Lebensdaten
1861 bis 1927
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Montana-Vermala Kanton Wallis (Schweiz)
Beruf/Funktion
Publizist
Konfession
jüdisch,evangelisch
Normdaten
GND: 118545892 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Harden, Maximilian Felix Ernst
  • Witkowski, Felix Ernst (ursprünglich)
  • Harden, Maximilian
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Zitierweise

Harden, Maximilian, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118545892.html [16.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Arnold Witkowski (1815–78), Seidenhändler in Posen, später Berlin, v. A. Bebel als „guter Demokrat“ geschätzt, eng befreundet mit Fr. Mehring, aber kein Politiker, S d. Kaufm. Süßkind W. u. d. Jette Löwenthal;
    M Ernestine (1825–1903), T d. Kaufm. Heinr. Krakau in Schwerin/Warthe;
    B Carl Sigismund Witting, begründet mit B Henry d. später angesehene Fa. Witting Broth., London, Richard Witting (1856–1923), Ob.-bgm. v. Posen 1891-1902, dann Dir. d. Nat.bank f. Dtld., nationallib., später radikal. Politiker (s. A. Kronthal, in: DBJ V, S. 395-403, L), Julian Max Witting, Landgerichtsrat in Heidelberg, Ludwig Witkowski, Prof. d. Neurologie in Straßburg;
    - 1) Berlin 1888 (⚮) Josefine Katarine (1860–1912), Schauspielerin, T d. Pastors Joost in Münster, 2) Berlin 1919 Selma (1863–1932), seit 1898 mit H. zus. lebend, gesch. v. Kaufm. Fontheim, T d. Berliner Bankiers Isaac u. d. Henriette Aaron aus Grevesmühlen;
    1 T aus 2);
    N (T d. Richard Witting) Ellen ( Hans Paasche, 1881–1920, Kapitänlt. a. D., pol. Agitator, Pazifist, s. DBJ II, Tl. 1920, W, L).

  • Leben

    H. ist in einem geistig hochstehenden, aber durch psychopathische Belastung des Vaters bis zur Auflösung zerrütteten Elternhaus aufgewachsen. Seine trotzige, zugleich erstrebte und gehaßte Einsamkeit, seine Verletzlichkeit und sein Pessimismus haben hier ihre Wurzeln. Als 13jähriger Primus der Sekunda vom Vater aus dem Berliner Französischen Gymnasium genommen und zum Kaufmann|bestimmt, erst zur Mutter, dann auf die Straße entlaufen, geriet er zu einer Schauspielertruppe. Über zehn Jahre ist er in Berlin und vielen anderen Orten Deutschlands beim Theater gewesen. Beim Übergang in die bürgerliche Welt erlangte er die Erlaubnis, seinen Künstlernamen Harden fortan als Familiennamen zu führen. Wie sein ursprünglicher Anhänger und später erbitterter Gegner K. Kraus wollte H. nicht nur durch Namens-, sondern auch durch Glaubenswechsel sich von seiner jüdischen Herkunft lösen. Schon als Schauspieler hat H. mit Übersetzen und Schreiben begonnen. Mit eigenwilligen und ideenreichen Aufsätzen und Kritiken über deutsche und ausländische, namentlich skandinavische, russische und französische Schriftsteller hat er schnell Ansehen errungen, auch Anstoß erregt. An der theatergeschichtlich bedeutsamen Gründung der Berliner Freien Bühne war er 1889 beteiligt. Die Errichtung des Berliner Deutschen Theaters war mit sein Werk. Max Reinhardt ist er lange Jahre unentbehrlicher Berater gewesen; ihn hat er zur Einstellung manches später berühmt gewordenen Schauspielers zu überreden verstanden. Die Theaterkultur und Schauspielkunst haben ihm wertvolle Impulse zu verdanken. H. ist, wie er selbst betont hat, als Literat, speziell als Essayist, zur Politik gekommen. Literarische Ambitionen haben, auch bei stärkstem politischem Engagement und in ernster wie heiterer Polemik, seine Publizistik geformt. Den entscheidenden Auftakt zur Eulenburg-Kampagne gestaltete er nach einer Szene aus Goethes Faust.

    Als Preuße konservativer Einstellung und als intellektueller Monarchist hat H. 1889 brieflich seine Feder dem Kaiser angeboten, ist aber, was Ph. Eulenburg später als schweren Fehler bezeichnet hat, mit militärischer Schroffheit abgewiesen worden. Dadurch in seinem schriftstellerischen Selbstbewußtsein und durch den Wilhelminischen Stil in seinem ästhetischen Gefühl verletzt, ist er schon früh in eine Gegnerschaft zu Wilhelm II. getreten, die zu einem Angelpunkt seiner politischen Publizistik geworden ist. Den Durchbruch zu ihr vollzog er unter dem Eindruck der Entlassung Bismarcks und deren Folgen. Doch auch sein Bekenntnis zu ihm war ursprünglich weniger politisch als ästhetisch-menschlich motiviert. Es wurde sein Triumph, daß Bismarck ihn, nach einigem Abwarten, im Februar 1892 und in den folgenden Jahren noch wiederholt nach Friedrichsruh einlud und nicht als „Journalisten“, sondern als gleichberechtigten Gast behandelte. H. hat sich später in der Rolle eines Hüters der Bismarcktradition und, nach 1918, des letzten überlebenden Freundes des großen Staatsmannes gefallen, sich aber zu keiner Zeit von Friedrichsruh kaufen lassen, vielmehr, entgegen Bebels Vorwurf, auch Bismarck gegenüber seine Unabhängigkeit gewahrt. Auch die Gründung der Zeitschrift „Die Zukunft“ im Oktober 1892 war, vom Technisch-Finanziellen abgesehen, ganz seine eigene Idee, sein Wagnis. Er hat sie 30 Jahre lang, gleichzeitig Herausgeber, Redakteur und Hauptautor, im Einmannbetrieb als individuelles Kampfinstrument geführt. Er hat in ihr aber auch durch Heranziehung bedeutender Köpfe des In- und Auslandes und verschiedenster Richtungen ein allgemein zugängliches kulturkritisches Forum und einen Tummelplatz freier Geister von damals einzigartiger Weite und Prägung geschaffen.

    H. hat als Mann der Bismarckfronde begonnen und als solcher den „Neuen Kurs“ erbittert mit großer Sachkenntnis, literarischem Einfallsreichtum, viel Witz, aber auch vielfach verständnislos und daher ungerecht bekämpft. Bülow hat er wie kaum ein anderer in dessen für die Behandlung des Kaisers und für die Leitung der Reichsgeschäfte verderblichen Vorzügen und Schwächen erkannt und kritisiert. Für den schwerblütigen Denker, nüchternen Verwaltungsbeamten und diplomatisch ungeschickten Ethiker Bethmann Hollweg konnte er kein Verständnis aufbringen. Innenpolitisch, über Bismarck weit hinausgreifend, verlangte er mit einem richtigen Gefühl für Kommendes Beseitigung veralteter Vorrechte und Abschaffung der Kabinettspolitik, Überwindung des Klassenstaates und parlamentarische Beschränkung der Monarchie mit Ministerverantwortlichkeit.

    Im Streit um die Behandlung der Sozialdemokratie, der er nicht angehörte und die er als Partei nebst ihren „roten Primadonnen“ ablehnte, ist H. bis an die Grenze des Bruchs mit Bismarck gegangen. Er verwarf jede Unterdrückungspolitik, sprach sich für Besserung des Loses der Proletarier und für das Streikrecht der Arbeiter aus. In der Sozialpolitik folgte er der Linie seines zeitweiligen Mitarbeiters F. Naumann. Der allzuschnell fortschreitenden Industrialisierung suchte er früh ein Gegengewicht in einer Art von Sozialagrariertum zu geben, an das ihn auch seine – an Fontane erinnernde – mit Kritik verbundene Zuneigung zum preußischen Junkertum und seine Schwäche für das Aristokratische annäherte. Er wollte wie Lagarde, daß sich die Adligen, schon um jede Kamarilla unmöglich zu machen, von ihren Bindungen an die Kronen freimachten, sich|wie der von ihm erfundene „Junker Moritz“ demokratischeren Auffassungen erschlossen, und er wünschte, daß sich Junker und Unternehmer unter Zugeständnissen an die Zeitbedürfnisse zu einer neuen Führungsschicht verbanden. Aber ein Angebot, die Schriftleitung der agrarischen „Deutschen Tageszeitung“ zu übernehmen, hat er 1893 abgelehnt. Er wollte auch nach dieser Seite hin unabhängig bleiben. Auf keinem Gebiet hat er sich so fanatisch als Einzelgänger gezeigt wie auf dem der von ihm verachteten, aber seine Lebensluft ausmachenden Presse. Sein besonderer Haß galt lange den meist jüdisch geleiteten, als offiziöse Kampftruppe des „Neuen Kurses“ verrufenen und byzantinischer Servilität beschuldigten Berliner Freisinnszeitungen. Dies ebenso wie seine Lauheit gegenüber dem Zionismus und seine durchaus fehlgehende Stellungnahme in der Dreyfusaffäre haben ihm den Vorwurf des Antisemitismus eingetragen. Ihn hat er natürlich abgelehnt, ebenso aber auch den „rücksichtslosen Philosemitismus“ der Freisinnigen, der „jede verständige Erörterung der Rasseprobleme“ zu verhindern suche. H. sah es als verhängnisvoll an, wenn die Juden eine allzu geschlossene Front bildeten, die Verdienste ihrer Gegner und ihre eigenen Errungenschaften nicht genügend würdigten, er lehnte es aber auch ab, in ihrer Intellektualität ein allgemein verbindliches Ideal zu sehen und ihren Gesichtspunkten womöglich Einfluß auf die auswärtige Politik, wie zum Beispiel gegenüber Rußland, zu gestatten, für ihre Interessen die „hinlänglich bedrohte deutsche Zukunft zu opfern“.

    Als Patriot bekämpfte H., gerade weil er in der Monarchie bis in den 1. Weltkrieg hinein die für das Deutsche Reich passendste Staatsform sah, das persönliche Regiment des Kaisers. Sein nationales Engagement ließ ihn zahlreiche Geld- und Haftstrafen, Unterdrückung seiner Zeitschrift und Verzicht auf ein ruhiges Leben in Kauf nehmen. Daß der Staat ihn doch in erstaunlichem Maße hat gewähren lassen, geschah weniger aus Liberalität und Großmut als aus einem nicht ganz gerechtfertigten Gefühl der Stärke und Integrität und aus einer mit standesmäßigen Vorurteilen und antisemitischen Ressentiments verbundenen Geringschätzung des journalistischen Berufs und der publizistischen Wirkungsmöglichkeiten. Zweifellos hat H. mit seinen Artikeln zur Schwächung des monarchischen Gefühls in Deutschland beigetragen, aber auch Wege zu einer zeitgemäßen Umgestaltung gewiesen. Daß sie nicht eingeschlagen wurden, war nicht seine Schuld. Ende August 1906 gewann ihn der im April aus dem Auswärtigen Amt entlassene Holstein, den er bis dahin publizistisch bekämpft hatte, für eine politische Partnerschaft, aus der sich eine Freundschaft entwickelte. Der Vorwurf, daß Holstein ihn zur Kampagne gegen Philipp Eulenburg angestiftet und dazu mit Material versehen habe, ist widerlegt. H. hat sie aus eigenem Entschluß und mit eigenen Unterlagen, allerdings in stetiger enger Fühlung mit Holstein durchgeführt. In den Eulenburg- und Moltke-Prozessen von 1907-09 und in der Daily Telegraph-Affäre, in der er offen die Abdankung des Kaisers forderte, zeigte sich H. bereits als eine öffentliche Macht, mit der zur Vermeidung noch größeren Skandals zu unterhandeln, ja zeitweise zu paktieren sogar dem Fürsten Bülow geraten schien. H. hat aber in Eulenburg und seinem Kreis nicht in erster Linie Männer wegen einer Abartigkeit, für die er sogar Verständnis und Straflosigkeit gefordert hatte, sondern wegen ihres nach seiner Überzeugung schädlichen Einflusses auf den Kaiser und damit auf die Staatsgeschäfte angegriffen. Daß dieser Einfluß sich der Kontrolle entzogen und den Monarchen in seinen automatischen Neigungen, seiner Überheblichkeit und in seinem Widerstand gegen Reformen bestärkt hat, kann heute nicht mehr bestritten werden. H. hat zunächst einen Skandal zu vermeiden gesucht; er wollte durch Warnungen, die nur den Angegriffenen verständlich waren, und durch gütliche Vereinbarungen sein Ziel erreichen. Erst als dies fehlschlug, hat er sich zu offenem und rücksichtslosem Vorgehen entschlossen.

    In der Außenpolitik hat H. bei Bismarcks Lebzeiten dessen vorsichtige Konzeptionen vertreten und sich von ihnen erst abgewandt, als um die Jahrhundertwende der Gedanke deutscher Weltpolitik die Öffentlichkeit zu beherrschen begann. Er forderte nun eine aggressive und expansive deutsche Politik, doch nicht aus chauvinistischem Übermut, sondern im Bewußtsein einer historischen Notwendigkeit, einer nicht zu übersehenden Aufgabe. Gerade darum kritisierte er schärfstens die ihr inadäquate innere Situation Preußen-Deutschlands, die teils schwächliche, teils herausfordernde Regierungspolitik, welche die Stellung des Reichs unter den Mächten seit 1890 ständig verschlechtert hatte. Er sah schon 1896 eine übermächtige Front der Großmächte gegen Deutschland entstehen und war daher wie viele andere sehr beunruhigt über die Entwicklung der internationalen Lage, die sich seit der Jahrhundertwende ständig zu Ungunsten Deutschlands verschlechterte. Der ziellosen Politik der Reichsregierung und vor allem des Kaisers|gab er daran die Hauptschuld. Die Flottenpolitik Tirpitz' lehnte er entschieden ab. Er hätte eine Verständigung mit England gern gesehen. Angesichts der sogenannten Einkreisung ist dann allerdings H. der Gedanke gekommen, daß eventuell durch einen Präventivkrieg der sich um Deutschland schließende Ring durchbrochen werden müsse. Er unterlag der gefährlichen Überschätzung der deutschen Möglichkeiten und der Unterschätzung des gegnerischen Potentials, die sich aus dem damaligen unbedingten Vertrauen in die deutsche Volks- und Wehrkraft erklären und die durchaus nicht nur für alldeutsche Kreise typisch gewesen sind.

    Im 1. Weltkrieg hat H. ziemlich früh erkannt, daß Deutschland den Krieg nicht gewinnen konnte, und aus dieser Erkenntnis die notwendigen Folgerungen gezogen. Er verfocht mit Nachdruck durchgreifende politische und soziale Reformen im Inneren, wurde ein radikaler Gegner aller Annexionsziele und des unbeschränkten U-Boot-Krieges. In der Beurteilung Amerikas und in dem Glauben, sie durch „Zukunft“-Artikel beeinflussen zu können, hat er freilich die Bahnen der Realität verlassen. Aber seine Gedanken über die Notwendigkeit einer Einigung Europas, über den Völkerbund, über Abrüstung und Weltschiedsgericht und die Organisierung eines allgemeinen Friedens waren nicht Hirngespinste eines wichtigtuerischen Skribenten, erst recht nicht Lumpereien eines defätistischen Verräters: sie enthielten ein zukunftweisendes und heute höchst aktuelles Programm. H. hat seine Gedanken dem Kanzler und sogar dem Kaiser, schließlich in Vorträgen auch der großen Öffentlichkeit nahezubringen versucht. Den Umsturz 1918 hat er zunächst enthusiastisch begrüßt, aber damals weder Aufgaben noch Amt erhalten. Die Weimarer Republik enttäuschte ihn tief. Er fühlte sich übergangen, ja verstoßen und sagte nun dem neuen Regime noch schonungsloseren, allerdings auch wirkungsloseren Kampf an als er gegen das kaiserliche geführt hatte. Dabei vergaß er Sinn und Maß und ließ sich von einem extremen Subjektivismus und blindem Haß zu Entgleisungen, selbst gegen den Reichspräsidenten Ebert, hinreißen, die ihn unglaubwürdig machten und gerade dadurch, daß sie ungeahndet blieben, bewiesen, daß man nach ihm nicht mehr fragte. In den blindwütigen und verzweifelten Attacken, die er nach 1918, immer weniger gelesen, in der „Zukunft“, in deutschen, holländischen und amerikanischen Blättern gegen die neuen Verhältnisse, Institutionen und Personen richtete, ging auch das Positive unter, das er noch zu sagen hatte. Durch seinen Kampf gegen nationalistische Gewalttaten, gegen die Dolchstoßlegende, sein Eintreten für einen völligen Bruch mit der nationalen Vergangenheit, für Anerkennung der deutschen Kriegsschuld zog er sich vollends den Ruf eines nationalen Verräters und Schädlings und schließlich das Attentat zu, das nicht lange nach der Ermordung seines früheren Freundes Rathenau am 3.7.1922 auf ihn verübt wurde. Innerlich gebrochen und verbittert, lebte er fortan, schwer asthmaleidend, in Holland. Zum Prozeß gegen seine Attentäter noch einmal nach Berlin zurückgekehrt, hat er vor deren jüdischen Verteidigern und vor dem jüdischen Gerichtsvorsitzenden nach offensichtlich unter nationalistischem Druck gefälltem milden Urteil seinem Deutschtum feierlich abgeschworen.

    H.s Persönlichkeit und publizistische Tätigkeit sind zu widerspruchsvoll, um ein einheitliches Urteil zu ermöglichen. Der heutige Betrachter wird viele politische Forderungen und kritische Einwände H.s als berechtigt, einige sogar als vorausschauend anerkennen müssen, aber auch die Wandlungen seiner Haltung, seinen Mangel an Maß und die Labilität seines Charakters nicht übersehen können. Der Vorwurf des Opportunismus oder auch nur einer indirekten Bestechlichkeit ist unbegründet. Er ist immer unabhängig und integer geblieben und hat im Kampf gegen die Großen manchen Kleinen und Bedrängten geholfen. Seine Hauptschwäche waren eine beinahe pathologische Eitelkeil und ein ungewöhnlicher Geltungsdrang. Andererseits ist nicht zu verkennen, daß er mit Hingabe und mit einem erstaunlichen Mut seine Überzeugung vertreten hat.

  • Werke

    Berlin als Theaterhauptstadt, in: Die Nation, 1889;
    Die Freie Bühne in Berlin, in: Das Mgz. f. Lit. v. 5.4.1890;
    Apostata, 1892, NF 1893 (Aufsätze);
    Lit. u. Theater, 1896 (Aufs, aus „Gegenwart“);
    Die Zukunft, 119 Bde., 1892-1922;
    Kampfgenosse Sudermann, 1903;
    Köpfe, 4 Bde., 1910–13, 1924 (Bd. 1, 2 u. 4 Biogrr., Bd. 3 Prozesse, mit einigen überarbeiteten Artikeln aus „Die Zukunft“);
    Krieg u. Friede, 2 Bde., 1918;
    Das Recht soll siegen, 1918;
    Die Begründung d. Zukunft, in: G. Stilke, Denkschr. u. Arbeitsschr., hrsg. v. O. Häring, 1922, S. 103 ff.;
    Dtld., Frankreich, England, 1923;
    Von Versailles nach Versailles, 1927 (Aufs. aus „Die Zukunft“, mit einigen Textänderungen);
    M. H.-Brevier, hrsg. v. E. Schmaltz, 1947 (P). - Briefe H.s an Wedekind, hrsg. v. W. Herzog, in: Das Forum, Nov. 1928, S. 88 f.

  • Literatur

    F. Mehring, Der Fall Lindau, 1890;
    ders., Kapital u. Presse, Ein Nachspiel z. Fall Lindau, 1891;
    ders., Herrn H.s Fabeln, Eine notgedrungene Abwehr, 1899;
    H. Delbrück, Herr Lamprecht u. Herr H., in: Preuß. Jbb. 92, 1898;
    ders., Kautsky u. H., 1920;
    Herr H. als Kritiker, in: Das Magazin f. Lit. 67, 1898, S. 295 ff.;
    M. Busch, Bismarck, Some|secret, pages of his diary III, London 1898, S. 570;
    H. Sudermann, Verrohung i. d. Theater-Kritik, 1902;
    H. Sandler, in: Jüd. Rdsch. v. 13.1.1905, S. 14 ff.;
    J. Theodor, in: Die Schaubühne I, 1, 1905;
    E. Friedegg, Harlekin als Erzieher, Eine Studie üb. M. H., 1906;
    F. Freund, M. H., Der Vaterlands-Retter, 1907;
    P. Wiegler, in: Essays üb. führende Geister unserer Zeit 5, 1908;
    ders., in: Die Literar. Welt v. 11.11.1927;
    E. Mühsam, Die Jagd auf H., 1908;
    ders., Fanal, in: Anarchist. Mhh., 1927, Nr. 3, S. 66 ff.;
    P. Büsching, in: Süddt. Mhh. 5, 1908, S. 362 ff.;
    K. F. Sturm, M. H., Btrr. z. Kenntnis u. Würdigung e. dt. Publizisten, 1908;
    J. W. Harnisch, H., Eulenburg u. - Moltke, 1908;
    F. Wedderkopp (J. W. Harnisch), H. im Recht?, 1908;
    K. Kraus, Der Patriot, in: März v. 15.12.1908, S. 422 ff.;
    ders., H.s Antwort, 1908;
    ders., M. H., Nachruf, 1908;
    ders., in: Kriminalität u. Sittlichkeit, 1923, S. 38 f.;
    Gesch. d. Frankfurter Ztg., Volksausg. 1911, S. 424, 1032 ff.;
    Th. Lessing, Der 50j. H., in: Schaubühne v. 19.10.1911;
    ders., Der jüd. Selbsthaß, 1930;
    F. Endres, Kg. Ludwig II. u. M. H., in: Süddt. Mhh. 9, 1912, S. 123 ff.;
    F. W. Wile, Rings um d. Kaiser, 1913, S. 229 ff.;
    H. Bernstein, With Master Minds, in: Interviews, 1913, S. 171 ff.;
    F. Thimme, M. H. am Pranger, 1919;
    D. Stürmer, M. H. ! Der „geheimnisvolle Gewaltige“?, Eine Studie, 1920;
    H. Bahr, M. Reinhardt u. a., M. H. z. 60. Geb.tag, 1921;
    P. Mayer, „M. H.“, Juden i. d. dt. Lit., hrsg. v. G. Krojanker, 1922;
    H. Friedjung, Das Za. d. Imperialismus 1884-1914, II, 1922, S. 40, 94 f.;
    K. Tucholsky, Prozeß H., in: Weltbühne v. 21.12.1922 (auch in: Die Kultur v. 15.4.1957);
    F. Pfemfert, in: Prager Presse v. 27.11.1927;
    E. Engel, Menschen u. Dinge, 1929, S. 127 ff. u. ö.;
    W. Mehring, H., in: Weltbühne v. 20.10.1931;
    H. O. Meisner, Gespräche u. Briefe Holsteins 1907–09, in: Preuß. Jbb. 228 u. 229, 1932;
    L. Herz, Holstein, H., Eulenburg, ebd. 229, S. 246 ff.;
    H. Rogge, F. v. Holstein, 1932 (Reg.);
    ders., Holstein u. H., Pol.-publizist. Zusammenspiel zweier Außenseiter d. Wilhelmin. Reichs, 1959;
    ders., Aus M. H.s pol. Publizistik 1912–22, in: Publizistik, 1961, S. 301 ff.;
    ders., Die Kladderadatschaffäre, Ein Btr. z. inneren Gesch. d. Wilhelmin. Reichs, in: HZ 195, 1962, S. 90 ff.;
    M. Baumont, L'Affaire Eulenburg et les Origines de la guerre mondiale, Paris 1933, S. 180 ff.;
    Documents diplomatiques Français (1871–1914), 2e Série, VII, ebd. 1937, S. 401 ff.;
    W. Frank, Geist u. Macht, 1938, S. 62 ff.;
    ders., „Höre Israel!“, H., Rathenau u. d. moderne Judenfrage, 1939, auch 1942;
    British Documents on the Origins of the War 1898-1914, hrsg. v. G. P. Gooch u. H. Temperley, VII, 1932, Nr. 467, S. 443 ff.;
    E. Eyck, Bismarck III, 1944, S. 607 f.;
    ders., Das persönl. Regiment Wilhelms II., 1948;
    E. Schering, M. H. u. s. Freundin, in: Das goldene Tor 6, hrsg. v. A. Döblin, 1951, S. 93 ff.;
    F. Frhr. Hiller v. Gaertringen, Fürst Bülows Denkwürdigkeiten, 1956;
    P. W. Massing, Vorgesch. d. pol. Antisemitismus, 1959;
    H. F. Young, M. H. Censor Germaniae, Den Haag 1959 (P);
    G. Mann, M. H., in: S. Fischer Alm., 1960, S. 34 ff.;
    ders., M. H., in: Gesch. u. Geschichten, 1960, S. 292 ff., 532;
    A. Enseling, Die Weltbühne, Organ d. intellektuellen Linken, 1962;
    B. F. Dolbin u. W. Haas, Gesicht e. Epoche, 1962, S. 49 (P);
    G. W. F. Hallgarten, Imperialismus vor 1914, Bd. 1 u. 2, 1963;
    H. Pross, Lit. u. Pol., 1963;
    Kosch, Lit.-Lex.;
    Soergel-Hohoff I;
    The Enc. American XIII, New York u. Chicago 1954, S. 696 f.;
    Algemene Winkler Prins. Enc. IV, Amsterdam u. Brüssel 1957, S. 783.|

  • Nachlaß

    Nachlaß im Bundesarchiv Koblenz. Briefe u. a. Papiere von u. üb. H., Drucksachen u. Bilder a. d. Nachlaß v. E. Schmaltz im Berliner Hauptarchiv.

  • Portraits

    Jugendbildnis v. F. v. Lenbach (im Bes. v. H.s T), Abb. b. Young, s. L;
    Karikaturen b. Dolbin/Haas, s. L;
    Totenmaske, Abb. in: H.-Brevier, s. W, u. in: Die Neue Ztg. v. 15./16.11.1952. - Zu Selma H.: Gem. v. E. Munch (Hamburg, Kunsthalle).

  • Autor/in

    Helmuth Rogge
  • Empfohlene Zitierweise

    Rogge, Helmuth, "Harden, Maximilian" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 647-651 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118545892.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA