Lebensdaten
1882 bis 1945
Geburtsort
Marienberg (Sachsen)
Sterbeort
nahe Luckenwalde
Beruf/Funktion
Filmregisseur
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118993933 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Steinhoff, Hans

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Zitierweise

Steinhoff, Hans, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118993933.html [20.05.2019].

CC0

  • Genealogie

    Außerehel. V Heinrich August Ludwig (1848–1903), Händler, Vertreter, erkannte S. 1901 offiziell als Sohn an;
    M Magdalena Reiter (1846–1906), aus Angkofen b. Pfaffenhofen/Ilm, Haushälterin, Köchin, Untern., T e. Schuhmachers;
    Halb-Schw Maria Luise (* 1874);
    1933 Gertrud Fertig (1902–89), Mannequin; kinderlos.

  • Leben

    Nach Kindheit und Jugend in Dresden, Pfaffenhofen/Ilm, München und Leipzig gelang S. 1897 mit gefälschtem Geburtsdatum die Aufnahme ins Leipziger Battenberg-Theater als jugendlicher Liebhaber. Ein von S. behauptetes Medizinstudium ist nicht zu belegen. Bis zum 1. Weltkrieg schlug er sich als Schauspieler und Sänger an zahlreichen Privat- und Tourneebühnen durch und sammelte Erfahrungen mit den Tonbild-Experimenten Oskar Messters (1866–1943); seit 1914 arbeitete er an Varieté-Theatern in Wien. 1921 drehte er dort erstmals mit seiner „Volo-Film“ nach eigenem Drehbuch „Kleider machen Leute“ nach Gottfried Keller, danach 1922 das Historienspiel „Der falsche Dimitry“ in Berlin. Nach dem Henny Porten-Film „Inge Larsen“ (1922/23) entstanden Drehbücher (u. a. Die Fledermaus) und seit 1924 kurz nacheinander 15 Spielfilme, Komödien, Literatur- und Kriminalgeschichten, Melodramen und Operetten, u. a. „Gräfin Mariza“ (1925), „Die Sandgräfin“ (1927) und „Angst“ (1928, nach S. Zweig). Populäre Vorlagen nutzte S. bei der Verfilmung von Fortsetzungsromanen wie Hans Schulzes „Der Mann, der sich verkauft“ (1925) in der Berliner Morgenpost oder Norbert Jacques’ „Das Frauenhaus von Rio“ (1927) in der Wiener Allgemeinen Zeitung. S. war auch in internationalen Co-Produktionen tätig, arbeitete in Rom, London und Paris. Nach frühen Experimenten mit dem Tonfilm (Gestörtes Ständchen, Maienandacht) gab er Jean Gabin|eine erste Filmrolle in „Chacun sa chance“ (1930, mit René Pujol) und drehte nach dem Drehbuch von Billy Wilder und Max Kolpe „Scampolo, ein Kind der Straße“ (1932). Von der Kritik wurden sein handwerkliches Können und seine Detailtreue gelobt, die zum Epischen tendierte.

    S.s national-konservative und antidemokratische Einstellung zeigen Filmarbeiten wie „Der Volksfeind“ nach Ibsen (1937). Obwohl kein NSDAP-Mitglied, war er ein überzeugter Vertreter der NS-Ideologie und mit Karl Ritter (1888–1977) und Veit Harlan (1899–1964) einer der wichtigsten Repräsentanten des NS-Films. Zum durchschlagenden Erfolg geriet 1933 sein Propagandafilm „Hitlerjunge Quex“ mit Berta Drews und Heinrich George. Dieser Film gehört neben „SA-Mann Brand“ von Franz Seitz und „Hans Westmar, Einer von Vielen“ von Franz Wenzler zu den politischen Initiationsfilmen des NS-Systems. S. wurde dafür mit dem goldenen Ehrenzeichen der HJ ausgezeichnet und Hauptreferent der Reichsjugendführung für Film. In der Folge standen S. technische und künstlerische Spitzenkräfte sowie ein entsprechender Etat zur Verfügung. S. galt als führerhörig und wurde in Kollegenkreisen dafür wenig geschätzt. 1935 verfilmte er Thea v. Harbous Drehbuch „Der Alte und der junge König“, einen Preußenfilm mit Emil Jannings und Werner Hinz, der zu den Röhm-Morden des Vorjahres eine Art Rechtfertigung liefern sollte. Sein Historienspektakel „Tanz auf dem Vulkan“ (1938) mit Gustaf Gründgens und Sybille Schmitz wurde einer der größten Leinwanderfolge des NS-Kinos. In „Robert Koch, der Bekämpfer des Todes“ (1939), wieder mit Emil Jannings, wurde der dt. Entdecker des Tuberkelbazillus zum Heroen wider Unverstand und Egoismus seiner Zeitgenossen stilisiert. 1940 schuf S. mit dem Heimatfilm „Die Geierwally“ mit Heidemarie Hatheyer einen Prototypen des Genres. Unmittelbar danach rechtfertigte sein antibrit. Propagandafilm „Ohm Krüger“ (1940/41) mit Emil Jannings die Massenvernichtung. Überwacht vom Propagandaministerium, war dies der zweitteuerste Film des „Dritten Reichs“, mit Prädikaten überhäuft und mit der eigens geschaffenen Prämie „Film der Nation“ ausgezeichnet. Auch „Rembrandt“ mit Ewald Balser (1941/42) folgte dem Muster des heroischen Einzelschicksals. Sein einziger, 2,3 Mio. RM teurer Farbfilm, eine Kriminalgeschichte nach Hans Rudolf Berndorffs „Shiva und die Galgenblume“ (1945, mit Hans Albers), blieb nach dem Einmarsch der russ. Armee in Prag unvollendet. Bei dem Versuch, sich aus dem besetzten Berlin nach Spanien abzusetzen, kam S. beim Abschuß seiner Maschine ums Leben.

  • Werke

    Stumm- u. Tonfilme (Regie, Drehbuch, Produktion): Filmogr. in CineGraph;
    Shiva u. d. Galgenblume, 1993 u. d. T. Shiva u. d. Galgenblume, Der letzte Film d. Dritten Reiches, v. H. G. Andres u. M. Krützen mit in Prag nachgedrehten Szenen, Interviews u. dokumentar. Teilen veröff.;
    Qu
    BA-Filmarchiv, Berlin (Restaurierungsprojekt: Die frühen Filme d. H. S., mit d. Univ. of the West of England, Bristol, unter Ltg. v. Barbara Schütz, seit 1999 in Arb.).

  • Literatur

    Kleider machen Leute (Kritik), in: Der Film, Nr. 1, 1922;
    Dt. Filmregisseure IV, in: Der Dt. Film v. 2. 10. 1937;
    R. Volz, in: Filmwelt v. 14. 6. 1940;
    Il Cinema Tedesco, Organizzazione, Dirigenti ( . . . ) a cura della Germania Film S. A., red. v. G. Marotta, 1942;
    O. Kriegk, Der dt. Film im Spiegel d. Ufa, 25 J. Kampf u. Vollendung, 1943;
    A. M. Rabenalt, Film im Zwielicht, Über d. unpol. Film d. Dritten Reiches u. d. Begrenzung des totalitären Anspruchs, 1958;
    G. Albrecht, Nat.sozialist. Filmpol., Eine soziol. Unters. über d. Spielfilme d. Dritten Reiches, 1962;
    J. Wulf (Hg.), Theater u. Film im Dritten Reich, 1964;
    E. Leiser, Dtld., Erwache! Propaganda im Film d. Dritten Reiches, 1968;
    F. Courtade u. P. Cadars, Gesch. d. Films im Dritten Reich, 1975;
    dies., in: L`Avant scène du cinéma, Suppl. Anthologie, Nr. 87, März 1976;
    G. v. Cziffra, Kauf Dir e. bunten Luftballon, Erinnerungen an Götter u. Halbgötter, 1975;
    K. Wetzel u. P. A. Hagemann, Zensur, Verbotene dt. Filme 1933–1945, 1978;
    H. Barkhausen, Filmpropaganda f. Dtld. im Ersten u. Zweiten Weltkrieg, 1982;
    H. Claus, Commerce, Culture, Continuity: H. S.`s ,Mittelfilm` Production of Stefan Zweig`s Angst (1928), in: German Life and Letters 56/2, 2003, S. 117–31;
    R. Giesen, Hitlerjunge Quex, Jud Süß u. Kolberg, Die Propaganda d. Dritten Reiches, 2009;
    F. Odenwald, Der nazist. Kampf gegen d. „Undeutsche“ in Theater u. Film 1920–1945, 2006;
    K. Mühsam u. E. Jacobsohn, Lex. d. Films, 1926;
    CineGraph;
    Kosch, Theater-Lex.;
    Kosch, Lit.-Lex.3 (W, L);
    Kulturlex. Drittes Reich;

  • Portraits

    Biogr. v. Horst Claus (Univ. of the West of England, Bristol) (in Vorbereitung)

  • Portraits

    | Werk- u. Szenenfotos (Fotoslg., Dt. Kinemathek, Mus. f. Film u. Fernsehen, Berlin).

  • Autor/in

    Brigitte Bruns
  • Empfohlene Zitierweise

    Bruns, Brigitte, "Steinhoff, Hans" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 202-203 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118993933.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA