Lebensdaten
1805 bis 1878
Geburtsort
Frankfurt/Main
Sterbeort
Frankfurt/Main
Beruf/Funktion
Verleger
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 116700165 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Rindskopf, Jacob Beer (bis 1842)
  • Rindskopf, Joseph Isak (bis 1842)
  • Rindskopf, Joseph Jacob (bis 1842)
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Quellen(nachweise)

Verknüpfungen

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Zitierweise

Rütten, Joseph, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116700165.html [13.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus seit 1498 in F. nachweisl. Fam., die sich nach dem Wohnhaus Rindskopf nannte und d. Namen 1842 in „Rütten“ änderte;
    V Jacob Beer Rindskopf, Bankier u. Kaufm., S d. N. N., Bankier u. Kaufm. in F.;
    M Jette Wohl;
    B Bernhard Jacob Rindskopf (1801–71), Bankier u. Kaufm. in F.; – ledig;
    N Heinrich Oswalt (1830–89), Verleger, Erbe R.s.

  • Leben

    Nachdem R. sich im Manufakturhandel versuchte hatte, gründete er 1844 die „Literarische Anstalt (Joseph Rütten)“. Sein Partner von Beginn an war Carl Friedrich Löwenthal (später Loening, 1810–84), der nicht das Frankfurter Bürgerrecht besaß und deshalb erst 1859 offiziell R.s Compagnon werden konnte. Fortan hieß die heute noch existierende Firma „Literarische Anstalt (Rütten & Loening)“, später nur „Rütten & Loening“. In Anknüpfung an Löwenthals 1835 verbotenen Verlag verstand sich die Literarische Anstalt ebenfalls als Verlag des „Jungen Deutschland“ und des linken Liberalismus; Gesamtausgaben von Karl Gutzkow und Ludwig Börne (zus. mit Hoffmann u. Campe) gehörten zu den Großprojekten der jungen Firma. Zu den Autoren zählten Gustav Struve, Johannes Ronge, Pierre Joseph Proudhon, Karl Marx, Friedrich Engels und Alfred Meißner. Während der 48er Revolution wurde die Literarische Anstalt zum Sprachrohr der linken Fraktion der Frankfurter Paulskirche. Sie verlegte Bücher von zehn Abgeordneten, die alle nach der Niederschlagung der Revolution verfolgt wurden und meist ins Exil gingen, darunter Ludwig Bamberger, Moritz Hartmann, Johann Jacoby, Ludwig Kalisch und Jakob Venedey. Die Literarische Anstalt publizierte auch naturwissenschaftliche Bücher. Namentlich die Werke von Karl Vogt (1817–95), einem dt. Vorläufer des Darwinismus, erregten öffentliches Aufsehen. Den größten Bucherfolg erzielten R. und Loening mit dem „Struwwelpeter“ des Frankfurter Arztes Heinrich Hoffmann (1809–94), der seit der Erstveröffentlichung 1844 das geschäftliche Rückgrat bildete. Durch die Niederschlagung der Revolution erlitt der Verlag schwere geschäftliche Einbußen und schränkte das Programm stark ein, bis es nach 1863 fast völlig eingestellt wurde. Die Struwwelpeter-Produktion ging allerdings ebenso weiter wie das Sortimentsgeschäft.

    R. engagierte sich in seiner Vaterstadt auch politisch: Er war Mitglied des „Montagskränzchens“, eines vormärzlichen Debattierklubs, gehörte 1849 der Konstituierenden Versammlung des Stadtrates an, 1858-66 der Gesetzgebenden Versammlung Frankfurts, 1864/66 dem Senat und 1865-66 der Ständigen Bürgerrepräsentation. R. hatte über viele Jahre Ämter in der Jüd. Gemeinde inne und wirkte in wohltätigen Stiftungen, so seit 1870 im Komitee der Gabriel Riesser-Stiftung, einer Studienstiftung für jüd. Studenten. Eine andere bis 1939 nachweisbare Institution war sein alleiniges Werk: die „Joseph Rütten'sche Stiftung“, die im Interesse der Sprachfertigkeit jüd. Lehrern Auslandsaufenthalte ermöglichte. Sie war eng an das Frankfurter Philantropin gebunden, dem R. 18 Jahre lang im Schulrat diente.

  • Literatur

    ADB 53;
    Börsenbl. f. d. Dt. Buchhandel v. 24.7.1878 (Nachruf);
    H. Baerwald u. S. Adler, Gesch. d. Realschule d. Israelit. Gde. (Philantropin) zu Frankfurt am M. 1804-1904, 1904;
    A. Dietz, Stammbaum d. Frankfurter Juden, 1907;
    Hundertundzehn J. Verlag Rütten & Loening Berlin, 1954;
    Hundertfünfundzwanzig J. Rütten & Loening, 1969;
    P. Arnsberg, Die Gesch. d. Frankfurter Juden, 1984;
    C. Wurm, 150 J. Rütten & Loening, 1984;
    Frankfurter Biogr.;
    zur Fam.:
    A. Dietz, Stammbuch d. Frankfurter Juden, 1907.

  • Autor/in

    Carsten Wurm
  • Empfohlene Zitierweise

    Wurm, Carsten, "Rütten, Joseph" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 230-231 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116700165.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Rütten: Joseph Jakob R., früher Rindskopf, seit 1842 Rütten, wurde am 22. December 1805 als Sohn eines jüdischen Handelsmannes in Frankfurt a. M. geboren und erhielt seine Schulbildung in dem Philanthropin, der israelitischen Realschule seiner Vaterstadt; 1823—1831 war er im väterlichen Geschäfte thätig. Der junge Kaufmann beschäftigte sich sehr eifrig mit deutscher und französischer Litteratur und wurde lebhaft von den politischen und litterarischen Kämpfen, welche der Julirevolution folgten, berührt. Er stand mit seinen politischen und religiösen Ueberzeugungen auf der Seite der entschieden liberalen Partei und trat in persönliche Beziehungen zu Ludwig Börne und dessen Freundeskreis. Seine litterarisch-politischen Neigungen veranlaßten ihn 1842 zur Gründung einer Buchhandlung, die noch heute unter der Firma Litterarische Anstalt Rütten und Löning in Frankfurt a. M., blüht; R. blieb ihr Leiter bis zu seinem Ende. In seinem Verlag erschienen die Gesammelten Werke von Gutzkow, die neue vollständige Ausgabe der gesammelten Schriften von Börne in 12 Bänden (s. d. A. Reinganum), ferner Werke von Voigt, Hartmann, D. Strauß; auch Hoffmann's „Struwwelpeter“ ist von Rütten's Firma verlegt worden. R. wußte sich bald nicht nur im localen, sondern auch im allgemeinen deutschen Buchhandel eine geachtete Stellung zu verschaffen; im allgemeinen wie im süddeutschen Buchhändler-Verband war er als Vorstandsmitglied ein durch geschäftliche Einsicht wie durch Charakter ausgezeichnet wirkender Mitarbeiter. In seiner Vaterstadt wurde er 1848 Mitglied der verfassunggebenden Versammlung, zu deren demokratischer Majorität er gehörte, und 1857 Mitglied der gesetzgebenden Versammlung. Lange Jahre gehörte er dem Vorstande der Polytechnischen Gesellschaft an und war einer der Mitgründer ihrer Schule. Eine besondere Thätigkeit hat er der Realschule der israelitischen Gemeinde gewidmet, auf der er seine Jugendbildung empfangen hatte; 18 Jahre lang war er Mitglied des Schulrathes und hat seine Liebe zur Anstalt durch eine Stiftung bethätigt, deren Zinsen der wissenschaftlichen und pädagogischen Fortbildung der Lehrer dienen sollten. Er starb hochgeachtet von allen seinen Mitbürgern am 19. Juni 1878.

    • Literatur

      Mit Benutzung einer Aufzeichnung von Dr. H. Baerwald.

  • Autor/in

    R. Jung.
  • Empfohlene Zitierweise

    Jung, Rudolf, "Rütten, Joseph" in: Allgemeine Deutsche Biographie 53 (1907), S. 657 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116700165.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA