Lebensdaten
1681 – 1765
Geburtsort
Worms
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Hoffaktor ; Bankier
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 139103791 | OGND | VIAF: 100411877
Namensvarianten
  • Wertheimer, Simon Wolf
  • Wertheimer, Wolf Simon
  • Wertheimer, Wolf ben Simson
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Objekt/Werk(nachweise)

Orte

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Zitierweise

Wertheimer, Wolf, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd139103791.html [19.04.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Samson (s. 1);
    M Frumet Veronica Brilin (Brülle);
    Lea Eleonora (Leonora) (1695–1742), T d. Emanuel [Mendel] Oppenheimer (Oppenheim) ( 1721), Hoffaktor, 15 K (3 früh †) u. a. 6 überlebende S Isaak (Samson) Wolf (1709–62, Simelie [Ceacilie], 1724–61, T d. Salomon Levi ben Löb [Cleve] Gomperz, 1734), Hoffaktor, Samuel Wolf (1710–86, Sara [Sarl], 1710–73, T d. Isaak Nathan Oppenheimer, 1678–1739, Stief-B v. W., s. Gen. 1), Hoffaktor, Joseph Wolf (1720–69, Caroline [Schönle] Ullmann), Bankier, Salomon (Salman) Wolf ( v. 1781, 1] Brendel, 1793, T d. Löw Sundheim, 2] Gnendel Jehuda, T d. Jehuda Löb, 1698–1763, s. Gen. 1, 3] Tolza Cohen Schammes), vermutl. Händler, Abraham Wolf ( 1755, 1] Judith, 1720–69, T d. Joseph Wolf, 2] Caroline [Schönle] Ullmann), Emanuel (Mendel) Wolf ( Zirle Schwab), 6 überlebende T Veronica Frumet Sarah (1718–81, Josel Joseph ben Simon [Shimshon, Simson], 1716–61), Tolza (Dolza) ( Abraham Meir [Mayr] ben Isaachar Cohen, 1703 / 04–58, Rabbiner in Hannover), Sarah ( 1] Mindel, 2] Moses Josef, 1740), Helena Fradl ( Elia[s] Salomon Gomperz, 1766, in Fürth, B d. Simelie [Caecilie] Gomperz, s. o.), Hanna (1725–74, Issachar Bernard Berend [Berusch], 1691–1753, in Wien, S d. Gabriel Berend|Eskeles, 1691–1753, s. Gen. 1), Judith ( 1739);
    Gvv d. Ehefrau Samuel Oppenheimer (1630–1703), Bankier, Oberkriegsfaktor in Wien (s. NDB 19);
    E Zacharias (1744–1809), Bankier in Frankfurt/M., Emanuel Wertheim(b)er ( 1816), Bankier in Fürth (beide s. u. Fam.art. Wertheimber).

  • Biographie

    W. beteiligte sich schon früh an den Geschäften seines Vaters, der die Firma Samuel Oppenheimers in Wien leitete. Aufgrund seiner Heirat mit der Enkelin Oppenheimers übernahm W. als Hauptzessionar hohe Forderungen von dessen Firma. Als sein Vater in der Nachfolge Oppenheimers 1703 zum ksl. Hoffaktor ernannt wurde, verlieh Ks. Leopold I. auch W. neben dem besonderen Schutzprivileg eine Gnadenkette und ein Bildnis.

    1709 machte W. sich selbständig, 1713 übertrug ihm sein Vater die Leitung des Bankhauses der Familie, das dem Kaiser und anderen Fürsten Kredite und Bargeld beschaffte. Als Hoffaktor und „Geheimer Hofjuwelier“ seit 1723 im Kft. Bayern, hielt sich W. oft in München auf, begleitet von seinem Sohn Salomon Wolf, während sein Sohn Samuel Wolf in Wien blieb und dort die Firma Wertheimer repräsentierte. W. lieh dem bayer. Kf. Maximilian II. Emanuel (1662–1726) rund 1,5 Mio. fl., der sich zur Rückzahlung innerhalb von sechs Jahren verpflichtete. Bereits nach zwei Jahren entstand jedoch ein erheblicher Zahlungsrückstand. Durch die ausbleibenden Rückzahlungen Bayerns, des Wiener Hofs und durch Verluste im Wechselhandel konnte W. in zunehmendem Maße die eigenen Gläubiger nicht mehr bedienen, darunter seine Geschwister, denen jährlich aus der 1724 testamentarisch gegründeten „Samson-Wertheimer-Stiftung“ die Zinsen zustanden.

    Weitere Darlehen an die Wiener Hofkammer und das bayer. Fürstenhaus verstärkten die angespannte Finanzsituation, die 1733 zum Bankrott der Firma Wertheimer führte. W. behielt die Gelder der „Hierosolymitanischen Stiftung“ (Jerusalem-Stiftung) für die arme ashkenasische Bevölkerung im Heiligen Land ein und konnte seinen Verwandten nur noch die Hälfte der Zinsen aus der Familienstiftung auszahlen. Er schloß sein Geschäft in Wien, leitete ein Insolvenzverfahren ein und zog nach Kriegshaber (heute Augsburg).

    1741 wurde W. als Hoffaktor des Wiener und Münchner Hofs wieder aktiv und avancierte im Zuge des Österr. Erbfolgekriegs zu einem der wichtigsten Informanten und Vermittler der Kriegsparteien. Im Sommer 1741 bestätigte ihn Kf. Friedrich August II. von Sachsen (1696–1763) als Ober-Faktor, ein Privileg, das W. wohl bereits von Kf. Friedrich August I. (1670–1733) erhalten hatte. Als Gnadenzeichen erhielt er goldene Ketten und mit Diamanten verzierte Bildnisse des Kurfürsten. Zwischen 1744 und 1748 war W. führender Kopf der erfolgreichen Intervention gegen die von Kgn. Maria Theresia verhängte Vertreibung der Juden aus Prag, Böhmen und Mähren.

    Unter dem bayer. Kf. Maximilian III. Joseph (1727–77) wurde im Okt. 1753 die Rückzahlung der Schulden Bayerns von ca. 3,5 Mio. fl. an W. wieder aufgenommen; dennoch war W. gezwungen, weitere Gelder aufzunehmen. Bis zu seinem Tod bemühte er sich, sein Bankhaus zu sanieren und eigene Schulden, etwa bei der jüd. Gemeinde Frankfurt/M., zurückzuzahlen, die als Ausfallfinanzierung die Zahlungen der Jerusalem-Stiftung übernommen hatte.

    W. gilt als einer der bayer. Hoffaktoren, die den Boden für die Wiederansiedlung von Juden in München bereiteten.

  • Literatur

    |D. Kaufmann, Zur Gesch. jüd. Fam. I: Samson W., Der Oberhoffactor u. Landesrabbiner (1658–1724) u. seine Kinder, 1888, S. 80–84;
    M. Grunwald, Samuel Oppenheimer u. sein Kreis, 1913, S. 253–57;
    B. Wachstein, Die Inschrr. d. alten Judenfriedhofes in Wien, Bd. 2, 1917, S. 270–74, 415–21 u. 513–17;
    S. Stern, The Court Jew, 1950, S. 94–99, dt. u. d. T. Der Hofjude im Za. d. Absolutismus, übers., komm. u. hg. v. M. Sassenberg, 2001, S. 86–90;
    B. Mevorah, The Imperial Court-Jew W. W. as Diplomatic Mediator (during the War of the Austrian Succession), in: Scripta Hierosolymitana 23, 1972, S. 184–213;
    J. F. Battenberg, Ein Hofjude im Schatten seines Vaters, W. W. zw. Wittelsbach u. Habsburg, in: R. Ries u. ders. (Hg.), Hofjuden, Ökonomie u. Interkulturalität, Die jüd. Wirtsch.elite im 18. Jh., 2002, S. 240–55.

  • Autor/in

    Mirjam Thulin
  • Zitierweise

    Thulin, Mirjam, "Wertheimer, Wolf" in: Neue Deutsche Biographie 27 (2020), S. 860-861 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd139103791.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA