Lebensdaten
1895 bis 1987
Geburtsort
Querfurt
Beruf/Funktion
Maler ; Zeichner
Konfession
evangelisch,katholisch
Normdaten
GND: 118584650 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Muche, Georg

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Zitierweise

Muche, Georg, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118584650.html [16.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Felix (1868–1947), Rentmeister u. Sonntagsmaler (Ps. Felix Ramholz, s. Vollmer), S d. Christian (1831–1914), Gendarmerie-Wachtmeister in Qu., u. d. Maria Hamel (1839–1932);
    M Clara (1866–1950), T d. Franz Julius Marcus (1810–81), Holzhändler u. Sägewerksbes. in Bad Dürrenberg, u. d. Therese Emilie Krueger (1825–1908);
    Weimar 1922 Elsa (El) (1901–80), Bauhaus-Schülerin, T d. Robert Felix Franke, Gasanstaltsdir. in Eickel, u. d. Alma Landskröner; kinderlos.

  • Leben

    Aufgewachsen in Ramholz (Rhön), verließ M. 1913 vorzeitig das Gymnasium, um an der Azbé-Schule in München Malerei und Graphik zu studieren. 1914 übersiedelte er nach Berlin, wo er noch unter dem Eindruck der Begegnung mit dem „Blauen Reiter“ seine ersten abstrakten Bilder malte. Drei davon konnte er 1915 in der „Sturm“-Ausstellung „Neue Kunst“ zeigen; 1916 war er in der Ausstellung „Max Ernst und G. M.“ mit 22 Bildern vertreten. Seit 1916 arbeitete er auch als Assistent bei Herwarth Walden und gleichzeitig als Lehrer für Malerei an der Kunstschule des „Sturm“; dabei schloß er Bekanntschaft und Freundschaft mit Oskar Schlemmer, Fritz Stuckenberg, Johannes Molzahn und Johannes Itten. 1917 zeigte er in der „Sturm“-Ausstellung „Paul Klee – G. M.“ 30 seiner Bilder. Im selben Jahr zum Kriegsdienst eingezogen, nahm M. 1918 an der Somme-Offensive teil und leitete zeitweise ein Militärlazarett. 1919 berief ihn Walter Gropius ans Bauhaus nach Weimar, wo er 1920/21 als Formmeister der Holzbildhauerei und bis 1927 als Formmeister der Weberei tätig war. Daneben leitete er abwechselnd mit Itten den Bauhaus-"Vorkurs“. Zu seinen Pioniertaten als Architekt zählen das von ihm entworfene, 1923 fertiggestellte „Haus am Horn“ in Weimar und das 1926 aus vorgefertigten Stahlplatten in Dessau errichtete „Stahlhaus“. Nach kritischen Anmerkungen zum Progamm des Bauhauses, die er 1926 in der Bauhaus-Zeitschrift Nr. 1 veröffentlicht hatte, verließ er das Bauhaus im Juni 1927|endgültig und ging an die private Kunstschule Ittens nach Berlin.

    Schon seit Anfang der 20er Jahre hatte sich M., der mit abstrakten Arbeiten begonnen hatte, einer – teilweise surrealen – Gegenständlichkeit zugewandt. 1931 wurde er als Nachfolger Otto Muellers (gegen die Konkurrenz von Willi Baumeister) an die Staatl. Akademie für Kunst und Kunstgewerbe Breslau berufen, wo er sich u. a. mit Hans Scharoun befreundete. 1933 von den Nationalsozialisten entlassen, war M. bis 1938 an der von Hugo Häring geleiteten Schule „Kunst und Werk“ in Berlin tätig und daneben fast ausschließlich mit der Technik der Freskomalerei beschäftigt. Im Rahmen der Aktion „Entartete Kunst“ waren 1937 bereits 13 seiner Gemälde und Graphiken aus öffentlichem Besitz beschlagnahmt worden; M. selbst entging knapp einem Malverbot. 1939-58 leitete er eine von ihm gegründete Meisterklasse für Textilkunst an der Textilingenieurschule Krefeld, wodurch er sich einen gewissen Freiraum erhalten konnte. Mit Schlemmer, Baumeister und anderen arbeitete er 1942 am „Institut für Malstoffkunde“ in Wuppertal an der Freskierung eines Raumes, der kurz darauf kriegszerstört wurde. Im Jahr darauf fielen mit seiner Wohnung in Krefeld auch zahlreiche Gemälde und Zeichnungen den Bomben zum Opfer.

    Nach dem Krieg äußerte M. in dem vielbeachteten Vortrag „Die Kunst stirbt nicht an der Technik“ (1954) die Überzeugung, die Malerei würde im Zeitalter der Photographie immer „eine Verlockung zu Abenteuern der Stille und der Tiefe“ bieten. Um sich diesen ganz widmen zu können, übersiedelte er 1958/60 an den Bodensee, wo mit gegenständlichen Bildern voll Poesie und hell leuchtender Farbigkeit ein reiches Spätwerk entstand. Daneben schuf er durch Experimente mit sog. Vario-Klischographen die Mappenwerke „Nemisee – Auge der Diana“ (1965) und „Totentänze“ (1967) und vermittelte so der Druckgraphik neue Impulse. Als friedenstiftender Grenzgänger im geteilten Deutschland entschloß er sich schon in den frühen 70er Jahren zu einer Rückführung seiner Gemälde aus der Bauhauszeit an die Orte ihrer Entstehung. Die „Tafeln der Schuld“ (1935-73) schenkte er 1973 an die Graphische Sammlung der Staatl. Museen in Ostberlin. – Diploma d'onore d. Mailänder Triennale (1951); Goethe-Medaille, Frankfurt/Main (1955); Ehrengast d. Villa Massimo, Rom (1963); Dr.-Ing. E. h. (Hochschule f. Architektur u. Bauwesen, Weimar, 1979); Lovis Corinth-Preis (1979).

  • Werke

    Weitere W u. a. Bild XVIII, Nell Walden gewidmet, 1915 (Nat.gal., Berlin);
    Raumflächen Komp., 1916 (Wilhelm Lehmbruck-Mus., Duisburg);
    Komp. mit schwarzer u. grüner Form, 1920 (Städt. Kunstslgg., Bonn);
    Der zerrissene Vorhang – Verhängnis, 1933;
    Vor der Tür – Selbstporträt, 1934 (beide Bauhaus-Archiv, Berlin);
    Freskenzyklus, 1946 (Haus d. Seidenind., Krefeld);
    Für immer geteilt – es bleibt d. Gespräch, Fresko, 1949 (LTgebäude, Düsseldorf);
    Tautropfen, 1964 (Priv.-bes.). – Gemäldereihen: Maler, 1952-82;
    Span. Interieurs, 1957-63;
    Spieler, 1952-65 (überwiegend Bauhaus-Archiv, Berlin). – Schrr.: Buon Fresco – Briefe aus Italien üb. Handwerk u. Stil d. echten Freskenmalerei, 1938, 21950;
    Bilder – Fresken – Zeichnungen, 1950;
    Blickpunkt Sturm – Dada – Bauhaus – Gegenwart, 1961, 21965 (Textslg. mit 35 Erstdrucken u. 22 Nachdrucken, P);
    Der alte Maler, Briefe v. G. M. 1945-84, hrsg. v. Bauhaus-Archiv in Berlin, 1992 (P).|

  • Nachlaß

    Nachlaß: Bauhaus-Archiv, Berlin.

  • Literatur

    H. Richter, G. M., 1960;
    G. M., Gemälde, Zeichnungen, Graphik, Ausst.kat. München 1965;
    P. H. Schiller, G. M., Das druckgraf. Werk, 1970;
    G. M., Zeichnungen u. Druckgraphik aus d. J. 1912–73, Ausst.kat. Freiburg (Br.) 1973 (Verz. d. Schrr.);
    G. M., Tafeln d. Schuld u. Gem., 1915–63, Ausst.kat. Berlin 1974;
    G. M., Der Zeichner. Ausst.kat. Stuttgart 1977;
    G. M., Das künstler. Werk 1912–27, Ausst.kat. Berlin 1980 (P);
    G. M., Slg. Ludwig Steinfeld, Ausst.kat. Fulda 1981;
    G. M., Das maler. Werk 1928–82, Ausst.kat. Berlin 1983 (Verz. d. Schrr., P);
    G. Linder, G. M., Die J.zehnte am Bodensee, Das Spätwerk, 1983 (P);
    L. Busch. G. M., Dokumentation z. maler. Werk d. J. 1915 bis 1920, 1984 (Bibliogr.);
    G. M., Leise sagen – Gem. aus d. Spätwerk u. graph. Arbeiten, Ausst.kat. Kassel 1986 (P);
    H. Kinkel, in: FAZ v. 27.3.1987 (P);
    L. Busch, in: SZ v. 28./29.3.1987 (P);
    Ch. Biundo u. A. Haus (Hrsg.). Bauhausideen 1919-1994, 1994;
    ThB;
    Vollmer;
    KML;
    Gorzny.

  • Autor/in

    Gisela Linder
  • Empfohlene Zitierweise

    Linder, Gisela, "Muche, Georg" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 252-253 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118584650.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA