Maizière, Ulrich de
- Lebensdaten
- 1912 – 2006
- Geburtsort
- Stade
- Sterbeort
- Bonn
- Beruf/Funktion
- General ; Generalinspekteur der Bundeswehr ; Soldat
- Konfession
- evangelisch-lutherisch
- Normdaten
- GND: 118576550 | GND-Explorer | OGND | VIAF
- Namensvarianten
-
- Maizière, Karl Ernst Ulrich de
- Cornelius / Pseudonym
- Maizière, Ulrich de
- maiziere, ulrich de
- Maizière, Karl Ernst Ulrich de
- maiziere, karl ernst ulrich de
- Cornelius / Pseudonym
- De Maizière, Ulrich
- Maizière de
- Maizière, Karl Ernst Ulrich de
- Maizière, Carl Ernst Ulrich de
- Kornelius / Pseudonym
- Maizière, Carl Ernst Ulrich de
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Maizière, Karl Ernst Ulrich de
Pseudonym: Cornelius
1912 – 2006
General, Generalinspekteur der Bundeswehr
Ulrich de Maizière war ein deutscher Offizier des Heeres in der Reichswehr, der Wehrmacht und in der Bundeswehr, wo er zu einem der wichtigsten Angehörigen der Aufbaugeneration wurde. Er gilt als einer der Väter der Inneren Führung und stieg 1966 zum Generalinspekteur auf. Mit Bundesverteidigungsminister Helmut Schmidt (1918–2015) setzte er zu Beginn der 1970er Jahre eine Reihe von Modernisierungen durch, welche die bundesdeutschen Streitkräfte bis heute prägen.
Lebensdaten
Ulrich de Maizière, Imago Images (InC) -
Autor/in
→John Zimmermann (Potsdam)
-
Zitierweise
Zimmermann, John, „Maizière, Ulrich de“, in: NDB-online, veröffentlicht am 01.07.2026, URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118576550.html#dbocontent
Nach dem Abitur am Ratsgymnasium Hannover 1930 entschied sich Maizière aus ökonomischen Gründen für den Offizierberuf, gefördert durch die Netzwerke seines verstorbenen Vaters. Am Ende der Offizierausbildung in Greifswald und Dresden wurde er als einer der besten Absolventen seines Jahrgangs ausgezeichnet und kam nach seinem Einsatz als Zugführer und Nachrichtenoffizier beim Infanterieregiment 5 in Neuruppin 1934/35 rasch in förderliche Verwendungen als Bataillons- (1935–1937) und Regimentsadjutant (1937–1939); am Überfall auf Polen nahm er als Kompaniechef teil. Nach seiner verkürzten Ausbildung zum Generalstabsoffizier 1940 war er 1940/41 als Ordonanzoffizier (O 1) in der Heeresgruppe C sowie 1941/42 als Zweiter Generalstabsoffizier (I b) im Stab der 18. Infanterie-Division eingesetzt, ehe er 1942/43 in den Generalstab des Heeres versetzt wurde.
Anschließend kehrte Maizière als Erster Generalstabsoffizier (I a) der 10. Panzergrenadier-Division an die Ostfront zurück, wo er an den Kämpfen am Mittel- und Südabschnitt einschließlich des Rückzugs der zerschlagenen Reste seiner Division bis nach Bulgarien beteiligt war. Aufgrund einer Verwundung im September 1944 in einem Lazarett in Göttingen, war er danach kurzzeitig in der Führerreserve des Oberkommandos des Heeres (OKH) beim Oberbefehlshaber West und beim Stab des Generals der Panzertruppen West eingesetzt und trat im Februar 1945 den Dienst als I a der Operationsabteilung des OKH in Zossen (Brandenburg) an. In dieser Funktion trug er mehrmals im „Führerbunker“ in Berlin vor Adolf Hitler (1889–1945) vor.
Am Ende des Zweiten Weltkriegs geriet Maizière mit der letzten deutschen Reichsregierung in Mürwik am 23. Mai 1945 in britische Gefangenschaft. Im Mai 1947 entlassen, absolvierte er anschließend eine Ausbildung zum Buch- und Musikalienhändler in Hannover. Anfang 1951 nahm er das Angebot von Johann Adolf Graf von Kielmansegg (1906–2006) zum Eintritt in das sog. Amt Blank, Vorgängerinstitution des Bundesministeriums der Verteidigung (BMVg), an und beteiligte sich an Konzeption und Aufbau der Bundeswehr. 1955 gehörte er als Oberst zu den ersten Freiwilligen, die in die neuen westdeutschen Streitkräfte eingestellt wurden.
Als Abteilungsleiter im BMVg, von 1960 bis 1962 als Kommandeur des Zentrums für Innere Führung in Koblenz sowie von 1962 bis 1964 der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg setzte Maizière sich konsequent für die Umsetzung des Konzepts der Inneren Führung mit ihrem Kern des Staatsbürgers in Uniform ein. Weil er zwischenzeitlich auch als Führer von Großverbänden, 1958/59 als Kommandeur der Kampfgruppe 1 und 1959/60 als stellvertretender Kommandeur der 1. Panzergrenadier-Division reüssiert hatte, avancierte er 1964 zum Inspekteur des Heeres und nach der Demission von General Heinz Trettner (1907–2006) zum Generalinspekteur der Bundeswehr.
Wegen seines engagierten Eintretens für die neue Führungskultur der Streitkräfte gilt Maizière neben Wolf Graf von Baudissin (1907–1993) und Kielmansegg als Vater der Inneren Führung. Als Generalinspekteur gelang es ihm mit Bundesverteidigungsminister Helmut Schmidt (1918–2015), in der Auseinandersetzung mit den Ideen der Studentenbewegung von 1968 einen Ausgleich herzustellen und die Modernisierung der Bundeswehr mitzugestalten, insbesondere die Laufbahn- und Bildungsreformen mit der Implementierung der Hochschulen (seit 1985 Universitäten) der Bundeswehr.
Zwischen 1955 und 1966 verfasste Maizière unter dem Pseudonym Cornelius militärpolitische Artikel für die „Kölnische Rundschau“ und „Bonner Rundschau“, worin er für die Entscheidungen der Bundesregierungen zur Sicherheits- und Verteidigungspolitik warb. Erst kurz vor seiner Ernennung zum Generalinspekteur machte „Der Spiegel“ diesen Vorgang öffentlich.
Nach seinem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst 1972 betätigte Maizière sich weiterhin publizistisch und war als militärischer Experte gefragt, etwa bei einer Studie im Auftrag der Versammlung der Westeuropäischen Union, in der er sich mit der Verteidigung Zentraleuropas im Kalten Krieg auseinandersetzte (1975) sowie mit seiner Autobiografie „In der Pflicht“ (1989). Er arbeitete außerdem mit in zwei Kommissionen des Bundesverteidigungsministeriums für die Entstehungsgeschichte der Bundeswehr (1973–1994) und für die Führungsfähigkeit und Entscheidungsverantwortung in der Bundeswehr.
| 1939 | Eisernes Kreuz II. Klasse (1944 I. Klasse) |
| 1962 | Komturkreuz der französischen Ehrenlegion (1969 Großoffizierkreuz) |
| 1964 | Freiherr vom Stein-Preis der Alfred Toepfer Stiftung, Hamburg |
| 1969 | Kommandeurskreuz der Legion of Merit (USA) |
| 1970 | Großes Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland |
| 1971 | Ritter-Großkreuz des Ordens von Oranien-Nassau (Niederlande) |
| 1976–1982 | Präsident der Clausewitz-Gesellschaft (1982 Ehrenpräsident) |
| 1986 | Hermann Ehlers-Preis der Hermann-Ehlers-Stiftung, Kiel |
| 2006 | Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse |
| 2009 | Erinnerungstafel am Geburtshaus, Stade |
| 2019 | General Ulrich de Maizière-Campus am Zentrum Innere Führung der Bundeswehr, Koblenz |
Nachlass:
Bundesarchiv-Militärarchiv, Freiburg im Breisgau, N 673.
Weitere Archivmaterialien:
Bundesarchiv-Militärarchiv, Freiburg im Breisgau, Pers 1/27 800. (Personalakte)
Gedruckte Quellen:
Bernd Freiherr von Loringhoven/Hans-Adolf Jacobsen (Hg.), Im Dienste der Friedenssicherung. General Ulrich de Maizière. Beiträge zu seiner Verabschiedung als Generalinspekteur der Bundeswehr (1966–1972), 1972.
Interview mit General a. D. Ulrich de Maizière am 18.4.1978, in: Studentenzeitung der Hochschule der Bundeswehr München, 1978, S. 8–14.
Monografien:
Soldatische Führung heute. Vorträge und Reden zur Aufgabe und Situation der Bundeswehr, 1966, 2. erw. Aufl. 1971, 3. Aufl. u. d. T. Bekenntnis zum Soldaten. Führung in unserer Zeit. 1971.
Führen im Frieden. 20 Jahre Dienst für Bundeswehr und Staat, 1974.
Verteidigung in Europa-Mitte. Studie im Auftrag der Versammlung der Westeuropäischen Union, 1975.
In der Pflicht. Lebensbericht eines deutschen Soldaten im 20. Jahrhundert, 1989.
Aufsätze und Beiträge:
Das Bild des Offiziers in den siebziger und achtziger Jahren, in: Österreichische Militärzeitschrift 4 (1975), S. 277–282.
Mahnung zum Frieden. Gedenkrede aus Anlass des Volkstrauertages 1976 im Plenarsaal des Deutschen Bundeshauses, in: Europäische Wehrkunde 11 (1976), S. 597–600.
Zur Planung und Vorbereitung eines westdeutschen Verteidigungsbeitrages. Ein Beitrag aus der Sicht eines Mitarbeiters der Dienststelle Blank, in: Entmilitarisierung und Aufrüstung in Mitteleuropa 1945–1956, hg. v. Militärgeschichtlichen Forschungsamt der Bundeswehr, 1983, S. 80–92.
Ulrich de Maizière/Herbert Trebesch, Sicherheit und Bundeswehr 1963–1966. Konsolidierung und Bündnispolitik, in: Uwe Barschel (Hg.), Im Dienste für die Freiheit. Kai-Uwe von Hassel zum 70. Geburtstag, 1983, S. 39–57.
Erinnerungen eines Zeitzeugen. Der steile und steinige Weg in das Nordatlantische Bündnis, in: Europäische Wehrkunde 11 (1985), S. 599–605.
Wehrdienst mit gutem Gewissen. Eine Aufgabe von Staat und Gesellschaft, in: Frieden ohne Rüstung?, hg. v. der Clausewitz-Gesellschaft, 1989, S. 211–217.
Plädoyer für die Wehrpflicht, in: Dieter Wellershoff (Hg.), Frieden ohne Macht? Sicherheitspolitik und Streitkräfte im Wandel, 1991, S. 274–283.
Die Bundeswehr. Neuschöpfung oder Fortsetzung der Wehrmacht?, in: Rolf-Dieter Müller/Hans-Erich Volkmann (Hg.), Die Wehrmacht. Mythos und Realität, 1999, S. 1171–1183.
Lothar Domröse (Hg.), Ulrich de Maizière. Stationen eines Soldatenlebens, 1982.
Reiner Pommerin, General Ulrich de Maizière, in: Europäische Sicherheit & Technik 61 (2012), S. 44–46.
John Zimmermann, Ulrich de Maizière. General der Bonner Republik 1912–2006, 2012. (P)
Andreas Schumann, Familie de Maizière. Eine deutsche Geschichte, 2014. (P)
Fotografien, 1954–1971, Digitales Bildarchiv des Bundesarchivs. (Onlineressource)