Lebensdaten
1882 bis 1962
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Lugano
Beruf/Funktion
Verleger ; Drucker
Konfession
jüdisch,lutherisch,katholisch
Normdaten
GND: 118709542 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hegner, Jakob

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Zitierweise

Hegner, Jakob, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118709542.html [19.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Moritz, aus Mähr.-Ostrau, Wäschefabr. in W.;
    M Sophie Singer aus W.; 8 Geschw.;
    1919 Elisabeth, T d. Pfarrers Theodor Paul Droese in Dresden;
    1 S, 1 T.

  • Leben

    H. besuchte in Wien das Bundesrealgymnasium, das er jedoch nicht absolviert zu haben scheint, und schloß Bekannschaft mit Stefan Zweig und Franz Werfel. Um 1900 hörte er an der Universität Leipzig kunst- und literaturgeschichtliche Vorlesungen. – 1903/04 wurde er Lektor beim Verlag Hermann Seemann Nachfolger und gründete um die gleiche Zeit den „Magazin-Verlag Jacques Hegner“, Berlin, in dem er zahlreiche Bände einer „Kulturhistorischen Liebhaberbibliothek“ und, mit René Schickele als Schriftleiter, das im 73. Jahrgang erscheinende „Neue Magazin“ herausgab. Beide Unternehmungen tragen noch Züge jugendlicher Unreife, lassen aber bereits literarische Entdeckerfreude erkennen. Nach mehrjährigem Aufenthalt in Florenz, wo H. entscheidende ästhetische Anregungen empfing, siedelte er um 1910 in die Gartenstadt Hellerau bei Dresden über. Hellerau, berühmt durch die Deutschen Werkstätten und ihre revolutionär wirkenden Grundsätze materialgerechter Handwerksarbeit, war für H. das kongeniale Wirkfeld. Hier gründete er 1912/13 den „Hellerauer Verlag Jakob Hegner“. Er entdeckte Paul Claudel, dessen „Verkündigung“ er 1912 übersetzte und 1914 in dem von Heinrich Tessenow erbauten Hellerauer Festspielhaus nach den Weisungen des anwesenden Dichters uraufführte. Er war Verleger, Hersteller und Übersetzer in einer Person. 1918 gründete H. die Hellerauer Druckerei. Für den Handsatz – Setzmaschinen gab es in Hellerau nicht – ließ er klassische Schriften des 16. und 17. Jahrhunderts nachschneiden und experimentierte, ohne Rücksicht auf Wirtschaftlichkeit und kaufmännisches Maß, sowohl für den eigenen Verlag wie für fremde Auftraggeber bis zur ästhetischen Perfektion. Die Anfänge der Hellerauer Druckerei fielen zeitlich mit der Gründung des Bauhauses in Weimar zusammen. Dessen Forderung, die gestalterischen Lebensäußerungen der Zeit im Einklang von funktionaler und ästhetischer Vollendung durchzubilden, machte sich H. für die Schaffung einer neuen Gestalt des Buches zu eigen. Sie ist negativ durch die Abkehr vom Individuell-Beliebigen, positiv durch die Verwirklichung eines allgemein verbindlichen Typus charakterisiert. Ihn geschaffen zu haben, ist H.s fortwirkende Leistung. Die Wirtschaftskrise der 30er Jahre brachte sein Unternehmen zum Erliegen. Er übersiedelte zunächst nach Berlin, dann nach Leipzig, wo die Reste der Druckerei, vor allem aber der Verlag eine neue, aussichtsreiche Heimstatt in dem Graphischen Großbetrieb Oscar Brandstetter fanden. H. begann nun mit großem Erfolg als Verleger zu wirken. Das europäisch-christliche Programm seiner Buchproduktion trat um so klarer in Erscheinung, je mehr mit dem Fortschreiten der Barbarei|im öffentlichen Leben der Abfall vom europäischen Erbe deutlich wurde. Zahlreiche der von H. verlegten Bücher wurden von ihm selbst übersetzt: Stücke von Paul Claudel, Romane von Georges Bernanos, Francis Jammes und, später, von Bruce Marshall. Dazu gewann er bedeutende deutsche Autoren wie Theodor Däubler, Romano Guardini, Theodor Haecker, Josef Pieper, Berthold Viertel, Theodor Steinbüchel, Erich Przywara. Anfang 1936 stellte der formelle Ausschluß aus der „Reichskulturkammer“ H. vor die Notwendigkeit, Deutschland zu verlassen. Der seit dem ersten Weltkrieg Staatenlose wählte als neuen Wohnsitz seine Vaterstadt Wien, wo er den „Thomas-Verlag Jakob Hegner“ gründete, während der Leipziger Verlag im schützenden Schatten der Firma Brandstetter vorsichtig weiterarbeitete. 1938 zwang der Anschluß Österreichs an Hitler-Deutschland H. abermals zur Emigration. Er ging, Hab und Gut zurücklassend, nach London. 1946 kehrte er zurück, arbeitete zunächst mit der Walter AG in der Schweiz zusammen („Summa-Verlag“, in Erinnerung an die bei ihm 1917/18 erschienene Vierteljahresschrift „Summa“), dann auch mit dem Kösel-Verlag in München, bis schließlich der neu gegründete Jakob Hegner-Verlag, Köln, Anfang der 50er Jahre der Firma J. P. Bachem angeschlossen wurde. H. schlug seinen Wohnsitz zunächst in Basel, dann in Lugano auf. Er leitete den Verlag, der seinen Namen trug, ihm aber nicht mehr gehörte, bis zu seinem plötzlichen Tod am Tag der Rückkehr von der Frankfurter Buchmesse 1962|

  • Auszeichnungen

    Gr. Bundesverdienstkreuz (1957).

  • Werke

    Weitere W u. a. Überss. Paul Claudel: Aus d. Erkenntnis d. Ostens, 1913;
    Goldhaupt, 1916;
    Der Ruhetag, 1919;
    Der Tausch, 1920. Francis Jammes: Der Hasenroman, 1920;
    Klara, 1921;
    Röslein, 1922;
    Rosenkranzroman, 1930;
    Hochzeitsglocken, 1934. Marcel Schwob: Der Roman d. zweiundzwanzig Ll., 1925;
    Die Gabe an d. Unterwelt, 1926. Georges Bernanos: Die Sonne Satans, 1927;
    Der hl. Dominicus, 1935;
    Ein Verbrechen, 1935;
    Tagebuch e. Landpfarrers, 1936;
    Gesch. d. Mouchette, 1936;
    Ernest Hello: Der Mensch, 1936;
    Bruce Marshall: Das Wunder d. Malachias, 1950.

  • Literatur

    J. H., Briefe zu s. 70. Geb.tag, hrsg. v. J. Rast u. H. Wild, 1952;
    G. K. Schauer, Dt. Buchkunst 1890-1960 I, 1963, S. 236-39;
    F. Homeyer, Dt. Juden als Bibliophilen u. Antiquare, 1963, S. 22-25.

  • Portraits

    in: ZUG 7, 1962, H. 6.

  • Autor/in

    Heinrich Wild
  • Empfohlene Zitierweise

    Wild, Heinrich, "Hegner, Jakob" in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 234 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118709542.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA