Lebensdaten
1892 bis 1973
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Bern
Beruf/Funktion
Maler ; Schriftsteller ; Zeichner
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118738267 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Maurer, Martin (Pseudonym)
  • Nebel, Otto
  • Maurer, Martin (Pseudonym)
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Zitierweise

Nebel, Otto, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118738267.html [19.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Otto Wilhelm (1856–1924), Prokurist d. chem. Fa. Schering in Berlin;
    M Sophie (1865–1929), T d. Wilhelm Müller, Tierarzt in Berlin, u. d. Sophie Höhne aus Porst (Anhalt);
    1924 Margarete Hildegard (Hilda) Heitmeyer (1886–1974) aus Berlin, ehem. Assistentin Gertrud Grunows (1870–1944), Musikpäd. am Bauhaus Weimar; kinderlos.

  • Leben

    N. besuchte in Berlin bis 1904 das Lessinggymnasium und bis 1909 die städtische Realschule, danach absolvierte er eine Lehre als Maurer. Seit 1910 besuchte er auch die Baugewerkschule Berlin, die er 1913 als Meister des Hochbaufachs verließ. Im selben Jahr war er als Bauführer am Erweiterungsbau der TH Berlin-Charlottenburg tätig. Danach nahm er bis 1914 Schauspielunterricht bei Rudolf Blümner und Friedrich Kayssler an der Lessing-Bühne Berlin, konnte jedoch sein erstes Engagement am Theater in Hagen nicht antreten, da er zum Kriegsdienst eingezogen wurde. Zu einem einschneidenden Erlebnis wurde 1916 während eines Urlaubs der Besuch einer Franz Marc-Ausstellung in der Galerie „Der Sturm“. 1918/19 verbrachte er 14 Monate in Kriegsgefangenschaft in Colsterdale (England), wo er die kriegsächtende Dichtung „Zuginsfeld“ verfaßte. Seit 1919 war N. in Berlin als Maler und Schriftsteller tätig, machte Bekanntschaft mit dem Kreis umHerwarth Walden und wurde Mitarbeiter an der Kunstzeitschrift „Der Sturm“. Zusammen mit Hilla v. Rebay (1890–1967) und Rudolf Bauer (1889–1954) gründete er die Künstlergruppe „Der Krater“. In dieser Zeit begann N., seine „Runenfugen“ zu verfassen, Wortgebäude, in denen er mit einer ausgewählten Anzahl von Buchstaben experimentierte: „Unfeig“ (1923/24) und „Das Rad der Titanen“ (1926-28). In den „Runenfahnen“ setzte er diese auch bildnerisch um, indem er jedem Buchstaben eine Farbe und eine Form|zuordnete. 1924/25 hielt er sich zeitweise am Bauhaus in Weimar auf und schloß Freundschaft mit Kandinsky, Klee, Gertrud Grunow und Georg Muche. Längere Aufenthalte im bayer. Kochel (1926–28) und in Ascona, wo er Marianne Werefkin kennenlernte, folgten. Die Abstraktion, die N. in seinen schriftstellerischen Arbeiten bereits angestrebt hatte, hielt nun in seiner Malerei Einzug. Zu seinen eigenständigsten Arbeiten gehört eine Reihe von „Dom-Bildern“ (1930), die seine unmittelbare Herkunft als Baufachmann erkennen lassen und in denen er sich – wie später auch in „Die blaue Halle“ (1930/41) und „Die hohen Nischen“ (1930/41-42) – mit der „großen geistigen Ordnung“ der franz. Kathedralbaukunst auseinandersetzte. In ihnen zeigt sich seine minutiöse Arbeitsweise, während in malerischer Hinsicht zum Teil noch sein „Farbenatlas aus Italien“ (1931) nachklingt. 1933 emigrierte N. in die Schweiz, wo er zunächst Arbeitsverbot hatte. Dank Rebays und Kandinskys Vermittlung erhielt er 1936-51 Förderung und Unterstützung durch die Guggenheim Foundation, New York. 1937/38 entstand in Italien das malerisch-epische Reihenwerk „Musartaya“ (Bern, Kunstmus.). 1942 trat N., der es als seine künstlerische Pflicht ansah, „göttliche Gesetzhaftigkeiten bloßzulegen“, unter dem Einfluß der Schriften Emanuel Swedenborgs der „Neuen Kirche“ bei. Auch das chines. Orakelbuch I Ging verarbeitete er (seit ca. 1939) in seiner Malerei. 1951-55 verdiente er seinen Lebensunterhalt als Schauspieler an den Berner Kammerspielen. Neue malerische Impulse gewann er zuletzt 1962 bei einer Schiffsreise in den Vorderen Orient; 1969 schenkte er rund 200 Werke an das Kunstmuseum Bern.|

  • Auszeichnungen

    Gr. BVK (1965).

  • Werke

    über 2000 Ölgem., über 4000 Zeichnungen, mehrere hundert Linolschnitte, einzelne Klebebilder u. Mosaiken. – Schrr.: Das dichter. Werk, hg. v. R. Radrizzani, 3 Bde., 1979;
    Schrr. z. Kunst, Mit e. Geleitwort hg. v. dems., 1988. – Ill. Bücher: Goldene Spur, 1962;
    O. N., Sturm u. Vollendung, Festgabe z. 80. Geb.tag, 1972. |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Otto Nebel-Stiftung (bildner. Werk, P) u. Schweizer. Lit.archiv d. Schweizer. Landesbibl. (schriftl. Nachlaß), beide Bern.

  • Literatur

    K. Liebmann, Der Malerdichter O. N., 1935;
    L. Schreyer, Erinnerungen an Sturm u. Bauhaus, 1956;
    Schenkung O. N., Ausst.kat. Kunstmus. Bern 1971;
    O. N., Ausst.kat. Kunstslg. d. Stadt Thun 1976;
    Th. Bhattacharya-Stettler, O. N., 1982 (Verz. d. Ausst., P);
    R. L. Wyss, in: Ausst.heft Kunsthalle Freiburg/Br., 1992;
    ThB;
    Vollmer;
    Künstler Lex. d. Schweiz, XX. Jh., 1963;
    Helvet. Steckbriefe, 1981, S. 151 ff. (P);
    Kosch, Lit.-Lex.3;
    Killy;
    BHdE II.

  • Autor/in

    Therese Bhattacharya-Stettler
  • Empfohlene Zitierweise

    Bhattacharya-Stettler, Therese, "Nebel, Otto" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 14 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118738267.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA