Lebensdaten
1854 bis 1921
Geburtsort
Siegburg
Sterbeort
Neustrelitz
Beruf/Funktion
Komponist
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 11855476X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Humperdinck, Engelbert

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen im NDB Artikel

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Humperdinck, Engelbert, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11855476X.html [13.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Gustav (1823–1902), Gymnasialoberlehrer in S., seit 1877 Seminardir. in Xanten, Schriftst., S d. Engelbert, Arzt in Vreden b. Münster, u. d. Maria Catharina Ellerbeck;
    M Gertrud (1835–1903), T d. Franz Xaver Hartmann (1794–1853), aus Böhm. Brod, Domsekretär u. -kapellmeister in Paderborn, u. d. Helene Evers;
    Schw Adelheid (1858–1916), Schriftstellerin, schrieb d. Textbuch zu H.s Oper „Hänsel u. Gretel“ ( Hermann Wette, 1857–1919, Arzt u. Schriftsteller, beide s. DBJ I bzw. II, Tl.); Vt 2. Grades Karl (s. 2);
    Siegburg 1892 Hedwig (1862–1916), T d. Fabr. Robert Taxer u. d. Lina Willach;
    1 S, 3 T, u. a. Wolfram (* 1893), Regisseur u. Intendant, Biograph H.s.

  • Leben

    Die ersten musikalischen Eindrücke empfing H. im Elternhaus, besonders durch die Mutter, noch ehe er seit seinem 7. Lebensjahr regelmäßigen Unterricht im Klavierspiel erhielt und bereits während der Schulzeit entstandene Kompositionen seine musikalische Neigung und Begabung zeigten. Auf Wunsch des Vaters begann er zunächst Architektur zu studieren, wechselte aber schon 1872 zum Kölner Konservatorium, wo F. Hiller ihm eine Freistelle verschaffte und N. J. Homppech, E. Mertke, I. Seiß, F. Weber (Klavier und Orgel), Rensburg (Cello), G. Jensen, Hiller und Fr. Gernsheim (Harmonielehre, Kontrapunkt und Komposition) seine Lehrer waren. Seit 1876 sicherte der Preis der Frankfurter Mozart-Stiftung für 4 Jahre seine finanzielle Unabhängigkeit und ermöglichte die Übersiedlung nach München (1877). Auf Empfehlung Hillers wurde er hier Privatschüler F. Lachners, studierte aber zugleich an der Kgl. Musikschule bei Joseph Rheinberger (Kontrapunkt), K. B. Bärmann, O. Hieber (Klavier und Orgel) sowie bei W. H. Riehl (Musikgeschichte). Entgegen den Intentionen der Wagner-Gegner Hiller und Lachner waren die Münchner „Ring“-Aufführung (1878), wie schon das Gürzenich-Konzert Wagners (1873), von tiefgreifendem Einfluß auf ihn. Nach Gewährung des Mendelssohn-Reisestipendiums (1879) begegnete er Wagner in Neapel (1880).

    Dieser „anregendste und erhebendste Moment“ seines Lebens führte H. 1881/82 nach Bayreuth, wo er – als Assistent Wagners fast täglich Besucher im Hause Wahnfried – an dessen musikalisch-literarischem Leben teilhatte, während die vielfältigen Arbeiten zur Uraufführung des „Parsifal“ ihn zugleich mit der Kompositionsweise Wagners vertraut und so diesen Aufenthalt zur „fruchtbarsten Studienzeit“ werden ließen. Schon 1881 war H. auch der Preis der Meyerbeer-Stiftung zuerkannt worden, der ihm den Besuch von Rom und Paris sowie im Dez. 1882 den Aufenthalt in Venedig ermöglichte. Hier kam es zur letzten Begegnung mit Wagner, der H. vergebens als Orchesterleiter am Liceo musicale „Benedetto Marcello“ vorgeschlagen hatte, so daß dieser 1883 seine Reise über Paris nach Spanien, Gibraltar und Marokko fortsetzte. Im gleichen Jahr scheiterte der Versuch, als 2. Kapellmeister des Stadttheaters in Köln seßhaft zu werden, ebenso wie die Bemühungen um andere Kapellmeister-Stellen und die Bewerbung des „Wagnerianiers“ als Univ.musikdirektor in Bonn erfolglos waren. Stattdessen ging er 1884, nach erneutem Aufenthalt in Bayreuth, nach München als Assistent von H. Levi. Erst danach gewann H.s berufliches Wirken an Stetigkeit. Nach kurzem Intermezzo als musikalischer Gesellschafter A. Krupps wirkte er 1885/86 auf Vorschlag F. Wüllners als Theorie- und Kompositionslehrer am Liceo „Isabella II.“ in Barcelona, war 1886 – wie in den folgenden Jahren mehrfach – in Bayreuth, folgte 1887 zunächst einem Ruf an das Konservatorium in Köln, schrieb 1887/88 Konzertkritiken für die Bonner Zeitung und nahm 1888 eine Anstellung als „Lektor und Berater“, zugleich aber auch als Bearbeiter von Verlagswerken bei B. Schott's Söhne in Mainz an. Hier wurde H. der Mentor H. Wolfs und Lehrer S. Wagners, schrieb Opernkritiken für das Mainzer Tageblatt, ging dann nach erfolgloser Bewerbung als Musikdirektor in Düsseldorf 1890 an das Hochsche Konservatorium nach Frankfurt und übernahm hier zugleich die Musikberichterstattung für die Frankfurter Zeitung. Seit 1897 durch den weltweiten Erfolg seiner 1893 von R. Strauss in Weimar uraufgeführten Oper „Hänsel und Gretel“ finanziell unabhängig, zog er sich auf seinen in Boppard erworbenen Landsitz zurück und widmete sich allein seinem Schaffen. Hier erreichte ihn 1900 der Ruf an die der Akademie der Künste in Berlin angegliederte Meisterschule für Komposition. Als Professor wurde er Nachfolger M. Blumners und 1910 – mit der Ernennung zum Vizepräsidenten – nach M. Bruch Leiter der Theorie- und Kompositionsklasse. Er unternahm ausgedehnte Reisen nach Südspanien und Marokko und Italien (1905), eine Orientfahrt durch Algerien, Tunesien, Ägypten, nach Damaskus und Korfu|(1914), nach Budapest (1897, 50. Aufführung von „Hansel und Gretel“), nach New York (1905 „Hansel und Gretel“, 1910 „Königskinder“) und nach London (1911 „Mirakel“). Nach einem bereits 1912 erlittenen Schlaganfall nicht völlig genesen, entledigte sich H. 1920 seiner Verpflichtungen und zog sich aus dem Staatsdienst zurück.

    Von den frühen Werken H.s – soweit diese erhalten sind – waren lediglich die in München neben der „Humoreske“ für Orchester und der Musik zu „Die Frösche“ entstandenen Balladen „Die Wallfahrt nach Kevelar“ und „Das Glück von Edenhall“ sowie die „Maurische Rhapsodie“ von nachhaltigerer Wirkung. H. selbst hat diese Werke als „eher Mendelssohnisch“ empfunden, bevor er, unter dem Eindruck seines Bayreuth-Aufenthaltes dem eigenen Schaffen „neun Jahre entfremdet“, sich mit der Arbeit an „Hänsel und Gretel“ (1893) aus dem Bann der Werke Wagners lösen und „selbst wiederfinden“ sollte. 1890 erfolgte die Umarbeitung des zunächst als „Liederspiel“ konzipierten Stoffes zur Volloper, die H.s Ruhm begründete, Schöpfer der Märchenoper als spezifisch deutscher Kunstäußerung zu sein. Weder die „Königskinder“ (1894 in Zwischenaktmusiken, Liedern und Tänzen vorliegend, 1895-97 als „Melodram großen Stils“ und bis 1910 zur 3aktigen Oper umgearbeitet), noch „Die sieben Geislein“ (1895) – Musikeinlagen, deren Umarbeitung zur Oper H. ablehnte – oder „Dornröschen“ (1902) konnten diese ad hoc gewonnene Stellung zwischen Wagner-Epigonentum und Verismus präziser fixieren. Hinter diesem Erfolg zurück bleibt auch H.s Bemühen, alternativ zum pathetischen Opernstil der Zeit, mit „Heirat wider Willen“ (1905), „Gaudeamus“ (1919) und „Marketenderin“ (1914) Spielopern zu bieten, die das reale Leben mit „Anmut und behaglichem Humor“ im erklärten Sinne Lortzings darstellen.

    Nach dem Münchner Frühwerk und der für Köln konzipierten Musik zum „Richter von Zalamea“ (1883) weckte die Zusammenarbeit mit M. Reinhard in Berlin erneut H.s Interesse für Schauspielmusiken. 1905-07 entstanden unter weitgehender Einflußnahme Reinhards die 4 Shakespeare-Musiken, denen 1908 „Lysistrata“ und 1910 „Der blaue Vogel“ folgten, Vertonungen, denen die unaufdringliche lyrisch betonte Musik H.s mit ihrer fast naiven Natürlichkeit entgegenkommt. Die ähnliche, in ihrer stilistischen Haltung fast volkstümliche Faktur eignet auch H.s Vokalwerken, ohne daß diesen wirkliche Volkslieder zugrunde liegen, wie dies neben dem sog. „Suse-Lied“ zu Beginn des ersten und dem „Hagebutten-Lied“ zu Beginn des zweiten Bildes zu Unrecht für die Mehrzahl der Melodien in „Hänsel und Gretel“ beharrlich unterstellt worden ist. Vielmehr lenkt H. von den Gefühlsschwärmereien der Spätromantik zurück auf einen biedermeierlich gemahnenden Realismus der Beschaulichkeit, ohne jedoch auf die geistig-psychologische Durchdringung der Musik zu verzichten und damit der Gefahr der Verengung zu erliegen.|

  • Auszeichnungen

    Korr. Mitgl. d. Ak. Paris, 1908; Dr. phil. h. c. (Berlin 1910); Ehrenmitgl. d. Ac. Santa Cecilia Rom, 1914.

  • Werke

    Weitere W Kompp. f. d. Bühne: Bübchens Weihnachtstraum , 1906;
    Das Wunder, 1912. -
    Schauspielmusiken: Aristophanes: Die Frösche, 1879-86;
    Calderon: Der Richter v. Zalamea, 1883;
    Shakespeare: Der Kaufmann v. Venedig, 1905, Ein Wintermärchen, 1906, Der Sturm, 1906, Was ihr wollt, 1907;
    Maeterlinck: Der blaue Vogel, 1910.- 20 Werke f. Chor a capella u. mit Orch., 1875-1921;
    2 Orch.werke, 1878/79, 1898;
    Kammermusik, Lieder sowie Bearb. fremder Werke. -Schrr.:
    Skizzen zu e. „System d. Plastik“, 1879-81;
    Essayo de un Metodo del Armonia, 1885 (beide ungedr.);
    J. Haydn, Symphonie Es, in: Musikführer, 1895;
    Parsifal-Skizzen. Persönl. Erinnerungen an R. Wagner u. d. 1. Aufführung d. Bühnenweihfestspiels, in: Die Zeit, 1907;
    Die Zeitlose. Modernes Traummärchen. Siegburger Kindheitserinnerungen, Mss. hrsg. v. d. Humperdinck-Ges., 1948. -
    Ausgg.: Sang u. Klang fürs Kinderherz, 1909 ff.;
    Dt. Kinderliederbuch, o. J. |

  • Nachlaß

    Nachlaß in Stadt- u. Univ.bibl. in Frankfurt/M.: Originalpartituren, 46 Bde. d. seit 1880 regelmäßig geführten Tagebuches sowie d. umfangreiche Schriftwechsel mit Richard, Cosima u. Siegfried Wagner, Hugo Wolf, Gustav Mahler u. a.

  • Literatur

    O. Besch, E. H., 1914;
    F. Brusa, Haensel e Gretel di E. H., 1925;
    H. Kuhlmann, Stil u. Form in d. Musik v. H.s „Hänsel u. Gretel“, 1930;
    L. Kirsten, Motivik u. Form in d. Musik zu E. H.s Oper „Königskinder“, Diss. Jena 1942 (ungedr.);
    H. J. Zingel, Wagner u. H. in ihren persönl. Beziehungen, in: Die Musikwoche 4, 1944;
    K. W. Püllen, Die Schauspielmusiken E. H.s, Diss. Köln 1951 (ungedr.);
    E. Thamm, Der Bestand d. lyr. Werke E. H.s, Diss. Mainz 1951, 2 Bde. (ungedr.);
    W. Humperdinck (S), E. H., das Leben m. Vaters, 1965 (P);
    W. Huschke, Die Vorfahren d. Komp. E. H., in: Genealogie 22, 1973;
    MGG VI (W, L, P).

  • Portraits

    Gem. v. H. Kutsch, 1905 (Frankfurt/M., Stadt- u. Univ.bibl.).

  • Autor/in

    Horst Heussner
  • Empfohlene Zitierweise

    Heussner, Horst, "Humperdinck, Engelbert" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 58-59 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11855476X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA