Lebensdaten
1748 – 1824
Geburtsort
Köln
Sterbeort
Köln
Beruf/Funktion
Kunstsammler ; Kommunalpolitiker in Köln ; Rektor der Universität Köln ; Priester ; Professor für Botaniker, Naturgeschichte und Ästhetik
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118831429 | OGND | VIAF: 18019213
Namensvarianten
  • Wallraf, Ferdinand Franz
  • Casparsohn
  • Casparson
  • mehr

Porträt(nachweise)

Verknüpfungen

Verknüpfungen auf die Person andernorts

Aus dem Register von NDB/ADB

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Wallraf, Ferdinand Franz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118831429.html [05.03.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Kaspar (1718 / 19–84), Schneidermeister in K.;
    M Anna Elisabeth Nettesheim ( 1784?);
    Schw Maria Caecilia (1750–1821, Kaspar Alexius, 1749–1818, Schneider);
    Verwandte Friedrich Nettesheim, um 1784–1815 Goldschmied u. Kommunalempfänger in Beckum (Westfalen), Anna Katharina Nettesheim, in Saalhoff b. Wesel, Bernardina Nettesheim ( J. H. Nicolay, Amtswundarzt in Warendorf).

  • Biographie

    W. stammte aus bescheidenen Familienverhältnissen. Eine angebliche Verbindung zu dem köln. Patriziergeschlecht der Walrave ist ebenso wenig belegt wie eine verwandtschaftliche Beziehung der mütterlichen Linie zu Heinrich Cornelius Agrippa von Nettesheim. 1760 trat W. in das Gymnasium Montanum in Köln ein. Die geistliche Laufbahn (1763 Tonsur u. d. ersten vier niederen Weihen, 1772 Priesterweihe) ermöglichte ihm durch den Bezug der entsprechenden Pfründen eine universitäre Ausbildung (1767 Magister am Montanum, ab 1777 wohl Botanik, Chemie, Naturgesch. an d. med. Fakultät). Ab 1769 war W. am Gymnasium Montanum als Lehrer tätig. Im Rahmen seines Studiums an der med. Fakultät der „alten“, 1388 gegründeten Univ. Köln erwarb er die ersten akademischen Grade (Baccalaureus 1778, Lizentiat 1780). Unterstützt wurde er dabei von dem Professor der Chemie und Medizin, Johann Georg Menn (um 1730–81), und dessen aus der Verlegerfamilie Schauberg stammende Frau Dorothea (1725–89). Durch sie kam er mit dem Kunst- und Literaturbetrieb der Stadt in Berührung und konnte erste Kontakte, u. a. zu dem künstlerisch tätigen Geistlichen Caspar Bernhard Hardy (1726–1819), knüpfen.

    Im Aug. 1784 wurde W. ein Kanonikat an St. Maria im Kapitol und zugleich der Lehrstuhl für Botanik an der Univ. Köln übertragen. 1788 wurde er zum Dr. med. promoviert. Zwischenzeitlich aus der phil. Fakultät aufgrund finanzieller Streitigkeiten ausgeschlossen, wurde er Ende 1793 als Vertreter der med. Fakultät zum Rektor der Universität gewählt – ebenfalls nicht ohne Widerspruch, da u. a. seine 1786 im Auftrag des Rates verfaßte, gemäßigt aufklärerische Studienreform auf Kritik gestoßen war. Das Rektorat übte er bis Dez. 1797 aus. Da W. den Eid auf die Franz. Republik verweigerte, wurde er von den Franzosen, die Köln seit Okt. 1794 besetzt hielten, abgesetzt. Ein Jahr später erhielt er jedoch eine Anstellung als Lehrer an der neu eingerichteten Zentralschule; hier wurde er Okt./ Nov. 1798 zunächst als Professor für Geschichte vorgesehen, Ende 1799 jedoch als Professor für „belles lettres“ berufen, und holte Anfang 1799 den Eid auf die Republik nach.

    Bereits während der 1770er Jahre hatte W. begonnen, Naturalien und Mineralien zu Lehrzwecken zu sammeln. In den folgenden Jahren weitete er seine Interessensgebiete auf röm. Altertümer, sakrale Kunst und historische Waffen aus. Nicht zuletzt die Säkularisation begünstigte sein Bestreben, Kunst- und Kulturgegenstände und somit die Geschichte seiner Vaterstadt zu bewahren: W. erwarb u. a. Handschriften, Inkunabeln und Bücher aus aufgelösten Bibliotheken sowie Gemälde und Kunstwerke aus Kirchen und Klöstern.

    Nach dem Ende der franz. Besatzung bemühte sich W., geraubte Kunstwerke wiederzuerlangen. Noch 1814 begann er mit der „Denkschrift über die Verluste, welche die freie Reichsstadt Köln durch die Franzosen erlitten“, konnte sie aber nicht vollenden. Dennoch gelang es seinem Schüler Eberhard v. Groote (1789–1864), der in Paris mit der Rückführung der Kölner Kunst beauftragt war, u. a. die 1794 in den Louvre verbrachte „Kreuzigung Petri“ von Peter Paul Rubens 1815 im Triumphzug nach Köln zurückzuholen. Zu W.s Schülern gehörten ferner die beiden Architekten Franz Christian Gau (1790–1853) und Jakob Ignaz Hittorf (1792–1867), die im Gegensatz zu ihrem Lehrer, der Köln bis auf wenige Ausnahmen nie verließ, internationale Strahlkraft entwickelten. Ein weiterer Schüler, Franz Josef Gf. Sternberg-Manderscheid (1763–1830), überließ W. 1803 die Antiken- und Handschriftensammlung seiner Familie.

    Im Laufe der Zeit war W.s Sammlung auf nahezu 80 000 Stücke, darunter mehr als 40 000 Stiche und 14 000 Bücher, angewachsen. Sie lagerte in der ehemaligen Dompropstei, die W. 1794 von Franz Wilhelm Gf. zu Oettingen-Baldern (1725–98) als Wohnsitz übertragen worden war und wo er gemeinsam mit dessen Sekretär Franz Pick (1750–1819) wohnte. Wohl aufgrund ihres ungeordneten Zustands wurde die Sammlung von Goethe nach einem Besuch 1815 in seinem Tagebuch als „Wallrafs Chaos“ bezeichnet, tatsächlich blieb sie bis zu W.s Tod weitgehend unkatalogisiert.

    1816 setzte W. die Stadt Köln als Erbin seiner Sammlungen ein und bestätigte dies in seinem letztgültigen Testament vom 9. 5. 1818. Die Stadt nahm die Schenkung an, W. erhielt im Gegenzug eine jährliche Pension in Höhe von 4000 Francs, die er, stets verschuldet, in neue Objekte investierte. Seine Hoffnung, die Sammlung könne den Grundstock einer wieder zu gründenden Kölner Univ. bilden, erfüllte sich nicht: Die Entscheidung fiel für Bonn als Sitz der rhein. Universität. W.s Sammlung wurde 1827 im „Kölner Hof“, der unweit des Domes gelegenen ehemaligen Residenz der Kölner Erzbischöfe, untergebracht. 1854 stiftete Johann Heinrich Richartz (1795–1861), Kaufmann in Köln, 100 000 Taler zum|Bau eines eigenen Museums. 1861 konnte auf dem Gelände des ehemaligen Minoritenklosters nach den Plänen des Architekten Joseph Felten (1799–1880) der erste Museumsbau des Rheinlands feierlich eröffnet werden und das „Wallrafianum“ dorthin umziehen. Nach der Gründung der „neuen“ Universität 1919 bildete W.s umfangreiche Büchersammlung die Basis der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln.

  • Auszeichnungen

    |Mitgl. d. Soc. d’émulation Roer-Département (1801), d. Berliner Ges. f. dt. Sprache (1818) u. d. Niederrhein. Ges. f. Natur- u. Heilkde. (1819);
    korr. Mitgl. d. Soc. f. d. gesamte Mineral. zu Jena (1803), d. Athénée de la Langue Française (1808) u. d. Soc. Royale des Antiquaires de France (1823);
    Ehrenmitgl. d. Mus. Frankfurt/M. (1809), d. Ges. d. Lit.freunde Köln (1816) u. d. Ges. z. Beförderung d. Naturwiss. Marburg;
    Roter Adler-Orden 3. Kl. (1818);
    Bürgerkrone d. Stadt Köln (1823).

  • Werke

    |Hymnus an d. Natur, 1779;
    Dissertatio inauguralis physico-chemica De igne et eius combinatione (…), Köln 1780 (Promotion z. Lizentiaten d. Med.);
    Ode an Hardy, Auf die Feyer seines Künstleriubilaeums beym Schlusse d. 18ten Iahrhunderts, 1803;
    Abdruck u. freie Übers. d. lat. Inschrr., welche beym freudenvollen Empfange Ihrer Kaiserl. Majestäten Napoleon u. Josephine (…) den Thurm im Mittelpunkte desselben umgaben, 1804;
    Über d. neuen stadtköln. Kirchhof zu Melaten (…), 1809;
    Abschied an d. wegziehende Personal d. verhaßtern franz. Administrationen, 1814;
    Denkschr. in Bezug auf d. Gründung e. Rhein-Univ., 1815, S. 224–83;
    – Ausgew. Schrr., Festgabe z. Einweihungs-Feier d. Mus. W.-Richartz, hg. v. J. H. Richartz, 1861, darin u. a.: Der Senat d. Ubier oder d. freien Stadt Köln an d. Nat.-Verslg. d. Franken, 1795, S. 171–87;
    Denkschr. über d. Verluste (…), 1814, S. 187–223;
    H. Krüssel, „Caesar eram, nil sum;
    sic voluere dii“, W.s Abrechnung mit Napoleon in e. poet. fiktiven Autobiogr., in: Autobiogr., Eine interdisziplinäre Gattung zw. klass. Tradition u. (post-)moderner Variation, hg. v. U. Baumann, 2013, S. 189–224 (mit Text u. Übers. d. 1815 publ. Gedichts „Napoleonis in solitudinem ingressus eiusque interitus“);
    W-Verz. 1775–1984, in: J. Deeters (Bearb.), Der Nachlass F. F. W. (Best. 1105), 1987, S. 361–77;
    Nachlaß: Hist. Archiv d. Stadt Köln, Bestand 1105.

  • Literatur

    |ADB 40;
    e. ausführl. wiss. Biogr. fehlt bisher;
    L. Ennen, Zeitbilder aus d. neueren Gesch. d. Stadt Köln, mit bes. Rücksicht auf F. F. W., 1857;
    G. Quarg, F. F. W. (1748–1824) u. d. Naturgesch. an d. alten Kölner Univ., in: Naturwissenschaften u. Naturwissenschaftler in Köln zw. d. alten u. d. neuen Univ. (1798–1919), hg. v. M. Schwarzbach, 1985, S. 1–18;
    B. Thierhoff, F. F. W. (1748–1824), Eine Gem.slg. f. Köln, 1997;
    G. Czymmek, F. F. W. im Bild, in: Wallraf-Richartz-Jb., Jb. f. Kunstgesch. 69, 2008, S. 271–302 (P);
    K. W. Niemöller, F. F. W. (1748–1824), Gel., Sammler u. Musikfreund, in: Musik im franz. Köln (1794–1814), hg. v. A. Jacobshagen, 2010, S. 61–92;
    B. Savoy, Kunstraub, Napoleons Konfiszierungen in Dtld. u. d. europ. Folgen, mit e. Kat. d. Kunstwerke aus dt. Slgg. im Musée Napoléon, 2011;
    K. Müller, F. F. W., Gel., Sammler, Kölner Ehrenbürger (1748–1824), 2017;
    W.s Erbe, Ein Bürger rettet Köln, hg. v. Th. Ketelsen, Ausst.kat. Wallraf-Richartz-Mus. & Fondation Corboud Köln 2018 (P) (im Internet);
    Dict. of Art;
    Internet: J. Deeters, in: Portal Rhein. Gesch., 2013;
    G. Gersmann u. St. Grohé (Hg.), F. F. W. (1748–1824), Eine Spurensuche in Köln, in: MAP-Lab, 2016;
    E. Schläwe u. S. Schlinkheider, Letzter Wille mit gr. Wirkung, Die Testamente F. F. W.s (1748–1824), MAP-Lab, 2018.

  • Porträts

    |u. a. Ölgem. v. J. A. de Peters, 1792, u. E. Mengelberg, 1824;
    Bleistiftzeichnungen v. C. J. Begas, 1819, u. B. N. Salm, W. inmitten seiner Slgg., 1840 / 50;
    Marmorbüste v. S. Rusu n. G. Blaeser, 2003 (alle Köln, Wallraf-Richartz-Mus. & Fondation Corboud);
    Denkmal v. W. Albermann, Bronze, 1900 (Köln, An d. Rechtsschule, vor d. Mus. f. Angewandte Kunst);
    Gedenkstein v. H. Calleen, um 1950 (Köln, Melatenfriedhof);
    Steinskulptur v. J. P. Schilling, 1990 (Köln, Ratsturm).

  • Autor/in

    Gudrun Gersmann, Elisabeth Schläwe
  • Zitierweise

    Gersmann, Gudrun; Schläwe, Elisabeth, "Wallraf, Ferdinand Franz" in: Neue Deutsche Biographie 27 (2020), S. 341-343 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118831429.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Biographie

    Wallraf: Ferd. Franz W., Gelehrter und Sammler. W. ward geboren zu Köln als Sohn eines Schneidermeisters am 20. Juli 1748 Nach Vollendung seiner philosophischen und theologischen Studien ließ er sich Ende 1772 zum Priester weihen. Schon vorher, im J. 1769, erlangte er eine Professur am Montanergymnasium. In diesen Jugendjahren übte auf ihn der Verkehr in der Familie des tüchtigen Medicinprofessors Menn und der Umgang mit dem künstlerisch sehr begabten Vicar Hardy großen Einfluß. Die Professur am Gymnasium befriedigte ihn nicht; er wurde als sog. Silentiarius beschäftigt und mußte sich kümmerlich durch Privatstunden durchschlagen. Seine Stellung gegenüber den übelwollenden Collegen ward dadurch nicht gebessert, daß er fortwährend für die dringend nöthige Reform des verrotteten Unterrichtswesens eintrat. Vielseitige Anregung brachte ihm eine Reise, die er als Begleiter des Domvicedechanten Grafen Franz Wilhelm von Oettingen-Baldern im J. 1783 durch einen großen Theil von Süddeutschland machen konnte. Als er zurückkehrte, arbeitete er im Auftrage des Rathes ein ausführliches Gutachten über|die Reformation der Kölner Hochschule aus, welche durch die neu errichtete kurfürstliche Akademie in Bonn sehr benachtheiligt wurde. Sein Plan wurde nicht ausgeführt, zog ihm dagegen die bittere Feindschaft seiner Collegen zu. Im J. 1784 erlangte er die Professur für Botanik in der medicinischen Facultät, mit welcher eine Präbende an der Stiftskirche St. Maria im Capitol verbunden war; 1796 erhielt er ein Kanonikat an St. Aposteln. Jedoch blieb er in der artistischen Facultät und führte durch seine Vorlesungen die Aesthetik in den Kreis der Lehrgegenstände ein. Sein Ansehen stieg in den folgenden Jahren, sodaß der Curator der Bonner Universität Franz Wilhelm v. Spiegel sich mit ihm wegen seiner Uebersiedelung nach Bonn als Nachfolger des berüchtigten Eulogius Schneider in Verbindung setzte; jedoch zerschlugen sich die Verhandlungen.

    Im J. 1794 wurde W. zum Rector der Universität Köln gewählt. Sein Rectorat fiel in eine traurige Zeit. Im Herbste rückten die Franzosen in Köln ein und verhinderten den Unterricht durch Besetzung der für ihn bestimmten Gebäude. W. setzte mit Mühe den Wiederbeginn der Vorlesungen durch. Die Herrschaft der Franzosen war drückend für die Stadt nicht allein durch die hohen Contributionen, wogegen W. vergebens eine Remonstration verfaßte, sondern auch durch die Verschleppung und Vernichtung so vieler Sammlungen, welche in langer Friedenszeit zusammengebracht worden waren. W. stellte eine Denkschrift über die Verluste auf und erwirkte es, daß man ihn zum Inspector der Alterthümer ernannte, in welcher Eigenschaft er vieles für die Rettung der Kunstschätze thun konnte. Auf Schloß Blankenheim in der Eifel befand sich das Museum Lyskirchianum, welches aus Köln stammte, und eine sehr werthvolle Bibliothek; von beiden schaffte W. einen guten Theil nach Köln. Aus der in Köln erwachsenen Sammlung des Freiherrn von Hüpsch, welche dieser für Darmstadt bestimmt hatte, erlangte er vom Landgrafen von Hessen-Darmstadt eine Reihe von wichtigen Stücken. Der Dreikönigenschrein wurde nach Köln zurückgebracht und auf Wallraf's Anregung eine große Festlichkeit dieserhalb veranstaltet. Er hatte sich ganz in die neuen Verhältnisse gefügt. Als im J. 1804 Napoleon mit Josephine nach Köln kam, wurde er von W. verherrlicht. Dieser war dem Unterrichtsfache treu geblieben. Im J. VII wurde er an der Centralschule, welche bis 1803 bestand, zum Professor für die schönen Wissenschaften ernannt. Dasselbe Fach vertrat er an der Secundärschule, welche den Namen Gymnasium führte, der später höhere Curse beigegeben wurden. Hier war Friedrich v. Schlegel sein Specialcollege. W. war für die Errichtung einer Akademie in Köln thätig, worüber Verhandlungen bis 1810 schwebten. Schließlich sollte Köln sich mit einem Lyceum begnügen; aber infolge der eingetretenen Kriegswirren wurde auch diese Anstalt nicht errichtet.

    Nach Abzug der Franzosen war W. als feuriger Kölner Localpatriot von drei Wünschen erfüllt. Er war thätig für die Rückgabe der von den Franzosen nach Paris zusammengeschleppten Kunstschätze und Antiquitäten, für die Rehabilitirung der freien Reichsstadt Köln und für die Wiederherstellung ihrer alten Universität. Sein erster Wunsch war von ziemlichem Erfolge gekrönt. Auf Grund der von ihm ausgearbeiteten Specification des Raubes erlangte Köln durch die eifrigen Bemühungen Everhard v. Groote's einen großen Theil der entführten Schätze wieder. Dagegen hatte W. in den beiden anderen Fragen kein Glück. Die von ihm ersehnte Wiederherstellung von Kölns früherer Reichsherrlichkeit, welche durch Oesterreichs Eintreten hätte erreicht werden können, wurde zu spät angeregt. In der Universitätsfrage waren die Bonner zuvorgekommen. Dagegen stiftete W. sich selbst durch die Schenkung seiner ausgedehnten Sammlungen an seine Vaterstadt ein unvergängliches Andenken in dieser.|Im J. 1818 setzte er die Stadt zur Erbin seines gesammten Nachlasses ein unter der Bedingung, daß die Sammlungen für alle Zeit in Köln verbleiben müßten. Der Grundstock des Museums und der Stadtbibliothek ward dergestalt durch ihn geschaffen. Die Stadt verlieh dem treuen Patrioten eine Jahresrente von 4 000 Francs, die er zumeist auf die Bereicherung der Sammlung verwandte. Als bald darauf die Frage der Errichtung eines Provinzialmuseums auftauchte, war W. wieder in Kölns Interesse auf dem Platze. Aber auch diese Anstalt konnte er nicht für Köln retten, da man glaubte, daß das Museum für die Universität Bonn unentbehrlich sei.

    W. hatte vielseitige Interessen. Die Geschichte seiner Vaterstadt pflegte er mit besonderer Freude. In den Monatsbeilagen der Kölnischen Zeitung und an anderen Orten erschien eine Reihe von historischen Aufsätzen aus seiner Feder, welche im J. 1813 vereinigt als „Beiträge zur Geschichte der Stadt Köln und ihrer Umgebungen“ erschienen. Seine Vorliebe für die Römerzeit hinderte ihn jedoch vielfach an der richtigen geschichtlichen Erkenntniß; sie spielte ihm im Verein mit seiner mangelhaften Kenntniß der Etymologie manchen bösen Streich bei den Vorschlägen für die Straßenbenennung, wozu ihn im J. 1812 die französische Regierung aufforderte. Für Kunst und Poesie begeistert übertrug er die Begeisterung auch auf Andere; beide wurden eifrig gepflegt in dem Freundeskreise, der ihn mit de Noël und Du Mont verband.

    Am 18. März 1824 starb W. Neun Monate erforderte die Inventarisirung seines Nachlasses. Sein Freund de Noël wurde Conservator der Sammlungen, später Ramboux. Jedoch mußten die werthvollen Schätze sich lange in provisorischen Gebäuden mit mangelhafter Unterkunft begnügen, bis durch die Opferwilligkeit des Commerzienrathes J. H. Richarz der Bau eines würdigen Museums ermöglicht wurde, das mit Recht den Namen Museum Wallraf-Richartz trägt. Beiden Wohlthätern setzte die dankbare Stadt ein gemeinsames Denkmal auf dem Friedhofe Melaten.

    • Literatur

      Ennen, Zeitbilder aus der neueren Geschichte der Stadt Köln mit besonderer Rücksicht auf Ferdinand Franz Wallraf. Köln 1857.

  • Autor/in

    Keussen.
  • Zitierweise

    Keussen, Hermann, "Wallraf, Ferdinand Franz" in: Allgemeine Deutsche Biographie 40 (1896), S. 764-766 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118831429.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA