Lebensdaten
1880 bis 1939
Geburtsort
Benrath bei Düsseldorf
Sterbeort
Praga bei Warschau
Beruf/Funktion
Generaloberst ; Oberbefehlshaber des Heeres
Konfession
evangelische Familie
Normdaten
GND: 116825456 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Fritsch, Werner Thomas Ludwig von
  • Fritsch, Werner Freiherr von
  • Fritsch, Werner Thomas Ludwig von

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Zitierweise

Fritsch, Werner Freiherr von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116825456.html [20.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Georg (1849–1920), preuß. Gen.-Lt., S d. Gg. Aug. (s. Gen. 2);
    M Adelheid (1856–1941), T d. Ludw. v. Bodelschwingh (1811–79), preuß. WGR u. Oberpräs. v. Hessen-Nassau u. d. Rheinprov., u. d. Marie v. Vietsch;
    Vt Hugo (1869–1945), weimar. Ob.hofmeister, stellte 1919 d. Nat.theater in Weimar d. Nat.verslg. zur Verfügung; ledig.

  • Leben

    F. besuchte 1907-10 die Kriegsakademie. Während des 1. Weltkrieges bekleidete er Generalstabsstellungen bei der 1. Garde-Division, beim Armee-Oberkommando 4 und beim Generalkommando der Luftstreitkräfte. 1919 trat er als 1. Generalstabsoffizier (Ia) beim Grenzschutz-Armeeoberkommando Nord in ein besonderes Arbeits- und Vertrauensverhältnis zu Seeckt. Ihm blieb F. fortan verbunden und wirkte zunächst 1920-22 vom Reichswehrministerium aus beim Aufbau des Reichsheeres mit. Nachdem er als Oberstleutnant eine Artillerie-Abteilung in Ulm geführt und im Wehrkreis I (Ostpreußen) als Chef des Stabes unter Heye fungiert hatte, wurde er 1926 Leiter der Heeresabteilung im Truppenamt (T 1). Nach verschiedenen Truppenkommandos trat er unter Beförderung zum Generalleutnant am 1.10.1932 die Nachfolge Rundstedts in der Führung der 3. Division (zugleich Befehlshaber im Wehrkreis III, Berlin) an.

    F., einer Familie mit strengen Auffassungen und betonter Religiosität entstammend, war der Typ eines hochbegabten und im Dienste an der Sache aufgehenden militärischen Führers. Obgleich er dem politischen Geschehen mit größter Zurückhaltung gegenüberstand und auch schon früh die negativen Seiten des Nationalsozialismus zu erkennen imstande war, fand er sich dennoch mit den Ereignissen der nationalsozialistischen Machtübernahme ab. Am 1.2.1934 von Hindenburg unter Beförderung zum General der Artillerie zum Chef der Heeresleitung ernannt, brachte er die alte Maxime Seeckts von der politischen Abstinenz der Wehrmacht zu neuer, betonter Geltung. Mit ihrer Hilfe wie auch durch ein wenngleich auf das Sachliche begrenztes Vertrauen zum „Führer und Reichskanzler“ vermochte er seinen Zweifeln gegen dessen blutige Präventivmaßnahmen vom 30. Juni und gegen den von der Spitze des Reichswehrministeriums forcierten persönlichen Eid auf Hitler vom 2.8.1934 fürs erste zu begegnen. Unter seiner Führung (1935: Oberbefehlshaber des Heeres; 1936: Generaloberst) wandelte sich die Reichswehr im Zuge der bekannten Maßnahmen zu einem modern ausgerüsteten Wehrpflicht-Heer. – Während Hitler eine Vergrößerung der Wehrmacht „in kürzester Frist“ anstrebte, wollte F. Gefüge und Ausbildungsstand des Heeres weitgehend vor einem überstürzten Ausbau abschirmen; zudem wurde er dank seines starken persönlichen Einflusses auf das Offizierkorps zur stillen Hoffnung vieler nichtnationalsozialistischer Kreise. So wehrte er sich gegen das Wirksamwerden parteipolitischer Strömungen und war entschlossen, weltanschauliche Auseinandersetzungen in der Truppe zu unterbinden. Aber F., der an die Möglichkeit loyaler Pflichterfüllung glaubte und es strikt ablehnte, seine Person außerhalb des dienstlichen Bereiches zur Geltung zu bringen, blieb letztlich doch in der Defensive. Als er am 5.11.1937 die Lebensraum- und Kriegspläne aus dem Munde des „Führers“ erfuhr, hielt er seine vorgetragenen fachlich-militärischen Bedenken für ausreichend, um das drohende Unheil abwenden zu können. Er sah zu spät, daß Hitler von nun an entschlossen war, sich dieses seines „Gegners“ zu entledigen.

    Als Hitler Anfang 1938 aus Anlaß des „Falles Blomberg“ sich anschickte, die Führung der Wehrmacht selbst zu übernehmen, ging er auch gegen F. vor. Göring und Heydrich hatten rechtzeitig falsches Material geliefert, um F. eines Vergehens gegen § 175 St.G.B. zu beschuldigen. Mit verdächtiger Eile erhielt F. am 4. Februar den Abschied; sein für die Schuldlosigkeit verpfändetes Ehrenwort lehnte Hitler ab. F. vermochte weder zu begreifen, daß sein „Führer“ hinter der Intrige stand, noch konnte er sich entschließen, das im Grunde mitbeleidigte Offizierkorps zu einem massiven Protestschritt aufzurufen. So ging letzten Endes die nun anhebende Gleichschaltung des Heeres auch über F.s „Freispruch“ durch das Reichsmilitärgericht und seine Ernennung zum Chef des Artillerie-Regiments 12 hinweg. Dieses Regiment begleitete er in den Polenfeldzug und fand vor Warschau den Tod. Die naheliegende Vermutung, daß F. den Tod gesucht habe, läßt sich bisher nicht eindeutig beweisen.

  • Literatur

    J. A. Gf. Kielmansegg, Der F.prozeß 1938, 1949 (P);
    W. Erfurth, Die Gesch. d. dt. Generalstabes 1918 b. 1945. 21960;
    H. Foertsch, Schuld u. Verhängnis, 1951;
    H. Krausnick, Die Wehrmacht im Dritten Reich 1933–39, in: Schicksalsfragen d. Gegenwart II, 1957.

  • Portraits

    Genealog. Hdb. d. Adels VII, 1954, S. 88.

  • Autor/in

    Thilo Vogelsang
  • Empfohlene Zitierweise

    Vogelsang, Thilo, "Fritsch, Werner Freiherr von" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 625-626 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116825456.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA