Lebensdaten
1810 bis 1884
Geburtsort
Ladenburg bei Mannheim
Sterbeort
Jena
Beruf/Funktion
Verlagsbuchhändler ; Mitbegründer des Verlages Rütting und Loening
Konfession
jüdisch,evangelisch
Normdaten
GND: 11718960X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Löning, Karl Friedrich
  • Loening, Carl Friedrich
  • Loening, Karl Friedrich
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Zitierweise

Löning, Carl Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11718960X.html [17.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Lemmle, dann Lazarus, zuletzt Ludwig Löwenthal, Kaufm. u. Tabakfabr. in L., dann in Mainz, zuletzt in Mannheim, S d. Handelsmanns Zacharias in L.;
    M Dolzie (Theresia) Dinkelspiel aus Mannheim;
    Mainz 1838 Anna Luise (Nanette) (1812–92), T d. Bernhard Jacob Reinach (1777–1838, isr.), Bankier u. Gutsbes., u. d. Julie Jeanette Bettenbach;
    3 S, 2 T, u. a. Edgar (1843–1919), Prof. d. Staats- u. Kirchenrechts in Halle (s. DBJ II, Tl.; RGG), Gottfried (1851–87), Verleger, Richard (1848–1913), Prof. d. Strafrechts u. Strafprozeßrechts in J. (s. BJ 18, Tl.), Lili ( Otto v. Gierke, 1921, Rechtshistoriker, s. NDB VI);
    E Hildegard ( Wolfgang Stammler, 1886–1965, Prof. d. Germanistik).

  • Leben

    L. wuchs in Ladenburg und Mannheim auf. 1829-31 besuchte er die Univ. Heidelberg; seit 1833 führte er den Titel Dr. phil. Welche Studien er betrieb, ist unbekannt, ebenso, wo er sein Studium mit der Promotion beendete. Seit 1833 volontierte er in München in der „Literarischen Anstalt“ von Cotta. Hier schloß er Freundschaft mit Wilhelm Gutzkow und kam so in dauernde Verbindung zum Kreis des „Jungen Deutschland“. Zur weiteren Verlagsausbildung ging L. nach Berlin zu G. Reimer, 1834 nach Hamburg zu Julius Campe und schließlich zur Buchhandlung von J. P. Streng in Frankfurt/Main. Im Juli 1835 gründete L. in Mannheim einen Verlag, „C. Löwenthals Verlagshandlung“, in dem er von Anfang an die geistige Richtung des Kreises um Gutzkow, Heinrich Laube, Rudolf Wienbarg, August Lewald und Ludwig Bechstein vertrat. Damit wurde L. neben Julius Campe zum exponierten Verleger des „Jungen Deutschland“. Die finanziellen Mittel für seine Unternehmungen erhielt er von seinem vermögenden Vater, wie er überhaupt sein Leben lang finanziell unabhängig war, nicht zuletzt auch durch seine Heirat. L.s erstes Verlagsunternehmen bestand nur wenige Monate, bis die Zensur gegen ihn tätig wurde. Zu seinen Publikationen gehörten Wienbargs Schrift „Zur neuen Literatur“ sowie Gutzkows programmatischer Roman „Wally, die Zweiflerin“. Gutzkow und Wienbarg kündigten auch eine Zeitschrift an, die „Deutsche Revue“. Als Mitarbeiter waren Ludwig Börne, Heinrich Heine, Karl August Varnhagen v. Ense, Christian Dietrich Grabbe, Franz Kottenkamp, Georg Büchner und Wilhelm Schulz, Eduard Gans und Adolf Friedrich Trendelenburg vorgesehen. Zwei Probenummern der schließlich „Deutsche Blätter für Leben, Kunst und Wissenschaft“ benannten Zeitschrift konnten erscheinen. Sie war in der Epoche zwischen Wielands „Teutschem Merkur“ von 1773 und der „Deutschen Rundschau“ von 1884 der einzige Versuch einer gesamtdeutschen Zeitschrift. Die Gruppe machte sich bald politisch mißliebig, und so verboten bereits im November Preußen und Bayern den Verkauf aller Schriften aus L.s Verlag. Schließlich kam es am 10.12.1835 sogar zu dem aufsehenerregenden Ächtungsbeschluß des Deutschen Bundestags gegen die Schriften von L.s Autoren und die Werke von Heinrich Heine. L. verlor außerdem in Baden seine Konzession als Verleger. Diese Ereignisse machten die Gruppe des Jungen Deutschland erst wirklich bekannt.

    L. lebte nun in Mainz und hielt sich längere Zeit in Paris auf, wo er mit Heine verkehrte.|1843 ließ er sich mit seiner Familie in Frankfurt/Main nieder. Hier lebte er im Status eines „Permissionisten“, als der er kein Geschäft betreiben durfte. Er gewann den Kaufmann Josef Rütten für seine neuen Verlagspläne, und dieser erwarb 1844 die Konzession für einen Verlag, der unter der Bezeichnung „Literarische Anstalt (J. Rütten) “ firmierte. Der literarische Leiter des Verlags war L., der nun wieder an seine Bestrebungen von 1835 anknüpfen konnte. Er war auch mit den Anschauungen von Marx und Engels bekannt geworden und versuchte, ihre Ideen in Deutschland zu verbreiten. 1845 verlegte er ihre erste gemeinsame Schrift, die „Kritik der kritischen Kritik – Gegen Bruno Bauer und Konsorten“, die auf L.s Anregung hin unter dem Titel „Die Heilige Familie“ erschien. Eine weitere Schrift von Marx und Engels, die „Deutsche Ideologie“, wurde ihm angeboten, doch schlug er ab, da er im Falle einer Publikation seine Vertreibung aus Frankfurt befürchtete, nachdem bereits einige seiner neuesten Verlagsprodukte verboten waren. 1848 wurde L. die Aufenthaltserlaubnis für Frankfurt entzogen. Von Mainz aus führte er nun seine Arbeit weiter.

    L.s größter verlegerischer Erfolg wurde das Kinderbuch „Der Struwelpeter“ (1845), das Heinrich Hoffmann gezeichnet und gereimt hatte. Die neuartige Gestaltung und wohl auch die parodistische, die traditionelle Erziehung kritisierende Tendenz brachten L. dazu, das zunächst nur für die Kinder Hoffmanns bestimmte Buch zu verlegen. Seither blieben Kinderbücher für lange Zeit ein fester Bestandteil des Programms. L.s liberaler Richtung entsprach es, daß er seit 1844 die Theaterstücke des Aristophanes in der Übersetzung von Ludwig Seegen verlegte. Seit 1845 gab er auch die Schriften von Mitgliedern des Frankfurter „Montagskränzchens“ heraus, die den deutschkath. und prot. Reformideen anhingen. Seit April 1848 wieder in Frankfurt, verlegte L. die Schriften von politischen Emigranten. Er gab August v. Platens „Polenlieder“ und die Gedichte des ungar. Freiheitskämpfers Alexander Petöfi heraus. Seit 1851 fanden Verhandlungen mit Marx über „Das Kapital“ statt, die nicht zum Abschluß kamen, da L. erneut von einer Ausweisung aus Frankfurt bedroht war, das „Montagskränzchen“ wurde aufgelöst. Im Januar 1852 mußte L. die Stadt erneut verlassen und versuchte erfolglos, in Brüssel eine Niederlassung des Verlags zu eröffnen. 1854 durfte er sich wieder in Frankfurt niederlassen, 1859 erhielt er schließlich das Bürgerrecht und wurde unter seinem neuen Namen C. F. Loening offiziell Mitinhaber des Verlags. Seit 1848 gab L. auch Sammelwerke seiner Autoren heraus, darunter die Schriften Börnes in 12 Bänden 1862; die Ausgabe der Gesammelten Werke von Gutzkow führte er weiter. Als in der restaurativen Zeit nach 1848 seine politischen Überzeugungen nicht mehr zum Tragen kommen konnten, verlegte er Schriften über die politischen Zustände im Ausland und konzentrierte sein Programm auf Kinderbücher sowie auf juristische, medizinische und naturwissenschaftliche Publikationen.

    Da sich nach 1866, als Frankfurt zu Preußen gekommen war, die Wirkungsmöglichkeiten für L. verschlechterten, ließ er sich in Heidelberg nieder und führte von hier aus den Verlag mit Rütten weiter. 1882 oder 1883 zog er dann zu seinem Sohn Richard nach Jena. 1878 hatte er nach Rüttens Tod die Leitung des Verlags seinem Sohn Gottfried übergeben, der ihn nun zusammen mit dem Neffen von Rütten, Heinrich Oswalt, weiterführte. Den größeren Einfluß hatte Oswalt, der vor allem Werke über die klassischen deutschen Dichter verlegte, darunter das Goethe-Jahrbuch. Nach Oswalts Tod führte dessen Frau Brandine den Verlag mit literarischen und literaturhistorischen Schriften weiter. Seit 1903 war ihr Sohn Wilhelm Ernst Oswalt, der 1942 im KZ Buchenwald umkam, Leiter des Verlags, in dem seit 1914 die Werke von Romain Rolland und seit 1916 die Bücher von Waldemar Bonseis erschienen. In den 40er Jahren wurde der Verlag, nach der Enteignung Oswalts, nach Berlin verlegt, wo er heute noch als wichtiger Verlag der DDR besteht.

  • Literatur

    K. Gutzkow, Rückblicke auf mein Leben, 1875, S. 174 f.;
    H. Meyer, in: Mannheimer Hh., 1962, S. 19-27 (P);
    ders., C. F. L., Lb. e. dt. Verlegers im 19. Jh., in: Archiv f. Gesch. d. Buchwesens 4, 1963;
    A. Frommhold, 110 J. Verlag Rütten & Loening Berlin 1844-1954, 1954;
    ders., Rütten & Loening, Ein Rückblick auf 125 J. Verlagsgesch., in: 125 J. Rütten & Loening 1844-1969, 1969 (P).

  • Autor/in

    Christoph Schwingenstein
  • Empfohlene Zitierweise

    Schwingenstein, Christoph, "Löning, Carl Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 50 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11718960X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA