Lebensdaten
vermutlich um 1265 bis 1324
Sterbeort
Trier
Beruf/Funktion
Hochmeister des Deutschen Ordens
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119054949 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Karl von Trier
  • Trier, Karl von (in der ADB)
  • Trier, Karl Bessart von
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Zitierweise

Karl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119054949.html [19.08.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Jakob von Oeren ( n. 1.2.1302), Schöffe in T., aus altfreier Ratsfam., schenkte seine Güter d. v. ihm erbauten Deutschordenshaus in T.;
    M N. N.;
    B Jakob von Trier, 1324-39 Deutschordenskomtur in Koblenz, Ortolf (erw. 1320/21), Dominikaner. - Ob Dietrich von Trier, um 1325 Landkomtur v. Bozen u. Lombardei, mit K. verwandt war, ist ungewiß.

  • Leben

    K. war bis zum 20. Jahrhundert der einzige Hochmeister des Deutschen Ordens gewesen (abgesehen von der unsicheren Herkunft des 1. Hochmeisters Heinrich Walpot), der nicht aus dem Adel oder Fürstenstande stammte. Er war, wohl durch die Verdienste seiner Familie begünstigt, schon in jungen Jahren zu Amt und Würden gelangt. Er begegnet 1291 als Komtur von Beauvoir in der Champagne, 1295 als Landkomtur von Frankreich, Lothringen und Burgund; in Burgund nur bis 1296. Wohl von Beauvoir ist sein Beiname „Beffart“ abgeleitet. K. war 1303 in Preußen zugegen bei dem Rücktritt des Hochmeisters Gottfried von Hohenlohe und bei der Wahl Siegfrieds von Feuchtwangen, den er nach Westdeutschland und Venedig begleitete, wo er 1304 begegnet. Nach dem Tode Siegfrieds von Feuchtwangen (5.3.1311) und wohl vor dem 26.6.1311 wird K. zum Hochmeister gewählt. Er war der erste Hochmeister, der nach der Übersiedlung der Ordenszentrale nach Marienburg (1309) sein Amt in Preußen antrat. Er hatte große innere und äußere Schwierigkeiten zu überwinden, hat sich dabei aber bewährt und das in ihn gesetzte Vertrauen nicht enttäuscht. Was 1317 zum Zerwürfnis des Hochmeisters mit den Ordensbrüdern in Preußen führte, ist nicht sicher zu erkennen. K. dankte ab, verließ Preußen und kehrte nach Trier zurück. Die Abdankung wurde zu einem Triumph, denn überall im Reiche wurde K. von den Ordensbrüdern und Reichsfürsten gut aufgenommen. Wohl dadurch erreichte er. daß die Stimmung in Preußen umschlug und er 1318 zur Rückkehr in sein Amt berufen wurde. Damit war aber keine Rückkehr des Hochmeisters nach Preußen verbunden. Er regierte von Trier aus, ließ jedoch die Ordenszentrale in Preußen, so daß die Wahl seines Nachfolgers, Werners von Orseln, 1324, reibungslos vor sich ging. Die Hochmeisterresidenz in Trier war eine Episode. Die innere Lage in Preußen war gefestigt, die Siedlung ging weiter. Die äußere Lage Preußens war jedoch nach allen Seiten hin schwierig. Feldzüge nach Litauen wurden von K. mit großer Energie betrieben, doch hatte er wie seine Vorgänger und Nachfolger dabei keinen durchschlagenden Erfolg. Gefährlich wurde der Konflikt mit dem Erzbischof Friedrich von Riga, der mit dem Litauerkönig Gedimin in Verbindung stand, ihn zwar ohne Erfolg bekehren wollte, aber heftige Anklagen gegen den Deutschen Orden erhob, dem er wohl das Schicksal der Templer bereiten wollte. Im Süden und Westen wurde der Ordensstaat durch Polen bedroht, das sich mit der schon unter Siegfried von Feuchtwangen erfolgten Besitznahme Pommerellens durch den Orden nicht abfinden wollte. In dieser Lage hat K. den geschicktesten Schachzug gemacht, indem er sich 1318/19 an den Sitz des Papstes Johannes XXII. nach Avignon begab. Da er aufgrund seiner Sprachkenntnisse mit dem Papst und den Kardinälen direkt verhandeln konnte, gelang es ihm, die augenblickliche Gefahr einer päpstlichen Einmischung gegen den Orden zu bannen und eine günstige Atmosphäre zu schaffen. Eine endgültige Lösung konnte freilich nicht erreicht werden, denn trotz eines günstigen Urteils der Kurie im Konflikt um Pommerellen (1323) zog dieser Streit sich bis zum Kalischer Frieden (1343) hin. Der Gegensatz zu den Erzbischöfen von Riga beherrschte noch das ganze 14. Jahrhundert. K. brachte aus Avignon eine Anzahl von Privilegien heim, insbesondere die Bestellung von Konservatoren für den Deutschen Orden. Er hat in den schwierigsten inneren und äußeren Verhältnissen, in die er hineingestellt wurde, weitsichtig und mit sicherer Hand Unheil abgewendet. – K. ist in Avignon schwer erkrankt und wenige Jahre später in Trier gestorben, obwohl er, wie Peter von Dusburg bemerkt, damals noch jung („iuvenis“) war. Immerhin müßte er, aus seiner Laufbahn zu schließen, bei seinem Tode schon annähernd 60 Jahre alt gewesen sein.

  • Literatur

    ADB 38 (unter Trier);
    Scriptores rerum Prussicarum I-V, 1801-74;
    Preuß. UB II, 1932-39;
    O. Schreiber, Die Personal- u. Amtsdaten d. Hochmstr. d. Dt. Ordens, in: Oberländ. Gesch.Bll. 15,|1913;
    G. Kentenich, Btrr. z. Biogr. d. Hochmstr.s. … K. v. T., in: Trier. Archiv 21, 1913;
    A. B. E. v. d. Oelsnitz, Herkunft u. Wappen d. Hochmstr. d. Dt. Ordens, 1198–1525, 1926;
    Ch. Krollmann, Pol. Gesch. d. Dt. Ordens in Preußen, 1932;
    K. Forstreuter, Der Dt. Orden am Mittelmeer, 1967;
    M. Tumler, Der Dt. Orden, 1954;
    Dict. hist. géogr. VII, Sp. 420 (unter Beffart);
    Altpreuß. Biogr. (unter Trier).

  • Autor/in

    Kurt Forstreuter
  • Empfohlene Zitierweise

    Forstreuter, Kurt, "Karl" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 245-246 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119054949.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Trier: Karl v. T. (von gleichzeitigen Schriftstellern und in Urkunden, in fremden wie in eigenen, stets nur so genannt, als Karl Beffart v. T. erst seit dem 15. Jahrhundert, wol in genealogischem Mißverständniß, bezeichnet), der erste in Preußen gewählte Hochmeister des Deutschen Ordens, dessen Wahl bald nach dem am 5. März 1311 erfolgten Tode Siegfried's v. Feuchtwangen geschah, welcher den hochmeisterlichen Sitz nach der Marienburg verlegt und durch die Erwerbung des Fürstenthums Pommern das Ordensgebiet nach Westen hin über die Weichsel hinaus ausgedehnt hatte. T. starb am 12. Februar 1324. Die geschickte Amtsführung in einigen höheren außerpreußischen Stellungen, seine gewissenhafte Achtung vor den Ordensregeln und eine seltene Gewandtheit in der Rede (auch Lateinisch und Italienisch beherrschte er wie seine Muttersprache) waren es gewesen, was die Stimmen der Gebietiger auf ihn gelenkt hatte. Wenn es den Rittern jener Zeit und ihrem neuen Meister auch sicherlich noch nicht zum vollen Bewußtsein gekommen war, daß durch die beiden erwähnten Ereignisse Aufgabe und Bedeutung ihres Ordens gewaltig gewachsen waren, daß es sich nicht mehr bloß um die einträgliche Verwaltung großer, zerstreuter Besitzungen handelte, sondern daß dem ausgedehnten Gebiete vom Embach in Livland bis zur Küddow in Pommern die natürliche Aufgabe zufiel, sich zu einem mächtigen weltlichen Staate herauszubilden, so machten sich doch die daraus erwachsenden Gefahren sofort fühlbar. Nicht nur einen drei Jahre andauernden Mißwachs mit Hungersnoth und Seuchen im Gefolge und die fortdauernde natürliche Feindschaft der heidnischen Littauer waren zu überwinden: jener durch nachdrückliche Colonisation, diese durch unaufhörliche Abwehr und Angriff. Im äußersten Osten meinte sich der Erzbischof von Riga, in vieler Beziehung doch immer das Oberhaupt der Geistlichkeit in den baltischen Ordensbesitzungen, jetzt mehr denn je dem drohenden Anwachsen der Macht des Ordens entziehen zu müssen (und sei es auch durch eine Annäherung an die Heiden), und die nicht durch den Orden, sondern durch die Bischöfe gegründete Stadt Riga wehrte sich schon jetzt mit aller Kraft davor, wie ihre livländischen und preußischen Schwesterstädte eine einfache Landstadt des Ordens zu werden. Im äußersten Westen dann konnte es Polen, welches sich eben, wenn auch noch lange nicht gesammelt, so doch energisch zu sammeln begonnen hatte, nicht verschmerzen, das stammverwandte Pommerland und damit den Zugang zur Ostsee sich für immer entzogen zu sehen. Den Mittelpunkt endlich, um welchen sich alle Gegner des Ordens sammeln, von dem sie kräftigste Förderung erwarten durften, mußte die römische Curie bilden, die schon lange daran war, die der Obedienz entwachsene geistliche Körperschaft zu beugen und nunmehr auch aus den Reichthümern derselben für sich selbst die Früchte zu sammeln gedachte. Bei den schier endlosen Verhandlungen über alle diese Dinge, deren Fäden zumeist über Avignon liefen, tritt nun freilich, da nur diplomatische Actenstücke und Proceßprotocolle vorliegen, die Person des Hochmeisters ganz in den Hintergrund, aber, wenn auch bei allen drei Hauptgegnern die Verhältnisse so lagen, daß sie nicht austreten|konnten, wie sie wollten und, um zum Ziele zu kommen, es mußten, so entgeht, scheint mir, doch nicht, daß auf der Seite des Ordens die oberste Leitung in geschickter Hand gelegen haben muß. Denn es kam doch selbstverständlich nicht bloß auf reichliche und richtige Vertheilung von Handsalben an, die leider damals bei der Curie den meisten Eindruck machten, sondern nicht minder auf die geschickte Benutzung der Umstände und des stetigen Wechsels derselben. Als Beweis möchte auch der weitere Verlauf dienen. Im preußischen Zweige des Ordens hatte sich bald ein starker Gegensatz gegen den Meister herausgebildet, nach dunklen, wenig jüngeren Aufzeichnungen, denn urkundliche Nachrichten fehlen, vielleicht wegen seines zu großen Eifers für den Buchstaben des Gesetzes; der herkömmlich angeführte Grund wenigstens, ein Zwiespalt über die Besetzung des Meisterstuhles von Livland. entfällt, weil dieser Vorfall sich erst fünf Jahre später ereignete. Im J. 1317 erklärte sich T. bereit, das Meisteramt niederzulegen und sich in den heimischen Convent nach Trier zu begeben. Bei der Heimreise aber ließ er sich auf einem Generalcapitel zu Erfurt leicht dazu bewegen, die Abdankung zurückzunehmen, und auch in Preußen fügte man sich und wählte dort wieder nach alter Sitte einen besondern Landmeister. Inzwischen war von Avignon auch an den Meister die Vorladung zu persönlicher Rechtfertigung gegen die Klagen der Rigenser und der Polen gelangt; der Meister folgte ihr, und es gelang ihm bei längerm Aufenthalt und durch seine rednerische Gewandtheit den Sieg zu erringen. Trotz früherer päpstlichen Verfügungen mußten der Erzbischof und seine Stadt sich bescheiden und die Polen den Uebergang Pommerns an den Orden als eine zu Recht vollzogene Handlung anerkannt sehen, sogar der dem Kulmerlande als einem alten Theile des polnischen Reiches aufgelegte Peterspfennig wurde erlassen. Schon erkrankt heimgekehrt, lebte der Meister noch vier Jahre in Trier, während deren er sich von den preußischen Angelegenheiten ganz fernhielt, nur der obersten Leitung des Ordens sich widmete.

    • Literatur

      Joh. Voigt, Geschichte Preußens, IV (1834). — K. Lohmeyer, Gesch. v. Ost- und Westpreußen, I (1881). — Scriptores rerum Prussicarum, I u. II (1861 u. 1863); dazu die verschiedenen preußischen Urkundenbücher.

  • Autor/in

    K. Lohmeyer.
  • Empfohlene Zitierweise

    Lohmeyer, K., "Karl" in: Allgemeine Deutsche Biographie 38 (1894), S. 606-607 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119054949.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA