Lebensdaten
um 1300 bis 1346
Sterbeort
Walsrode bei Fallingbostel
Beruf/Funktion
Bischof von Minden
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 137964501 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Ludwig von Braunschweig-Lüneburg
  • Ludwig von Minden
  • Ludwig von Braunschweig
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Zitierweise

Ludwig von Braunschweig, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd137964501.html [13.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus d. Geschl. d. Welfen;
    V Hzg. Otto II. d. Strenge v. B.-L. (1277–1330), S d. Hzg. Johann I. ( 1277) u. d. Liutgard v. Holstein;
    M Mechthild (1275–1319), T d. Hzg. Ludwig II. v. Bayern ( 1294, s. NDB 15) u. d. Mechthild v. Habsburg;
    Om Kaiser Ludwig d. Bayer ( 1347, s. NDB 15);
    B Johann ( 1324), Administrator v. Bremen 1316–23, Hzg. Otto III. v. B.-L. (1296–1352), Hzg. Wilhelm v. B.-L. ( 1369).

  • Leben

    L. wurde schon 1315 für den geistlichen Stand bestimmt. Die Weihe zum Subdiakon empfing er jedoch erst wenige Tage nach dem Tod des Mindener Bischofs Gottfried von Waldeck (1304–24) durch Bischof Nikolaus von Verden am 25.5.1324 im Lüneburger Michaeliskloster, wo er und seine Brüder vermutlich erzogen worden waren. Am 18.6.1324 wurde er unter Beteiligung seines wenig später verstorbenen Bruders von der „maior et sanior pars“ des Domkapitels gegen den von der Stadt Minden unterstützten Brüning v. Engelbostel (1311–37 Dekan, dann bis 1345 Propst) zum Bischof von Minden gewählt. Aufgrund eines Schiedsspruches seines Bruders Otto setzte er sich bald durch. Die mit seiner Wahl verbundenen Erwartungen, er werde den Bedrohungen des Stifts vor allem im Norden durch die Grafen von Hoya und im Osten durch die Grafen von Wunstorf und Schaumburg durch die Anlehnung an das seit dem Beginn des Jahrhunderts territorial benachbarte Welfenhaus entgegenwirken, erfüllten sich nicht. L.s Versuch, durch die von seinem kaiserl. Onkel gewährte Privilegierung mit einem freien Herzogtum und dem Recht zur Installierung von Freistühlen (1332) Einfluß in der Stadt Minden zurückzugewinnen, war nur mäßiger Erfolg beschieden. Nach wechselvollem Kampf zerstörten die angeblich von seinen Brüdern unterstützten Grafen von Hoya 1335 die Burg Neuhaus. Wird ihm in der Chronistik zugute gehalten, er habe sein geistliches Amt persönlich ausgeübt, so heißt es doch gleichzeitig, L. sei sanftmütig, nicht tatkräftig und gegenüber seinen Brüdern zu vertrauensselig gewesen, am erhofften Geist eines großen Fürsten habe es ihm gemangelt. Richtig ist, daß er und das Stift durch seine unglückliche Politik und die von ihm offenbar unbedenklich fortgeführte Praxis der Verpfändung seines Tafelguts in eine desolate politische und finanzielle Lage gerieten. Zur Finanzierung der gegen die Hoyaer neuerbauten Schlüsselburg mußte L. noch 1335 dem Domkapitel, dem Edelvogt von dem Berge und der Stadt Minden ein Mitverfügungsrecht einräumen; im Jahr darauf ging man einen gemeinsamen Landfrieden ein. Als sich die jährlichen bischöflichen Einkünfte angeblich nur noch auf 300 Gulden beliefen und sich das unter der Leitung seines Kontrahenten Brüning stehende Kapitel einer Besteuerung des Stiftsklerus versagte, unterstellte L. das Stift 1339 der Vormundschaft seiner seit 1330 selbständig regierenden Brüder Otto III. und Wilhelm. Das den Herzögen eingeräumte Recht, verpfändete Burgen einzulösen und sich für ihre Auslagen aus Stiftsgut zu entschädigen, lieferte das Stift nachhaltig dem welfischen Einfluß aus. Die Besteuerung des Klerus vermochte L. nun zwar durchzusetzen, doch mußte er bei der Erhebung und Verwendung der Steuern dem Domkapitel ein weitgehendes Mitspracherecht zugestehen.

    Als L. 1346 starb, war durch seine Schwäche die Voraussetzung geschaffen für eine durch die welfische Vormundschaft lediglich verzögerte Änderung der Mindener Stiftsverfassung. Zu Beginn der Amtszeit seines Nachfolgers Gerhard von Schaumburg (1347–53) wurde am 5.4.1348 die Beteiligung des Kapitels an der weltlichen Regierung des Stifts in Form eines „geschworenen Rats“ vertraglich fixiert.

  • Literatur

    Regg. Imp., Die Urkk. Kaiser Ludwigs d. Baiern, Kg. Friedrichs d. Schönen u. Kg. Johanns v. Böhmen, 1314–47, hrsg. v. J. F. Böhmer, 1839;
    Mindener Gesch.qu. I: Die Bischofschroniken d. MA, Hermanns v. Lerbeck Catalogus episcoporum Mindensium u. s. Ableitungen, krit. hrsg. v. K. Löffler, 1917;
    Westf. UB X: Die Urkk. d. Bistums Minden 1301/25, bearb. v. R. Krumbholtz, 1940;
    E. A. F. Culemann, Mindensche Gesch. (bis 1713) nebst dreyen z. Mindischen Historie dienenden Monumentis, 1746-48;
    A. G. Schlichthaber, Mindische KG, 5 Bde., 1749-55;
    C. F. Mooyer, Chronolog. Reihenfolge d. Bischöfe v. Minden, in: Westfäl. Provinzialbll. 4/1, 1847, S. 25-54;
    W. Havemann, Gesch. d. Lande Braunschweig u. Lüneburg I, 1853;
    W. Schroeder, Chronik d. Bistums u. d. Stadt Minden, 1886;
    B. Frie, Die Entwicklung d. Landeshoheit d. Mindener Bischöfe, Diss. Münster 1908;
    W. Dräger, Das Mindener Domkapitel u. s. Domherren im MA, in: Mindener Jb. 8, 1936, S. 6-118;
    W. Dammeyer, Der Grundbesitz d. Mindener Domkapitels, 1957;
    D. Scriverius, Die weltl. Regierung d. Mindener Stiftes v. 1140 bis 1397, Diss. Hamburg 1966;
    dass., T. 2: Lage u. Gesch. d. bischöfl. Lehnguts, 1974;
    Westfäl. Gesch., hrsg. v. W. Kohl, I, 1983.

  • Autor/in

    Paul-J. Heinig
  • Empfohlene Zitierweise

    Heinig, Paul-Joachim, "Ludwig von Braunschweig" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 401 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137964501.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA