Lebensdaten
1893 – 1934
Geburtsort
Straßburg (Elsass-Lothringen)
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Offizier ; Widerstandskämpfer ; Beamter ; Regierungsrat
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 1035400219 | OGND | VIAF: 302066782
Namensvarianten
  • Bose, Carl Fedor Eduard Herbert von
  • Bose, Herbert von
  • Bose, Carl Fedor Eduard Herbert von
  • mehr

Porträt(nachweise)

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Bose, Herbert von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd1035400219.html [09.02.2023].

CC0

  • Als Mitarbeiter in Franz von Papens (1879–1969) „Büro des Stellvertreters des Reichskanzlers“ arbeitete Herbert von Bose 1933/34 heimlich darauf hin, die NS-Herrschaft durch einen Staatsstreich zu beenden und eine vorübergehende Militärdiktatur zu installieren. Als seine Pläne zur Kenntnis des Regimes kamen, wurde er im Rahmen des „Röhm-Putsches“ ermordet.

    Herbert von Bose, BArch / Bildarchiv (InC)
    Herbert von Bose, BArch / Bildarchiv (InC)
  • Lebensdaten

    Geboren am 16. März 1893 in Straßburg (Elsass-Lothringen)
    Gestorben am 30. Juni 1934 (ermordet) in Berlin
    Grabstätte Parkfriedhof Lichterfelde (Ehrengrab) in Berlin-Lichterfelde
    Konfession evangelisch
  • Lebenslauf

    16.·März 1893 - Straßburg (Elsass-Lothringen)

    1899 - 1911 - Straßburg

    Schulbesuch (einschließlich Vorschule)

    Protestantisches Gymnasium

    1911 - Straßburg

    Eintritt in die preußische Armee

    1914 - 1918 - Westfront; Balkan

    Kriegsdienst

    Feld-Artillerie-Regiment Nr. 51, Garde-Kavallerie-Schützendivision

    1918

    Ernennung zum Generalstabsoffizier

    1919 - 1921 - Hessen

    Hauptmann, zugleich Polizeireferent beim Oberpräsidenten von Hessen-Nassau

    Preußische Sicherheitspolizei für Südwestdeutschland, seit Januar 1920 Sicherheitspolizei Nassau

    1921 - 1928 - Kassel

    Leiter des geheimen Nachrichtenbüros

    Reichswehr

    1928 - 1931 - Berlin

    Nachrichtenagent/Referent

    Hauptquartier des Deutschen Überseedienstes

    1931 - 1932 - Berlin

    Leitung der Nachrichtenstelle

    Deutschnationale Volkspartei

    1932 - 1933 - Berlin

    Referent

    Presseabteilung der Reichsregierung

    1933 - 1933 - Berlin

    Leiter der Pressestelle

    Preußisches Staatsministerium

    1933 - 1934 - Berlin

    Leiter der Pressestelle

    Büro des Stellvertreters des Reichskanzlers, Franz von Papen (1879–1969)

    30.·Juni 1934 (ermordet) - Berlin
  • Genealogie

    Vater Carl Fedor von Bose 1856–1919 Staatsbeamter, zuletzt Geheimer Baurat; Mitglied der Generaldirektion der Reichsbahnen in Elsass-Lothringen
    Großvater väterlicherseits Carl Hermann Fedor von Bose 1829–1913 Königlich-sächsischer Baurat; Brandversicherungsoberinspektor in Zwickau
    Großmutter väterlicherseits Natalie von Bose, geb. Müller 1833–1923
    Mutter Hedwig Franziska Gertrud von Bose, geb. Römer 1860–1929
    Großvater mütterlicherseits Eduard Römer 1814–1895 Baurat
    Großmutter mütterlicherseits Vally Römer, geb. Schwartz
    Halbbruder Carl Fedor Ludwig Ulrich von Bose 1888–1986 Hauptmann im Generalstab
    Schwester Natalie Vally Gertrud Bauer, geb. von Bose 1895–1987
    Bruder Gerhard Carl Fedor von Bose 1897–1981 Oberstarbeitsführer
    Heirat 7.10.1919 in Kassel
    Ehefrau Therese von Bose, geb. Kühne 1895–1963
    Schwiegervater Otto Viktor Kühne 1857–1945 General der Artillerie, u. a. kommandierender General des XI. Armee-Korps während des Ersten Weltkriegs
    Schwiegermutter Friederike Dorothea Marie Kühne, geb. von Eschwege 1862–1935 Urenkelin von Ludwig Emil Grimm (1790–1863)
    Tochter Ursula Gertrud Maria Anna Barthel, geb. von Bose 1920– vor 1990
    Sohn Hans Jürgen Carl Fedor Rudolf von Bose 1923– um 2000
    Enkel Hans-Jürgen von Bose geb. 1953 Komponist; Professor an der Hochschule für Musik und Theater in München
  • Biografie

    Nach dem Abitur am humanistischen Gymnasium in Straßburg trat von Bose 1911 in das preußische Feldartillerie-Regiment 51 ein. Im Ersten Weltkrieg an der Westfront und auf dem Balkan eingesetzt, sammelte er als Frontnachrichtenoffizier nachrichtendienstliche Erfahrungen. Im August 1918 wurde von Bose in den Generalstab aufgenommen und war in der Schlussphase des Krieges der Garde-Kavallerie-Schützen-Division zugeteilt. Als Dritter Generalstabsoffizier (I c) dieser Einheit und enger Vertrauter von Waldemar Pabst (1880–1970) war er im Januar 1919 führend an der Niederschlagung des Berliner Spartakusaufstands beteiligt.

    Von Bose leitete seit März 1921 als Zivilangestellter (E-Offizier) das geheime Büro des Nachrichtendienstes der Reichswehr in Kassel. Hier war er mit der Aufgabe betraut, die seit dem Ende des Weltkriegs in Westpreußen stationierten französischen Besatzungstruppen sowie „radikale“ innenpolitische Kräfte der Region zu beobachten. Im Sommer 1928 wechselte er in das Hauptquartier der zum Hugenberg-Konzern gehörenden, kommerziellen Nachrichtenagentur Deutscher Überseedienst nach Berlin, war anschließend im Dienst der Privatwirtschaft nachrichtendienstlich tätig und übernahm im April 1931 die Leitung des geheimen Nachrichtendienstes der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP). Ob von Bose Mitglied der DNVP war, ist ungeklärt. 1931/32 gehörte er zu den wichtigsten Mitarbeitern Otto Schmidt-Hannovers (1888–1971), in dessen Auftrag er die Harzburger Tagung vom 10./11. Oktober 1931 vorbereitete.

    Auf Empfehlung von Carl von Jordans (1884–1950) wurde von Bose im Juni 1932 persönlicher Nachrichtenagent von Reichskanzler Franz von Papen (1879–1969). Als dessen enger Vertrauter war er zur Jahreswende 1932/33 durch das gezielte Ausstreuen und Weiterleiten sensibler Informationen maßgeblich an den Intrigen beteiligt, die zum Sturz der Regierung Kurt von Schleichers (1882–1934) und zur Ernennung Adolf Hitlers (1889–1945) zum Reichskanzler führten. Auf Papens Initiative wurde von Bose Leiter der Pressestelle im Preußischen Staatsministerium und mit dem Rang eines Oberregierungsrats in den Staatsdienst aufgenommen.

    Politisch in freikonservativer Tradition stehend, entwickelte sich von Bose im Frühjahr 1933 zum Gegner des NS-Regimes. Nach der Übernahme des Reichskommissariats für Preußen durch Hermann Göring (1893–1946) wechselte er am 21. April 1933 als Pressereferent in den Stab Papens in das „Büro des Stellvertreters des Reichskanzlers“. Hier baute er ohne Papens Wissen mit führenden Mitarbeitern der Dienststelle, darunter Hans Reinhard Graf von Kageneck (1902–1996), Wilhelm Freiherr von Ketteler (1906–1938) und Fritz Günther von Tschirschky (1900–1980), einen Widerstandskreis gegen den NS-Staat innerhalb der Regierung auf. Unter von Boses Führung nutzte der Kreis die Einflussmöglichkeiten der Dienststelle als einer obersten Reichsbehörde sowie persönliche Beziehungen, um die Freilassung zahlreicher Verfolgter aus Konzentrationslagern und Gefängnissen zu erwirken. Anderen Verfolgten beschafften sie Papiere zur Ausreise aus Deutschland und finanzierten mithilfe eines aus Kreisen der Industrie gestellten Sonderfonds der Dienststelle die Emigration ins Ausland.

    Seit Sommer 1933 versorgte von Bose ausländische Presseorgane wie die „Neue Zürcher Zeitung“ oder Claud Cockburns (1904–1981) „The Week“ kontinuierlich mit Informationen über nationalsozialistische Gewaltverbrechen sowie über politische Pläne der Regierung Hitler, die so v. a. der britischen und US-amerikanischen Öffentlichkeit bekannt wurden.

    Seit Herbst 1933 bereitete von Bose mit seinen Mitverschwörern sowie dem Schriftsteller Edgar Julius Jung (1894–1934) den Sturz der NS-Regierung durch einen Staatsstreich vor. Sie bauten ein weitverzweigtes Netzwerk auf, das führende Vertreter des Frontsoldatenbunds „Stahlhelm“, der Wirtschaft, des Beamtenapparats und der aufgelösten Parteien und Gewerkschaften umfasste. Zugleich legte von Bose, der schon vor 1933 für Papen belastendes Material über die NSDAP gesammelt hatte, ein umfangreiches Dossier über die Verbrechen führender NS-Politiker und -Funktionäre an.

    Während der Regimekrise im Frühjahr 1934 schürten von Bose und seine Mitverschwörer durch die Streuung von Gerüchten und Lancierung von belastendem Material gezielt den Konflikt um die Stellung der SA im NS-Staat. Hierdurch sollte Papen veranlasst werden, Reichspräsident Paul von Hindenburg (1847–1934) zur Verhängung des Ausnahmezustands und zur Übertragung der exekutiven Gewalt an die Reichswehrführung zu bewegen. Von Boses Plan sah vor, die Regierung Hitler durch ein aus Generälen und konservativen Politikern zusammengesetztes Direktorium zu ersetzen, die NS-Spitze zu verhaften und SA sowie SS aufzulösen. Der Umsturzplan scheiterte, da der Nachrichtendienst der SS Kenntnis von ihm erhielt, Hindenburg sich aus gesundheitlichen Gründen im Sommer 1934 mehrere Wochen früher als gewohnt auf sein Gut in Ostpreußen begab, wo er nur schwer erreichbar war, und v. a., weil Papen vor einer Auseinandersetzung mit Hitler zurückschreckte und zögerte, den Reichspräsidenten in Ostpreußen aufzusuchen.

    Im Zuge des „Röhm-Putsches“ besetzte ein SS-Kommando auf Befehl Heinrich Himmlers (1900–1945) am 30. Juni 1934 die Dienststelle des Büros des Stellvertreters des Reichskanzlers. Unter dem Vorwand, ihn verhören zu wollen, wurde von Bose von Agenten des Sicherheitsdienstes erschossen. Die übrigen Mitarbeiter der Dienststelle wurden verhaftet oder flohen. Von Boses Witwe und Kinder erhielten, wie die meisten Angehörigen der Opfer, auf Weisung Hitlers seit Herbst 1934 eine Hinterbliebenenversorgung.

  • Auszeichnungen

    1914 Eisernes Kreuz II. Klasse
    1915 Eisernes Kreuz I. Klasse
    1933 päpstlicher Orden des heiligen Gregor des Großen (Gregorius-Orden)
    1934 St.-Sava-Orden des Königsreichs Jugoslawien
    1991 Gedenktafel am letzten Wohnhaus, Neuchateller Straße 8, Berlin (Onlineressource)
    • Quellen

      Nachlass:

      nicht bekannt.

      Weitere Archivmaterialien:

      Bundesarchiv, Berlin-Lichterfelde, R 53. (Büro des Stellvertreters des Reichskanzlers)

      Landesarchiv Berlin, B.-Rep., Bd. 6367-6371. (Akten der Staatsanwaltschaft beim Kammergericht Berlin über die Ermordung des Herbert von Bose aus den 1960er Jahren)

    • Werke

      Verdun, Galizien, Somme, Isonzo...oder wo?, in: Hanns Henning Freiherr Grote (Hg.), Vorsicht. Feind hört mit!, 1930, S. 70–89.

      U.S.A. in Tätigkeit, in: ebd., S. 147–166.

      Verschleierung und Irreführung, in: Paul von Lettow-Vorbeck (Hg.), Die Weltkriegsspionage. Authentische Enthüllungen über Entstehung, Art, Arbeit, Technik, Schliche, Handlungen, Wirkungen und Geheimnisse der Spionage vor, während und nach dem Kriege auf Grund amtlichen Materials aus Kriegs-, Militär-, Gerichts- und Reichs-Archiven. Vom Leben und Sterben, von den Taten und Abenteuern, [1931], S. 111–121.

      Der Nachrichtenoffizier an der Front, in: ebd., S. 183–196.

      Sabotage und Propaganda, in: ebd., S. 301–311.

    • Literatur

      Heinz Höhne, Mordsache Röhm. Hitlers Durchbruch zur totalen Macht, 1984, S. 232–235, 240, 247–250, 276 f. u. 304.

      Larry Eugene Jones, The Limits of Collaboration. Edgar Jung, Herbert von Bose, and the Origins of the Conservative Resistance to Hitler. 1933–34, in: ders./James Retallack (Hg.), Between Reform, Reaction, and Resistance. Studies in the History of German Conservatism from 1789 to 1945, 1993, S. 465–501.

      Biographisches Handbuch des deutschen Auswärtigen Dienstes 1871–1945, hg. v. Auswärtiges Amt, Bd. 5, bearb. v. Bernd Isphording/Gerhard Keiper/Martin Kröger, 2014, S. 412. (P)

      Rainer Orth, „Der Amtssitz der Opposition“? Politik und Staatsumbaupläne im Büro des Stellvertreters des Reichskanzlers in den Jahren 1933–1934, 2016.

    • Onlineressourcen

    • Porträts

      Fotografie v. Willy Römer (1887–1979), 1933, Kunstbibliothek (Staatliche Museen zu Berlin), Photothek Willy Römer, Inventarnummer WR_02474_01.

      Fotografie, 1933, Digitales Bildarchiv des Bundesarchivs.

  • Autor/in

    Rainer Orth (Frankfurt am Main)

  • Zitierweise

    Orth, Rainer, „Bose, Herbert von“ in: NDB-online, veröffentlicht am 29.03.2022, zuletzt geändert am 01.10.2022, URL: https://www.deutsche-biographie.de/1035400219.html#dbocontent.

    CC-BY-NC-SA