Lebensdaten
1887 bis 1922
Geburtsort
Persenbeug (Niederösterreich)
Sterbeort
Quinta do Monte
Beruf/Funktion
Kaiser von Österreich ; König von Ungarn ; Seliger
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118560077 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Karl
  • Karl IV. von Ungarn
  • Karl von Österreich
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Zitierweise

Karl I., Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118560077.html [24.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Erzhzg. Otto (1865–1906), S d. Erzhzg. Karl Ludwig (1833–96, s. ADB 51) u. d. Annunciata Prn. v. Bourbon-Sizilien;
    M Maria Josepha (1867–1944), T d. Kg. Georg v. Sachsen ( 1904, s. NDB VI) u. d. Maria Anna Infantin v. Portugal;
    Groß-Ov Kaiser Franz Joseph v. Ö. ( 1916, s. NDB V);
    Ov Erzhzg. Franz Ferdinand ( 1914), Thronfolger (s. NDB V);
    - Schloß Schwarzau 1911 Zita (* 1892), T d. Hzg. Robert v. Bourbon-Parma (1848–1907) u. d. Maria Antonia Infantin v. Portugal; Schwäger Sixtus Prinz v. Bourbon-Parma (1886–1934), Xaver Prinz v. B.-P. (* 1889), Felix Prinz v. B.-P., seit 1919 Prinz v. Luxemburg (* 1893, 1919 Ghzgn. Charlotte v. Luxemburg, * 1896);
    5 S, 3 T, u. a. Erzhzg. Otto (* 1912).

  • Leben

    K. wurde weitgehend von seiner gütigen und frommen Mutter beeinflußt, ebenso von seinen Erziehern General G. Wallis und J. Holzlechner. Am Wiener Schottengymnasium studierte er als Privatist. Als Truppenoffizier diente er bis 1914 bei der Kavallerie. Während der Generalstabsausbildung bei der Infanterie hörte er auch Vorlesungen an der Prager Universität. Von seinem Mit-Vormund und Onkel, dem Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand, wurde er 1914 über eine Attentatsmöglichkeit unterrichtet. Nach der Ermordung des Onkels am 28.6.1914 wurde er Thronfolger. Als Oberst nahm er nach Kriegsbeginn, dem Armeeoberkommando zugeteilt, im kaiserlichen Auftrag am Feldzug gegen Rußland teil, ohne vom Armeeoberkommando eine besondere Verwendung zu erhalten. Im Sommer 1915 berief ihn Kaiser Franz Joseph als Generalmajor nach Wien, zwecks Einweihung in manche – nur formale – Regierungsgeschäfte. Als im Mai 1916 auf Wunsch des Chefs des Generalstabes, Conrad von Hötzendorf, eine Offensive gegen Italien von den Hochflächen von Lavarone-Folgaria (Provinz Trento) geplant wurde, übernahm K. gegen manche Intrigen im Armeeoberkommando den Befehl über das 20. (Edelweiß-) Korps, dessen Erfolge zu den stolzesten Erinnerungen seines Soldatenlebens zählten, wobei selbst seine späteren politischen Gegner, wie etwa der Sozialdemokrat Julius Deutsch, die persönliche Tapferkeit K.s hervorhoben. Nach der österreichischen Niederlage bei Luck wurde K. nach Ost-Galizien versetzt. Als Stabschef seines neuen Heeresgruppenkommandos fungierte der preußische General von Seeckt. Die beiden so verschiedenen Persönlichkeiten verband sehr bald eine tiefe Achtung, bedingt durch die übereinstimmende realistische Beurteilung der Kriegslage. Nach dem Tode Franz Josephs wurde K. am 21.11.1916 Kaiser von Österreich und König von Ungarn (30.12. Krönung in Budapest). Personelle Veränderungen und vor allem innen- und außenpolitische Aktionen deuteten darauf hin, daß der junge Herrscher den inneren und äußeren Frieden anstrebte. Die Übersiedlung des Armeeoberkommandos nach Baden, die allmähliche Entmachtung Conrads von Hötzendorf und die persönliche Führung der Streitkräfte durch den Kaiser wiesen darauf hin, daß dieser unabhängig von Berlin den Frieden zu erreichen versuchte. Trotz des frühzeitigen Mißtrauens der deutschen Botschaft in Wien empfing nach geheimen Vorbereitungen das Kaiserpaar am 24.3.1917 in Laxenburg die Brüder der Kaiserin, Sixtus und Xavier von Bourbon-Parma, um ein Friedensgespräch mit Paris, eventuell gemeinsam mit dem deutschen Verbündeten, aufnehmen zu können. Die Gegenseite war jedoch mehr an einer Sprengung des Bündnisses, als an einer Vermittlung K.s in der Frage Elsaß-Lothringen interessiert. Trotzdem verstärkte K. seine Bemühungen beiden Begegnungen mit dem deutschen Kaiser, aber auch mit den deutschen Bundesfürsten, ein allgemeines Friedensgespräch herbeizuführen. Beim Zusammentritt des Reichsrates am 31.5.1917 unterstrich K. seine Friedensbereitschaft und Volksverbundenheit, jedoch scheiterten seine Versuche, das parlamentarische Leben in Gang zu setzen, an den staatsrechtlichen Vorbehalten der Nord- und Süd-Slawen. Die umfassende politische Amnestie und der Abbau der Ausnahmegesetzgehung, welche durch das Armeeoberkommando unter Conrad jahrelang die Nationalitäten bedrückt hatte, wurden von den Betroffenen nicht honoriert. K. konnte, – (an der vordersten Front) schon als Thronfolger von den Soldaten verehrt, – an der großen Offensive der österreichisch-ungarischen und deutschen Truppen bei Flitsch-Tolmein teilnehmen, immer in der Hoffnung, daß der Zusammenbruch Rußlands die Möglichkeit eines baldigen Friedensschlusses bieten würde. Trotz des Friedens von Brest-Litowsk (November 1917 –März 1918) erfolgte die Besetzung der Ukraine zur Versorgung der Monarchie mit Lebensmitteln. Das Streben nach einem baldigen Frieden wurde weitgehend beeinträchtigt durch die Verhärtung der Haltung der alliierten und assoziierten Mächte gegenüber Österreich-Ungarn. Nach der Konferenz von Peschiera am 7.11.1917 beschlossen diese, den Widerstand an der italienischen Front fortzusetzen und das Selbstbestimmungsrecht der Völker als Waffe gegen den Habsburgerstaat zu verwenden (April 1918 Kongreß in Rom). Sie rechneten auf den wirtschaftlichen und innenpolitischen Zusammenbruch der Donaumonarchie, namentlich nach dem Jänner-Streik 1918, der zum ersten Male den Einfluß der kommunistischen Ideologie auf die Völker der Monarchie zeigte. Die Provokation des Außenministers, Graf Czernin, im April 1918 an Clémenceau bezüglich der geheimen Friedensfühler des Kaisers führte zu einer schweren inneren Krise durch Hinweis auf die sogenannten „Sixtus-Briefe“ von Seiten der Alliierten.

    Nachdem im September 1918 alle Reformbestrebungen K.s gescheitert waren, versuchte er am 16.10.1918, die österreichische Reichshälfte in einen Bundesstaat umzuwandeln, wobei sogenannte „Nationalräte“ die Grundlage der neuen Staatsbildungen sein sollten. Die letzte kaiserliche Regierung Lammasch konnte nicht die Lage meistern, ebenso wenig der für die ungarische Reichshälfte bestellte Erzherzog Joseph als „homo regius“. Nach dem Waffenstillstand vom 4.11.1918, nachdem der Kaiser bereits formell das Oberkommando an Feldmarschall Baron Kövess abgetreten hatte, erfolgte die Auflösung Österreich-Ungarns, und am 11.11.1918 unterzeichnete K. ein Dokument über den Verzicht auf die Ausübung der Regierungsgeschäfte in Österreich, ohne Entbindung der Offiziere und Beamten vom Eid. Nach seiner Übersiedlung nach Schloß Eckartsau wurde für Ungarn eine gleichlautende Urkunde unterzeichnet. Nach der Proklamation der Republik Deutsch-Österreich mußte K. am 24.3.1919 unter britischem Schutz in die Schweiz reisen, da er sich weigerte, einen förmlichen Thronverzicht abzugeben, wobei er in der Erklärung von Feldkirch das Dokument vom 11.11.1918 für ungültig erklärte. In Ungarn sah er die Grundlage für eine spätere Restauration der Habsburger und versuchte zu Ostern 1921 zum ersten Male eine Rückkehr, die allerdings in Budapest an der Weigerung des Reichsverwesers von Horthy, die Regierungsgewalt abzugeben, scheiterte. Neuerlich in die Schweiz zurücktransportiert, versuchte K., unterstützt von konservativen Gruppen, die Politik der Nachfolgestaaten zu beeinflussen. Mit dem Flugzeug landete er am 20.10.1921 gemeinsam mit der Kaiserin Zita erneut in Ungarn und stützte sich bei einem Marsch auf Budapest auf königstreue Truppen, die allerdings durch national-ungarische Einheiten Horthys aufgehalten wurden, während vor allem die Kleine Entente politisch und militärisch gegen die Rückkehr Stellung nahm. Nach einer Gefangenschaft im Kloster Tihany am Plattensee wurde das Königspaar auf britischen Kriegsschiffen nach Madeira gebracht, wo K. unter ärmlichen Verhältnissen zu leben gezwungen war.

  • Literatur

    R. Lorenz, Kaiser K. u. d. Untergang d. Donaumonarchie, 1959;
    G. Brook-Sheperd, Um Krone u. Reich, 1968;
    L. Jedlicka, Kaiser K. in neuer Sicht, in: Festschr. f. Prof. Loidl, 1972;
    H. Hoyer, Kaiser K. I. u. FM Conrad v. Hötzendorf, 1972 (P).

  • Portraits

    Ölgem. v. V. Krausz, 1917 (Wien, Heeresgeschichtl. Mus.).

  • Autor/in

    Ludwig Jedlicka
  • Empfohlene Zitierweise

    Jedlicka, Ludwig, "Karl I." in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 243-245 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118560077.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA