Lebensdaten
955 bis 999
Beruf/Funktion
Äbtissin von Quedlinburg
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 122112598 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Mathilde von Querfurt
  • Mathilde
  • Mathilde von Querfurt
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Zitierweise

Mathilde, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd122112598.html [20.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus d. Geschl. d. Ottonen;
    V Kaiser Otto d. Gr. (912–73), S d. Kg. Heinrich I. ( 936, s. NDB VIII) u. d. Mathilde ( 968, s. NDB 16);
    M Adelheid v. Burgund (931/32-99), Wwe d. Kg. Lothar v. Italien ( 950), T d. Kg. Rudolf II v. Hochburgund ( 937) u. d. schwäb. Hzg.-T Bertha;
    B Brun ( 957), Kaiser Otto II. (955–83, Rom 972 Theophanu, 956-91, N d. byzantin. Kaisers Johannes Tzimiskes);
    N Kaiser Otto III. (980–1002), Adelheid (977–1043), Äbtissin v. Quedlinburg (seit 999), v. Gandersheim (seit 1039), Mathilde ( 1025, ⚭ Ezzo, 1034, lothring. Pfalzgf.), Sophie (978–1039), Äbtissin v. Gandersheim (seit 1002).

  • Leben

    Nach der königlichen Großmutter und Erzieherin benannt, sollte M. schon in jungen Jahren deren geistliche Aufgaben im vornehmsten otton. Kanonissenstift, Quedlinburg, übernehmen, als dessen erste Äbtissin sie nach Ostern 966, unmittelbar vor dem dritten Italienzug Ottos I., geweiht wurde. In der Schutzurkunde Papst Johannes' XIII. (22.4.967) für Quedlinburg ist M. mit Augustaltitel angesprochen. Der Mönch Widukind von Corvey dedizierte der 13jährigen Kaisertochter seine Sachsengeschichte, in der die Taten von Vater und Großvater verherrlicht werden sollten; die Panegyrik der Widmungsfassung bezieht M. als Vermittlerin der Absichten des Autors ein. Nach dem Tode der Königin Mathilde gehörte M. zum engsten Kreis der politischen Berater Ottos II. und Ottos III. 974 wurden der Äbtissin mehrere Königshöfe übertragen, darunter Ditfurt, Duderstadt und Nienburg/Saale. Im Konflikt zwischen Otto II. und Kaiserin Adelheid entschied sich M. 978, diese nach Burgund zu geleiten. Anwesenheit am Hofe ist für M. erst zu Ostern 981 in Rom bezeugt. Beim Tode Ottos II. im Dez. 983 befand sich M. noch in Italien; zuvor war an sie ein Viertel der kaiserlichen Geldmittel zu karitativen Zwecken verfügt worden. Zu dem von Heinrich dem Zänker einberufenen Reichstag in Quedlinburg (März 984) erschien M. nicht, sondern reiste gemeinsam mit den Kaiserinnen Adelheid und Theophanu über Pavia und Burgund nach Rohr (bei Meiningen), wo ihnen der unmündige Otto III. übergeben wurde. In M.s Begleitung befand sich auch ihre Nichte (und spätere Nachfolgerin) Adelheid. Reiche Schenkungen an die Abtei (985 u. a. die Pfalz Wallhausen) und Interventionen bezeugen den großen Einfluß, den M. am Hofe Ottos III. ausübte. 986 wurde zum Gedenken an Otto II. ein Kloster für Benediktinerinnen auf dem Münzenberg gestiftet und 995 geweiht; die Servatius-Kirche erhielt ein dreischiffiges Langhaus (997 geweiht) sowie Neubauten von Chor und Krypta. Zu den Osterfesten von 986, 989 und 991 diente die Abtei als Stätte der Herrschaftsrepräsentation. Der Königshof Walbeck wurde 992 zur Gründung eines Quedlinburg übereigneten Nonnenklosters verwandt. Während der vormundschaftlichen Regierung der Kaiserin Adelheid (991–94) trat M. mehrfach als Intervenientin auf. Bald nach Antritt der Alleinherrschaft Ottos III. erhielt Quedlinburg ein umfassendes Markt-, Münz- und Zollprivileg (Nov. 994). Während der kaiserlichen Abwesenheit in Italien fungierte M. seit Ende 997 als Statthalterin. Strittig ist, ob sich ihr Amtsbereich nur auf Sachsen oder auf das gesamte Reich erstreckte, wie es die sächs. Quellen nahelegen. In ihrer Grabinschrift ist M. als „matricia“ über Sachsen – in Abwandlung des Patricius-Titels – bezeichnet. 998 hielt sie in Derneburg und Magdeburg sächs. Fürstentage ab, auf denen sie die Verteidigung gegen die Slawen organisierte und Recht sprach; einen weiteren für 999 in Magdeburg anberaumten Termin erlebte M. nicht mehr. Ihr noch erhaltener bleigedeckter Sarg weist einen ungewöhnlich ausführlichen Grabtitel auf, dessen Text Otto III. zugeschrieben wird. Nicht allein die klösterlichen Hausannalen rühmen M.s Umsicht und herrscherliche Fähigkeiten als domina imperialis. In besonderem Maße wird M. die Fürsorge für geistliche Gemeinschaften (Wendhausen, Walsrode, Walbeck, Selz, St. Wiperti in der Quedlinburger Pfalz) und für die Toten-Memoria der Ottonen nachgesagt.

  • Literatur

    ADB 20;
    |

  • Quellen

    Qu.: Ann. Quedlinburgenses, ed. G. H. Pertz, in: 3, 1839, a. 955, 984-986, 992, 995-999, S. 58, 66 f., 69, 72 ff.; Vita Mathildis reginae antiquior, ed. R. Koepke, ebd. SS 10, 1852, c. 10, 14 ff., S. 578 ff.; V. M. posterior, ed. G. H. Pertz, ebd. SS 4, 1841, c. 15 ff., S. 293 ff.; Widukind v. Corvey, Res gestae Saxonicae, rec. P. Hirsch – H.-E. Lohmann, ebd. SS rer. Germ., 1935, Praefationes I-III, c. I, 19, 34, III, 12, 63, S. 1, 29, 47 f., 61, 100 f., 111, 138 f.; Ann. Hildesheimenses, ed. G. Waitz, ebd. SS rer. Germ. 1878, a. 997, 999, S. 27; Thietmar v. Merseburg, ed. R. Holtzmann, ebd. SS rer. Germ. NS 9, 1955, c. III, 25, IV, 18, 41 f., VIII, 10, S. 128, 152, 178 ff., 504; Annalista Saxo, ed. G. Waitz, ebd. SS 6, 1844, a. 966, 981, S. 619, 627; Ann. Magdeburgenses, ed. G. H. Pertz, ebd. SS 16, 1859, a. 973, 978, 981, 983, S. 153 ff.; Fuldaer Totenannalen, ed. K. Schmid, in: Die Klostergemeinschaft v. Fulda im früheren MA, Bd. 1, 1978, a. 999, S. 349; Urkk. DD O I 184 f., O II 77 f., O III 7 f., 35, 81, 131; Papsturkk. 896-1046, bearb. v. H. Zimmermann, 1, 21988, Nr. 178; Quedlinburger Grabschr. s. E. E. Stengel (L); J. F. Böhmer, H. L. Mikoletzky, M. Uhlirz, Regesta Imperii, II, 2-3.1950/56; – Darst.: K. Uhlirz u. M. Uhlirz, Jbb. d. Dt. Reiches unter Otto II. u. Otto III., 1-2, 1902-54; R. Holtzmann, Gesch. d. sächs. Kaiserzeit (900–1024), 41961; E. E. Stengel, Die Grabschr. d. ersten Äbtissin v. Quedlinburg, in: DA 3, 1939, S. 361-70; C. Erdmann, Forschungen z. pol. Ideenwelt d. Frühmittelalters, 1951, S. 97 ff.; ders., Otton. Stud., hrsg. v. H. Beumann, 1968, S. 31-52; Th. Vogelsang, Die Frau als Herrscherin im hohen MA, 1954, S. 27 ff.; H. Beumann, Historiograph. Konzeption u. pol. Ziele Widukinds v. Corvey, in: La storiografia altomedievale, 2, Settimane di studio del centro italiano di studi sull'alto medioevo 17, 2, 1970, S. 860, 888 f.; H. Keller, Das Kaisertum Ottos d. Gr. im Verständnis s. Zeit, in: DA 20, 1964, S. 325-88, bes. S. 380 ff.; K. J. Leyser, Herrschaft u. Konflikt, König u. Adel im otton. Sachsen, 1984, S. 50 f.; G. Althoff, Adels- u. Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung, 1984, S. 168 ff., 210 ff.; W. Eggert u. B. Pätzold. Wir-Gefühl u. Regnum Saxonum b. frühma. Geschichtsschreibern, 1984, S. 84 f., 96 f.; P. Corbet, Les saints ottoniens, 1986, S. 131 f.: W. Glocker, Die Verwandten d. Ottonen u. ihre Bedeutung in d. Pol., 1989, S. 201 ff., 280 f.

  • Autor/in

    Eckhard Freise
  • Empfohlene Zitierweise

    Freise, Eckhard, "Mathilde" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 376-378 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd122112598.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Mathilde, Aebtissin von Quedlinburg, Tochter Ottos des Großen und seiner zweiten Gemahlin Adelheid, war 955 geboren. Schon sehr frühe wurde sie dem von ihrem Grußvater und Vater gegründeten Servatiusstifte in Quedlinburg zur Erziehung übergeben, zu dessen erster Aebtissin — eine Aebtissin vor ihr ist bei dem noch im Werden begriffenen Stifte nicht nachweisbar — sie im Sommer 966 in Gegenwart ihres Vaters, der kaiserlichen Familie und zahlreicher Erzbischöfe, Bischöfe und Großen des Reiches feierlichst geweiht wurde. Bereits im folgenden Jahre widmet ihr Widukind, welcher sich eine Zeit lang in Quedlinburg, dem Lieblingssitze der sächsischen Kaiser, aufgehalten hatte, in überschwänglichen Worten die drei Bücher seiner sächsischen Geschichten. Auch die Bulle Papst Johanns XIII. vom Jahre 972, durch welche er das Stift Quedlinburg in seinen Schutz nimmt, ist ihres Lobes voll. Als das anfänglich gute Verhältniß zwischen der Kaiserin-Mutter Adelheid und ihrem Sohne Otto II. sich trübte und Adelheid 978 Deutschland verließ, folgte ihr die Tochter. Und als Mutter und Sohn im December 980 in Pavia sich versöhnten, war auch Mathilde zugegen. Ebenso wie der Vater bedachte auch der Sohn das Stift Quedlinburg mit reichen Schenkungen, die er, wie es in den betreffenden Urkunden heißt, aus Liebe zu seiner Schwester dem Stifte zuwandte. Kurz vor seinem Tode theilte er sein Geld in vier Theile, von denen er einen seiner Mutter und Schwester überwies. Als Herzog Heinrich von Baiern gezwungen wurde die Vormundschaft über den unmündigen Otto III. an dessen Mutter Theophanu abzutreten, kehrte diese in Begleitung der Kaiserin Adelheid, in deren Gesellschaft|sich wieder M. befand, aus Italien nach Deutschland zurück (984). Nach dem Tode Theophanu's (991) erhielt Adelheid die Vormundschaft über den jungen König und neben ihr gewann M. Einfluß auf die Führung der Geschäfte. Auch Otto III. bedachte das Stift Quedlinburg mit reichen Schenkungen. 992 wurden ihm zahlreiche Ortschaften zur Stiftung eines neuen Nonnenklosters in dem nahe gelegenen Walbeck überwiesen, 994 verlieh der Kaiser der Stadt Quedlinburg dieselben Markt-, Münz- und Zollgerechtigkeiten, wie sie Köln, Mainz und Magdeburg bereits besaßen, die Einkünfte daraus sollten seiner Tante M. und deren Nachfolgerinnen überwiesen werden. Die von König Heinrich erbaute Stiftskirche erwies sich bald zu klein für die Masse des zuströmenden Volkes und für ihre inzwischen gestiegene Bedeutung; sie mußte erweitert werden und wurde am 10. März 997 durch Bischof Arnulf von Halberstadt feierlich eingeweiht. Am 10. Mai desselben Jahres wurde auch das neue Kloster in Walbeck eingeweiht, nachdem eine andere kirchliche Stiftung, das Marienkloster auf dem Münzenberge vor Quedlinburg, bereits 986 seiner Bestimmung übergeben war. Die klerikale Hofhistoriographie des sächsischen Kaiserhauses überbietet sich in Lobeserhebungen der Aebtissin M. Widukind Preist die ausgezeichnete Weisheit der Zwölfjährigen, nennt sie des Kaiserhauses ausgezeichnetes Juwel, Gebieterin von ganz Europa, und ähnlich lauten die Epitheta der anderen Geschichtswerke dieser Zeit. Führen wir diese Uebertreibungen auf ihr richtiges Maß zurück, so bleibt M. trotzdem eine hervorragende Erscheinung in der Frauenwelt des 10. Jahrhunderts, die sich würdig den großen Frauen des sächsischen Kaiserhauses anschließt. Mit vorzüglichen Gaben des Geistes ausgestattet, entwickelte sie sich früh; unter dem Einfluß ihrer Mutter und ihres kaiserlichen Bruders gewann sie Verständniß für große politische Verhältnisse. Mit Geschick und Einsicht entledigte sie sich daher der großen Aufgabe, welche ihr Neffe Otto III. ihr übertrug, als er Ende 997 bei seinem Aufbruche nach Italien die Leitung der Reichsgeschäfte in ihre Hand legte. Sie wußte die Grenzen des Reiches gegen die Slaven zu sichern und auf einem von ihr in Magdeburg abgehaltenen Hoftage trat sie im vollen Bewußtsein der ihr anvertrauten Herrschergewalt auf. Bald nachher starb sie (7. Februar 999) und wurde in ihrer Stiftskirche neben ihren Großeltern begraben.

    • Literatur

      v. Erath, Cod. diplom. Quedlinburgensis; Annales Hildesheimenses X. Annales Magdeburgenses, Annalista Saxo, Thietmar.

  • Autor/in

    Janicke.
  • Empfohlene Zitierweise

    Janicke, Karl, "Mathilde" in: Allgemeine Deutsche Biographie 20 (1884), S. 593-594 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd122112598.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA