Lebensdaten
1908 bis 1982
Geburtsort
München
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Architekt
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 11880944X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Ruf, Franz Joseph
  • Ruf, Sep
  • Ruf, Franz Joseph
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Zitierweise

Ruf, Sep, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11880944X.html [19.04.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Joseph (1883–1939), Rechnungsinsp. d. Landesvers.anstalt Oberbayern, S d. Franz (1845–1939), Lebküchnermeister, Konditoreibes. u. Spezereihändler in Dinkelsbühl, u. d. Theresia Sand, geb. Erhard (1846–1927), aus Neumühle b. Dinkelsbühl;
    M Wilhelmine (Mina) (1886–1962), T d. August Ludwig Friedrich Scharrer (* 1866), Drahtzieher in Weißenburg (Mittelfranken), u. d. Eva Maria Veitengruber (* 1866), aus Pleinfeld;
    B Franz (1909–97), Architekt, führte 1932/33 gemeinsam mit R. d. „Architekturbüro Ruf“ in M.;
    Gmund/Tegernsee 1938 Aloisia (Luise) (1910–92), studierte an d. Musikhochschule München Klavier, Privatschülerin b. Prof. August Schmid-Lindner, T d. Friedrich Mayer (1878–1914), aus Stadtamhof b. Regensburg, Fabr. in M., Bes. d. Fa. Mayer und Seidl, u. d. Theresia Graf (1883–1951), aus Regensburg;
    1 S Gregor (1942–2002, Lily Busch, * 1960, Weingutsbes.), Architekt, Weingutsbes., 1 T Notburga (* 1940), Architektin in M. u. Grünwald, arbeitete in R.s Architekturbüro mit;
    E u. Adoptiv-T Elisabeth (* 1964), Immobilien- u. Vermögensverw. in M.

  • Leben

    R., der nach dem Abitur ursprünglich Bildhauer werden wollte, studierte 1926-31 an der TH München (Diplomprüfung bei German J. G. Bestelmeyer), war 1931/32 Mitarbeiter im Architekturbüro Norkauer & Lechner und gründete anschließend sein eigenes Architekturbüro, zunächst in Partnerschaft mit seinem Bruder (bis 1933). Noch in die Studienzeit fiel ein erster Italienaufenthalt, dessen Eindrücke wie auch regionale Bauweisen frühzeitig sein Werk bestimmten; darüber hinaus setzte er sich intensiv mit den Ideen des Bauhauses auseinander.

    Noch vor der „Machtergreifung“ realisierte R. mit dem Haus Dr. Schwend in München-Bogenhausen (1932/33) ein Flachdachhaus im Sinne des Neuen Bauens, in München eine Ausnahmeerscheinung der modernen Architektur. Die von ihm entworfenen Einfamilienhäuser an der Hugo-Junkers-Straße in Grünwald bei München (1934–36) zeigen – gegen die offizielle Baukultur des Dritten Reiches – knappe, kubische Baukörper, basierend auf geometrischen Grundformen, die Fenster flächenbündig, das – nach 1933 vorgeschriebene – Satteldach traufenlos.

    Nach Kriegsteilnahme 1939/40 und erneut seit 1942 (u. a. als Kartenoffizier im Generalstab) wurde R. 1947 Professor für Architektur und Städtebau an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg, mit deren Neubau (1952–54) ihm ein exemplarisches Architekturbeispiel der frühen 50er Jahre gelang; die hier verwirklichte Konzeption der Pavillonbauweise und deren filigrane, transparente Gestaltung wurde für seine folgenden Bauten, jeweils weiterentwickelt, charakteristisch. An die Akademie der Bildenden Künste seiner stark von konservativem Lokalgeist beherrschten Heimatstadt München wechselte er 1953. Die im selben Jahr (mit Theo Pabst, 1905–79) begonnene und 1957 vollendete Neue Maxburg in Münchens Altstadt galt u. a. Nikolaus Pevsner als „Vorbild für Europa“ aufgrund der harmonischen Verbindung von Altem und Neuem. Der Dt. Pavillon zur Weltausstellung in Brüssel 1958 (zus. mit Egon Eiermann, 1904–70), brachte auch internationale Anerkennung.

    R.s Lehrtätigkeit an der Münchner Akademie (Präs. 1958–61, seit 1971 Ehrenmitgl.) dauerte fast 20 Jahre (bis 1972). Stilistisch orientiert an der in den USA weiterentwickelten Moderne in der Ausprägung durch Mies van der Rohe, wurden seine entmaterialisierten Bauten Wegbereiter für die gesamte dt. Nachkriegsarchitektur. Von den öffentlichen Gebäuden, Kirchen und Privathäusern in ganz Deutschland gilt der 1963-65 errichtete Amtssitz des dt. Bundeskanzlers in Bonn (sog. Kanzler-Bungalow), dessen freie Grundrißstruktur unter dem ausladenden Flachdach fließend in das parkartige Grundstück übergeht, als ausgereiftes Meisterwerk. Wiewohl seinerzeit umstritten, wirkte es bahnbrechend für die bauliche Repräsentation der jungen dt. Demokratie durch die Vermeidung monumentaler Gesten und die Anerkennung eines menschlichen Maßstabs.

    In den 70er Jahren zog R. sich aus seinem Büro zurück, das er seit 1971 mit vier Mitarbeitern partnerschaftlich organisiert hatte, und baute seinen Wohnsitz in der Toskana aus. Zu seinen Schülern gehörten u. a. Otto Steidle, Ralph Thut, Bernhard Heid und Elisabeth Theissing geb. Schwend. – Bundesvorstand d. Bundes Dt. Architekten (1954–56); Vors. d. Dt. Werkbundes Bayern (1954–58); zahlr. Auszeichnungen, u. a. Kulturpreise d. Städte Nürnberg (1953) u. München (1980); Theodor-Heuss-Medaille (1976); Bayer. Verdienstorden (1973); BVK I. Kl. (1976).

  • Werke

    Weitere W Bayer. Staatsbank, Nürnberg, 1949-51;
    Wohnhochhaus an d. Theresienstraße, München-Schwabing, 1950-52;
    Zwölf-Apostel-Kirche, München-Laim, 1953-54;
    German. Nat.mus. Nürnberg, 1953-78;
    Amerik. Gen.konsulat, München, 1957-59;
    Max-Planck-Inst. f. Physik, München-Freimann, 1957-60;
    St. Johannes v. Capistran, München-Bogenhausen, 1958-60;
    Erweiterungsbau d. Bayer. Staatsbibl., München 1959-66;
    Olaf-Gulbransson-Mus., Tegernsee, 1964-66;
    Techn. Zentrum d. Bayer. Vereinsbank am Tucherpark, München, 1964-67;
    eigenes Wohn- u. Atelierhaus, Grünwald b. München, 1967-69;
    Hotel Hilton, München 1970-72; – Projekte u. Wettbewerbe:
    Projekt z. Neubebauung d. Pinakothekenviertels, München, 1960-61;
    Erweiterungsbau u. Umbau d. Ak. d. Bildenden Künste, München, 1963-65;
    Wettbewerb f. d. Museen d. Stiftung Preuß. Kulturbes., Berlin-Tiergarten, 1966. – W-Verz. in: H. Wichmann, In memoriam S. R., Ausst.kat. 1985, S. 191-230;
    |

  • Nachlaß

    Nachlaß im Bes. d. Fam.

  • Literatur

    krit. Monogr. fehlt bisher ;
    - Zeit im Aufriß, Architektur in Bayern nach 1945, Ausst.kat. München 1983;
    Die Maxburg, in: W. Nerdinger (Hg.), Aufbauzeit, Planen u. Bauen in München 1945–50, Ausst.kat. München 1984, S. 152 f.;
    H. Wichmann, In memoriam S. R., Ausst.kat. Stuttgart 1985 (identisch mit d. geb. Ausg. H. Wichmann, S. R., Bauten u. Projekte, 1986, mit ausführl. Bibliogr.);
    ders., Die Architektur S. R.s u. d. 50er Jahre, in: P. M. Bode (Hg.), München in d. 50er Jahren, 1992, S. 93-97;
    Kurt Schneider, Die Architektur d. „Maxburg“, ebd. S. 98-109;
    H.-P. Riese, Glashaus im Verborgenen, Wohn- u. Empfangsgebäude d. Bundeskanzlers, Bonn, in: M. Schreiber (Hg.), Dt. Architektur nach 1945, 1986, S. 73-75;
    W. Durth u. N. Gutschow, Architektur u. Städtebau d. Fünfziger Jahre 1987;
    M. Mende u. G. Bott, Zum Schicksal d. Bauten v. S. R. (1908-1982) f. d. German. Nat.mus. Nürnberg, in: Kunstchronik 41, H. 11, 1988, S. 597-602;
    M. Schreiber, Selbstdarst. d. BRD, in: J.-D. Gauger u. J. Stagl (Hg.), Staatsrepräsentation, 1992, S. 197;
    U. Walter, Die „Maxburg“ in München als Paradigma d. modernen Wiederaufbaus nach d. Zweiten Weltkrieg, in: Monumental, FS f. Michael Petzet, 1998;
    H. Kleine, Bayer. Staatsbibl. München, in: Bauwelt 89, H. 6, 1998, S. 236;
    C. Fröschl, Wie Schokolade hinter Cellophan, Eine neue Fassade f. d. Royal Filmpalast in München, ebd., H. 39, S. 2200;
    B. Körner, Der Kanzlerbungalow v. S. R. in Bonn, in: Bonner Gesch.bll. 49/50, 1999/2000, 2001, S. 507-613;
    S. Gailhofer, Die neue Leichtigkeit, Wohnhaus Ludwig Erhard, …, 1954/55, in: Romana Schneider, W. Nerdinger u.|W. Wang (Hg.), Architektur im 20. Jh., Dtld., 2000, S. 86 f.;
    Vollmer;
    Munzinger.

  • Autor

    Helga Himen
  • Empfohlene Zitierweise

    Himen, Helga, "Ruf, Sep" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 231-233 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11880944X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA