Lebensdaten
1846 bis 1911
Geburtsort
Hildesheim
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Orientalist ; Ägyptologe ; Koptologe ; Keltologe ; Bibliothekar
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 11727643X | OGND | VIAF: 74625567
Namensvarianten
  • Stern, Ludwig Julius Christian
  • Stern, Ludwig Christian
  • Stern, Ludwig
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Zitierweise

Stern, Ludwig, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11727643X.html [13.08.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Christian Ferdinand (1809–74, aus H., Polizeisekr. in H., 1849 hann. Beamter im Amt Westerhof (Harz), zuletzt in Liebenburg;
    M Johanne, T d. Johann Heinrich Bartels u. d. Anna Eva Moses;
    9 Geschw u. a. B August (1840–1914, Hermann (1842–1932, zuletzt in Zanesville (Ohio, USA), wohl Carl Wilhelm (1844–1922, Prof. in Altona b. Hamburg, Ludwig (1846–77, zuletzt in Bremerhaven, Oscar (1852–1926, zuletzt in Hamburg, Georg (1854–1907, Dr. phil., 1892–1907 Erzieher d. hann. Prinzen u. Prinzessinnen, Oberstudienrat in Gmunden/Traunsee (s. BJ XII, Tl), Schw Marie (1836–1918, Anna Eissfeld (1839–1911).

  • Leben

    S. besuchte 1854–65 das Gymnasium Andreanum in Hildesheim und zeigte schon früh eine außergewöhnliche Sprachbegabung. Er studierte 1865–68 in Göttingen oriental. Sprachen, seit 1868 auch Ägyptisch und Koptisch bei Heinrich Brugsch (1827–94). Im Wintersemester 1868/69 ging er nach Berlin, um sein Studium bei Richard Lepsius (1810–84) zu vervollkommnen. Von diesem angeregt, machte sich S. mit der Sammlung des Ägypt. Museums in Berlin vertraut. Wohl aus Geldnot schloß er sein Studium ab und nahm um 1870 nach dem in Pölitz (Westpommern) abgelegten Staatsexamen eine Stelle als Lehrer an einer Mittelschule in Freienwalde an. Möglicherweise auf Empfehlung von Lepsius begleitete S. Georg Ebers (1837–98) 1872 auf dessen Ägyptenreise, für S. eine seiner eindrücklichsten Lebenserinnerungen. 1873–74 leitete S., wohl auf Fürsprache von Brugsch, die Bibliothek des Khediven in Kairo. 1874 berief ihn Lepsius als Direktorialassistenten an die Ägypt. Abteilung der kgl. Museen zu Berlin. 1875 erarbeitete S. zu dem von Ebers herausgegebenen med. „Papyrus Ebers“ ein Glossar (mit lat. Übersetzung) mit nahezu 2000 Stichworten, zu denen er zahlreiche kopt. und arab. Etymologien beisteuerte, eine lexikographische Pionierleistung, die dem späteren Wörterbuch der ägypt. Sprache als Grundlage diente. Im selben Jahr begann er, ebenfalls im Auftrag von Lepsius, mit der Katalogisierung der kopt. Bestände der kgl. Bibliothek zu Berlin. Seine Vielseitigkeit und hervorragende Kenntnis auch moderner Sprachen bewies S. mit der|Übersetzung des damaligen archäologischen Standardwerkes zu Zypern von Palma di Cesnolas „Cyprus, its ancient cities, tombs and temples“. 1880 erschien die „Koptische Grammatik“ (Nachdr. 1971, Mikrofilm 1980), die als S.s wichtigstes Werk in der Ägyptologie/Koptologie gilt und noch heute inspirierend wirkt.

    Mit nachdrücklicher Unterstützung seines Mentors G. Ebers wurde S. 1881 an der Univ. Leipzig promoviert. Als Lepsius 1884 starb und Adolf Erman (1854–1937) Direktor des Ägypt. Museums und Prof. für Ägyptologie an der Berliner Univ. wurde, gab S. seine Assistentenstelle am Museum auf und widmete sich gänzlich der Arbeit in der kgl. Bibliothek. 1886 wurde er Bibliothekar und fester Mitarbeiter der neugegründeten Handschriftenabteilung. Bis 1888 veröffentlichte er noch ägyptol. und koptol. Aufsätze in der „Zeitschrift für Ägyptische Sprache und Altertumskunde“, die er 1881–83 mit Brugsch und Lepsius und 1884–88 mit Brugsch allein herausgab. Obwohl er 1889 zum Mitglied der Prüfungskommission am Oriental. Seminar der Berliner Univ. berufen worden war und Angebote aus Leipzig und Göttingen (von Paul de Lagarde) für eine ägyptol. Anstellung erhalten hatte, wandte S. sich gänzlich von der Ägyptologie/Koptologie ab.

    Seine neue wissenschaftliche Leidenschaft galt nunmehr dem Studium der kelt. Sprachen. Erstaunlich schnell arbeitete er sich an die Spitze dieser jungen Wissenschaft. Er wurde Mitbegründer, Herausgeber und aktiver Beitragender zur „Zeitschrift für celtische Philologie“. Er verfaßte einschlägige Arbeiten zur kelt. Literatur im allgemeinen wie zur schott. Literatur im besonderen und edierte irische Handschriften. Als seine wichtigste Leistung galten die kritischen Textausgaben des neuirischen Gedichtes „Cúirt an mheadóin oidhche“ (Chúirt an Mheán Oíche) von Merriman und der Liedersammlung des Dichters Kymren Dafydd ap Gwilym.

    S. widmete sich mit der ihm eigenen Akribie auch seiner bibliothekarischen Tätigkeit und wurde 1905 zum Direktor der Handschriftenabteilung ernannt. Ihm oblag zwar die Aufsicht und Verwaltung der oriental. Handschriften, deren Katalogisierung war aber bereits anderen Händen übertragen worden. So wurde die Verwaltung und Aufnahme der Nachlässe und Autographen zu einer seiner Hauptaufgaben als Bibliothekar. Er erstellte erstmals einen alphabetischen Katalog aller Nachlässe der kgl. Bibliothek. Die Autographen (Briefe) erfaßte er in einem sechs Foliobände umfassenden, handgeschriebenen Katalog. Eine besondere Leistung bildete die Drucklegung des Nachlaßkatalogs der Familie Varnhagen v. Ense, die nur wenige Tage vor seinem Tode erfolgte.

    S. war ein außerordentlich begabter Wissenschaftler und Bibliothekar, der wie kaum ein anderer in völlig verschiedenen philologischen Disziplinen herausragende Leistungen zeigte. Sein eigenwilliger Charakter wie auch wenig förderliche Umstände haben ihm eine akademische Karriere, für die er eigentlich prädestiniert war, versagt.

  • Auszeichnungen

    A Dr. phil. (Leipzig 1881);
    Mitgl. d. Irischen Ak. d. Wiss., Dublin;
    korr. Mitgl. d. röm. Abt. d. Dt. Archäol. Inst.;
    Ehrenmitgl. d. Soc. of Biblical Archaeology, London.

  • Werke

    u. a. Glossarium Hieroglyphicum ( . . . ), in: G. Ebers, Papyros Ebers, 2. Bd., 1875;
    Die oriental. Meerman-Hss. d. Sir Thomas Phillipps in d. Kgl. Bibl. zu Berlin, 1892;
    Epistolae Beati Pauli glosatae glosa interlineali, Irisch-lat. Codex d. Würzburger Univ.bibl., 1910;
    Die Varnhagen v. Ensesche Slg. in d. Kgl. Bibl. zu Berlin, 1911, Mikrofiche 1995;
    Überss.:
    A. de la Sale, Die fünfzehn Freuden d. Ehestandes, 1872;
    L. Palma di Cesnola, Cypern, seine alten Städte, Gräber u. Tempel, 1879.

  • Literatur

    E. Jacobs, in: Zbl. f. Bibl.wesen 29, 1912, H. 1, S. 26–31;
    K. Meyer, in: Zs. f. celt. Philol. 8, 1912, H. 1, S. 583–87 (P);
    E. Blumenthal, Kopt. Studien in Leipzig im Laufe d. 19. Jh., in: Carl-Schmidt-Kolloquium a. d. Martin-Luther-Univ. Halle-Wittenberg 1988, hg. v. P. Nagel, Wiss. Bttr. Martin-Luther-Univ. 23, 1990, S. 99–104;
    K.-Th. Zauzich, Ein wiss.geschichtl. Kuriosum, in: Göttinger Miszellen, Btrr. z. ägyptol. Diskussion 210, 2006, S. 105–10;
    B. Magen, L. S., Ein Gelehrter aus Hildesheim, in: aMun, Magazin f. d. Freunde d. Ägypt. Museen 32, 2007, S. 56–58;
    BJ 16, Tl.;
    K. Bader, Lex. dt. Bibliothekare, 1925;
    W. R. Dawson u. a., Who was who in Egyptology, 31995 (fehlerhaft);
    – Qu Staatsbibl. Preuß. Kulturbes., Hss.abt., Personalakte.

  • Autor/in

    Frank Feder
  • Empfohlene Zitierweise

    Feder, Frank, "Stern, Ludwig" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 278-279 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11727643X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA