Lebensdaten
1899 bis 1964
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Capri
Beruf/Funktion
Regisseur ; Schauspieler ; Drehbuchautor
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118545981 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Harlan, Veit

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Zitierweise

Harlan, Veit, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118545981.html [14.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Walter (1867–1931), Dr. iur., Schriftsteller, Dramaturg d. Lessingtheaters in Berlin (s. L), S d. Otto (1840–1905), Bankier u. Landwirt, u. d. Bertha Bienert;
    M Adele Boothby (1869–1933/34);
    Ur-Gvv Traugott Bienert ( 1894), Mühlenindustrieller in Dresden (s. NDB II);
    Ov Wolfgang (1882–1951), Flugzeug-Ing., Auto-Industrieller (s. Rhdb., P);
    B Peter (* 1898), Musik-Instrumentenbauer, Moritz (* 1901), Kammersänger, Prof. a. d. Hochschule f. Musik in Freiburg;
    - 1) um 1928 (⚮) Dora Gerson (1899-1943 Auschwitz), Schausp., Kabarettistin, Chansonniere, 2) um 1929 (?) ( 1938) Hilde (* 1906, kath.), Schauspielerin, T d. Elektrotechnikers Karl Körber in Wien, 3) 1939 Kristina (1912-2001), Filmschauspielerin, T d. Prof. Hanrik Söderbaum u. d. Margarete Lundahl; Schwager Robert Körber (* 1896), Schriftsteller;
    1 S, 2 T aus 2), 2 S aus 3); N Jan (1937), Regisseur, Filmproduzent, produzierte d. Filme v. Stanley Kubrick, Christiane (* 1932, Stanley Kubrik, 1928–99, amerik. Regisseur, Filmproduzent, Drehbuchautor)..

  • Leben

    Nach dem Besuch des Gymnasiums und einer Lehre als Silberschmied erhält H. am Reinhardt-Seminar in Berlin seine schauspielerische Ausbildung. Auf die Kriegsteilnahme folgt seit 1919 seine Tätigkeit als Schauspieler unter anderem an der Volksbühne Berlin (1920–21), am Landestheater Meiningen (1922–23), am Staatstheater Berlin (1924–34) und seit 1926 auch in mittleren Filmrollen. Seit 1933 als Regisseur tätig, übernimmt H. 1935 für „Krach im Hinterhaus“ seine erste Filmregie. Zunächst auf Filmlustspiele spezialisiert, trägt ihn 1937 der Tendenzfilm „Der Herrscher“ in die erste Reihe der Filmregisseure des „Dritten Reiches“. Nach einigen unpolitischen Filmen schreibt (zusammen mit E. W. Möller und L. Metzger) und inszeniert er 1940 „Jud Süß“, dem nach den Farbfilmen „Die goldene Stadt“ (1942), „Immensee“ (1943), „Opfergang“ (1944) der Durchhaltefilm „Kolberg“ (1945) folgt. Des Verbrechens gegen die Menschlichkeit angeklagt, wird H. 1950 freigesprochen. Zwischen 1950 und 1958 schreibt und inszeniert er noch einige, wenig erfolgreiche Filme. Bis zu seinem Tode in zunehmendem Maße verfemt, bleibt er von 1958 an von jeder Bühnen- und Filmtätigkeit ausgeschlossen.

    H. ist ein guter, aber kein überragender Schauspieler. Seine darstellerische Tätigkeit verläuft ohne besondere Höhepunkte. In seinen Filmen führt er eine exakte und vorbildliche Schauspielerregie. Als Autor – er schreibt viele seiner Filme selbst – fehlt ihm das Empfinden für echte Tragik, er gleitet leicht ins Melodramatische, mitunter ins Sentimental-Kitschige ab. H. ist der Regisseur der „großen“, nicht unbedingt ganz echten seelischen Empfindung. Im Farbfilm macht er die Farbe zu einem natürlich, fast selbstverständlich anmutenden Gestaltungsmittel. Das Problem des farblichen Zusammenklangs von Außen-, Innen- und Landschaftsaufnahmen wird von H. mustergültig gelöst.

    Im Zentrum der allgemeinen Einschätzung H.s steht die Beurteilung seines antisemitischen Films „Jud Süß“. Dabei wird zumeist übersehen, daß die Figur des Süß-Oppenheimer im Film nicht exemplarisch für das Judentum steht und ihr diese Bedeutung erst durch Propaganda und Presse gegeben wurde. Auch scheint im Film (laut Hull) eine gewisse Zurückhaltung vorherrschend gewesen zu sein. Der schrankenlose antisemitische Hetzfilm ist nicht „Jud Süß“, sondern der von Fritz Hippler gestaltete abendfüllende Dokumentarfilm „Der ewige Jude“ (1940). H. ist ohne Zweifel in beachtlichem Umfang ein Nutznießer des Nationalsozialismus. Ihm wird jedoch in der Öffentlichkeit ein weit größeres Mitverschulden auferlegt, als es gerechtfertigt ist.|

  • Auszeichnungen

    Mussolini-Pokal, Venedig 1942, für „Der große König“; Professor-Titel, 1943 (anläßlich des 25j. Jubiläums der UFA).

  • Werke

    Regie u. a. Maria, die Magd (Drehbuch mit A. Eggebrecht) 1936; Die Kreuzersonate, 1937; Verwehte Spuren (Drehbuch mit Th. v. Harbou u. F. Lützkendorf), 1938; Die Reise nach Tilsit (auch Drehbuch), 1939; Das unsterbliche Herz (Drehbuch mit W. Eplinius), 1939; Der große König (auch Drehbuch), 1942; Die goldene Stadt (2. dt. Farbfilm) (Drehbuch mit A. Braun), 1942; Immensee (Drehbuch mit dems.), 1943; Opfergang (Drehbuch mit dems.), 1944; Unsterbl. Geliebte (auch Drehbuch), 1951; Hanna Amon (auch Drehbuch), 1951; Sterne üb. Colombo, 1953; Die Gefangene d. Maharadscha, 1954; Anders als Du u. ich (§ 175), 1957; Ich werde Dich auf Händen tragen, 1958.

  • Literatur

    J. R. George, Jud Süß, 1941 (Roman nach d. Film);
    G. Toschi u. Ward, Processo a Veit Harlan, in: Cinema 24, Mailand 1949;
    D. St. Hull, Der Nazifilm v. 1939 bis 1945, (in: Film Quarterly, Berkeley, Calif., 1961, Nr. 2), dt. in: Film,|Zs. f. Film u. Fernsehen, 1963, Nr. 3, S. 15 f., 44 f.;
    J. Wulf, Theater u. Film im Dritten Reich, 1964 (P);
    Enc. dello Spettacolo VI, Rom 1960;
    Glenzdorfs Internat. Film-Lex. I, 1960, S. 602 f. -Zu V Walter:
    Das dramat. Werk W. H.s, in: Volksspielkunst 6, 1925;
    Kosch, Lit.-Lex.;
    Rhdb.

  • Autor/in

    Rolf Burgmer
  • Empfohlene Zitierweise

    Burgmer, Rolf, "Harlan, Veit" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 679-680 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118545981.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA