Lebensdaten
1921–2002
Geburtsort
Dresden-Neustadt
Sterbeort
Bad Soden (Hessen)
Beruf/Funktion
Geschäftsführer ; Parlamentarier ; Bundesminister ; Journalist ; Politiker ; Versicherungsmakler
Konfession
evangelisch-lutherisch
Normdaten
GND: 118582739 | OGND | VIAF: 110636202
Namensvarianten
  • Mischnick, Wolfgang
  • Mischnick, Wolfgang Friedrich Adolf
  • Mischnick, Wolfgang Friedrich Adolph

Objekt/Werk(nachweise)

Porträt(nachweise)

Verknüpfungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Mischnick, Wolfgang, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118582739.html [01.10.2022].

CC0

  • Kritische Würdigung

    Wolfgang Mischnick gehörte zu jenen aus der SBZ bzw. DDR vertriebenen Liberalen, die den Kurs der FDP zwischen 1968 und 1990 stark prägten. Zunächst Jugend-, dann Sozialpolitiker, wurde er Minister im letzten Kabinett Konrad Adenauers (1876–1967). Nach seinem Amtsverzicht aus Parteiräson 1963 fand Mischnick seit 1968 in der Führung der FDP-Bundestagsfraktion seine politische Lebensaufgabe.

    Lebensdaten

    Geboren am 29. September 1921 in Dresden-Neustadt
    Gestorben am 6. Oktober 2002 in Bad Soden (Hessen)
    Grabstätte Friedhof Frankfurter Str. in Kronberg im Taunus
    Konfession evangelisch-lutherisch
    Wolfgang Mischnick, Imago Images (InC)
    Wolfgang Mischnick, Imago Images (InC)
  • Lebenslauf

    29.·September 1921 - Dresden-Neustadt

    1928 - 1932 - Dresden-Neustadt

    Schulbesuch

    Volksschule

    1932 - 1939 - Dresden

    Schulbesuch (Abschluss: Abitur)

    Staatsgymnasium

    1939 - 1945 - Bautzen

    Kriegsdienst (1942 Unteroffizier, dann Leutnant der Reserve)

    Infanteriegeschütz-Ersatzkompanie 223

    1945 - 1948 - Dresden

    Mitglied

    Liberal-demokratische Partei Deutschlands (LDPD), Kreisverband

    1945 - 1947 - Dresden

    Mitglied

    LDPD Sachsen, Landesvorstand

    1946 - 1948 - Dresden

    Stadtverordneter

    1946 - 1947 - Berlin

    Mitglied

    LDPD, Zentralvorstand

    1948 - Westdeutschland

    Flucht

    1948 - Frankfurt am Main

    Mitglied

    FDP, Partei- und Kreisvorstand

    1948 - 1949 - Heppenheim

    Mitglied

    FDP, Bundesvorstand

    1951 - 1977 - Wiesbaden

    Mitglied

    FDP Hessen, Landesvorstand

    1954 - 1957 - Wiesbaden

    Abgeordneter

    Hessischer Landtag

    1954 - 1957 - Bonn

    Bundesvorsitzender

    Deutsche Jungdemokraten

    1954 - 1990 - Bonn

    Mitglied

    FDP, Bundesvorstand

    1956 - 1971 - Frankfurt am Main

    Stadtverordneter

    1957 - 1994 - Bonn

    Abgeordneter

    FDP-Bundestagsfraktion

    1961 - 1963 - Bonn

    Bundesminister für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte

    Bundesregierung

    1961 - 1968 - Bonn

    stellvertretender Vorsitzender

    FDP-Bundestagsfraktion

    1964 - 1988 - Bonn

    stellvertretender Bundesvorsitzender

    FDP

    1967 - 1977 - Wiesbaden

    Landesvorsitzender

    FDP Hessen

    1968 - 1991 - Bonn

    Fraktionsvorsitzender

    FDP-Bundestagsfraktion

    1987 - 1995 - Königswinter

    Vorsitzender des Vorstands

    Friedrich-Naumann-Stiftung

    6.·Oktober 2002 - Bad Soden (Hessen)
  • Genealogie

    Vater Walter Mischnick 1885–1967 Soldat, Heeres-Zivilangestellter, infolge des Militärdienstes ertaubt
    Großvater väterlicherseits Adolf Mischnick gest. 1901 Aufwärter im Königlich-Sächsischen Landes-Medicinal-Collegium in Dresden
    Großmutter väterlicherseits Pauline Mischnick gest. 1935
    Mutter Marie Röllig 1885–1975
    Großvater mütterlicherseits Friedrich Röllig gest. 1929 Lebensmittelhändler in Dresden-Neustadt
    Großmutter mütterlicherseits Helene Röllig, geb. Rebenstock
    1. Heirat 3.6.1944 in Dresden
    Scheidung 24.3.1948 in Dresden
    Ehefrau Margot Kästner geb. 1921
    Schwiegervater Max Kästner 1879–1959 Bahnbeamter
    Schwiegermutter Lydia Kästner, geb. Fischer 1886–1955
    Tochter Gudrun Jonas, geb. Mischnick geb. 1945 Kinderkrippenerzieherin in Dresden
    Sohn Lothar Mischnick geb. 1947 Leitender Angestellter der Hoechst AG von 1977 bis 1987, Prokurist von 1987 bis zur Auflösung der Hoechst AG 1997, Prokurist in der Hoechst-Folgefirma HiServ bis 2000, Prokurist in der Thyssen-Krupp Tochterfirma Triaton von 2000 bis 2004, Business Director bei HP von 2004 bis 2010
    2. Heirat 7.3.1949 in Frankfurt am Main
    Ehefrau Christine Dietzsch 1923–2013
    Schwiegermutter Friedel Dietzsch 1893–1977
    Sohn Harald Mischnick geb. 1954 aus Frankfurt am Main, Genealoge in Kronberg im Taunus, Mitglied der FDP (Ortsvorstand Kronberg), Archivassistent im Archiv des deutschen Liberalismus in Gummersbach, Schriftleiter des Archivs für Familiengeschichtsforschung des Archivs der Arbeitsgemeinschaft für Mitteldeutsche Familienforschung der Mitteldeutschen Ortsfamilienbücher, mit Lars Brunner Autor eines Ortsfamilienbuchs zu Hormersdorf im Erzgebirge, erhielt 2015 Verdienstmedalle der Stadt Zwönitz in Silber
  • Biografie

    alternativer text
    Wolfgang Mischnick (links), Imago Images (InC)

    Mischnick stammte aus einem eher konservativen kleinbürgerlichen Milieu in Dresden-Neustadt. Sein Wunsch, ein Ingenieur-Studium zu beginnen, blieb unerfüllt wegen seiner Einberufung zum Kriegsdienst im Zweiten Weltkrieg, den er – mehrfach verwundet – fast von Beginn bis zum Ende mitmachte. Im Sommer 1945 trat er in Dresden der Liberal-demokratischen Partei (LDPD) bei, machte als Jugendpolitiker rasch Karriere, geriet aber in Konflikt mit der SED und der Besatzungsmacht. Vor politischen Repressalien floh er im April 1948 in den Westen, nahm am FDP-Gründungsparteitag 1948 teil, wurde über die Stationen hessischer Landesvorstand und Landtag 1957 Bundestagsabgeordneter und bei der Neuauflage der CDU-FDP-Koalition 1961 Bundesminister im letzten Kabinett Konrad Adenauers (1876–1967), wo er das Ministerium für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte leitete. Den Ministerposten gab er bereits 1963 beim Kanzlerwechsel zugunsten des FDP-Vorsitzenden Erich Mende (1916–1998) auf und konnte so nur wenig eigene Akzente setzen; die von ihm mitgetragene und in der Regierungserklärung angekündigte Gleichstellung der SBZ-/DDR-Flüchtlinge mit den Heimatvertriebenen aus den ehemaligen Ostgebieten kam erst 1965 zustande.

    Für den Amtsverzicht wurde Mischnick mit dem stellvertretenden Fraktionsvorsitz entschädigt. Seit 1968 bildete der nunmehrige Fraktionsvorsitzende Mischnick mit Walter Scheel (1919–2016) und Hans-Dietrich Genscher (1927–2016) die neue Führungstrias der FDP, die den Kurs der Partei neu ausrichtete. Als ausgewiesener Sozialpolitiker, der 1963 einen Reformvorschlag zur Liberalisierung und Ausweitung des Rentensystems mit einer Dreigliederung aus Grundrente, zeitlich befristeter Pflichtversicherung und freiwilliger Vorsorge vorgelegt hatte, und als Befürworter eines konstruktiven Dialogs mit den Staaten des Warschauer Paktes fand er ein Zusammengehen mit der Sozialdemokratie sinnvoll. Als dieses – in der FDP nicht unumstritten – nach der Wahl 1969 in Form des Kabinetts von Willy Brandt (1913–1992) zustande kam, suchte Mischnick die Mehrheit dafür in der FDP-Fraktion zu wahren, die aufgrund von Austritten bei beiden Koalitionsfraktionen gefährdet war. In den drei Wahlen seit 1972 erreichte die sozial-liberale Koalition jeweils eine parlamentarische Mehrheit, die durch die gute Zusammenarbeit Mischnicks mit dem ebenfalls aus Dresden stammenden SPD-Fraktionsvorsitzenden Herbert Wehner (1906–1990) fast reibungslos funktionierte.

    Mischnick stellte eigene Ambitionen hinter die Loyalität zu den FDP-Vorsitzenden Scheel und dann Genscher zurück, auch in der Koalitionskrise von 1981/82. Eigentlich kein Anhänger eines Koalitionswechsels, sicherte er die v. a. von Otto Graf Lambsdorff (1926–2009) und Genscher betriebene Neuausrichtung in der Fraktion ab, u. a. mit einer vielbeachteten Bundestags-Rede aus Anlass des Konstruktiven Misstrauensvotums am 1.10.1982, als mit mehrheitlicher Unterstützung der FDP-Fraktion Helmut Kohl (1930–2017) zum Nachfolger des Kanzlers Helmut Schmidt (1918–2015) gewählt wurde.

    Während der CDU-FDP-Koalition behielt Mischnick seine Funktion bei und wollte sich zu Ende der 1980er Jahre aus der Politik zurückziehen, nachdem er 1987 den Vorsitz der parteinahen Friedrich-Naumann-Stiftung übernommen hatte. Mit der Wiedervereinigung wurde Mischnick jedoch erneut und verstärkt in der Deutschlandpolitik, seit den 1960er Jahren einer seiner politischen Schwerpunkte, tätig. Er war mit Dresden eng verbunden geblieben, versuchte v. a. die Verbindungen zur LDPD aufrecht zu erhalten und zu intensivieren, was mithilfe seiner innerparteilich nicht unumstrittenen Kontakte zum LDPD-Vorsitzenden Manfred Gerlach (1928–2011) gelang; so war Mischnick 1987 Ehrengast beim LDPD-Parteitag. Als sich die Liberaldemokraten Ende 1989 aus dem SED-Herrschaftssystem lösten, war Mischnick der Moderator, der eine gemeinsame Liste der verschiedenen liberalen Gruppen zur Volkskammerwahl im März 1990 und dann die Vereinigung von West- und Ost-Liberalen anbahnte, die noch vor der staatlichen Vereinigung im August 1990 vollzogen wurde. Bei der anschließenden ersten gesamtdeutschen Bundestagswahl war er, der häufig die Liste der hessischen FDP angeführt hatte, Spitzenkandidat der sächsischen FDP und erzielte in Dresden mehr Erst- als Zweitstimmen. Ein letztes Mal zog Mischnick in den Bundestag ein, gab aber den Fraktionsvorsitz an Hermann Otto Solms (geb. 1940) ab. 1994 schied er als Parlamentarier endgültig aus und verzichtete ein Jahr später auch auf den Vorsitz der Friedrich-Naumann-Stiftung. Diese hatte in seiner Amtszeit v. a. die Chance zur Expansion ihrer Auslandsarbeit in Osteuropa genutzt, aber auch im Inland durch die Errichtung neuer Bildungsstätten stark expandiert.

    Mischnick erreichte auch Popularität als demonstrativer Fußballfan von Eintracht Frankfurt, wo er von 1975 bis 1990 im Verwaltungsrat saß. Die Sportförderung gehörte zu seinen parlamentarischen Schwerpunkten. Er engagierte sich auch – als Betroffener – für den Asthmatiker-Bund und nach der Wende für die Karl-May-Gesellschaft.

  • Ehrungen, Auszeichnungen und Mitgliedschaften

    1968 Großes Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland
    1973 Großkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland
    1974 Großes Goldenes Ehrenzeichen der Republik Österreich
    1975 Wilhelm-Leuschner-Medaille des Landes Hessen
    1990 Hessischer Verdienstorden
    2001 Reinhold-Maier-Medaille der Reinhold-Maier-Stiftung und der FDP Baden-Württemberg
    2002 Sächsischer Verdienstorden
    • Quellen

      Nachlass:

      Archiv des Liberalismus, Gummersbach, A 24 f, A 38–41, A 47.

      Bundesarchiv Koblenz, B 150 Bundesministerium für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte.

      Gedruckte Quellen:

      Gedanken zur Neugestaltung der Altersvorsorge von Wolfgang Mischnick „Mischnick-Plan“ (Vorgetragen auf dem FDP-Bundesparteitag in München vom 1.-3. Juli 1963). (Onlineressource)

      Udo Wengst (Bearb.), FDP-Bundesvorstand. Die Liberalen unter dem Vorsitz von Thomas Dehler und Reinhold Maier. Sitzungsprotokolle 1954–1960, 1991.

      Reinhard Schiffers (Bearb.), FDP-Bundesvorstand. Die Liberalen unter dem Vorsitz von Erich Mende. Sitzungsprotokolle 1960–1967, 1993.

      Volker Stalmann (Bearb.), Die FDP-Fraktion im Deutschen Bundestag. Protokolle 1949–1969, 2 Bde., 2016.

    • Werke

      Gesellschafts- und Sozialpolitik. Selbstbestimmung, Mitbestimmung, Solidarität, in: Hans-Dietrich Genscher (Hg.), Liberale in der Verantwortung, 1976, S. 29–43.

      Bundestagsreden und Zeitdokumente, 61981.

      Wolfgang Mischnick (Hg.), Verantwortung für die Freiheit. 40 Jahre F.D.P., 1989.

      Von Dresden nach Bonn. Erlebnisse – jetzt aufgeschrieben, 1991. (P)

      Erinnerungen an Wilhelm Külz, 1995.

      Die deutschlandpolitischen Aktivitäten der FDP 1945–1970. Autobiographische Reflexionen, in: Reinhard Hübsch/Jürgen Frölich (Hg.), Deutsch-deutscher Liberalismus im Kalten Krieg. Zur Deutschlandpolitik der Liberalen 1945–1970, 1997, S. 88–103.

    • Literatur

      Ludwig Luckemeyer, Wolfgang Mischnick und die FDP Hessen, 1971.

      Horst Dahlmeyer, Typisch Mischnick. Ein schlagkräftiger Liberaler, 41986. (P)

      Johannes Volmert, Politikerrede als kommunikatives Handlungsspiel. Ein integriertes Modell zur semantisch-pragmatischen Beschreibung öffentlicher Rede, 1989.

      Wolfgang Staudte, Liberale in Hessen seit 1945, 1996.

      Jürgen Frölich, (K)Ein besonderer liberaler Weg zur Annäherung zwischen beiden deutschen Staaten? Die Kontakte zwischen FDP und LDPD in den 1970er und 1980er Jahren, in: Jahrbuch zur Liberalismus-Forschung 20 (2008), S. 199–212.

      Sven Prietzel, Leidenschaftlich pragmatisch für Deutschland. Wolfgang Mischnick und der Liberalismus während der deutschen Teilung, 2015.

      Lexikonartikel:

      Art. "Mischnick, Wolfgang", in: Jochen Lengemann, Das Hessen-Parlament. Biographisches Handbuch des Beratenden Landesausschusses, der Verfassungsberatenden Landesversammlung Großhessens und des Hessischen Landtages 1.–11. Wahlperiode, 1986, S. 335 f.

      Hermann Groß, Art. „Mischnick, Wolfgang“, in: Udo Kempf/Hans-Georg Merz (Hg.), Kanzler und Minister 1949 – 1998. Biografisches Lexikon der deutschen Bundesregierungen, 2001, S. 485–489.

      Jürgen Frölich, Art. „Wolfgang Mischnick“, in: Rudolf Vierhaus/Ludolf Herbst (Hg.), Biographisches Handbuch der Mitglieder des Deutschen Bundestages 1949–2002, Bd. 1, 2002, S. 568 f. (L)

    • Onlineressourcen

    • Porträts

      Fotografien 1961–1992, Digitales Bildarchiv des Bundesarchivs, Bestand B145.

  • Autor/in

    Frölich, Jürgen (Bonn)

  • Zitierweise

    Frölich, Jürgen, „Mischnick, Wolfgang“ in: NDB-online, veröffentlicht am 01.07.2022, URL: https://www.deutsche-biographie.de/118582739.html#dbocontent.

    CC-BY-NC-SA