Lebensdaten
um 896 bis 968
Geburtsort
Enger
Sterbeort
Quedlinburg
Beruf/Funktion
deutsche Königin ; Heilige
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119162547 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Mathilde
  • Mathilde, Heilige
  • Mathilde, Heiliges Römisches Reich, Königin
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Zitierweise

Mathilde, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119162547.html [15.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Nachfahrin Widukinds;
    V Gf. Dietrich;
    M Reinhild, aus dän. u. fries. Geschl.;
    Ov Widukind, Immat, Reginbern (besiegte d. Dänen);
    Schw Amalrada, Fridarun, Bia;
    Wahlhausen 909 Kg. Heinrich I. ( 936, s. NDB VIII);
    3 S, 2 T, u. a. Kaiser Otto d. Gr. ( 973), Hzg. Heinrich I. v. Bayern ( 955, s. NDB VIII), Brun ( 965). EB v. Köln (s. NDB II), Gerberga ( 968/69, s. NDB VI, 1] Hzg. Giselbert v. Lothringen, 939, s. NDB VI, 2] Kg. Ludwig IV. v. Frankreich, 954), Hathwig ( ca. 980/65, Hzg. Hugo v. Franzien, 956);
    E u. a. Kaiser Otto II. ( 983), Hzg. Heinrich II. d. Zänker v. Bayern ( 995, s. NDB VIII), Hzg. Liudolf v. Schwaben ( 957, s. NDB 14), Mathilde ( 999), Äbtissin v. Qu. (s. NDB 18).

  • Leben

    M., die erste ottonische Königin, gehört zu den profiliertesten Frauengestalten des Frühmittelalters. Dies resultiert nicht zuletzt daraus, daß ihr Leben um 974 und um 1002 von unbekannten Autoren beschrieben wurde, die im sächs. Stift Nordhausen, einer Gründung M.s, lebten. Vor einer unkritischen Benutzung dieser Viten warnt die Forschung jedoch seit langem, da sie eine unentwirrbare Mischung aus tendenziösen, sagenhaften und fiktiven Nachrichten enthalten. M. stammte – wohl in kognatischer Linie – aus der Sippe des Sachsenherzogs Widukind, eine Tatsache, die das Selbstverständnis ihrer Nachfahren nicht unwesentlich beeinflußte. Erzogen wurde sie im Kanonissenstift Herford, das ihre gleichnamige Großmutter leitete. Aus der romantischen Erzählung der Viten von der Werbung Heinrichs um M. in Herford, in der u. a. die Tatsache seiner ersten Ehe unerwähnt bleibt, wird immerhin auch deutlich, daß die Zustimmung der Eltern M.s zu dieser Ehe nicht eingeholt wurde. Die Heirat brachte den Liudolfingern nicht nur einen Zuwachs an vornehmem Geblüt, sondern auch Besitzungen im westlichen Sachsen, was ihre dortige Stellung erst begründete. Der Reichtum der M. als Grund für die Heirat wird bei Thietmar|von Merseburg ausdrücklich genannt. 912, acht Tage vor dem Tode des Großvaters, wurde der älteste Sohn geboren, der nach diesem Großvater den Namen Otto erhielt; es folgten in unbekannten Jahren die Töchter Gerberga und Hathwig, und schließlich, als Heinrich bereits König geworden war, die Söhne Heinrich und Brun.

    In der Regierungszeit Heinrichs I. tritt M. nicht deutlicher hervor, wenn man konventionelle Wertungen außer Acht läßt wie etwa die, daß sie den harten Gerechtigkeitssinn ihres Gatten zur Milde bewogen habe. 929 wurde im Zuge der „Hausordnung“ Heinrichs auch ihr Wittum bestimmt: Sie erhielt unter Zustimmung Ottos I. die Orte Quedlinburg, Pöhlde, Nordhausen, Grone und Duderstadt. Nach dem Tode Heinrichs I. (936) widmete sich M. in besonderer Weise der „memoria“ ihres Gatten und aller anderen verstorbenen Vorfahren und Freunde. Mehrere Schriftsteller (so Liutprand von Cremona, Thietmar von Merseburg und die Autoren ihrer Viten) heben hervor, daß sie auf diesem Gebiet eine Aktivität entfaltete, die alles bis dahin Bekannte überstieg. Das Zentrum ihrer Totensorge war Quedlinburg mit dem Grab ihres Gatten; dem gleichen Ziel dienten aber auch die Bemühungen um die Stiftung anderer geistlicher Gemeinschaften, so in Pöhlde und Nordhausen. Mit dieser Sorge um die „memoria“ erfüllte M. vorbildlich die vornehmste Aufgabe, die der verwitweten Frau im frühen Mittelalter zukam. 966 wurde ihre gleichnamige Enkelin feierlich in das Amt der Quedlinburger Äbtissin eingeführt, der M. kurz vor ihrem Tode auch das Buch mit den Namen aller übergab, deren Gedenken sie gepflegt hatte. Auch in politischen Fragen scheint M. dezidiert Stellung bezogen zu haben. So setzte sie sich offensichtlich mit anderen für den jüngeren Sohn Heinrich als Nachfolger des Vaters im Königsamt ein, quia natus esset in aula regali. Hier scheinen Vorstellungen wirksam, die dem in der Königszeit des Vaters geborenen Sohn bessere Ansprüche auf die Nachfolge zubilligten als dem älteren Bruder. Hinzuweisen ist darauf, daß M. und ihr Sohn Heinrich als Intervenienten in einer Urkunde Heinrichs I. begegnen, die auf dem ersten königl. Hoftag in Sachsen am Osterfest 922 ausgestellt wurde. Wahrscheinlich wurde Heinrich im Umfeld dieses ersten königl. Hoftages geboren, woraus man eine besondere Befähigung zur Königsherrschaft ableitete. – Zwischen M. und Otto I. gab es nach dessen Regierungsantritt ernsthafte Differenzen, nach dem Zeugnis der Viten deshalb, weil dieser der Mutter die Mittel zur Ausstattung von Kirchen und Klöstern verweigerte. Sie berichten auch, daß sich M. deshalb auf ihr väterliches Erbgut nach Enger zurückzog, bis die Königin Edgith, die Gemahlin Ottos des Großen, die Versöhnung vermittelte.

  • Literatur

    ADB 20;
    Vita Mahthildis reginae antiquior, in: 10, S. 573-82;
    Vita Mahthildis reginae (posterior), in: 4, S. 282-302;
    Jbb. d. Dt. Gesch. Kg. Heinrich I., 41963;
    R. Köpke u. E. Dümmler, Kaiser Otto d. Gr., 1876;
    M. Lintzel, in: Westfäl. Lb. V, 1937, S. 161-75;
    A. Büsing, M., Gemahlin Heinrichs I., Diss. Halle-Wittenberg 1910;
    R. Holtzmann, Gesch. d. sächs. Kaiserzeit, 31955;
    K. Schmid, Die Nachfahren Widukinds, in: DA 20, 1964, S. 1-47;
    L. Bornscheuer, Miseriae regum, 1968, bes. S. 60-102;
    G. Althoff, Adels- u. Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung, 1984, bes. S. 156-72;
    ders., Causa scribendi u. Darstellungsabsicht: Das Beispiel d. Mathilden-Viten, in: Festschr. f. J. Autenrieth, 1988, S. 117-33;
    H. Beumann, Sachsen u. Franken im werdenden regnum Teutonicum, in: Settimane di studio del Centro italiano di studi sull'alto medioevo 32, 1986, S. 887-912, bes. S. 898 ff.;
    ders., Die Ottonen, 1987;
    E. Hlawitschka, Kontroverses aus d. Umfeld v. Kg. Heinrichs I. Gemahlin M., in: Festschr. Alfons Becker, 1987, S. 33-54.

  • Autor/in

    Gerd Althoff
  • Empfohlene Zitierweise

    Althoff, Gerd, "Mathilde" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 371 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119162547.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Mathilde, Gemahlin des deutschen Königs Heinrich I., stammte aus einem alten hochangesehenen sächsischen Geschlecht, dessen Ursprung auf jenen Widukind zurückgeführt wird, der lange das Haupt des Widerstandes gegen Karl d. Gr. war, bis auch er der fränkischen Uebermacht erlag und sich zur Taufe verstand; selbst eine kirchliche Stiftung soll er auf seinem Erbgut Engern gemacht haben, die M. später erneuerte und erweiterte. Jedenfalls war die Familie später der Kirche ergeben; die Großmutter Mathildens stand als Wittwe dem Kloster Hervord vor. Die Eltern waren Dietrich und Reinhilde, von denen diese, wie es heißt, Friesen und Dänen unter ihren Ahnen hatte, jener einen Bruder, der|gerade durch einen Sieg über die Sachsen feindlich heimsuchenden Dänen sich berühmt gemacht hatte. Sie übergaben die Tochter der Großmutter zur Erziehung, und ohne Zweifel hat M. hier im Kloster die Eindrücke empfangen, die sich in ihrem frommen, der Kirche ergebenen Leben aussprechen. Doch ward sie berufen dem vornehmsten Manne ihres Stammes, dem Sohne Otto's, der nach seinem Vater Liudolf und Bruder Brun eine herzogliche Stellung unter den Sachsen einnahm, dem selbst schon die deutsche Königkrone angetragen sein soll, vermählt zu werden. Heinrich war damals — im J. 909—33 Jahre alt; eine frühere Verbindung mit der Tochter eines Grafen Ervin war von der Kirche als unrechtmäßig verworfen; jetzt erkor ihm der Vater die Braut; in stattlicher Begleitung erschien er in Hervord zur Werbung, die bereite Annahme fand. Die Hochzeit ward in Walhausen gefeiert, dies Gut der Mathilde wohl als Morgengabe verliehen. Zwanzig Jahre später empfing sie als Witthum einen ansehnlichen Besitz zu Quedlinburg, Pölde, Nordhausen, Gronau und Duderstadt; denn auch in Thüringen hatte das Liudolfingische Haus zahlreiche Güter. Fünf Kinder hat Mathilde ihrem Gemahl geboren, drei Söhne, Otto, Heinrich und Brun, die alle einen dauernden Namen in der Geschichte sich erworben haben, zwei Töchter, Gerberg und Hadwide, die zu einflußreichen Verbindungen, Gerberg erst mit dem lothringischen Herzog, dann dem westfränkischen König, Hadwide mit dem Herzog Franciens, dem Ahnherrn des capetingischen Königshauses, gelangten; Otto, da noch der gleichnamige Vater Heinrichs lebte, die beiden Töchter, soviel erhellt, da dieser in der herzoglichen Stellung nachgefolgt war, die jüngeren Söhne, als Heinrich die Krone des deutschen Reiches trug. — Schönheit und klugen Verstand rühmen die Geschichtschreiber der Zeit an Mathilde; zwei Lebensbeschreibungen, die ihr später gewidmet sind, preisen besonders den frommen, demüthigen Sinn, das Walten in Werken der Barmherzigkeit, das Bemühen auch den Gemahl für ein mildes Regiment und für kirchliche Interessen zu gewinnen. Ohne in politischen Angelegenheiten hervorzutreten, erscheint sie als die wahre Genossin des Herrschers, versäumte auch nicht was zur königlichen Würde gehörte. Immer aber überwog die Sorge für die Kirche und die Erfüllung der Pflichten, welche diese lehrte. Vielleicht war es ihr Einfluß, daß der jüngste Sohn dem geistlichen Stand bestimmt ward. Nach Quedlinburg, das ihr verliehen war und dessen Kirche Heinrich sich zur Ruhestätte ausersehen hatte, ward die Verlegung eines Nonnenklosters im letzten Lebensjahr des Königs in Aussicht genommen und gleich nach seinem Tode vollzogen. Einem Priester Adeldag, der die erste Seelenmesse für den Verstorbenen hielt, verschaffte M. später das Erzbisthum Hamburg. Worte treuester Liebe und warmer Anerkennung legt ihr Biograph dem König in den Mund, da er sein Ende nahe fühlte. „Keiner gewann je ein glaubenfesteres, in allem Guten erprobteres Weib. Habe Dank, daß du im Zorn mich fleißig besänftigt, mir in allem Nützlichen Rath gegeben, mich oft von Härte zur Gerechtigkeit zurückgeführt und eifrig ermahnt hast, mich derer zu erbarmen die mit Gewalt unterdrückt“. Mehr als dreißig Jahre hat Mathilde den Gemahl überlebt, eine Zeit lebhafter Kämpfe im Reich und in der Familie, aber auch wachsender Macht und Größe für den ältesten Sohn Otto, der zu dem deutschen Königthum auch das römische Kaiserthum gewann. Nicht immer war Mathilde mit ihm in gutem Einvernehmen; ihre Liebe gehörte vor allem dem zweiten Sohn, der den Namen des Vaters trug und der dem Bruder eine Zeit lang feindlich gegenüber stand; nach einigen Nachrichten Hütte die Mutter ihm die Nachfolge zuzuwenden gewünscht; durch ihre Vermittelung erhielt er später, mit Otto versöhnt, das Herzogthum Baiern. Eine Zeit lang soll dann auch er mit Otto gemeinsam der Mutter entgegengetreten sein, unzufrieden über die zu reichliche Vergabung ihrer Einkünfte|und Güter an die Kirche; in Folge davon zog sich M. auf das väterliche Erbgut Engern zurück. Aber Otto's Gemahlin Edgith vermittelte die Versöhnung. M. erhielt die ihr vom Gemahl verliehenen Höfe zurück, die sie dann großentheils zu kirchlichen Stiftungen verwandte: in Nordhausen und Pölde wurden Klöster gegründet, dem Quedlinburger der Haupthof des Ortes verliehen, vielleicht ein zweites Stift für Mönche hinzugefügt. Sie widmete sich der Sorge für Arme und Kranke, verschmähte auch niedere Dienstleistungen nicht, ohne ihrer königlichen Würde etwas zu vergeben. Nach dem Tode ihres Gemahls hatte sie lesen und schreiben gelernt und unterwies darin und in allerlei Künsten ihre Umgebung. So verbrachte M. die letzten Lebensjahre, mit Vorliebe in Nordhausen verweilend, wo die Aebtissin Richburg ihr nahe verbunden war und wo man später ihr Andenken durch Schilderungen ihres Lebens und frommen Wandels gefeiert hat. Tiefgebeugt durch den frühen Tod ihres Lieblingssohnes Heinrich, sah sie auch Brun und die Tochter Hadwide und andere Glieder der Familie vor sich scheiden; aber ein Enkel Otto wuchs neben dem Vater heran; eine Enkelin, die ihren Namen trug und später eine Zeit lang eine hervorragende Stellung im Reiche einnehmen sollte, ward in jungen Jahren zur Aebtissin in Quedlinburg geweiht. Hier starb M. am 14. März 968 und ward neben dem Gemahl begraben. „Wenn wir zu ihrem Lobe etwas sagen wollen“, schreibt der Zeitgenosse Widukind, „so reichen unsere Kräfte nicht aus; denn die Tugend dieser erhabenen Frau überragt was wir zu fassen vermögen.“

    • Literatur

      Die beiden alten Lebensbeschreibungen sind herausgegeben Mon. hist. Germ. SS. X und IV, übersetzt von Jaffé in den Geschichtschreibern der deutschen Vorzeit, Hft. 35. Hauptsächlich auf sie gestützt eine Schilderung als Charakterbild einer deutschen Frau von G. Weck, N. Laus. Magazin LVIII (1871). Mehr veraltet die Schrift von E. G. Förstemann, De vita Mathildis (1838). Zu vergleichen die Jahrbücher der deutschen Geschichte, Heinrich I. von dem Unterzeichneten, Otto I. von R. Köpke und E. Dümmler.

  • Autor/in

    G. Waitz.
  • Empfohlene Zitierweise

    Waitz, Georg, "Mathilde" in: Allgemeine Deutsche Biographie 20 (1884), S. 591-593 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119162547.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA