Lebensdaten
1900 bis 1970
Geburtsort
Köln
Sterbeort
Heidelberg
Beruf/Funktion
Verleger
Konfession
-
Normdaten
GND: 116829672 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schneider, Lambert

Verknüpfungen

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Zitierweise

Schneider, Lambert, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116829672.html [17.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Adam;
    M Elise Kratz;
    1) Gerda Schimmelburg ( 1933), 2) 1934 Marion Schleuning ( 2000);
    S aus 2) Lambert (* 1943), Dr. phil., Prof. f. Archäol. in Hamburg.

  • Leben

    Die Familie zog 1903 nach Karlsruhe, wo S. zur Schule ging und das Abitur ablegte. Im 1. Weltkrieg war er kurze Zeit widerwillig Soldat, dann Revolutionär und Spartakist. 1918-24 folgte ein Studium der Germanistik und Philosophie. 1925 gründete er in Berlin den „Verlag Lambert Schneider“. Sein Wunsch, wichtige und ästhetisch schöne Bücher zu verlegen, führte ihn noch im selben Jahr zu Martin Buber (1878–1965), den er um eine möglichst wortnahe Übersetzung des Alten Testaments bat; dieser willigte ein, nachdem er sich der Mitarbeit von Franz Rosenzweig (1886–1929) versichert hatte. Die Begegnung mit Buber wurde bestimmend für S.s Leben und verlegerische Tätigkeit. 1925-31 erschienen elf Bände dieser Übertragung, die erst 1962 ihren Abschluß fand. 1926-30 verlegte S. die Vierteljahresschrift „Die Kreatur“, deren Herausgeber Martin Buber. Viktor v. Weizsäcker und Joseph Wittig waren. Die Leidenschaft für alle Fragen der Typographie führte zur Zusammenarbeit mit Jakob Hegner (1882–1962). Als der Verlag in den Sog der Weltwirtschaftskrise geriet, rettete ihn 1931 der Kaufhausmagnat und jüd. Privatgelehrte Salman Schocken (1877–1959) unter der Bedingung, daß S. gleichzeitig die Geschäftsführung des neu gegründeten Schocken Verlages übernehme. Mit Moritz Spitzer als Cheflektor wurden 1931-38 259 Titel verlegt, darunter die Gesammelten Schriften Franz Kafkas und zahlreiche klassische hebr. Werke. Nachdem der Schocken Verlag 1938 von den Nationalsozialisten liquidiert worden war. entstanden im eigenen Verlag Klassikerausgaben (Platon, Shakespeare, Pascal u. Novalis). Als 1941 der Salzburger Verleger Otto Müller (1901–56) Berufsverbot erhielt, erwarb S. dessen Verlag und erstattete ihn nach Kriegsende sofort dem früheren Besitzer zurück. 1943 verbrannten in Leipzig das gesamte Bücherlager und die Satzbestände. Die Familie floh in die Eifel, wo S. bereits im Herbst 1944 das Verlagsprogramm für die Zeit nach dem Krieg entwarf.

    S. erhielt am 25.10.1945 die Lizenz zum Neubeginn, gleichzeitig wurde er Lizenzträger für den Verlag und die Druckerei Winter in Heidelberg, das 1946 Sitz des Verlages Lambert Schneider wurde. Kurz nacheinander entstanden vier Zeitschriften: im Nov. 1945 „Die Wandlung“ (hg. v. D. Sternberger unter Mitwirkung v. K. Jaspers, W. Kraus u. Alfred Weber), dann „Psyche. Ein Jahrbuch für Tiefenpsychologie und Menschenkunde in Forschung und Praxis“ (hg. v. H. Kunz, A. Mitscherlich, F. Schottlaender), die „Süddt. Juristen-Zeitung“ (hg. v. K. Geiler, W. Hallstein, H. Steidle, G. Radbruch u. H. Ehard) und die „Hefte für Baukunst und Werkform“ (hg. v. A. Leitl). Unter Alfred Weber (1868–1958) schlossen sich in Heidelberg Menschen der verschiedensten politischen Lager zu der „Aktionsgruppe zur Demokratie und zum freien Sozialismus“ zusammen, deren Vorsitzender S. wurde. 1945-50 erschienen über 100 Titel, darunter 1946 „Die Schuldfrage“ von Karl Jaspers, wohl die meistdiskutierte Schrift dieser Zeit. Im Winter 1947/48 übergab ihm Buber das Manuskript „Das Problem des Menschen“, das erste Buch Bubers, das wieder in Deutschland erschien|(1948). 1950 kam das Tagebuch der Anne Frank heraus. 1950-62 übernahm S. verstärkt verbandspolitische Aufgaben: Seit 1951 war er Bevollmächtigter des Vorstands des Börsenvereins, von Beginn an Berater bei der DFG und beim Aufbau der Dt. Bibliothek in Frankfurt, Jurymitglied für die Auswahl der Villa Massimo-Preisträger, Mitbegründer des Wettbewerbs der schönsten dt. Bücher, maßgebend in der Organisation des Friedenspreises des Dt. Buchhandels. Als er 1965 mit seinem Almanach „Rechenschaft“ über seine vierzig Jahre als Verleger gab, lagen Bubers Werke abgeschlossen vor, Franz Rosenzweigs „Stern der Erlösung“ war wieder erschienen, Eugen Rosenstock-Huessy hatte sein Sprachwerk vollendet und Alfred Neumeyer den „Glanz des Schönen“ (1959) beigesteuert. Die Dt. Akademie für Sprache und Dichtung, Darmstadt, hatte dem Verlag die Veröffentlichung ihrer Publikationen übertragen und Theodor Heuss legte Wert darauf, daß die Reden und Gedenkworte des Ordens Pour le mérite bei S. erschienen.

    Nach S.s Tod führte Lothar Stiehm (* 1930) den Verlag weiter, der über Heinz M. Bleicher (1991) an die Wissenschaftliche Buchgesellschaft gelangte (1999), nachdem die Rechte am Gesamtwerk Martin Bubers zuvor schon an das Gütersloher Verlagshaus verkauft worden waren. Das Verlagsarchiv befindet sich seit 2001 großenteils im Dt. Literaturarchiv in Marbach.

  • Werke

    Rechenschaft 1925-1965, Ein Alm., 1965.

  • Literatur

    B. Hark, in: Imprimatur NF VI, 1969, S. 203-19;
    ders., in: Börsenbl. d. Dt. Buchhandels 33, 1980, S. 938 f.;
    H.-O. Mayer, ebd. 26, 1970, S. 862-65;
    V. Dahm, Das jüd. Buch im Dritten Reich, 21993, S. 240-50, 291-454;
    LGB.

  • Autor/in

    Dora Fischer-Barnicol
  • Empfohlene Zitierweise

    Fischer-Barnicol, Dora, "Schneider, Lambert" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 301-302 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116829672.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA