Lebensdaten
1854 bis 1937
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Ägyptologe
Konfession
französisch-reformiert
Normdaten
GND: 118530852 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Erman, Jean Pierre Adolphe
  • Erman, Adolf
  • Erman, Adolphe
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Zitierweise

Erman, Adolphe, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118530852.html [13.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Adolphe (1806–77), Prof. der Physik in Berlin, 1828-30 Teilnahme an Expedition nach Sibirien, anschließend Reise um die Erde (s. ADB VI), S des Paul s. (2);
    M Marie (1816–1902), T des Frdr. Wilh. Bessel ( 1846), Astronom (>s. NDB II);
    B Wilh. s. (3), Heinr. (1857–1940), Prof. des römischen u. bürgerlichen Rechts in Lausanne u. Münster, gemeinsam mit A. Damaschke setzte er sich für Kriegerheimstätten und Bodenreform ein;
    Berlin 1884 Käte (1862–1943), T des Kaufm. Charles Henri Louis d'Heureuse;
    2 S, 4 Töchter; Neffe (Sohn des Heinr.) Walter (* 1904), Prof. der Rechte in Köln.

  • Leben

    Frühen Neigungen folgend, studierte E. Ägyptologie und semitische Sprachen in Leipzig bei G. Ebers und in Berlin, wo er bei R. Lepsius promovierte und als wissenschaftlicher Hilfsarbeiter zunächst in der Bibliothek und in der Münzsammlung der königlichen Museen tätig war. 1884 übernahm E. als Direktor das Ägyptische Museum in Berlin, 1892 wurde er auf den Lehrstuhl der Berliner Universität berufen. Sogleich mit seinen ersten Veröffentlichungen (unter anderem Die Pluralbildung im Ägyptischen, 1878) führte E. die Ägyptologie aus dem Stillstand nach der Entzifferung der Hieroglyphen zu der neuen Aufgabe systematischer Erforschung des Baus und der grammatikalischen Konstruktion der Sprache. Von der Vulgärsprache des Neuen Reiches ausgehend, schied er erstmals die sprachlichen Erscheinungen gemäß den Phasen|ihrer historischen dreitausendjährigen Entwicklung (Neuägyptische Grammatik, 1880, 21933; Ägyptische Grammatik, 1894, 41928, englische Übersetzung 1894). Durch Interpretationen literarischer, religiöser und historischer Texte und durch das von ihm 1897 ins Leben gerufene und unter seiner Leitung stehende Unternehmen des Wörterbuchs der ägyptischen Sprache schuf er der Sprachwissenschaft die bis heute gültigen Grundlagen. Was durch die Entzifferung der Hieroglyphen lesbar geworden war, wurde durch E. verständlich. E. hat aber die Ägyptologie zugleich aus der Enge reiner Philologie befreit und ihr durch sein „Ägypten und ägyptisches Leben im Altertum“ (1885, 31923 bearbeitet von H. Ranke) die Erforschung der alten Kultur in allen ihren Lebensäußerungen zum Ziel gesetzt. Die ausgeprägte, vielseitige Persönlichkeit E.s war das Haupt der „Berliner Schule“, aus der eine ganze Generation deutscher und ausländischer Ägyptologen hervorgegangen ist. Mit seinen streng wissenschaftlich und zugleich anmutig und fesselnd geschriebenen kultur- und religionsgeschichtlichen Werken hat er über Deutschland hinaus das Interesse weiter Kreise für das alte Ägypten geweckt. Als Empiriker hat er seine auf die Ergründung der Tatbestände gerichteten Ziele verfolgt und erreicht, doch konnte sich dem „Spätling der Aufklärung“ das Verständnis für die eigentümliche Denkweise des fremden Volkes, vor allem in der ägyptischen Religion, nicht ganz erschließen (H. Kees). – Maximiliansorden, Friedensklasse des Pour le mérite, Mitglied in- und ausländischer Akademien.

  • Werke

    Weitere W Dt. Medailleure d. 16. u. 17. Jh., 1884; Der Tontafelfund v. Teil Amarna, 1888;
    Die Sprache d. Papyrus Westcar, 1889;
    Gespräch e. Lebensmüden mit s. Seele, 1896;
    Bruchstücke koptischer Volkslit., 1897;
    Aus d. Papyri d. kgl. Museen, Ein Denkmal memphit. Theol., 1899;
    Zaubersprüche f. Mutter u. Kind, 1901;
    Ägypt. Rel., 1905, 31933, ital. 1908;
    Hymnen an d. Diadem d. Pharaonen, 1911;
    Die Hieroglyphen, 1912;
    Die Lit. d. Ägypter, 1923;
    Die ägypt. Schülerhss., 1925;
    Wb. d. ägypt. Sprache, 1926-31 (mit H. Grapow);
    Die Welt am Nil, 1936;
    Mein Werden u. Wirken, 1929 (Autobiogr., P; besprochen v.
    W. Schubart, in: Oriental. Lit. Ztg. 1930, Sp. 509-11). – Zu V Adolph:
    Reise um d. Welt durch Nord-Asien u. d. beiden Oceane in d. J. 1828-30, hist. Abt., 5 Bde., 1833-42, physikal. Abt., 2 Bde., nebst Atlas, 1835-41; Hrsg.:
    Archiv f. wiss. Kde. v. Rußland, 1841-66; zu B Heinr.:
    ZSRG 61, 1941, S. 497-503;
    Wi. 1935 (W).

  • Literatur

    H. Grapow, A. E. Bibliogr. (bis Okt. 1934), in: Zs. f. ägypt. Sprache u. Altertumskde. 71, 1935, S. 1-14;
    ders., Nachruf auf A. E., in: Jb. d. Preuß. Ak. d. Wiss. 1939, 1940, S. 185-92;
    ders., Die Begründung d. Oriental. Komm. v. 1912, = Dt. Ak. d. Wiss., Vorträge u. Schrr. 40, 1950;
    ders., Das Wb. d. ägypt. Sprache, = dass. 51.1953;
    ders., Die Erforschung d. altägypt. Kultur im Rahmen d. Ak., = dass. 55, 1954;
    ders., Worte d. Gedenkens an A. E. …, in: SB d. Berliner Ak. d. Wiss., 1954;
    H. Kees, Grundsätzliches z. Aufgabenstellung d. ägypt. Rel.-Gesch., in: Gött. Gel. Anz. 1936, S. 49-61;
    H. Schäfer u. K. Sethe, in: Zs. f. ägypt. Sprache u. Altertumskde. 73, 1937;
    H. O. Lange, in: Zs. d. Dt. Morgenländ. Ges. 91, 1937, S. 484 f.;
    A. Scharft, in: SB d. Bayer. Ak. d. Wiss., 1938;
    W. Helck u. E. Otto, Kleines Wb. d. Ägyptol., 1956.

  • Portraits

    Bronzebüste v. T. Wenscher (Ägypt. Abt. d. Staatl. Mus. Berlin);
    Phot. (40j.) in: Zs. f. ägypt. Sprache u. Altertumskde. 61, 1924.

  • Autor/in

    Hans Wolfgang Müller
  • Empfohlene Zitierweise

    Müller, Hans Wolfgang, "Erman, Adolphe" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 598-599 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118530852.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA