Lebensdaten
1880 bis 1932
Geburtsort
Zechlin Kreis Neuruppin
Sterbeort
Hamburg
Beruf/Funktion
Mediziner ; Immunologe ; Schriftsteller
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118948954 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Much, Hans
  • H. M.
  • M., H.
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Zitierweise

Much, Hans, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118948954.html [20.08.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Karl (1847–1925), Pfarrer in Zossen Kr. Teltow, 1879 in Z., 1882 in Löwenberg, S d. Christian, Landwirt in Großwoltersdorf, u. d. Caroline Ullrich;
    M Martha Lindner (um 1855–83) aus Riedebeck Kr. Luckau;
    1912 Marie (1884–1969), T d. Hermann Lenhartz (1854–1910), Prof. d. Med., 1901-10 Dir. d. Allg. Krankenhauses Eppendorf in H. (s. Wi. 1908; L), u. d. Johanna Wagner;
    1 T.

  • Leben

    Nach Gymnasialzeit und Abitur (1898) in Neustrelitz studierte M. in Marburg, Kiel, Berlin und Würzburg Medizin. Auf Approbation und Promotion (1903) folgte eine Anstellung als Assistent (bis 1905), danach als Abteilungsvorsteher (bis 1907) bei Emil v. Behring am Hygienischen Institut in Marburg. Sein vorrangiges Interesse galt fortan der Immunität, speziell der Tuberkuloseimmunität. In die Zeit bei Behring fällt die Entdeckung der sog. „Muchschen Granula“ (gelegentlich in tuberkulösem Untersuchungsmaterial auftretende, durch modifizierte Gramfärbung positiv darstellbare Körnchen von nach wie vor unklarer Herkunft). Im Herbst 1907 holte Hermann Lenhartz M. ans Eppendorfer Krankenhaus in Hamburg und übertrug ihm die Leitung der neugegründeten Abteilung für Serologie und experimentelle Therapie. 1913 wurde ihm dort auch die Leitung des neuen Tuberkulose-Forschungsinstituts übertragen. 1913/14 unternahm er zwei Reisen nach Jerusalem zur Erforschung und Bekämpfung der Tuberkulose. Den 1. Weltkrieg verbrachte M. großenteils als Korpshygieniker in Osteuropa (Ukraine, Galizien). Mit der Gründung der Hamburgischen Univ. (1919) wurde ihm eine ao. Professur für Serologie übertragen. In den 20er Jahren führten ihn Vortragsreisen nach Palermo, Konstantinopel, Budapest, Zagreb, Madrid, Barcelona, Genua, Paris, Uppsala und Stockholm. Auf dem Gebiet der Tuberkuloseforschung widmete sich M. vor allem der „Aufschließung“ (Zerlegung) des Tuberkelbazillus (Lipoidforschung, Partigenlehre). Er stellte die Bedeutung der unspezifischen Immunität weit über die der spezifischen Abwehrkräfte des Menschen. Von diesem Standpunkt aus entwickelte er das unabgestimmte Reizmittel Omnadin, dessen Wirkung umstritten blieb.

    Neben zahlreichen fachmedizinischen, vor allem immunologischen und mikrobiologischen Veröffentlichungen schrieb M. eine Reihe medizintheoretischer Abhandlungen über Grundfragen seiner Disziplin und publizierte ferner eine große Zahl von Büchern, Aufsätzen, historischen Romanen, Erzählungen, Gedichten, Reisebriefen und -beschreibungen, in denen er sich mit philosophischen, religiösen und kulturhistorischen Fragen auseinandersetzte. Dabei widmete er sich insbesondere dem Buddhismus und der norddeutschen Gotik. Außerdem nahm er sich der Pflege der niederdeutschen Mundart an und veröffentlichte auch einige plattdeutsche Gedichtbände und Aufsätze. M. war ein äußerst kreativer Forscher und ein vielseitiger, ungewöhnlich produktiver Schriftsteller, der gleichermaßen stürmisch verehrt und vehement bekämpft wurde. Unentwegt mit der Schulmedizin im Konflikt, oftmals auch zweifelhafte Positionen vertretend, leidenschaftlich und keinen Widerspruch duldend, war M. eine streitbare und umstrittene Persönlichkeit. Als 1930 in Lübeck nach einer TBC-Schutzimpfung mehr als 70 Kinder starben, kritisierte M. in massiver Form den BCG-Impfstoff des franz. Bakteriologen Albert Calmette und vertrat diese Haltung auch als Sachverständiger in einem Gerichtsverfahren („Calmette-Prozeß“). Es stellte sich jedoch heraus, daß ein Laborfehler die Ursache des Unglücks war, und M. geriet durch seine Stellungnahmen ins Abseits. Die Bedeutung seiner Leistungen auf dem Gebiet der Immunologie sowie seines medizinphilosophischen Werks wird in der neueren Fachliteratur eher zurückhaltend beurteilt.|

  • Auszeichnungen

    Prof.titel (1914); Prof. h. c. (Türkei 1926); Mitgl. d. Schwed. Ärzteges. (1929); Ehrenmitgl. d. Biblioteca filosofica, Palermo (1924).

  • Werke

    Die patholog. Biol. (Immunitätswiss.), Eine kurzgefaßte Übersicht üb. d. biolog. Heil- u. Erkenntnisverfahren f. Studierende u. Ärzte, 1922 (4./5., völlig umgearbeitete Aufl. von: Die Immunitätswiss., Eine kurzgefaßte Übersicht üb. d. biolog. Therapie u. Diagnostik f. prakt. Ärzte u. Studierende, 1911);
    Die Kinder-Tuberkulose, ihre Erkennung u. Behandlung, Ein Taschenbuch f. prakt. Ärzte, 3-51923 (11920);
    Die Partigengesetze u. ihre Allgemeingültigkeit, Erkenntnisse, Ergebnisse, Erstrebnisse, 1921;
    Das Wesen d. Heilkunst, Grundlagen e. Philos. d. Med., 1928;
    Btrr. in: Hdb. d. Tuberkulose, hrsg. v. L. Brauer, G. Schröder u. F. Blumenfeld, Bd. 1, 31923: Der Erreger. S. 209-71 (erstmals 1914);
    Die Ansteckungswege d. Tuberkulose, ebd., S. 272-324;
    Immunität, ebd., S. 325-410 (erstmals 1914). – Hrsg.: Moderne Biol. (Bd. 1: Über d. unspezif. Immunität, 1921;
    Bd. 2/3: Spezif. u. unspezif. Reiztherapie, 1922);
    Hansische Welt (Bd. 1: Norddt. Backsteingotik, 1915;
    Bd. 2: Norddt. got. Plastik, 1924;
    Bd. 4: Niederdt. got. Kunsthandwerk, 1923);
    Niederdt. Flugschrr. – Autobiogr.: L. R. Grote (Hrsg.), Die Med. d. Gegenwart in Selbstdarst., Bd. 4, 1925, S. 189-226 (P);
    Arzt u. Mensch, Das Lebensbuch e. Forschers u. Helfers, 21932.

  • Literatur

    F. Guggenheim, H. M., Leben u. Wirken, 1922 (P);
    H. Lenhartz, H. M., Eine biogr. Skizze, in: H. M., Vermächtnis, Bekenntnisse v. e. Arzt u. Menschen, 1933, S. 9-38 (P);
    I. Goltz, H. M., Med.-wiss. Veröff., med. Diss. Marburg 1947 (ungedr.);
    R. Bochalli, Die „Behringschüler“ Paul Römer u. H. M., in: Med. Mschr. 15, 1961, S. 691-95;
    R. Wirtz, Leben u. Werk d. Hamburger Arztes, Forschers u. Schriftst. H. M. (1880-1932) unter bes. Berücksichtigung seiner med.theoret. Schrr., med. Diss. Aachen 1991;
    R. Schulze-Rath, H. M. (1880-1932), Bakteriologe u. Schriftst., med. Diss. Mainz 1993 (W-Verz.);
    BLÄ;
    Wi. 1928;
    Rhdb. (P). – Eigene Archivstud.

  • Autor/in

    Stefan Wulf
  • Empfohlene Zitierweise

    Wulf, Stefan, "Much, Hans" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 251-252 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118948954.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA