Lebensdaten
1229 bis 1294
Geburtsort
Heidelberg
Sterbeort
Heidelberg
Beruf/Funktion
Pfalzgraf bei Rhein ; Herzog von Bayern
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119431386 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Ludwig der Strenge
  • Ludwig II. der Strenge
  • Ludwig
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Ludwig II., Indexeintrag in: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd119431386.html [05.12.2016].

CC0

Ludwig II. der Strenge

Pfalzgraf bei Rhein und Herzog von Bayern (seit 1253), * 13.4.1229 Heidelberg, 1. oder 2.2.1294 Heidelberg.

  • Genealogie

    Aus d. Geschl. d. Wittelsbacher; V Otto II. ( 1253), Pfalzgf. b. Rh. u. Hzg. v. B.; M Agnes ( 1267), T d. Pfalzgf. Heinrich b. Rh. ( 1227, s. NDB VIII); B Hzg. Heinrich XII. v. (Nieder-)Bayern ( 1290, s. NDB VIII); Schw Elisabeth ( 1273, 1] Kg. Konrad IV., 1254, s. NDB XII, 2] Meinhard II., 1295, Hzg. v. Kärnten, Gf. v. Tirol), Sophie ( Gebhard VI., 1275, Gf. v. Sulzbach); - 1) 1254 (verlobt 1236) Maria (um 1226–56, enthauptet), T d. Hzg. Heinrich II. v. Brabant ( 1248, s. NDB VIII), 2) 1260 Anna (um 1240–71), T d. Hzg. Konrad II. v. (Schlesien-) Glogau ( 1273/74), 3) 1273 Mechthild (um 1251–1304), T d. Kg. Rudolf I. (v. Habsburg, 1291); 1 S, 2 T aus 2), u. a. Ludwig (1267–90), 2 S, 3 T aus 3), u. a. Rudolf I. (1274–1319), Pfalzgf. b. Rh. u. Hzg. v. (Ober-) Bayern, Kaiser Ludwig d. Bayer ( 1347, s. NDB 15), Mechthild ( Hzg. Otto II. v. Braunschweig-Lüneburg, 1330), Agnes ( 1) Landgf. Heinrich II. v. Hessen, 1298, 2] Mgf. Heinrich I. v. Brandenburg-Landsberg, 1318).

  • Leben

    L. übernahm nach dem Tod des Vaters am 29.11.1253 gemeinsam mit seinem Bruder Heinrich die Herrschaft über Bayern und die Pfalz. Erst kurz vorher hatte er die Schwertleite zu (Alt- oder Neu-) Ötting erhalten. Er hatte sich aber schon seit 1246 militärisch bewährt und war längst mit den expansiven Herrschaftspraktiken seines Vaters vertraut. Die beiden Brüder versprachen sich noch 1254, ihre Herrschaft gemeinsam auszuüben. Als die Konflikte sich mehrten, schritten sie am 28.3.1255 zur Herrschaftsteilung, wobei das Herzogtum Bayern – gegen Reichsrecht – aufgeteilt wurde. L. behielt die rhein. Pfalz und das westliche, „obere“ Bayern, das vom Oberpfälzer Wald bis zu den Kitzbüheler Alpen reichte. In diesem Bereich lagen die meisten neugewonnenen Stammgüter der im 13. Jh. ausgestorbenen großen bayer. Adelsgeschlechter; das „obere“ Bayern grenzte auch an den Ostsaum der stauf. Reichsländer. Trotz der Teilung blieb die ideelle Einheit des wittelsbach. Hausbesitzes erhalten.

    L. hat seinen Territorienbereich mit allen Machtmitteln ausgedehnt, wobei ihm zugute kam, daß die großen Konflikte mit den bayer. Bischofskirchen schon ausgetragen und zugunsten der Herzöge entschieden waren, so daß die Bischöfe die durch Aussterben großer Adelsgeschlechter freigewordenen Kirchenlehen und Vogteien weitgehend den Herzögen zu übertragen gezwungen waren. L. bediente sich darüber hinaus auch des Aufkaufs von Herrschaftsteilen, um sein Teilherzogtum abzurunden.

    In der rhein. Pfalz setzte L. die Territorialpolitik seines Vaters Otto konsequent und energisch fort. Auch hier stand sie unter dem Zeichen eines territorialen Aufbaus und innerer Konsolidierung, des Besitzerwerbs ebenso wie intensiver Bündnis-, Lehens- und Landfriedenspolitik. Einen schon traditionell hartnäckigen Gegner fand der Pfalzgraf im Mainzer Erzbischof. Sehr rigide war L.s Politik gegenüber dem Wormser Bischof, gegenüber dem Speyerer war sie eher gemäßigt. In den Pfälzer Einflußzonen vermochte L. einen Burgmannenverband zu schaffen, dem eine ganze Reihe gräflicher Dynasten angehörte, so daß den pfälz. Herrschaftskernen vorgelagerte Zonen entstanden, die politisch weitgehend neutralisiert werden konnten.

    Die weitgespannten politischen Interessen L.s haben ohne Zweifel die Intensivierung einer „zentralen“ Verwaltung besonders in Bayern notwendig gemacht. Gegen Ende seiner Regierungszeit schälte sich deutlich ein bestimmter Personenkreis als „Rat“ heraus. Seit 1280 wurde der bayer. Landesteil L.s – nach älteren Ansätzen – eingeteilt in zwei Vicedomsämter, die zur neuen räumlichen Gliederung Oberbayerns beitrugen und vor allem ein wichtiges Instrument der Friedenswahrung wurden. Schließlich installierte L. auch einen eigenen Vicedom am Rhein. In der Kanzlei L.s zeigte sich deutlich ein neuer, nüchterner Geschäftsstil. Der wirtschaftlichen „Berechenbarkeit“ des Landes dienten zwei Urbare, eines für das Gebiet nördlich und ein zweites für das Gebiet südlich der Donau, die in den 70er/80er Jahren entstanden, ferner ein Rechnungsbuch. Die häufige Behauptung, daß L. München 1255 zur „Residenzstadt“ erkoren habe, läßt sich nicht halten. Erst in den 70er Jahren wird es zunehmend Ausstellungsort von Urkunden L.s. Aber auch am Ende seiner Regierungszeit ist München nur eine bevorzugte Aufenthaltsstadt des Herzogs. L. war der letzte große Städtegründer In den wittelsbach. Territorien.

    L.s Reichspolitik: Zeitlebens war L. in der Reichspolitik aktiv. Sein Verhältnis zu Königtum und Reich war grundgelegt durch die Königsnähe seines Vaters in dessen späterer Regierungszeit. Es war auch bestimmt durch die Tatsache, daß L. Vormund des letzten Staufers Konradin wurde. Elisabeth, die Schwester L.s, Gemahlin Kg. Konrads IV., brachte 1252 Konradin auf der bayer. Burg Wolfstein b. Landshut zur Welt, verlor aber ihren Mann bereits 1254. Als sich Elisabeth 1259 zu München mit Gf. Meinrad II. von Görz und Tirol vermählte, kam Konradin ganz in die Obhut L.s, der ein entschiedener Verteidiger der Rechte und Erbansprüche seines Mündels gegenüber dem Papst und allen Thronkandidaten wurde, so 1256/57|nach dem Tode Kg. Wilhelms (von Holland). Zunächst faßte er – gestützt auf eine größere stauf. Partei im Reich – die Wahl seines Neffen Konradin ins Auge. Als er die Chancenlosigkeit seines Vorhabens erkannte, entschied er sich am 13.1.1257 für Richard von Cornwall, wohl weil dieser den Anspruch des Staufersohns auf Sizilien weniger gefährdete als Alfons X. von Kastilien. Die schwierige Wahlprozedur führte zur Entstehung des Kurfürstenkollegs, an der L. offenbar maßgeblich beteiligt war. L. gab bei dieser Wahl die Rechtsansprüche seines Mündels nicht preis. Seine gleichzeitig geplante Heirat mit einer englischen Prinzessin zerschlug sich zwar, doch blieben L. immer noch wertvolle finanzielle Wahlgeschenke und der Vorteil, daß der gewählte König kaum politischen Einfluß auf den rechtsrheinischen Raum hatte. Als Richard von Cornwall seit 1262 in engl. Probleme verwickelt wurde und 1264 zudem in Gefangenschaft geriet, wurde L. wieder zugunsten Konradins aktiv. – L. vermochte schon bei der Königswahl 1257 seinem Neffen gegen beträchtliche Widerstände das Herzogtum Schwaben einigermaßen zu sichern. Als Konradin 1262 de facto schwäb. Herzog war, unterstützte ihn L. tatkräftig bei der Rückeroberung stauf. Positionen in Süddeutschland. Dies brachte Konradin nicht nur die Hochstiftsvogtei über Augsburg, sondern auch das Truchsessenamt und die damit verbundenen Lehen des Hochstifts Bamberg.

    Als L. gemeinsam mit dem Mainzer Erzbischof und anderen Fürsten nach dem Tod Manfreds 1266 nochmals die Wahl Konradins zum deutschen König betrieb, wurden diese Pläne durch Kg. Ottokar von Böhmen im Verein mit der Kurie vereitelt. Seitdem aber förderte L. mit großen finanziellen Mitteln und auf diplomatischem Wege den Italienzug Konradins, der das Königreich Sizilien zurückzugewinnen hoffte. L. begleitete seinen Neffen freilich nur bis Verona, wo ihm Anfang 1268 wohl die Tollkühnheit des Unternehmens offenbar wurde. Der kühl berechnende Herzog hatte sich vorher entsprechende Sicherheiten von Konradin geben lassen: Er ließ sich und seinen Bruder zum Universalerben Konradins erklären und für die vorgestreckten Geldsummen Konradins Besitzungen verpfänden. Nach Konradins Tod 1268 fiel somit wohl der bedeutendste Gebietskomplex unter allen Erwerbungen des 13. Jh. an die beiden wittelsbach. Brüder, auch wenn sie im wesentlichen nur Konradins Eigenbesitz, nicht dessen Lehen (Ausnahme: Bamberger Truchsessenamt) erwerben konnten. Dieser Erwerb zeigt am deutlichsten die inneren Verflechtungen von Reichs- und Territorialinteressen L.s.

    Nach dem Tode Kg. Richards von Cornwall 1272 trug sich L. für kurze Zeit mit dem Plan einer eigenen Thronkandidatur. Als er die Unmöglichkeit einer Realisierung erkannt hatte, schloß er sich nicht dem Thronbewerber Ottokar von Böhmen an, obwohl er diesem mächtigen Beherrscher des Südostens seit seiner zweiten Ehe mit Anna von Schlesien-Glogau (die mit Ottokar verwandt war) nahestand und in ihm mit Recht den einzigen erfolgreichen Gegner seines ungeliebten Bruders Heinrich XII. von Niederbayern sah. Vielmehr optierte er gemeinsam mit den rhein. Erzbischöfen für Gf. Rudolf von Habsburg. In Frankfurt vollzog L. als Pfalzgraf am 1.10.1273 für alle anwesenden Kurfürsten die Wahl Rudolfs. Für seinen Einsatz wurde er vom neuen König belohnt, indem er am Tage der Königskrönung Rudolfs zu Aachen (24.10.1273) Mechthild, die Tochter des Königs, zur Frau erhielt und gleichzeitig die Bestätigung des konradinischen Erbes. L. blieb seither stets in engem Kontakt zu Kg. Rudolf und setzte seine ganze Kraft – notfalls auch militärisch – für ihn ein. Es ist bezeichnend, daß er häufiger als jeder andere Reichsfürst die Hoftage Rudolfs besucht hat. Im Interesse des Königs brach er schließlich auch mit Ottokar von Böhmen, der für ihn als Gegengewicht gegen den niederbayer. Bruder so wichtig gewesen war. – L. unterstützte Kg. Rudolf besonders bei dessen Bemühungen um die Festigung der Reichsgewalt sowie bei der Belehnung der habsburg. Söhne mit Positionen im österr. Raum. Mit Recht hat man daher L. als einen der Mitbegründer der habsburg. Hausmacht bezeichnet. Mit Einverständnis L.s, der bereits als Pfalzgraf Kurfürst war und der aus Rivalität zu seinem Bruder Heinrich jede Standeserhöhung des Niederbayern ablehnte, konnte Kg. Rudolf Bayern 1289/90 endgültig die Stimme bei der Kur des Königs entziehen und für den König von Böhmen reservieren.

    Während des Interregnums nach Kg. Rudolfs Tod 1291 versuchte L. in seiner Eigenschaft als Pfalzgraf und damit als Reichsvikar, im Gebiet der ostschwäb. Landvogtei um Augsburg als Reichsverweser aufzutreten und eine Landfriedensordnung zu schaffen, die aber den Augsburger Bischof auf den Plan rief. Das pfälz. Reichsvikariat diente dem Wittelsbacher also auch dazu, die aus der „konradinischen Erbschaft“ resultierenden Ansprüche in Schwaben durchzusetzen. – In|der Nachfolgefrage favorisierte er als Pfalzgraf und Reichsvikar entschieden Albrecht, den Sohn Rudolfs, doch mußte er sich den Interessen der anderen rhein. Kurfürsten beugen und wählte mit ihnen 1292 Gf. Adolf von Nassau als Nachfolger Rudolfs von Habsburg. Mit dem neuen König, von dem er sich umgehend 3 000 Mark Wahlkosten ersetzen ließ, pflegte L. zunächst kaum politische Kontakte.

    L.s politischer Einsatz im Reich hat seinen Territorien in der rhein. Pfalz und in Bayern erhebliche Vorteile und Gewinne gebracht. – In die Geschichtsschreibung ging L. als „der Strenge“ ein; er war zweifellos ein jähzorniger, hart zupackender Fürst, der aber nicht nur taktieren konnte, sondern auch Weitsicht und politisches Format bewies. Der Beiname wurde ihm aufgrund der Enthauptung seiner des Ehebruchs verdächtigten ersten Gemahlin Maria (18.1.1256) gegeben. Als Buße für diese Rachetat stiftete er das Kloster Fürstenfeld, das auch seine Begräbnisstätte und die seiner Gemahlinnen wurde.

  • Literatur

    ADB 19; L. Häusser, Gesch. d. Rhein. Pfalz I, 1845; S. v. Riezler, Gesch. Baierns II, 1880; O. Redlich, Rudolf v. Habsburg, 1903; M. Spindler, Die Anfänge d. bayer. Landesfürstentums, 1937; ders., Behauptung d. Teilherzogtümer nach außen u. Festigung im Innern in d. 2. Hälfte d. 13. Jh., in: ders. (Hrsg.), Hdb. d. bayer. Gesch. II, 1966, S. 73-103; B. Huesmann, Die Fam.pol. d. bayer. Herzöge v. Otto I. bis auf Ludwig d. Bayern, 1940; E. Klafki, Die pfälz. Erbhofämter, 1966; W. Volkert, Die ältesten Herzogsurbare, in: Bll. f. oberdt. Namenf. 1966, S. 1-32; Hist. Atlas v. Bayern, T. Altbayern, 1950 ff.; A. Gerlich, Rhein. Kurfürsten u. dt. Königtum im Interregnum, in: Festschr. J. Bärmann II, = Gesch. Landeskde. 3, 1967, S. 44-126; ders., Die rhein. Pfalzgfsch. in d. frühen Wittelsbacherzeit, in: H. Glaser (Hrsg.), Die Zeit d. frühen Herzöge, = Wittelsbach u. Bayern I, 1, 1980, S. 201-22; A. Kraus, Das Hzgt. d. Wittelsbacher: Die Grundlegung d. Landes Bayern, ebd., S. 165-200; G. Hödl, Bayern, Österreich u. d. Steiermark in d. Zeit d. frühen Wittelsbacher, ebd., S. 295-306; S. Hofmann, Urkk.wesen, Kanzlei u. Regierungssystem d. Herzoge v. Bayern u. Pfalzgrafen bei Rhein v. 1180/1214 bis 1255/94, 1967; G. Schwertl, Die Beziehungen d. Herzöge v. Bayern u. Pfalzgrafen bei Rhein z. Kirche (1180–1294), 1968; Stauf. Erbe im bayer. Herzogtum (Kat. d. Konradin-Ausst. München), 1968; P. Fried, Zur „staatsbildenden“ Funktion d. Landfrieden im frühen bayer. Territorialstaat, in: Festschr. f. M. Spindler, 1969, S. 283-306; W. Giese, Der Reichstag vom 8.9.1256 u. d. Entstehung d. Alleinstimmrechts d. Kurfürsten, in: DA 40, 1984, S. 562-90.

  • Portraits

    Stifterfigur (Eichenholz) aus d. Kloster Fürstenfeld, Anf. 16. Jh. (München, Bayer. Nat.mus.), Abb. in: Wittelsbach u. Bayern I, 1, 1980.

  • Autor

    Wilhelm Störmer
  • Empfohlene Zitierweise

    Störmer, Wilhelm, "Ludwig II." in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 357-360 [Onlinefassung]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd119431386.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

Ludwig II., Herzog von Baiern

  • Leben

    Ludwig II., Herzog von Baiern und Pfalzgraf bei Rhein (29. Novbr. 1253 bis 1. Februar 1294), zu Heidelberg von Agnes von der Pfalz geboren, wurde im 25. Lebensjahre durch den plötzlichen Tod seines Vaters Otto II. zur Regierung berufen. Erst einige Monate vorher hatte er, mit diesem auf einem Kriegszuge nach Steiermark begriffen, zu Oetting seine Schwertleite gefeiert, wiewol er im Kriege längst kein Neuling mehr war. Er hatte 1246 an der Seite König Konrads gegen den Thüringer Landgrafen gefochten, das Jahr darauf in der Heimath den Grafen Konrad von Wasserburg bezwungen, 1250 die oberösterreichischen Ministerialen bekämpft, die sich seinem zum Reichsverweser in Oesterreich bestellten Vater nicht unterwerfen wollten. Damals belagerte er einige Burgen an der Enns und um Linz, brachte aber mehr durch Geldversprechungen, wie es scheint, als durch die Waffen einige der Herren zu einer übrigens nicht nachhaltigen Anerkennung des wittelsbachischen Regiments unter kaiserlicher Oberhoheit. Im Kriege gegen den Bischof Albert von Regensburg bemächtigte er sich 1251 durch nächtlichen Ueberfall der Burg Teisbach. Mit diesem Kirchenfürsten Frieden zu schließen und hierdurch seine Lande von dem Interdicte zu|befreien, das Albert über sie verhängt hatte, war die erste Sorge seiner Regierung. Es geschah durch einen im November 1253 zu Straubing geschlossenen Vertrag. Bald folgte auch der Frieden mit Philipp von Salzburg. Der wittelsbachischen Macht aber schlug gleich zu Anfang dieser Regierung die erste bairische Landestheilung eine unheilbare Wunde; es war ein für Baiern verhängnißvoller und zugleich das Reichsrecht verletzender Schritt, zu dem sich L. und sein jüngerer Bruder Heinrich XIII. um Ostern 1255 entschlossen, indem sie ihre Lande in der Weise theilten, daß Heinrich Niederbaiern, L. Oberbaiern und die Pfalz für sich nahm. Als Herr des letzteren Landes trat L. vor October 1256 dem rheinischen Städtebunde bei. Ludwigs Reichspolitik war durch seine verwandtschaftlichen Verhältnisse klar vorgezeichnet: Konradin, der Erbe der staufischen Ansprüche, war der Sohn seiner Schwester und wurde unter seiner Vormundschaft am bairischen Hofe erzogen. Alle Rechte seines Mündels, auch die auf Sicilien und Schwaben, sollten nach Ludwigs Absicht gewahrt bleiben, und da die Curie anders gesinnt war, scheiterten die Unterhandlungen, die Papst Alexander IV. wegen Konradins Stellung am bairischen Hofe anknüpfte. Nach dem Tode Wilhelms von Holland faßten die Wittelsbacher die Wahl ihres Neffen zum deutschen Könige ins Auge; erst als sich ihre Unmöglichkeit erwiesen hatte, ließ sich L. für Richard von Cornwallis gewinnen, für den als Unterhändler Johann von Avesnes im November 1256 auf Ludwigs Burg Fürstenberg bei Bacharach erschien. L. gelobte dem Engländer seine Stimme zu geben und eine Tochter oder Nichte desselben zu ehelichen, erhielt dagegen, falls die Wahl gelänge, für sich 12,000 Mark Sterling zugesagt und für seinen Mündel das Gelöbniß, daß Richard dessen Ansprüchen auf Sicillien nicht entgegentreten und sein Recht auf Schwaben schirmen werde. Unter Ludwigs Betheiligung kam dann Richards Wahl zustande. Damals lastete auf L. schon schwere Blutschuld: Beleidigter und Richter in einer Person, hatte er seine Gemahlin Marie von Brabant auf den Verdacht des Ehebruchs hin in Donauwörth enthaupten lassen (18. Januar 1256). Die Buße, welche ihm die Kirche hierfür auferlegte, gab Anlaß zur Begründung des Klosters Fürstenfeld bei München und sowol diese Handlung der Sühne als der Umstand, daß L. einer Tochter aus seiner zweiten Ehe den Namen der Gemordeten gab, deuten darauf, daß er später selbst an die Unschuld der Getödteten glaubte. Auch auf seinem Feldzuge gegen die Böhmen 1257 erwies sich L. als jähzorniger und grausamer Charakter — "Strenge", wonach ihm Neuere den unterscheidenden Beinamen zulegten, ist wol nicht der zutreffende Ausdruck —, als er bei Mühldorf einen Thurm, in den sich fliehende Feinde zusammengedrängt hatten, erbarmungslos in Brand stecken ließ. Uebrigens entschied er damals durch die Raschheit, mit der er vom Rheine her seinem von König Ottokar angegriffenen Bruder zu Hilfe eilte, den Feldzug zu Ungunsten der Böhmen, die auf der Flucht bei Mühldorf, zum Theil durch den Zusammenbruch der Innbrücke, schwere Verluste erlitten. Es scheint, daß Ottokar im Frieden einige Grenzplätze an Baiern abtreten mußte. Bald aber vertauschten Ludwigs Verbündeter und Gegner von diesem Kriege ihre Rollen. Eine Menge von Streitigkeiten zwischen den Brüdern knüpfte sich an die Landestheilung, zumal bereute Heinrich, L. die Pfalz überlassen zu haben, und wiewol im Januar 1262 seine Ansprüche auf dieses Land durch ein Schiedsgericht zurückgewiesen wurden, war es um die Eintracht der Brüder seitdem auf lange Zeit geschehen. Ihr Zwiespalt trat auch in dem Salzburger Kirchenstreite zwischen Philipp und Ulrich zu Tage, wo L. den ersteren, Heinrich Ulrich unterstützte. Dagegen ward L. durch seine zweite Ehe mit Anna von Schlesien-Glogau (1260) zum Anschlusse an Ottokar geführt, der mit der Braut verwandt war und ihm dieselbe wahrscheinlich verschasst hatte; ist eine vereinzelte Nachricht richtig, so hat L.|schon 1260 zur Unterstützung des Böhmenkönigs ein starkes Heer nach Oesterreich geführt und sicher ist, daß Heinrich von Niederbaiern 1266 gegenüber dem Angriffe Ottokars und des Bischofs von Passau von seinem Bruder nicht unterstützt und daß L. noch in dem böhmisch-ungarischen Frieden von 1271 als Freund Ottokars genannt wurde. Mittlerweile hatte L. in Baiern wie in der Pfalz Fehden mit Nachbarn durchzufechten. Dort war es das dem rheinischen Städtebunde beigetretene Regensburg, das sich gegen den Herzog erhob, als er vor dessen Thoren der Stadt zum Trotz eine Burg, Geiersberg, erbaut und in der Nähe die Burg Höfling besetzt hatte; nach schweren Kriegsschäden hüben wie drüben mußte sich L. im Frieden (3. März 1259) zur Zerstörung von Geiersberg und Räumung von Höfling bequemen. Glücklicher war er in der Pfalz im Kampfe mit Bischof Eberhard von Worms, der ihm im Frieden (November 1261) Neustadt a. d. Hardt herausgeben und Neckarau als Lehen übertragen mußte. Auch mit Engelbert von Köln hatte L. manche Reibereien, bis am 1. Juli 1262 ein Bündniß zwischen den beiden Fürsten zu Stande kam. Unterdessen wurde auf Ludwigs Schlössern die Erziehung des jungen Konradin vollendet und, wie dieser rühmte, von L. in väterlicher Weise so geleitet, als gälte sie seinem einzigen Sohne. Zur Wahrung der italienischen Rechte seines Mündels hatte L. (8. Mai 1261) Manfred und dessen Anhänger als Konradins Feinde erklärt und den Guelfen die Hoffnung auf dereinstiges Erscheinen des Staufers in Italien eröffnet. In Deutschland betrieben L. und die stauftsche Partei 1262 offen, doch wiederum ohne Erfolg, die Wahl Konradins. Dieser nahm damals von Schwaben Besitz und trat zugleich aus Ludwigs Obhut in jene des Bischofs Eberhard von Konstanz über. Nochmals näherte sich L. nach vorübergehender Entfremdung dem Könige Richard, dessen Hoflager in Boppard er im September 1262 besuchte. Nachdem derselbe im Frühling 1264 in England in Gefangenschaft gerathen war, betrachtete L. das Reich als erledigt und übernahm als Rheinpfalzgraf dessen Verwesung. Konradin hatte ihn im April 1263 für den Fall seines kinderlosen Todes zu seinem Universalerben eingesetzt und verpfändete ihm, als er sich 1266 Verlobte oder vermählte, für die bei diesem Anlaß gemachten Ausgaben eine Reihe von nordgauischen Gütern. Nachdem Manfred gefallen, war es neben dem Drängen italienischer Gesandtschaften besonders Ludwigs Ruth, der Konradin bestimmte den Waffengang um sein sicilisches Erbe zu wagen. Aus Ludwigs Mitteln ward auch der größte Theil der Auslagen bestritten, wie überhaupt seine Unterstützung des Unternehmens so bedeutend war, daß Papst Clemens dafür den Kirchenbann über ihn verhängte, der erst im Juli 1273 aufgehoben wurde. Als sich das Heer zum Aufbruch sammelte, war L. zugegen; nach Italien hat er es jedoch, wenn überhaupt, nur eine kurze Strecke weit begleitet. Vergebens rieth er dann, als sich schon in Verona alle Umstände widrig zeigten, zur Umkehr. Da sein Rath nicht durchdrang, streckte er gegen weitere Verpfändungen von Reichsgütern auch ferner die Kosten vor. Diese Pfänder konnten nie ausgelöst werden, Konradins Vermächtnisse blieben in Kraft und so brachte der Tod des unglücklichen Fürsten den bairischen Herzogen, ohne daß man ihnen vorwerfen dürfte dieses Ziel bei der Leitung ihres Mündels angestrebt zu haben, reiche Landerwerbungen, durch welche jedoch ein neuer Zankapfel zwischen die Brüder geworfen, auch ein Streit Ludwigs mit Bischof Hartmann von Augsburg wegen der Vogtei über dieses Bisthum veranlaßt wurde. Es entsprach den weit größeren Opfern, die L. für die staufische Sache gebracht hatte, daß er auch von den staufischen Erwerbungen mehr davontrug als sein Bruder. Auch durch Landankäufe war L. stets bedacht sein Territorium zu vergrößern und abzurunden und man findet, daß er lieber Schulden auf Schulden häufte, lieber selbst die herzoglichen Kleinode verpfändete, als daß er eine günstige Gelegenheit zu Landerwerb hätte vorübergehen lassen. Dem Könige Richard hatte sich L., nachdem derselbe befreit auf deutschen Boden zurückgekehrt war, wiederum enger angeschlossen, im April 1269 zu Worms seinem Reichstage beigewohnt und an der Erneuerung des rheinischen Landsriedens mitgewirkt. Nach Richards Tode konnte es L. bei der hervorragenden Stellung, die er unter den Reichsfürsten einnahm, nicht an Aussicht auf die Krone fehlen. Erzbischof Werner von Mainz, zu Konradins Lebzeiten neben L. Führer der staufischen Partei, dachte einige Zeit den Wittelsbacher auf den Thron zu bringen. Da aber die beiden anderen rheinischen Kurfürsten, sei es wegen Ludwigs allzu großer Macht, sei es wegen seiner staufischen Vergangenheit oder wegen der auf ihm lastenden Blutschuld, nicht für L. zu gewinnen waren, kam dieser (1. September 1273) mit Werner überein, entweder Sigfried von Anhalt oder Rudolf von Habsburg zu wählen. Ein Zerwürsniß, das zwischen dem letzteren und L. eben obwaltete, versprach der Mainzer beizulegen. Für den ungeschmälerten Fortbestand feiner Machtstellung aber forderte L., nachdem sich die Stimmung der Wähler für den Habsburger entschieden hatte, von diesem eine Bürgschaft und sie ward ihm zu Theil durch das Versprechen, daß Rudolfs Tochter Mechtild dem seit 1271 zum zweiten Male Verwittweten die Hand reichen sollte. Bei der Wahl übertrugen alle Wähler ihr Stimmrecht L., der nun Rudolf als König benannte. Am Tage der Krönung des Habsburgers (24. October) feierte er die Vermählung mit dessen Tochter Mechtild und bald erhielt er vom neuen Könige auch die Bestätigung des staufischen Erbes. Unter seiner Mitwirkung war so ein Oberhaupt gewonnen, das dem Reiche zu nützen versprach, ihm selbst aber zu Danke verpflichtet und durch Familienbande verknüpft war. Für die Unterstützung und Befestigung seines Schwiegervaters auf dem Königsthrone hat L. fortan ohne Wanken seine ganze Kraft eingesetzt. Er begleitete ihn (October 1275) zu der Zusammenkunft mit Papst Gregor nach Lausanne und gelobte dort gleich ihm einen Kreuzzug (der jedoch nachher von keinem der beiden Fürsten unternommen wurde). Auf Ludwigs Anregung wird es geschehen sein, daß der Papst einen Legaten nach Baiern sandte, der Heinrich von Niederbaiern versöhnlicher stimmen sollte. Wie sich das Verhältniß der Beiden weiter gestaltete, mag man in Heinrichs Biographie (Bd. XI, S. 467) nachlesen; hier sei hinzugefügt, daß die Streitigkeiten, um deren Schlichtung so viele Mittler und Schiedsrichter sich ohne dauernden Erfolg bemühten, auch nach Heinrichs Tode zwischen dessen Sohne Otto und L. sich fortsetzten. In dem glücklichen Feldzuge gegen den Markgrafen Rudolf von Baden focht L. an der Seite des Königs. Diesem zu Liebe brach er auch mit seinem bisherigen Bundesgenossen Ottokar von Böhmen. Nachdem er in seiner Eigenschaft als Pfalzgraf denselben vor das Reichsgericht geladen und den nicht Erschienenen zur Herausgabe der österreichischen Länder verurtheilt hatte, nahm er 1277 an dem Kriege, wodurch dieses Urtheil durchgeführt ward, hervorragenden Antheil; besonders rühmte man seine rechtzeitige Besetzung von Klosterneuburg, die dem Böhmen den Uebergang über die Donau verwehrte. Nach Ottokars Unterwerfung war L. einer der Schiedsrichter, die den Spruch fällten, daß Ottokar Böhmen und Mähren als Reichslande behalten dürfe, dagegen die österreichischen Länder dem Reiche zurückzustellen habe. Im Juli 1277 hatte L. das zwischen Rudolf und Ungarn geschlossene Bündniß besiegelt. Eine Verordnung, die Rudolf wahrscheinlich 1277 oder 1278 traf, beauftragte L. für den Fall seines Todes als Reichsvikar auch die österreichischen Fürstenthümer in seine Obhut zu nehmen. Als Ottokar 1278 nochmals losschlug, rückte L. von seinen rheinischen Landen her Rudolf zu Hilfe; wenn er zur Zeit der Entscheidungsschlacht bei Dürnkrut erst an der Enns stand, so genügt der Hinweis auf die Schnelligkeit, mit der dieser Krieg ausbrach und entschieden war, zur|Erklärung der Verspätung, während die Annahme eines absichtlichen Fernbleibens durch nichts begründet wird. Rudolf hatte seinen Schwiegersohn ersucht, ihm 140 Panzerrosse voraus zuzusenden, damit er in Ruhe seine und anderer Freunde Ankunft abwarten könne (vgl. Busson, Der Krieg von 1278, S. 23), und wir haben keinen Grund zu glauben, daß diese Hilfe nicht abgegangen sei. Im Juni 1281 begrüßte L. mit seinem Bruder den König in Regensburg und von dort ging er nach Wien, um sich Rudolfs Heerfahrt gegen den Markgrafen Otto von Brandenburg anzuschließen. Sie endete damit, daß L. im November den Frieden mit diesem Fürsten vermittelte. So viel bedeutete Ludwigs Unterstützung für Habsburg, daß man die Frage wol aufwerfen darf, ob ohne sie der habsburgisch-österreichische Staat zustande gekommen wäre. Vornehmlich durch seinen gewichtigen Einfluß, wie es scheint, wurden die anfangs dem Plane nicht geneigten Kurfürsten bestimmt in die Belehnung von Rudolfs Söhnen mit den österreichischen Ländern zu willigen. Auf dem Augsburger Reichstage von 1282, wo diese Belehnung vollzogen wurde, war L. der einzige Vertreter der Kurfürsten. Keiner von allen Reichsfürsten hat überhaupt regelmäßiger als er Rudolfs Hof- und Reichstage besucht. 1287 half er dem Könige auf dem Kriegszuge, der die Demüthigung des Grafen Ulrich von Helfenstein bezweckte und erreichte. Sehr bezeichnend ist auch, daß 1286 Ludwigs Protonotar an die Curie reiste, um dort über Rudolfs Kaiserkrönung zu unterhandeln. Während der letzten Augenblicke Rudolfs (15. Juli 1291) stand L. in Speier an seinem Sterbebette. Das bairische Interesse war bei ihm wie durch die Landestheilung so auch durch seinen engen Bund mit dem habsburgischen Könige zurückgedrängt; zufrieden mit dem Besitze der pfälzischen Kur, ertrug er es ruhig, daß Rudolf zu Gunsten des Böhmenkönigs und gegen alle historische Berechtigung Baiern aus dem Kurfürstencollegium verdrängte. Rudolfs Sohn Albrecht hatte noch bei Lebzeiten des Vaters auf Zusammenkünften in Erfurt und Regensburg mit solchem Erfolge um Ludwigs Stimme geworben, daß dieser bereits den Herzog Albrecht von Sachsen bevollmächtigte den Habsburger in seinem Namen zum Könige zu wählen. Auch nachdem auf einer Fürstenversammlung zu Frankfurt die Mehrzahl der Kurfürsten gegen die von L. wahrscheinlich auch dort unterstützte Wahl Albrechts sich erklärt hatte, scheint der Wittelsbacher die Hoffnung auf deren Gelingen noch nicht aufgegeben zu haben. Nach Rudolfs Tode traten die Höfe von München und Wien in lebhaften Verkehr; zuerst kam Albrecht nach München, dann ward eine Zusammenkunft zwischen ihm und L. in Wels verabredet. Seines habsburgischen Schwagers Wahl hatte L. wol auch im Auge, als er im October bei einem Einsiedler zwischen Waldfassen und Eger eine Zusammenkunft mit seinem Schwager Wenzel von Böhmen veranstaltete. Zur Wahlhandlung in Frankfurt (5. Mai 1292) kam L., als ob er ein Hochzeitsfest besuchte, ohne alle kriegerische Rüstung, hiermit schon äußerlich kundgebend, daß es einem Werke des Friedens gelte, und von Friedensliebe war denn auch sein Verhalten bei der Wahl dictirt. Noch vor einigen Wochen hatte er Albrecht seine Stimme versprochen, aber er erhob keinen Widerspruch, als die Wahl nun auf Adolf von Nassau fiel, einen mittellosen Herrn, der vor fünf Jahren sein Burgmann zu Caub geworden war. Seine Stimmung gab sich jedoch darin zu erkennen, daß er die Verkündigung der Wahl an seiner Stelle dem Erzbischofe von Mainz überließ. Einige Tage später ließ er sich von Adolf 3000 Mark Wahlkosten ersetzen. Im Inneren wurden Ludwigs unermüdliche Bemühungen für Erhaltung und Ausbreitung des Landfriedens, für Abstellung der Räubereien und Fehden des niederen Adels durch seine eigenen Streitigkeiten mit dem Bruder, auch durch mancherlei Händel mit anderen Nachbarn gestört. In einem Zerwürfnisse mit Salzburg wegen des Zillerthals unterwarf er sich 1281 dem Schiedsspruche des Regensburger Bischofs.|Mit Augsburg bekam er nochmals Krieg um den Besitz der Vogtei, die er im Frieden vom 9. Februar 1292 nur für die nächsten fünf Vierteljahre preisgab. In seinem letzten Lebensjahre noch brauchte er Gewalt gegen die eigene Stadt Lauingen, die Reichsunmittelbarkeit beanspruchte, und zwang mit den Waffen den Grafen von Hirschberg das zu seinen Gunsten gemachte, dann aber zurückgenommene Vermächtniß zu erneuern und auszudehnen. L. starb zu Heidelberg, wie erzählt wird, in derselben Stube, wo er das Licht der Welt erblickt hatte. Sein Testament verordnete vornehmlich Spenden an Kirchen und Klöster und sein Begräbniß in Fürstenfeld. Aus diesem Kloster, Ludwigs Stiftung, ward ihm der wärmste Nachruf zu Theil; ganz Baiern, schrieb der Mönch, sollte jammern über den Tod dieses Fürsten, der alle anderen an sittlicher Zucht übertroffen und unter dem das Land Wohlstand und Fülle des Friedens genossen habe. In der That kündet die Thätigkeit des gereiften Mannes überwiegend von besonnener Selbstbeherrschung, treuer Pflichterfüllung und eifriger Fürsorge für das Gemeinwohl. Wie sein Urgroßvater Otto I. war L. ein jähzorniger Charakter, aber voll Kraft und Energie und ein glücklicher Feldherr. Als Staatsmann verstand er vor Allem die Kunst mit den Umständen zu rechnen und nur erreichbare Ziele anzustreben. Daß in den großen Fragen der Politik sein Interesse in der Regel auf derselben Seite lag wie das Recht und des Reiches Nutzen, diese Gunst dankte er zum Theil dem Geschicke, zum Theil doch auch der eigenen Klugheit. Ein dankbares Andenken schuldet ihm besonders die Stadt München, die er zur landesfürstlichen Residenz erhob und deren älteste Herzogsburg, der sogenannte Alte Hof, von ihm gegründet ist.

    • Literatur

      Böhmer, Wittelsbach. Regesten; Rechnungsbuch des oberen Vitzthumamtes von Oberbaiern v. d. J. 1291—94, herausgeg. von v. Oefele im Oberbair. Archiv XXVI; Söltl, Ludwig d. Strenge (1857); Lorenz, Deutsche Geschichte; Riezler, Geschichte Baierns II.

  • Autor

    Riezler.
  • Empfohlene Zitierweise

    Riezler, Sigmund Ritter von, "Ludwig II." in: Allgemeine Deutsche Biographie 19 (1884), S. 497-502 [Onlinefassung]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd119431386.html#adbcontent

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