Lebensdaten
1861 bis 1951
Geburtsort
Dessau
Sterbeort
North Hollywood (Kalifornien, USA)
Beruf/Funktion
Professor der Ägyptologie in Leipzig
Konfession
jüdisch,evangelisch
Normdaten
GND: 117246891 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Steindorff, Georg
  • Steindorf, Georg
  • Steindorff, G.
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Zitierweise

Steindorff, Georg, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117246891.html [27.05.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Louis (1831–1919, Kaufm. in D., S d. Jacob;
    M Helene (1840–1918, T d. Itzig Ehrmann;
    B Paul (1863–1927, Musiker, Dirigent, wanderte 1882/83 n. Kalifornien aus, Kurt (1875–1942, Augenarzt in Frankr., Schw Else (1869–1945, ⚭ Felix Steinberg), in Johannisburg, Lucie (1879–1942 NS-Euthanasieanstalt Bernburg), Klavierlehrerin in Leipzig;
    Berlin 1887 Elisabeth (Elise) (1866–1963, T d. Julius Oppenheimer (1827–1909, aus Uslar, Dr. phil., Rabbiner d. ref. jüd. Gde. in Berlin (s. Biogr. Hdb. Rabbiner II), u. d. Antonie Davidsohn († 1910);
    1 S Ulrich (Künstlername: Ulrich Steindorff Carrington) (1888–1978), Schriftst., Übers., Schausp., Filmautor, wanderte 1923 n. Kalifornien aus, zuletzt in Sherman Oaks (Kalifornien), u. a. Vf. v. „Märchen u. Geschichten d. alten Ägypter“, 1925 (s. Kosch, Lit.-Lex.3; Kürschner, Lit.-Kal., Nekr. 1971–1998), 1 T Johanna Hilde (1892–1983, 1917–38 Franz Hemer, 1893–1983?, Cellist, Pelzhändler, emigrierte 1938 n. Kalifornien), Pianistin; Schwäger Franz Oppenheimer (1864–1943, o. Prof. f. Nat.ök. u. Soziol. in Frankfurt/M., Carl Oppenheimer (1874–1941, Chemiker u. a. in (beide s. NDB 19), Schwägerin Paula Oppenheimer (1862–1918, 1889–1900 Richard Dehmel, 1863–1920, Schriftst., s. NDB III), Schriftst. (beide s. Killy).

  • Leben

    Nach dem Abitur am Dessauer Gymnasium studierte S. 1880–82 Ägyptologie und koptische Sprache bei Adolf Erman (1854–1937) in Berlin und 1882–84 Koptisch bei Paul de Lagarde (1827–91) in Göttingen, wo er 1884 promoviert wurde. 1885 berief Erman S. als seinen Assistenten an das Ägyptische Museum nach Berlin, an der dortigen Universität habilitierte er sich 1891, war hier Privatdozent und folgte 1893 einem Ruf an die Univ. Leipzig. Dort amtierte er als Nachfolger von Georg Ebers (1837–98) zunächst als ao. Professor, seit 1903 als Honorarprofessor und seit 1904 als Lehrstuhlinhaber für Ägyptologie, bis er 1934 in den Ruhestand trat (Dekan 1917/ 18, Rektor 1923/24). Wegen seiner jüd. Herkunft zunehmend vom NS-Regime bedroht, wanderte S. mit seiner Frau am 31. 3. 1939 in die USA aus und ließ sich in Kalifornien nieder. Er bestritt seinen Lebensunterhalt durch Vortragsreisen, Publikationen und Forschungsstipendien, war aber auch auf die Unterstützung von Freunden angewiesen; 1944 erhielt er die US-Staatsbürgerschaft.

    Aus einem liberalen Elternhaus stammend, war S. bereits während des Studiums zum Christentum übergetreten. Er hatte seine Identität im konservativ-nationalen Deutschtum gefunden und war umso tiefer von der rassischen Verfolgung und dem Verlust seines hohen Ansehens in der Heimat getroffen. 1945 verfaßte er einen Offenen Brief, in dem er das Verhalten der dt. Ägyptologen im Dritten Reich nach strengen Kriterien bewertete („Steindorff-Liste“), nahm aber alle Bemühungen um Versöhnung freundlich auf, die ihn nach dem Krieg aus Deutschland erreichten.

    Zu Beginn seiner Laufbahn widmete sich S. dem Koptischen, dem seine Promotion (Prolegomena zu einer kopt. Nominalclasse, 1884) und Habilitation (Kopt. Nominalbildung, ungedr., 1891) galten. Seine zuerst 1894 erschienene „Koptische Grammatik“ (weitere Aufll., Neudr. 1979) war jahrzehntelang ein Standardwerk. Der Schwerpunkt seiner Lebensarbeit lag auf dem Gebiet der Feldarchäologie in Ägypten und seinen Randzonen. Auf eine Erkundungsreise in das Niltal und die westlich davon gelegene Oase Siwa 1899/1900 folgte eine Serie von Ausgrabungen auf dem Beamtenfriedhof des Alten Reiches an den Pyramiden von Giza (1903, 1905/06) und 1909 am Pyramidentempel des Königs Chephren. 1910/11 legte S. einen frühdynastischen Friedhof bei Abusir frei und untersuchte 1913 Grabanlagen vom Mittleren Reich bis in die Zeit der röm. Besetzung Ägyptens in dem mittelägypt. Qaw el-Kebir. Auf drei Grabungskampagnen (1912, 1914 u. 1930/31) in Aniba, dem südlich von Assuan gelegenen Verwaltungssitz der pharaon. Provinz Unternubien, beschäftigten ihn neben den Zeugnissen der ägypt. Elite die von dieser beherrschten einheimischen Kulturen. Mit Ausnahme der Beamtengräber von Giza wurden die Grabungsergebnisse teils sofort (Aniba, 2 Bde., 1935/37), teils mit einigem zeitlichen Abstand publiziert. Die nach regulärer Aufteilung mitgenommenen Funde bildeten den Kern der Leipziger ägypt. Sammlung, die S. seit seinem Amtsantritt mit Ankäufen, Tausch und Schenkungen von Originalen sowie mit Gipsabgüssen von Glanzstücken aus anderen Museen zu einem bedeutenden Universitätsmuseum (selbständig seit 1874) ausbaute. Dieses diente dem akademischen Lehrbetrieb und war zugleich einer Öffentlichkeit zugänglich, deren Interesse und Spendenbereitschaft S. mit populärwissenschaftlichen Vorträgen, Zeitungsartikeln und Büchern weckte und förderte. Einen wiss. Museumskatalog erarbeitete S. im Exil für die Walters Art Gallery in Baltimore. Als Hochschullehrer behandelte S. neben den philologischen Grundlagen v. a. kunst- und kulturgeschichtliche Themen und bezog dabei Nachbarkulturen und -wissenschaften ein. In der Fachwelt waren seine Autorität und sein ausgleichendes, liebenswürdiges Wesen in Gremien wie der Akademien-Kommission für das altägypt. Wörterbuch und als Herausgeber von Zeitschriften und Sammelwerken gefragt. Der Positivist S. bemühte sich um vorurteilsfreie Aufbereitung und Darstellung der Quellen, lehnte aber grundsätzliche methodische Reflexionen ab. Als Koptologe leistete er Pionierarbeit, als Ausgräber erschloß er bedeutendes Material und erkannte als einer der ersten den Eigenwert der autochthonen Kulturen Unternubiens.

  • Auszeichnungen

    A Mitgl. d. Sächs. Ak. d. Wiss. zu Leipzig (o. 1898–1938, korr. seit 1946), d. Dt. Archäol. Inst. (o. bis 1938 u. seit 1947), d. Ungar. Ak. d. Wiss. (1917); Ehrenmitgl. d. American Oriental Soc.; japan. Roter Kreuz-Orden (1906); türk. Osmanié-Orden 3. Kl. (1907); Rr.kreuz 1. Kl. d. sächs. Verdienstordens (1909); anhaltin. Verdienstorden f. Wiss. u. Kunst (1914); sächs. GHR (1914); – Benennung d. Ägyptol. Inst./Ägypt. Mus. d. Univ. Leipzig (seit 2008).

  • Werke

    Weitere W Die Blütezeit d. Pharaonenreichs, 1900, 21926, engl. 1942 (mit K. C. Seele);
    Die Kunst d.|Ägypter, 1928;
    Hg.:
    Zs. f. ägypt. Sprache u. Altertumskde. (ZÄS), 1894–1937;
    Zs. d. Dt. Morgenländ. Ges. (ZDMG), 1922–33;
    Urkk. d. ägypt. Altertums, 1903–37;
    K. Baedeker, Ägypten, Hdb. f. Reisende, 41897, 81928, seit 61906 u. d. T.: Ägypten u. d. Sûdân, auch engl. u. franz.;
    W-Verz.:
    J. H. Breasted jr., The Writings of George S., in: Journal of the American Oriental Soc. 66, 1946, S. 76–87, ebd. 67, 1947, S. 141–43 u. 326 f.;
    Korr.:
    Mus. of Fine Arts, Boston (Nachlaß Dunham);
    Sächs. HStA, Leipzig (Hinrichs Verlag);
    Staats- u. Univ.bibl. Bremen (Nachlaß Erman);
    Teilnachlässe:
    Bridwell Library, Dallas (Texas);
    Ägyptol. Inst./Ägypt. Mus. Georg Steindorff d. Univ. Leipzig.

  • Literatur

    A. Erman, in: Leipziger Neueste Nachrr., Nr. 316, v. 12. 11. 1931, S. 2 (P);
    W. Wolf, in: ZÄS 74, 1938, S. 1;
    J. H. Breasted jr., in: American Journal of Archaeology 45, 1941, S. 513;
    ders., in: Journal of the American Oriental Soc. 61, 1941, S. 288 f.;
    E. Baraize, in: Chronique d`Egypte 27, 1952, S. 391 f.;
    H. Bonnet, in: ZDMG 102, NF 27, 1952, S. 21–27;
    H. Stock, in: Archiv f. Orientforsch. 16, 1952, S. 168 f. (P);
    S. Morenz, in: ZÄS 79, 1954, S. V f. (P);
    ders., in: Sächs. Ak. d. Wiss. zu Leipzig, Jb. 1949–1953, 1954, S. 56 f.;
    ders., in: Leipziger Volksztg. 16 (67), Nr. 313, v. 12. 11. 1961;
    H. Wilsdorf, „Nach 110 Jahren“, Zum Gedenken an G. S., in: Studia Coptica, hg. v. P. Nagel, 1974, S. 11–17;
    – E. Blumenthal, Altes Ägypten in Leipzig, Zur Gesch. d. Ägypt. Mus. u. d. Ägyptol. Inst. an d. Univ. Leipzig, 1981, S. 15–31 (P);
    dies., Ägyptologie in d. Ak., in: Wege u. Fortschritte d. Wissenschaft, Btrr. v. Mitgll. d. Ak. z. 150. J. ihrer Gründung, hg. v. G. Haase u. E. Eichler, 1996, S. 524–45;
    dies., Zur Gesch. d. Slg., in: Das Ägypt. Mus. d. Univ. Leipzig, hg. v. R. Krauspe, 1997, S. 1–15;
    dies. u. a., in: Bausteine e. jüd. Gesch. d. Univ. Leipzig, hg. v. St. Wendehorst, Bd. 2 (P) (im Druck);
    H.-W. FischerElfert u. a., Ägyptologie, in: Gesch. d. Univ. Leipzig 1409–2009, hg. v. U. v. Hehl u. a., Bd. 4/2, 2009, S. 329–37 (P);
    U. Maas, Verfolgung u. Auswanderung dt.sprachiger Sprachforscher 1933–1945, 2010, bes. S. 796 f.;
    Th. Schneider, Ägyptologen im Dritten Reich, Biogr. Notizen anhand d. sog. „Steindorff-Liste“, in: Journal of Egyptian History 4/2, 2011, S. 111–19 u. 214–16;
    E. Kreissler, Von Dessau in d. Reich d. Pharaonen, Der Ägyptologe G. S. (1861–1951, 2011;
    W. R. Dawson, E. P. Uphill u. M. L. Bierbrier, Who Was Who in Egyptology, 31995 (P);
    Kosch, Lit.-Lex.3 (W, L).

  • Autor/in

    Elke Blumenthal, Kerstin Seidel
  • Empfohlene Zitierweise

    Blumenthal, Elke; Seidel, Kerstin, "Steindorff, Georg" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 173-175 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117246891.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA