Lebensdaten
930 oder 931 bis 957
Geburtsort
wohl Magdeburg
Sterbeort
Pombia (südlich vom Lago Maggiore)
Beruf/Funktion
Herzog von Schwaben
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 130875791 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Herzog Ernst
  • Liudolf von Schwaben
  • Ludolf
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Zitierweise

Liudolf, Indexeintrag in: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd130875791.html [26.08.2016].

CC0

Liudolf

Herzog von Schwaben, * 930 wohl Magdeburg, 6.9.957 Pombia (südlich vom Lago Maggiore), Sankt Alban bei Mainz.

  • Genealogie

    V Kaiser Otto d. Gr. (912–973); M Edgitha/Edith ( 946), T d. angelsächs. Kg. Edward I. d. Ä. u. d. Aelflaed; um 947/48 Ida (932/34-986), T d. Hzg. Hermann I. v. Schwaben ( 949, s. NDB VIII); 1 S (Otto), 1 T (Mathilde); eine weitere Tochter („Richlind“) wurde d. Paar in d. neueren Forschung wohl zu Unrecht zugeschrieben.

  • Leben

    L. war seit 939/40 mit Ida, der einzigen Tochter und Erbin des Schwabenherzogs, verlobt. Nach dem Tod der Kgn. Editha wurde L. vom Vater mit Zustimmung der Großen zum Nachfolger im Reich designiert (Widukind von Corvey: creavit eum regem post se). Die Heirat mit Ida, der ebenfalls königl. Ehren zuteil wurden, brachte ihm zusätzlich eine Anwartschaft auf Schwaben ein. Nach Liudprand von Cremona wurde er von Hzg. Hermann I. adoptiert. Im Febr. 950 trat L. die Herrschaft über Schwaben (mit Churrätien und dem Breisgau) an. Die Zentren der herzogl. Macht lagen vornehmlich im Süden des schwäb. Raumes, doch griff L. auch in die Lande nördlich der Alb über und errichtete in Esslingen einen Stützpunkt mit Marktsiedlung. Auch die Einrichtung eines Gestüts (Stutgarten) im Bereich des mittleren Neckartals mit einer Burganlage, die sich später zur Stadt Stuttgart entwickelte, geht vielleicht auf ihn zurück. Denarprägungen L.s sind aus Zürich, Breisach und Esslingen bezeugt. Er übte in gewissem Grad auch Herrschaft über die Kirche Schwabens aus und stand in Beziehung zu Klöstern wie St. Gallen, Reichenau, Pfäfers und Einsiedeln. Als 951 Otto der Große einen Italienzug plante, eilte L. ihm ohne Ermächtigung mit einem kleinen schwäb. Aufgebot voraus, um seine eigene Macht südlich der Alpen auszudehnen. Hierbei spielten vielleicht erbrechtliche Motive eine Rolle, denn die Gemahlin L.s war eine „Nachkommin italienischer Karolinger und der Markgrafen von Friaul“ (G. Wolf). Hzg. Heinrich von Bayern, der jüngere Bruder Ottos des Großen, suchte die Pläne L.s zu vereiteln. Dieser mußte ohne Erfolg umkehren und sich dem Heer seines Vaters anschließen. Nachdem Kg. Otto in zweiter Ehe Adelheid von Burgund geheiratet hatte, verließ L. im Dez. 951 den Hof und feierte das Weihnachtsfest zusammen mit unzufriedenen Großen im thüringischen Saalfeld. Auf einem Reichstag zu Augsburg im Aug. 952 erhielt Hzg. Heinrich die Marken Verona und Aquileja mit Istrien, während L. leer ausging. Er sah sich durch Heinrich und Adelheid um seinen Einfluß am Hof gebracht und fürchtete, als dem König Ende 952 ein Sohn geboren wurde, um seine eigene Thronfolge. Hierin lag wohl das Hauptmotiv dafür, daß sich L. mit seinem Schwager, dem von Otto dem Großen enttäuschten Hzg. Konrad dem Roten von Lothringen, und bald auch mit EB Friedrich von Mainz zu offener Revolte – seit März 953 – verband. Schwaben und weithin auch Franken traten auf die Seite der Aufständischen, wogegen diese in Sachsen und Bayern nur über begrenzten Anhang verfügten und Lothringen dem König treu blieb. L. und Konrad zwangen Otto den Großen in Mainz, ein Pactum abzuschließen, welches wohl den Einfluß Hzg. Heinrichs beseitigen und die Thronfolge des Schwabenherzogs sichern sollte. Die Aufrührer erklärten, sie hätten die Waffen nicht gegen den König, sondern nur gegen den Bayernherzog erhoben. Ob L. eine andere Konzeption von Wesen und Vollmacht der königl. Gewalt vertrat als Otto der Große (H. Naumann), bleibt zweifelhaft. Der König widerrief den Mainzer Vertrag und forderte L. vergeblich auf, sich vor einem Reichstag in Fritzlar zu verantworten. Während die Verschwörer zeitweise in Mainz belagert wurden, griff der Aufstand in Bayern um sich. L. besetzte zusammen mit dem bayer. Pfalzgf. Arnulf die Stadt Regensburg. Als Anfang 954 die Ungarn in Bayern und Schwaben einfielen, nahm L. Kontakt zu ihnen auf und wies ihnen sogar Führer zu, die sie nach Franken geleiteten. Dieses Verhalten hatte zur Folge, daß viele seiner Anhänger zu Otto dem Großen übergingen. Während Konrad der Rote und EB Friedrich sich in Langenzenn b. Fürth dem König unterwarfen, verließ L. diesen Ort heimlich und besetzte von neuem Regensburg, wo er im Sommer 954 belagert wurde. Der weitere Widerstand erwies sich indes als sinnlos, weil die Rebellion ihren Rückhalt im Volk verloren hatte. L. eilte schließlich nach Thüringen und warf sich in Saufelden (dem heutigen Thangelstedt) als Büßer dem Vater zu Füßen. Auf einem Reichstag zu Arnstadt im Dez. 954 mußte er auf sein Herzogtum verzichten, behielt aber seine Eigengüter. EB Brun von Köln richtete den entmutigten Königssohn wieder auf. 955 nahm L. an einem Slawenkrieg teil. Im Sept. 956 wurde er von Otto nach Oberitalien gesandt, das ihm wohl als Unterkönigreich zugedacht war. L. zog in Pavia ein und besiegte Berengar von Ivrea. Als er schon an die Rückkehr dachte, wurde er von einem Fieber dahingerafft. – Ob der Liudolfinische Aufstand „letztlich auf persönlichen Beweggründen beruhte“ (R. Holtzmann, ist umstritten. Die Zeitgenossen brachten L., „mit Recht allen Völkern teuer“, vielfach Sympathie entgegen. Sein Bild lebte weiter in der Sage vom Hzg. Ernst, die unterschiedliche Stoffe vereinte und in der Zeit vom 12. bis zum 15. Jh. eine Reihe von literarischen Bearbeitungen fand.

  • Literatur

    ADB 19;  J. F. Böhmer u. E. v. Ottenthal, Die Regg. d. Kaiserreichs unter Heinrich I. u. Otto I., 1893, 21967;  R. Köpke u. E. Dümmler, Kaiser Otto d. Gr., 1876, 21962;  R. Holtzmann, Gesch. d. sächs. Kaiserzeit, 1941;  G. Warnke-Zoller, König u. Herzog, Diss. Freiburg/Br. 1947 (ungedr.);  R. Schweighöfer, Die Eigenmächtigkeit d. dt. Fürsten im Spiegel d. auswärtigen Politik, Diss. Frankfurt 1957 (ungedr.);  G. Wolf, Über d. Hintergründe d. Erhebung L.s v. Schwaben, in: ZSRG 80, 1963, S. 315-25;  H. Naumann, Rätsel d. letzten Aufstandes gegen Otto I., in: Archiv f. Kulturgesch. 46, 1964, S. 133-84;  K. Bosl, in: Rößler-Franz2;  H. Maurer, Der Hzg. v. Schwaben, 1978 (L);  K. J. Leyser, Rule and Conflict in an Early Medieval Society: Ottonian Saxony, 1979;  A. Wolf, Wer war Kuno v. Öhningen?, in: DA 36, 1980, S. 25-83;  E. Hlawitschka, Wer waren Kuno u. Richlind v. Öhningen?, in: ZGORh 128, 1980, S. 1-49;  H. C. Faußner, Kuno v. Öhningen u. s. Sippe in otton.-sal. Zeit, in: DA 37, 1981, S. 20-139;  H. Szklenar u. H.-J. Behr, Hzg. Ernst, in: Vf.Lex. d. MA2 III;  F. - R. Erkens, Fürstl. Opposition in otton.-sal. Zeit, in: Archiv f. Kulturgesch. 64, 1982, S. 307-70 (L).

  • Autor

    Karl Schnith
  • Empfohlene Zitierweise

    Schnith, Karl, "Liudolf" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 717 f. [Onlinefassung]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd130875791.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

Liudolf, Herzog von Schwaben

  • Leben

    Liudolf, Herzog von Schwaben, 957. Im J. 930 als erster echter Sohn Kaiser Otto's des Großen aus dessen Ehe mit Edith, Tochter König Eduards von England, geboren, erhielt er 946 durch einen feierlichen Eid der Großen des Reichs die Nachfolge in letzterem zugesichert. Schon zuvor, im J. 939, war er mit der einzigen Tochter und Erbin des an Geld und Gut reichen Herzog Hermanns I. von Schwaben, der schönen und vielgepriesenen Ida, verlobt worden und bekam, wahrscheinlich im J. 947 mit ihr vermählt, nach seines Schwiegervaters Tode im Februar 950 von seinem Vater die Belehnung mit Schwaben sammt Kurrhätien. Als Otto im J. 951 nach Italien aufbrach, eilte ihm L. ohne Ermächtigung und vorschnell mit einem kleinen schwäbischen Heere voraus, um die italienischen Städte zur Unterwerfung zu bringen, wol auch um für sich an Land und Macht zu gewinnen, jedoch mit nur geringem Erfolg, da der ihm mißgünstige jüngere Bruder seines Vaters, Herzog Heinrich I. von Baiern, durch vorausgesandte Boten vor seiner Aufnahme gewarnt und ihm überall Widerwärtigkeiten bereitet hatte, sodaß er dem Vater wieder rückwärts entgegenziehen mußte. Mißvergnügt über die zweite Ehe, welche Otto nach Ediths Tod nunmehr mit der Wittwe König Lothars von Italien, der schönen Adelheid, einging, sowie über den bedeutenden Einfluß Adelheids und Heinrichs bei seinem Vater, verließ er ohne Wissen des letzteren Italien und verständigte sich um Weihnachten des Jahres im thüringischen Saalfeld insgeheim mit dem Erzbischof Friedrich von Mainz und anderen unzufriedenen Großen des Reichs. Indeß fuhr Herzog Heinrich fort, gegen ihn Umtriebe zu machen, und das verbreitete Gerücht, die Thronfolge, die bisher ihm bestimmt gewesen, sei jetzt einem jüngeren Sohne Otto's von Adelheid zugedacht, reizten ihn auch gegen den Vater. Er erhob sich plötzlich in der Fastenzeit des J. 953 mit seinem Schwager, dem lothringischen Herzog Konrad, der seinem Schwiegervater gleichfalls grollte, und sie riefen ihre Genossen in Franken. Sachsen und Baiern unter die Fahnen. In Mainz erschienen L. und Konrad selbst bei Otto, der sich völlig in ihrer Gewalt befand, mit der Versicherung, daß sie nicht gegen ihn die Waffen ergriffen hätten, sondern nur gegen Heinrich, welchen sie gerne festgenommen haben würden, und erreichten von dem bedrängten König die Gewährung ihrer Wünsche zugesagt. Allein sobald Otto wieder frei war, nahm er seine Zusage als erzwungen zurück und berief einen allgemeinen Reichstag zum Gericht über die Aufrührer nach Fritzlar, auf welchem (vielleicht im Mai) Konrad und L., wie es scheint, geächtet und ihrer Herzogthümer entsetzt wurden. Es entbrannte nun ein lebhafter Kampf, in welchem die Empörer den größten Theil der Schwaben und den Pfalzgrafen Arnulf aus der früheren Herzogsfamilie Baierns zu ihren Anhängern zählten, während in jener Landschaft namentlich Bischof Ulrich von Augsburg und sein Bruder Graf Dietbald dem Könige getreu blieben. Hauptepisoden des Kampfes sind: die vergebliche längere Belagerung von Mainz, der Stadt des insgeheim jedenfalls zu den Feinden des Königs haltenden Erzbischofs Friedrich und dem Hauptwaffenplatz der Empörer, durch Otto; ein besonders wieder durch Heinrichs Bemühung mißglückter Versuch der Versöhnung im königlichen Lager vor der Stadt, die Plünderung Augsburgs durch den Pfalzgrafen und Vertheilung der bischöflichen Güter durch L. unter seine Anhänger; ein siegreicher Ueberfall seitens der Königlichen über den Pfalzgrafen bei der von letzterem belagerten Feste Mantahinga (954), worauf Bischof Ulrich wieder in den Besitz Augsburgs kam; ferner, nachdem sich zu Langenzenn (westlich von Nürnberg) Erzbischof Friedrich und Herzog Konrad unterworfen hatten und wieder zu Gnaden angenommen worden waren, ein heftiger Zusammenstoß zwischen dem König und dem durch Herzog Heinrich aufs neue gereizten L. bei Horsedal (heutzutage Roßstall, etwas westlich von Nürnberg), eine wiederholte Belagerung der in die Hand der Empörer gefallenen baierischen Hauptstadt Regensburg, durch den König, welche viel Blut und bei einem Ausfall der Belagerten das Leben Arnulfs kostete; endlich die Begegnung von Vater und Sohn bei Illertissen, wo, als die Heere handgemein werden wollten, die Bischöfe Ulrich von Augsburg und Hartbert von Chur beide milder stimmten und einen Vergleich zu Stande brachten. Ehe die zu vollständiger Erledigung der Sache nach Fritzlar berufene Versammlung stattfand, erschien L. bei seinem Vater zu Saufeld (dem heutigen Thangelstedt, südlich|von Weimar), warf sich mit entblößten Füßen vor ihm nieder und erhielt Verzeihung. Auf dem Reichstage zu Arnstadt wurde er, wie Konrad, den 17. Dec. 954 noch öffentlich und feierlich begnadigt und im Besitz seiner Eigengüter gelassen, wogegen er seinem Herzogthum und seinen lehensherrlichen Rechten förmlich entsagen mußte. Zwar wurde in neuerer Zeit L. bei diesem Aufstand eine Opposition gegen seines Vaters universalistische Tendenzen unterlegt, allein richtiger möchte die früher allgemeine Ansicht sein, wornach seine Empörung wesentlich aus persönlichen Motiven hergeleitet (mochten sich auch an die einmal begonnene Auflehnung noch mannigfache andere Interessen anlehnen) und mit den mehrfachen Aufständen deutscher Stammesfürsten aus jener Zeit auf eine Stufe gestellt wird. — König Otto wies dem Sohne im J. 955 an seiner Seite einen Wirkungskreis im Slavenkriege an, 956 einen solchen in Italien. Hier erzielte er gegenüber den Königen Adalbert und Berengar glänzende Erfolge, wurde jedoch schon am 6. Sept. 957 zu Piumbia im Gebiet von Novara durch ein Fieber weggerafft und in der St. Albanskirche zu Mainz beerdigt. Allen Zeitgenossen, Deutschen wie Italienern, erschien das frühe Ende des hochgepriesenen Königssohnes bejammernswerth; "so oft wir an den Verlust denken, entströmen uns Thränen, o wärest du nie geboren oder nicht so früh gestorben", wird geklagt. Ja noch in folgenden Jahrhunderten feierten ihn Volkslieder, verschmolzen jedoch seine Gestalt mit der des späteren schwäbischen Herzogs Ernsts II., der im Aufruhr gegen seinen Stiefvater, Kaiser Konrad II., seinen Untergang fand. Außer seiner Wittwe überlebten L. zwei Kinder: Mathilde, in der Folge Aebtissin von Essen, und Otto, später gleichfalls Herzog von Schwaben.

    • Literatur

      Chr. Fr. Stälin, Wirtembergische Geschichte, 1. Bd., 1841. Köpke-Dümmler, Jahrbücher der Deutschen Geschichte. Kaiser Otto der Große. Leipzig 1876. v. Giesebrecht, Geschichte der Deutschen Kaiserzeit, 1. Bd., 5. Aufl., Braunschweig 1881.

  • Autor

    P. Stälin.
  • Empfohlene Zitierweise

    Stälin, P., "Liudolf" in: Allgemeine Deutsche Biographie 19 (1884), S. 6-8 [Onlinefassung]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd130875791.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA