresdens organisiert. Diese „Internationale Ausstellung für Nahrungsmittel und Volksernährung“ fand großen Anklang, der Erlös wurde für gemeinnützige Zwecke gespendet. P. führte in seinen Betrieben auch großzügige soziale Maßnahmen durch. Kurz vor seinem Tod wandelte der Gründer das Unternehmen in eine GmbH um. Die Söhne Max und Kurt, in Zürich ausgebildet, traten in das Geschäft ein, Max als Direktor. Der 1. Weltkrieg führte zu starkem Geschäftsrückgang. Das Werk in Lobositz wurde nach Kurts Tod verstaatlicht. Mit der nationalsozialistischen Wirtschaftspolitik erhielt die private Molkerei durch staatlich geförderte Unternehmen mächtige Konkurrenten. Enteignungspläne wurden jedoch nicht umgesetzt, noch einmal wurde ein Belegschaftshöchststand mit 550 Beschäftigten erzielt. Die Sowjet. Besatzungsmacht unterstützte die Wiederaufnahme der Produktion, versuchte jedoch immer wieder die Enteignung der Familie Pfund. Seit 1960 arbeitete das Unternehmen mit staatlicher Beteiligung; 1972 völlig verstaatlicht, gehörte es seit 1979 zum VEB Geflügelwirtschaft Pirna, Betriebsteil Dresden. Das seit 1892 bestehende Hauptgeschäft, das P. mit einem einzigartigen Kacheldekor hatte ausstatten lassen, wurde 1968 unter Denkmalschutz gestellt und durch die staatliche Handelsorganisation (HO) bewirtschaftet. 1990 in einem Restitutionsverfahren an die Familie zurückgegeben, wurde das Unternehmen 1993 an die Baufinanz Sachsen GmbH veräußert. In seiner ursprünglichen Nutzung steht nur noch das Hauptgeschäft in der Bautzner Str. 79 (Architekt Friedrich Herrmann Richter).|

  • Auszeichnungen

    Sächs. KR (1900); Vorstandsmitgl. im Verband Sächs. Industrieller (1902–20); Rr. d. Albertordens in Gold.

  • Werke

    zu Kurt: Die Versorgung gr. Städte mit Milch, 1896; Kreuz u. quer durch Dt.-Ostafrika, 1912.

  • Literatur

    Kindersterblichkeit u. Milchversorgung in Dresden, in: Dresdner Anz. Nr. 25/26, 1879; Die Versorgung d. Stadt Dresden mit Milch, ebd. Nr. 309, 1903; Dresdner Molkerei Gebr. Pfund, in: Lokalanz. f. Dresden-Neustadt Nr. 44/45, 1912; Dt. Milchwirtsch. in Wort u. Bild, 1914; KR P. P. u. sein Werk, 1934; R. Bruncke, Milchwirtsch. u. Dauermilchind., 1958; G. Bernhard, Kulturpol. Empfehlungen f. e. bewahrende Erneuerung d. Dresdner äußeren Neustadt, Diss. Dresden, 1987; S. Hausdorf, Das schönste Milchgeschäft d. Welt, in: Architektur d. DDR 38, 1989; M. Stöting, Der schönste Milchladen d. Welt, Dresdner Molkerei Gebr. Pfund, 1995; Th. Rietzschel, Dresdner Molkerei Gebr. Pfund, in: FAZ Magazin v. 9.8.1996; Ch. Gfn. Brühl, P.s Molkerei, in: Der hist. Ort 74, 1999; E. Kästner, Als ich ein kl. Junge war, 1957, Neudr. 1999; J. Wonneberger, P.s Molkerei, Dresdens Gläserne Milchfabrik, 1999 (P).

  • Portraits

    25 J. Verband Sächs. Industr., 1927, S. 57; Grabmal, Dresden, Trinitasfriedhof.

  • Autor

    Petra Listewnik
  • Empfohlene Zitierweise

    Listewnik, Petra, "Pfund, Gustav Leander" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 365 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd137423039.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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