Lebensdaten
1895 – 1945
Geburtsort
Siegen
Sterbeort
Bischofswiesen
Beruf/Funktion
SA-Führer ; Gauleiter ; Bayerischer Ministerpräsident ; Architekt ; Politiker ; Soldat ; Funktionär
Konfession
evangelisch-lutherisch, später „gottgläubig“
Normdaten
GND: 1163130303 | OGND | VIAF: 57409158
Namensvarianten
  • Giesler, Paul Heinrich Hermann
  • Giesler, Paul
  • Giesler, Paul Heinrich Hermann

Biografische Lexika/Biogramme

Quellen(nachweise)

Objekt/Werk(nachweise)

Porträt(nachweise)

Verknüpfungen

Verknüpfungen auf die Person andernorts

Weitere Erwähnungen in der NDB-online/NDB/ADB

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Giesler, Paul, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd1163130303.html [24.02.2024].

CC0

  • Als langjähriger SA-Führer wurde Paul Giesler 1941 zum Gauleiter von Westfalen-Süd ernannt und im Folgejahr nach München berufen, wo er das Amt des Gauleiters von München-Oberbayern und die Leitung der Bayerischen Staatsregierung übernahm. Seinem Förderer Adolf Hitler (1889–1945) bis zuletzt loyal ergeben, nahm er sich kurz vor der deutschen Kapitulation das Leben.

    Lebensdaten

    Geboren am 15. September 1895 in Siegen
    Gestorben am Mai 1945 (Suizid) in Bischofswiesen
    Grabstätte Alter Friedhof (seit 1984 aufgelassen) in Berchtesgaden
    Konfession evangelisch-lutherisch, später „gottgläubig“
    Paul Giesler, BSB / Bildarchiv / Fotoarchiv Hoffmann (InC)
    Paul Giesler, BSB / Bildarchiv / Fotoarchiv Hoffmann (InC)
  • Lebenslauf

    15. September 1895 - Siegen

    1906 - 1914 - Siegen

    Schulbesuch (Abschluss: Unterprima)

    Realgymnasium

    1914 - 1918 - v. a. Westfront

    Kriegsdienst

    Garde-Minenwerfer-Kompanie 1, Minenwerfer-Kompagnie beim 2. Garde-Regiment zu Fuß

    1919 - 1921 - Darmstadt

    Ausbildung zum Architekten

    Höhere Landesbauschule, Technische Hochschule

    1922 - 1933 - Siegen

    Architekt

    1922 - Siegen

    Eintritt

    NSDAP

    1928 - Siegen

    Eintritt in die wiedergegründete NSDAP

    1931 - Siegen

    Eintritt (1943 SA-Obergruppenführer)

    SA

    1933 - 1934 - Siegen

    Stadtrat

    1933 - 1945 - Berlin

    Abgeordneter der NSDAP

    Deutscher Reichstag

    1934 - 1941 - Siegen; Oldenburg; München; Linz

    SA-Führer

    SA-Gruppe Westfalen, seit 1935 SA-Brigade 63, seit 1936 SA-Gruppe Hochland, seit 1938 SA-Gruppe Alpenland

    1939 - 1940 - Polen; Frankreich

    Kriegsdienst

    44. Infanteriedivision

    1941 - 1941 - München

    Hauptdienstleiter im Rang eines stellvertretenden NS-Gauleiters

    Parteikanzlei der NSDAP

    1941 - 1943 - Bochum

    NS-Gauleiter

    Gau Westfalen-Süd

    1941 - 1943 - Berlin

    Preußischer Staatsrat

    Preußischer Staatsrat

    1942 - 1944 - München

    NS-Gauleiter

    Gau München-Oberbayern

    1942 - 1942 - München

    Reichsverteidigungskommissar

    Wehrkreise VII und XIII

    1942 - 1943 - Bochum

    Reichsverteidigungskommissar

    Gau Westfalen-Süd

    1942 - 1945 - München

    Reichsverteidigungskommissar

    Gau München-Oberbayern

    1942 - 1945 - München

    Bayerischer Ministerpräsident und Leiter sämtlicher bayerischer Staatsministerien

    1945 - 1945 - München

    Reichsverteidigungskommissar Süd

    Gau München-Oberbayern, Gau Schwaben, Gau Tirol, Gau Oberdonau Gau Salzburg

    Mai 1945 (Suizid) - Bischofswiesen
  • Genealogie

    Vater Jacob Wilhelm Hermann Giesler 1866–1941 aus Siegen; Architekt
    Großvater väterlicherseits Johannes Jacob Giesler 1834–1891 aus Oberhees bei Siegen; Kutscher
    Großmutter väterlicherseits Henriette Giesler, geb. Sauer 1843–1933 Hausfrau
    Mutter Luise Giesler, geb. Faust 1870–1945 Hausfrau
    Großvater mütterlicherseits Jakob Faust 1840–1876 Architekt aus Freudenberg
    Großmutter mütterlicherseits Anna Margarethe Faust 1839–1914 Hausfrau
    Bruder Ernst Giesler 1893–1968 Kaufmann
    Bruder Hermann Giesler 1898–1987 Architekt; 1931 NSDAP; seit 1938 Generalbaurat für die Neugestaltung Münchens als „Hauptstadt der Bewegung“; 1941–1945 führender Mitarbeiter der Organisation Todt
    Bruder Alfred Giesler 1903–1954 Lehrer
    Heirat 26.5.1921 in Weidenau
    Ehefrau Wilhelmine Margarethe Giesler, geb. Patt 1896–1945
    Schwiegervater Friedrich Jakob Karl Patt 1859–1913 aus Haardt (Weidenau), Bäckermeister, Hotelier
    Schwiegermutter Johanna Emma Therese Patt, geb. Keller 1868–1945
    Kinder keine
    Diese Grafik wurde automatisch erzeugt und bietet nur einen Ausschnitt der Angaben zur Genealogie.

    Giesler, Paul (1895 – 1945)

    • Vater

      Jacob Wilhelm Hermann Giesler

      1866–1941

      aus Siegen; Architekt

      • Großvater väterlicherseits

        Johannes Jacob Giesler

        1834–1891

        aus Oberhees bei Siegen; Kutscher

      • Großmutter väterlicherseits

        Henriette Giesler

        1843–1933

        Hausfrau

    • Mutter

      Luise Giesler

      1870–1945

      Hausfrau

      • Großvater mütterlicherseits

        Jakob Faust

        1840–1876

        Architekt aus Freudenberg

      • Großmutter mütterlicherseits

        Anna Margarethe Faust

        1839–1914

        Hausfrau

    • Bruder

      Ernst Giesler

      1893–1968

      Kaufmann

    • Bruder

      Hermann Giesler

      1898–1987

      Architekt; 1931 NSDAP; seit 1938 Generalbaurat für die Neugestaltung Münchens als „Hauptstadt der Bewegung“; 1941–1945 führender Mitarbeiter der Organisation Todt

    • Bruder

      Alfred Giesler

      1903–1954

      Lehrer

    • Heirat

      in

      Weidenau

      • Ehefrau

        Wilhelmine Giesler

        1896–1945

  • Biografie

    alternativer text
    Paul Giesler (links), BSB / Bildarchiv / Fotoarchiv Hoffmann (InC)

    Giesler meldete sich nach Erreichen der Unterprima auf der Realschule Siegen im August 1914 als Freiwilliger zur preußischen Armee und war bis zum Ende des Ersten Weltkriegs v. a. an der Westfront eingesetzt (zuletzt Leutnant der Reserve). Von 1919 bis 1921 absolvierte er in Darmstadt eine Ausbildung zum Architekten und arbeitete anschließend bis 1933 in seiner Heimatstadt in diesem Beruf. Während der 1920er Jahre war er in mehreren rechtsnational orientierten Kriegervereinen in führender Funktion tätig und trat 1922 (erneut 1928) der NSDAP bei, für die er in Westfalen als Redner und Wahlkämpfer auftrat.

    Gieslers eigentliche Heimat in der NS-Bewegung wurde Anfang der 1930er Jahre die SA, an deren organisatorischem Aufbau im Siegerland (Westfalen) er sich maßgeblich beteiligte. Unter seiner Führung ging die SA im Umfeld der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 brutal gegen Gegner aus dem linken politischen Spektrum vor, die Gewalt richtete sich aber auch gegen bürgerliche Eliten wie den Geschäftsführer der Siegener „Volks-Zeitung“ Gustav Vitt (1895–1960) und den fürstlich-berleburgischen Kammer- und Forstdirektor Gotthold Reinhardt (geb. 1871). Als bestimmende Figur der NSDAP im Siegerland wurde Giesler im November 1933 für den Wahlkreis Westfalen-Süd in den Reichstag gewählt, dem er bis zum Ende des „Dritten Reichs“ angehörte.

    Im Rahmen des „Röhm-Putsches“ vom 30. Juni 1934 von dem Gauleiter von Westfalen-Süd, Josef Wagner (1899–1945), als Anhänger Ernst Röhms (1887–1934) bezichtigt, musste Giesler auf Weisung der Obersten SA-Führung sein Betätigungsfeld in Westfalen verlassen, konnte nach dem Freispruch vor dem Obersten Parteigericht der NSDAP im April 1935 seine SA-Karriere aber fortsetzen. Nach einjähriger Tätigkeit als Führer in Oldenburg wurde er im September 1936 zum Stabsführer der SA-Gruppe Hochland in München ernannt und leitete nach der Okkupation Österreichs seit Juni 1938 die SA-Gruppe Alpenland mit Sitz in Linz.

    Giesler nahm 1939/40 als Hauptmann an den Feldzügen gegen Polen und Frankreich teil. Im November 1941 ernannte ihn Adolf Hitler (1889–1945), in dessen Gunst er und sein Bruder Hermann (1898–1987) standen, zum Nachfolger des in Ungnade gefallenen Josef Wagner. Zugleich Protegé Martin Bormanns (1900–1945), gehörte Giesler einer neuen Generation von Gauleitern an, die wesentlich enger an die Parteikanzlei angebunden waren, als etwa der langjährige Gauleiter von München-Oberbayern, Adolf Wagner (1890–1944), dessen Nachfolge Giesler im Juni 1942 antrat.

    Nach dem Tod des Bayerischen Ministerpräsidenten Ludwig Siebert (1874–1942) übernahm Giesler auch dessen Ämter und vereinigte damit alle bayerischen Ministerien auf seine Person. In seiner Amtsausübung weitgehend auf das Gebiet seines Parteigaus fokussiert, arbeitete er im Sinne der NSDAP auf die Beseitigung der Reststaatlichkeit Bayerns hin, dessen Gebiet spätestens nach Kriegsende in Reichsgaue aufgeteilt werden sollte.

    Im Zweiten Weltkrieg konzentrierte sich Gieslers Politik als Gauleiter und Reichsverteidigungskommissar v. a. auf die Bewältigung der Folgen des Luftkriegs, die Aufrechterhaltung der Lebensmittelversorgung und die Mobilisierung aller personellen und materiellen Ressourcen für Kriegsrüstung und Wehrmacht. Eine Rede Gieslers anlässlich der 470-Jahrfeier der Ludwig-Maximilians-Universität München am 13. Januar 1943, in der er die anwesenden Frauen aufforderte, Kinder zu gebären, anstatt zu studieren, rief heftige Proteste der Studentenschaft hervor, die im sechsten Flugblatt der Widerstandsgruppe Weiße Rose aufgegriffen wurden. Kurze Zeit später war Giesler die treibende Kraft hinter den raschen Todesurteilen gegen Christoph Probst (1919–1943), Hans Scholl (1918–1943) und Sophie Scholl (1921–1943).

    Den unmittelbar vor Einmarsch der US-Armee in München erfolgten Aufstandsversuch der „Freiheitsaktion Bayern“ ließ Giesler Ende April 1945 mithilfe von Einheiten der SS und des „Volkssturms“ niederschlagen, wobei – u. a. während der „Penzberger Mordnacht“ – rund 60 Personen ermordet wurden. Im Testament Hitlers zum Nachfolger Heinrich Himmlers (1900–1945) als Reichsminister des Innern bestimmt, flüchtete Giesler am 30. April 1945 aus München und nahm sich mit seiner Frau unter ungeklärten Umständen in der Nähe von Berchtesgaden das Leben.

  • Auszeichnungen

    vor 1919 Eisernes Kreuz II. Klasse
    vor 1919 Eisernes Kreuz I. Klasse
    1919 Mitglied im Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten
    1920 Mitglied im Jungdeutschen Orden
    1939 Spange zum Eisernen Kreuz
  • Quellen

    Nachlass:

    nicht bekannt.

    Weitere Archivmaterialien:

    Bayerisches Hauptstaatsarchiv, München, Bestand Staatskanzlei; Bestände der von Giesler geleiteten bayerischen Ministerien des Innern, der Finanzen, für Wirtschaft, für Unterricht und Kultus sowie der Staatskanzlei (Ministeramt).

    Bundesarchiv, Berlin-Lichterfelde, Bestand BDC. (Personalunterlagen)

    Staatsarchiv München, Bestand NSDAP.

  • Literatur

    Winfried Müller, Gauleiter als Minister. Die Gauleiter Hans Schemm, Adolf Wagner, Paul Giesler und das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus 1933–1945, in: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 60 (1997), S. 973–1021.

    Renate Frühling, Paul Giesler. Eine Karriere im Nationalsozialismus, in: Siegener Beiträge 5 (2000), S. 135–154.

    Dieter Pfau, Christenkreuz und Hakenkreuz. Siegen und das Siegerland am Vorabend des „Dritten Reiches“, 2001.

    Michael Früchtel, Der Architekt Hermann Giesler. Leben und Werk (1898–1987), 2008.

    Ulla-Britta Vollhardt, Art. „Giesler, Paul“, in: Hermann Weiß (Hg.), Biographisches Lexikon zum Dritten Reich, überarb. Neuausg., 22011, S. 146.

    Daniel Rittenauer, Das Amt des Bayerischen Ministerpräsidenten in der NS-Zeit, 2018, S. 304–341.

  • Onlineressourcen

  • Porträts

    Fotografien, Bildarchiv der Bayerischen Staatsbibliothek München, Sammlung Heinrich Hoffmann.

    Fotografie, ca. 1933, Abbildung in: Reichstags-Handbuch. IX. Wahlperiode 1933, hg. v. Büro des Reichstags, 1934, S. 404. (Onlineressource)

  • Autor/in

    Daniel Rittenauer (München)

  • Zitierweise

    Rittenauer, Daniel, „Giesler, Paul“ in: NDB-online, veröffentlicht am 01.07.2022, URL: https://www.deutsche-biographie.de/1163130303.html#dbocontent

    CC-BY-NC-SA