Lebensdaten
1904 oder 1901 – 1992
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Monte-Carlo (Monaco)
Beruf/Funktion
Tänzerin ; Choreographin ; Bühnenbildnerin ; Opernregisseurin
Konfession
jüdisch
Namensvarianten
  • Wallmann, Margherita
  • Wallmann, Margarethe
  • Wallmann, Margarete
  • mehr

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Zitierweise

Wallmann, Margarita, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/sfz138722.html [28.02.2024].

CC0

  • Genealogie

    V evtl. Paul (1870–1944), aus Stralsund, Kaufm., Lederhändler in B. u. Hilversum, in d. KZ Bergen-Belsen deportiert u. dort ermordet, S d. Louis, Kaufm. in B., u. d. Adele Mayer;
    M evtl. Selma (1881–1945), aus Krefeld, später in Amsterdam, in d. KZ Bergen-Belsen deportiert u. dort ermordet, T d. Hermann Daniel u. d. Karoline Meyer;
    Salzburg 1934 (?) Hugo Burghauser (1896–1982), aus W., Fagottist, 1919–38 Mitgl. d. Orch. d. Wiener Staatsoper u. d. Wiener Philharmoniker, 1932 Orch.vorstand, Präs. d. Österr. Musikerrings, 1937 Prof. an d. Wiener Musikak., emigrierte 1938 n. Kanada, 1941 in d. USA, 1941–43 im NBC-Orch. in New York, bis 1965 im Orch. d. Metropolitan Opera, Ehrenmitgl. d. Wiener Philharmoniker, Vf. v. „Philharmon. Begegnungen, Erinnerungen e. Wiener Philharmonikers“, 1979 (s. Hist. Lex. Wien; BHdE II; ÖML), S d. Hugo (* 1872), aus Waltersdorf (Mähren), Beamter d. k. k. Landwirtsch.-Ges. in W., u. d. Hermina N. N. (* um 1878), ab 1937 / 38 (?) Guido (1893–1967), Dir. d. Musikverlags Ricordi, S d. Renzo Valcarenghi (1860–1947), Dir. d. Musikverlags Ricordi (beide s. Nuovo diz. Ricordi della musica e dei musicisti, 1976), u. d. Michelangela Capito;
    kinderlos.

  • Biographie

    Über W.s Kindheit und Jugend ist nichts Genaueres bekannt. In Berlin erhielt sie Ballettunterricht bei Eugenia Eduardova, Genia Nikolajeva, Olga Preobrajenska und Mathilde Ksesinskaja und trat 1919 erstmals als Solistin in den Kammerspielen unter Max Reinhardt (1873–1943) auf. Danach führte eine Tournee sie durch Deutschland, die Niederlande und die Schweiz, wo sie Mary Wigman (1886–1973) kennenlernte. 1920 setzte sie ihre Ausbildung bei Heinrich Kröller (1880–1930) in Berlin fort, wechselte 1923 in Wigmans Tanzschule nach Dresden und bereiste mit deren Truppe Deutschland, die Niederlande und Italien.

    1927 eröffnete W. mit der „Mary Wigman Tanzschule Berlin“ die größte aller Wigman-Schulen, in der auch Wigman selbst und Hanya Holm (1893–1992) unterrichteten. W. arbeitete zeitweise an der Denishawn School in New York und hielt Vortragsreihen an der Columbia Univ. 1930 trat sie mit einem von ihr gegründeten Tänzerkollektiv mit ersten eigenen Choreographien, u. a. „Orpheus Dionysos“ (nach Musik v. Ch. W. Gluck) auf und gewann damit den 1. Preis beim dritten „Tanzkongress“ in München. Danach widmete sie sich zunehmend dem klassischen Tanz und der Opernregie. Zwischen 1931 und 1937 war sie regelmäßig als Choreographin und Regisseurin bei den Salzburger Festspielen tätig, wo sie v. a. mit Max Reinhardt, Bruno Walter (1876–1962) und Arturo Toscanini (1867–1957) zusammenarbeitete; enge freundschaftliche Kontakte verbanden sie mit Stefan Zweig (1881–1942).

    1932 und 1933 führte W. bei den Salzburger Festspielen Regie bei Glucks „Orpheus und Eurydike“. Bei der Übernahme der Produktion an die Wiener Staatsoper erlitt sie einen schweren Bühnenunfall, der ihre Karriere als Tänzerin beendete. Von Erwin Kerber (1891–1943) an die Staatsoper berufen, arbeitete sie hier seit 1934 als erste Ballettmeisterin, Choreographin und Regisseurin, unterbrochen u. a. von einer Gastregie 1934 am Covent Garden Theatre in London sowie Choreographien in Hollywood 1934 (Szenen für den Film „Anna Karenina“ mit Greta Garbo) und 1936–37 an der Mailänder Scala.

    1937 an das Teatro Colón in Buenos Aires verpflichtet, erhielt W. 1938 während der Überfahrt nach Argentinien Nachricht vom „Anschluß“ Österreichs und ihrer Entlassung. Die folgenden Jahre arbeitete sie als Ballettmeisterin in Buenos Aires und als Choreographin auch an verschiedenen anderen südamerik. Theatern.

    1949 kehrte W. nach Europa zurück, zunächst wieder als Choreographin an das Teatro alla Scala in Mailand, danach als Direktorin des Corps de ballets der Scala. 1952 gab sie hier ihr Regiedebüt mit Richard Strauss’ „Die Liebe der Danae“ – und arbeitete in der|Folge ausschließlich als Regisseurin (Cherubini, „Medea“, 1953, Bellini, „Norma“, 1955, Verdi, „Maskenball“, 1957). Bis 1972 war sie Mitglied des stehenden künstlerischen Teams der Scala neben Nicola Benois und Gianandrea Gavazzeni. Nach der Wiedereröffnung der Staatsoper im Nov. 1955 wurde W. 1958 von Herbert v. Karajan (1908–89) erneut nach Wien verpflichtet (u. a. „Don Carlos“, 1962). Ihre „Tosca“-Inszenierung, erstmals aufgeführt im April 1958 an der Wiener Staatsoper, wurde im Juni 2018 zum 603. Mal gezeigt. Letzte Ballettinszenierungen für die Salzburger Festspiele entstanden 1954 u. a. mit „Der Totentanz“ (Musik: A. Honegger) und 1955 mit „Persephone“ (Musik: I. Strawinsky). Zuletzt war sie 1990 an der Oper in Monte Carlo tätig (Donizetti, „Il campanello“).

    W. war die erste Opernregisseurin, die eine bedeutende internationale Karriere machen konnte. Bis 1937 / 38 war sie die maßgebliche Choreographin der Salzburger Festspiele. Neben ihren festen Engagements übernahm sie Regiearbeiten auch in anderen Metropolen wie Buenos Aires, Paris, Athen und Verona. Zudem wirkte sie an ital. und franz. Fernsehproduktionen mit.

    Ausgehend von der Partitur, übersetzte W. Klangfarben in visuelle Farben, Rhythmus in Bewegung und spiegelte die musikalischen Inhalte in Gesten und Lichteffekten. Sie arbeitete nach dem Prinzip des intuitiven Erfassens der Partitur und kreierte daraus einen ästhetischen Entwurf für ihre Inszenierungen. Dabei sah sie sich als nachschaffende, dem Werk und der Intention des Komponisten verpflichtete Künstlerin.

    Sehr interessiert an Kunstgeschichte, ließ sie sich u. a. durch „Tableaus vivants“ des ausgehenden 18. Jh. inspirieren und verwendete „lebende Bilder“, um Akte einzuleiten oder zu beschließen. In Verdis „Don Carlos“, den sie 1966 für die Pariser Oper entwarf, zeigte sie eine getreue Reproduktion eines Velázquez-Bildes und erreichte damit spektakulären Erfolg. Opulente Ausstattungen mit einer Fülle von Tänzern, Chorsängern und Statisten waren kennzeichnend für ihre Arbeiten; demgegenüber traten tänzerische Aspekte wie auch die psychologische Gestaltung der Figuren und ihrer Beziehungen zueinander zurück.

  • Auszeichnungen

    |Goldenes Ehrenzeichen d. Stadt Mailand f. besondere Verdienste um d. weniger bekannten Frühwerke Guiseppe Verdis;
    Internat. Preis Luigi Illica f. d. Inszenierung v. Werken v. Puccini u. Mascagni;
    Goldenes Ehrenzeichen d. Internat. Verbandes d. Verleger u. Autoren.

  • Werke

    W Coreografa e sue leggi, in: La Scala v. 15. 12. 1949, S. 58–61;
    Verz. d. Choreographien u. Inszenierungen an d. Wiener Staatsoper 1937–62 im Archiv ders. (auch im Internet);
    W-Verz.: MUGI;
    Autobiogr.: Balconate del cielo, 1976, franz. u. d. T. Les balcons du ciel, 1976, Neuausg. u. d. T. Sous le ciel de l’opéra, Mémoires, 2004 (P).

  • Literatur

    |e. wiss. Monogr. fehlt bisher;
    B. Walter, Thema u. Variation, Erinnerungen u. Gedanken, 1947;
    G. M. Gatti (Hg.), Cinquanta anni di opera e balletto in Italia, 1954;
    F. Hadamowsky, 50 J. Salzburger Festspiele, Ausst.kat. Salzburg, 1970;
    E. Kaufmann, L’unica donna-regista di fama internazionale apre la più fastosa stagione lirica del mondo, in: Il Visto v. 11. 12. 1961, S. 14 ff.;
    A. Witeschnik, Wiener Opernkunst, 1961;
    C. Gatti, Il Teatro alla Scala, 1964;
    M. Prawy, Die Wiener Oper, 1965;
    S. Kessler, Der gr. Opernmann ist e. Frau, in: FAZ Beilage: Die Frau, v. 9. 12. 1967;
    R. Camano, La historia del Teatro Colón 1908–1968, 3 Bde., 1969;
    Sir R. Bing, 5 000 Nights at the Opera, 1973;
    V. Farjese u. J. Tgnelli, Dal Costanzi all’opera, Croniche, recensioni e documenti in 4 volumi, 1977 / 78;
    G. Ricci, Duecento anni di Teatro alla Scala, La Scenografia, 1977;
    G. Tintori, Divagazioni scaligere, 1975;
    ders., Duecento anni di Teatro alla Scala 1778–1977, 1979;
    A. Seebohm (Hg.), 50 anni del Teatro dell’ Opera, 1979;
    J. Tognelli (Hg.), 50 anni del Teatro dell’Opera, 1979;
    A. Amort, Die Gesch. d. Balletts d. Wiener Staatsoper 1918–1942, Diss. Wien 1981;
    Ch. Dupechez, Histoire de l’opéra de Paris, Un siècle au Palais Garnier 1875–1980, 1981;
    R. Liebermann, Und jedermann erwartet sich e. Fest, 1981;
    J. Kaut, Die Salzburger Festspiele 1920–1981, Mit e. Verz. d. aufgeführten Werke u. d. Künstler d. Theaters u. d. Musik v. H. Jaklitsch, 1982;
    R. Fath, Die Opernregie an d. Wiener Staatsoper in d. Zeit n. Gustav Mahler bis zu Wieland Wagner (1908–1965), Diss. Wien 1983;
    St. Wolff, L’opéra au Palais Garnier (1875–1962), 1983;
    G. Barigazzi u. M. Labroca, La Scala racconta, 1984;
    G. Gavazzeni (Hg.), La forma dinamica dell’opera lirica, Regie del Teatro alla Scala 1947–1984, 1984;
    G. Masetti, M. W., Versuch e. Bilanz ihrer Karriere als Opernregisseuse, Dipl. arb. Univ. Wien 1989;
    K. Toepfer, Empire of Ecstasy, Nudity and Movement in German Body Culture, 1910–1935, 1997;
    K. Schneider, „Très chère Wallfrau“, M. W. (1901 / 04–1992), in: Tanzen u. tanzen u. nichts als tanzen: Tänzerinnen d. Moderne v. Josephine Baker bis Mary Wigman, hg. v. A. Soyka, ²2012, S. 220–33 (P);
    Kosch, Theater-Lex.;
    Reclam Ballett Lex.;
    Hdb. österr. Autoren jüd. Herkunft;
    Hist. Lex. Wien;
    BHdE II;
    ÖML;
    MUGI (Qu, W, L, P).

  • Autor/in

    Martina Christl
  • Zitierweise

    Christl, Martina, "Wallmann, Margarita" in: Neue Deutsche Biographie 27 (2020), S. 340-341 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz138722.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA