Lebensdaten
1487 bis 1527
Geburtsort
Ravensburg
Beruf/Funktion
Humanist ; Philologe
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 124728073 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Humelberg, Michael
  • Hummelberger, Michael
  • Hummelberg, Michael
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Zitierweise

Hummelberg, Michael, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd124728073.html [19.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    B Gabriel (s. 1); - ledig.

  • Leben

    H. studierte seit 1501 in Heidelberg, wurde dort 1503 baccalaureus artium, zog dann nach Paris, wo er 1504 nochmals baccalaureus artium und 1505 magister artium, 1506 und 1511 Procurator der deutschen Nation|wurde. Als Lehrer bevorzugte er den Philosophen Jakob Faber Stapulensis, Jodocus Chlichtoveus und den Buchdrucker (Verleger) J. Badius Ascensius. Griechisch lernte er bei dem Spartaner Heronymos, bei Fr. Tissard und bei Hieronymus Aleander. Neben seinen Studien, die er u. a. mit Aventin betrieb, war er mit seinem Freunde Rhenanus auch als Korrektor tätig, so bei einer Hegesipp- und einer Ausonius-Ausgabe des Badius Ascensius (1511) und bei der Herausgabe eines Gedichtes des Bapt. Mantuanus zum Lobe des Mgf. Franz Gonzaga (1510). Badius widmete ihm 1511 seine Sammlung „Annotationes doctorum virorum“, wohl zum Dank für H.s Bemühungen um die Reinigung des Ausoniustextes. H. betont in einem an die Leser gerichteten Briefe seine Mitarbeit und die Bereitschaft Aleanders, über Ausonius öffentlich zu diskutieren. Das erste öffentliche Lob wurde H. 1506 in einer Widmungsepistel des Rhenanus zu einer 1507 gedruckten Ausgabe einer von O. Leonicenus ins Lateinische übersetzten und von Angelo Poliziano interpretierten Psalmenerklärung des hl. Athannsius und zweier Abhandlungen Basilius' des Großen (in der Übersetzung von Nicolò Perotto) und Plutarchs über den Neid und Zorn zuteil.

    H. strebte zeitlebens danach, durch intensive Lektüre klassischer, humanistischer und theologischer Literatur und durch lebhaften Gedankenaustausch im Briefwechsel mit bedeutenden Humanisten diesem in Paris grundgelegten und dann noch durch einen 1514-18 währenden Romaufenthalt, durch Praktizierung des kanonischen Rechtes – er nennt sich schon 1512 decretorum licentiatus – vertieften Bildungsideal gerecht zu werden. 1518 ließ er sich in Konstanz zum Priester weihen und führte dann als Kaplan bei St. Michael in Ravensburg ein erst gegen Ende seines Lebens durch die Konfrontation mit der Reformation Luthers und Zwinglis und durch den Bauernkrieg gestörtes beschauliches Privatgelehrtenleben. In Rom verkehrte er in der Societas Coritiana und trat kräftig für die Sache Reuchlins ein. In Konstanz lehrte er 1520 Johs. v. Botzheim und Johs. Faber Griechisch und trat dort im Sept. 1522 mit Rhenanus und Erasmus zu einem gelehrten Symposion zusammen, u. a. zu Versuchen, in röm. Quellen genannte Namen des Bodenseegebietes zu deuten und zu lokalisieren. Er korrespondierte fleißig mit Peutinger (über die Tabula Peutingeriana, über Ortsnamen und Umschriften röm. Münzen), Pirckheimer (über die Reformationswirren in Konstanz), Eberbach (1515/16), mit Kaspar Ursinus Velius, mit Rhenanus und Reuchlin, Bebel (1511–17) und Brassicanus, mit den Druckern Thomas Anshelm und Joh. Froben, mit Bruno Amerbach (1509–15), mit den mit ihm verwandten Medizinern J. Jakob Menlishofer in Konstanz und Joachim Egellius, Nikolaus Gerbelinus (1514–18), mit den kaiserl. Diplomaten Stephan Rosinus aus Augsburg (1515–19) und Wolfgang Prantner, Hochmeister des St. Georgsritterordens (1523), mit den Reformatoren Ambrosius und Thomas Blarer in Konstanz (1520–25), mit Urbanus Regius, Christoph Schappeler (Sertorius) in Memmingen (1512/13), Vadian und Melanchthon.

    H. verfaßte auch verschiedene Epitaphien (u. a. auf Maximilian I. und Ulrich v. Hutten gegen Othmar Luscinius) und dichtete Epigramme, darunter eines zu Ehren der hl. Ottilia (Elsaß). In den ersten Jahren der Reformation sympathisierte er stark mit Luther und Zwingli, rückte aber dann während des radikalen Abendmahlsstreites, besonders nach den ihn schockierenden Thesen Ökolampads und nach den bösen Erfahrungen im Bauernkriege wieder von ihnen ab. Ambrosius Blarer sollte noch 1524 eine Schrift H.s gegen den Luthergegner H. Emser vollenden, die aber nie erschienen ist. Rhenanus gab 1532 in Basel H.s praktische griech. Grammatik (Epitome Grammaticae Graecae) heraus.

  • Literatur

    (auch f. B Gabriel) ADB 13;
    J. Heumann, Documenta literaria, 1758;
    E. Böcking, Des Dec. Magnus Ausonius Mosella (mit d. Gedichten auf Bissula), 1828, S. 44;
    A. Horawitz, M. H., Progr d. Realgymnasiums im 9. Wiener Gemeindebezirk, 1874/75;
    ders., Zur Biogr. u. Corr. Johs. Reuchlins, in: SB d. Ak. d. Wiss. Wien, phil.-hist. Kl. 85, 1877;
    ders., Analecten z. Gesch. d. Ref. u. d. Humanismus in Schwaben, ebd. 86, 1877, 89, 1878;
    ders. u. K. Hartfelder, Briefwechsel d. Beatus Rhenanus, 1886, Neudr. 1966;
    K. Hartfelder, Der humanist. Freundeskreis d. Desiderius Erasmus in Konstanz, in: ZGORh NF 8, 1893;
    E. Arbenz, Aus Vadians Brietwechsel, in: Mitt. z. Vaterländ. Gesch., 1894, 1897;
    J. Neff, Aus d. Briefwechsel d. Humanisten M. H. mit Conrad Peutinger, Frhr. Chr. zu Schwarzenberg u. K. Ursinus Velius, Progr. d. Gymnasiums in Donaueschingen 1899/1900;
    P. S. Allen, Opus Epistolarum Des. Erasmi Roterodami I, 1906;
    T. Schieß, Briefwechsel d. Brüder Ambrosius u. Thomas Blaurer I, 1908;
    E. Egli u. G. Finsler, Zwinglis Briefwechsel I, = H. Zwinglis sämtl. Werke VII, 1911;
    E. König, Konrad Peutingers Briefwechsel, 1923;
    O. Clemen, Melanchthons Briefwechsel I, Suppl. Melanchthoniana, 6. Abt., 1926;
    A. Hartmann, Die Amerbachkorr. II, 1943;
    I. Kammerer, Die Stellung der Ravensburger Humanisten M. H. z.|Ref., in: Bll. f. württ. KG 57/58, 1957/58;
    L. Welti, Humanist. Bildungsstreben in Vorarlberg, 1965, S- 127 ff.

  • Autor/in

    Ludwig Welti
  • Empfohlene Zitierweise

    Welti, Ludwig, "Hummelberg, Michael" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 56-58 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd124728073.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Hummelberger: Michael H., Philolog, wurde 1487 zu Ravensburg in Schwaben geboren. Früh verließ er das Vaterhaus, 1508 bezog er die Universität Paris, wo er mit Beatus Rhenanus und Aventin bekannt wurde und sich besonders an Favre des Estaples anschloß, Griechisch betrieb er dort unter Leitung des H. Aleander. Als er 1511 aus Paris schied, war sein Freundeskreis daselbst schon ein großer. Viel größer wurde derselbe in der Heimath, die er erst wieder 1514, von unbezwinglicher Sehnsucht nach Italien erfaßt, verließ, um in Rom Studien im canonischen Rechte und Päpstlichen Kanzleifache zu machen. Hier wurde seine Wirksamkeit in mehr als einer Richtung von Wichtigkeit. Einerseits trat er mit solchem Erfolg für den durch die Dominikaner bedrängten Reuchlin ein, daß sein Name in das Verzeichniß der Vertheidiger Reuchlin's aufgenommen ward, andererseits machte er die Freunde auf alle Novitäten der Litteratur Italiens aufmerksam und sandte öfter Publicationen italienischer Humanisten zum Nachdruck an die Froben'sche Officin. 1517 kehrte er von Rom zurück, weilte einige Zeit in Constanz und nahm dann seinen bleibenden Wohnsitz in der Vaterstadt, in dieser als Theologe und Lehrer eine ersprießliche Thätigkeit entfaltend. Sein Fleiß war so singulär, daß ihm B. Rhenanus nachrühmt, er habe vom Schreiben nie ausgeruht. Er war auch ein eifriger Epistolograph und dem Fleiße auf diesem Gebiete, der sich in der sehr copiosen Abschrift seiner Briefe in dem Cod. Monac. 4007 und den 12 Episteln der Vadianischen Sammlung zu St. Gallen zeigt, danken wir eine Fülle von Nachrichten über die Entwickelung des Humanismus in Schwaben. Wir entnehmen denselben aber auch, welche geachtete und bedeutende Stellung H. in den schwäbischen Gelehrtenkreisen einnahm. Wie so Viele verehrte auch er vor Allem den großen Erasmus, erst später trat Luther's gewaltige Erscheinung neben den bisher allein in Hummelberger's Seele Herrschenden. Er nahm nun eine Mittelstellung zwischen Basel und Wittenberg ein. Doch später zog sich auch H. wie seine intimsten Freunde etwas von der öffentlichen Theilnahme für die Reformation zurück: sein Ideal wird wol das erasmische gewesen sein. H. war wie alle Humanisten ein guter Patriot, ein treuer Freund und eine unendlich gutmüthige warmherzige Natur. Er selbst hat ein liebliches Idyll von seinem Leben entworfen. Doch war diesem Leben keine lange Dauer beschieden. Im kräftigsten Mannesalter — er war vierzig Jahre geworden, erlag H. am 19. Mai 1527 in den Armen seines Vaters einem Schlagflusse, von Geschwistern und Freunden tief betrauert. Sein Bruder Gabriel hat ihm nicht nur die Grabschrift verfaßt, sondern auch für die Sammlung seiner Briefe Sorge getragen, deren Abschrift uns nun vorliegt. Hummelberger's Studien waren vornehmlich auf juridische, historische und philologische Gegenstände gerichtet; als|Schriftsteller ist er nur auf dem letzteren Gebiete aufgetreten, auf dem er auf zahlreiche Anfragen zeitgenössischer Gelehrten Auskunft geben mußte; seine Thätigkeit als lateinischer Dichter war nicht sehr bedeutend, seine Verse befinden sich bisher noch ungedruckt in der Handschriftensammlung der königlichen Hofbibliothek zu München 4007. Schon zu Paris war er an der Ausgabe der sogenannten Historia Aegesyppi (Paris, Badius Ascensius, 1511) hilfreich thätig; sein größtes Werk, das Schulzwecken dienen sollte und bei dessen Abfassung der bescheidene Mann wol kaum an die Veröffentlichung durch den Druck gedacht haben mag, gab Beatus Rhenanus nach seinem Tode heraus. Es ist die „Epitome Grammaticae Graecae“, die zu Basel 1533 bei Herdwagen erschien. B. Rhenanus rühmt das Verdienst der kurzen lichtvollen Behandlung des Gegenstandes in der Vorrede um so mehr, als die meisten der damals gangbaren Bücher — wie jeder Kenner weiß — entweder ganz unzulänglich oder aber allzu ausführlich und durch Aufführung von Ausnahmen und dialektlichen Bemerkungen dunkel und übersichtslos waren. Und wahrlich Hummelberger's grammatischer Abriß ist eine fleißige Zusammenstellung, die sich durch Deutlichkeit, genaue Unterscheidung und reiche Exemplification empfiehlt. An Melanchthon's Grammatik freilich darf man das Büchlein nicht messen.

    • Literatur

      Vgl. J. G. Schelhorn, Beiträge zur Erläuterung der schwäbischen Kirchen- und Gelehrtenhistorie I, S. 34—47. A. Horawitz, Michael Hummelberger, eine biographische Skizze, Berlin 1875, Calvary & Co. Dazu die Anzeige von L. Geiger in den Göttinger Gel. Anzeigen, 1875. Stück 43. Die Briefe von und an H. sind fast sämmtlich abgedruckt in A. Horawitz' Analekten zur Geschichte des Humanismus in Schwaben 1512—1518, Wien 1877 und A. Horawitz, Analekten zur Geschichte der Reformation und des Humanismus in Schwaben, Wien 1878.

  • Autor/in

    Horawitz.
  • Empfohlene Zitierweise

    Horawitz, Adalbert, "Hummelberg, Michael" in: Allgemeine Deutsche Biographie 13 (1881), S. 388-389 unter Hummelberger [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd124728073.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA