Lebensdaten
1174 bis 1231
Geburtsort
Kelheim
Sterbeort
Kelheim
Beruf/Funktion
Herzog von Bayern ; Pfalzgraf bei Rhein
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 100952429 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Ludwig I. von Bayern
  • Ludwig I. der Kelheimer von Bayern
  • Ludwig I.
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Zitierweise

Ludwig I. der Kelheimer, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd100952429.html [26.09.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus d. Geschl. d. Wittelsbacher;
    V Pfalzgf. Otto V. v. Wittelsbach, seit 1180 Hzg. Otto I. v. B. ( 1183), S d. Pfalzgf. Otto IV. v. B. ( 1156) u. d. Eilika v. Lengenfeld;
    M Agnes ( 1191/92), T d. Gf. Ludwig v. Loon (Looz) u. Rieneck;
    Ov Konrad ( 1200), EB v. Salzburg/Mainz (s. NDB XII), Pfalzgf. Otto I. ( 1189);
    Schw Heilike ( Gf. Dietrich v. Wasserburg), Agnes ( Gf. Heinrich v. Plain, 1196), N. N. ( Gf. Adalbert III. v. Dillingen, 1214), Richardis ( Gf. Otto I. v. Geldern, 1207), Elisabeth ( 1189/90, Mgf. Berthold v. Vohburg, 1204), Sophie ( 1238, Landgf. Hermann I. v. Thüringen, 1217, s. NDB VIII);
    - 1204 Ludmilla (1170–1240), T d. Hzg. Friedrich v. Böhmen;
    S Otto II. (1206–53), Pfalzgf. bei Rhein u. Hzg. v. B.

  • Leben

    L. folgte 1183, obgleich minderjährig, seinem Vater Otto im Herzogsamt. Dies zeigt, daß Friedrich Barbarossa die Erblichkeit des Herzogtums garantiert haben muß. Man kann daher auch schwerlich von einer staatlichen Krise Bayerns sprechen, da nach zehn Jahren Vormundschaft (der beiden Onkel EB Konrad von Salzburg/Mainz und Pfalzgf. Otto) L. die Herzogsherrschaft antreten konnte und dies, obgleich das Herzogtum eine große herrschaftliche Vielfalt aufwies. Weshalb L., der zwar 1187 volljährig wurde (von diesem Jahr an datiert L. seine Regierungsjahre als Herzog), de facto erst 1192 mit der Schwertleite sein Herzogtum erhielt, entzieht sich unserer Kenntnis.

    Reichsdienst L.s: Kaiser Heinrich VI. rettete 1192 den jungen Herzog vor einer gefährlichen kriegerischen Adelsopposition, geführt von Gf. Albert von Bogen, die über die Grenzen Bayerns hinausging und auch gegen den Kaiser gerichtet war. Fortan gehörte L. – gleichsam in der Tradition seines Vaters – zum engen Gefolge des Kaisers (1193/94 begleitete er ihn nach Apulien und Sizilien, 1196 zu den Hoftagen in Würzburg und Mainz, 1197 erneut nach Sizilien). Nach dem Tode Heinrichs VI. gehörte er zum Gefolge Kg. Philipps bis zu dessen Ermordung. Der Bamberger Königsmord 1208 wurde für L. zu einem politischen „Glücksfall“. Er, der Vetter des Mörders, aber von diesem Komplott nicht berührt, nutzte die Gunst der Stunde. Während der Königsmörder, Pfalzgf. Otto XII. (VIII.) v. Wittelsbach, und die der Mitwisserschaft verdächtigten beiden Andechser (Bischof Ekbert von Bamberg und sein Bruder Mgf. Heinrich von Istrien) sofort der Reichsacht verfielen, war L. der eigentliche Gewinner im fürstlichen Bereich. Er erkannte als erster unter den deutschen Fürsten den Welfen Otto IV., den bisherigen Gegenkönig, als legitimen König an. Die für die bayer. Geschichte folgenreiche königliche Belohnung kam umgehend. Otto IV. bestätigte L. auf dem Reichstag zu Frankfurt am 15.11.1208 (vier Tage nach seiner Königswahl) die Erblichkeit des bayer. Herzogtums und übertrug ihm gleichzeitig die Reichslehen (nicht das bayer. Pfalzgrafenamt) des Königsmörders und der beiden Andechser. Da letztere an den ungar. Königshof flohen, konnte L. mühelos die Verdrängung seines mächtigsten Rivalen in Bayern, des Hauses Andechs, in die Wege leiten. Der mit der Exekution der Reichsacht betreute Herzog setzte im andechs. Herrschaftsbereich umgehend einen wittelsbach. Richter ein.

    Als im Sept. 1211 eine Fürstenversammlung beschloß, den jungen Staufer Friedrich II. zur Krönung nach Deutschland zu berufen, begegnet L. erstmals wieder auf staufischer Seite. 1212-20 scheint er sich ohne wesentliche Unterbrechung beim stauf. König aufgehalten zu haben, wie die zahlreichen Zeugennennungen in den Königsdiplomen beweisen. Daraus darf man auch mit Sicherheit schließen, daß stauf. und wittelsbach. Reichspolitik konform gingen. 1220 begleitete L. den König nach Italien zur Kaiserkrönung und nahm anschließend in führender Stellung am Kreuzzug nach Ägypten teil, der ihm eine Niederlage und eine Geiselhaft beim Sultan einbrachte. Doch bald konnte L. wieder in engste Beratertätigkeit beim Kaiser treten und erhielt 1225 sogar die Leitung des Kronrates in Deutschland und die Vormundschaft über den Kaisersohn Kg. Heinrich (VII.). Erster großer Gewinn der Königsnähe unter Friedrich II. war für L. die rhein. Pfalzgrafschaft, nachdem durch den erbenlosen Tod des welf. Pfalzgrafen ein ganz wichtiges Reichslehen frei geworden war. L. hatte offensichtlich schon vorgebaut, denn 1212 wurde sein minderjähriger Sohn Otto mit der Welfentochter Agnes verlobt. Da aber zur Zeit des Erbfalles (1214) L.s Sohn erst neun Jahre alt war, mußte ein nach Lehensrecht qualifizierter Lehnsträger für ihn handelnd eintreten. Auch wenn L. nur kommissarisch für seinen Sohn die rhein. Pfalz übernahm, so hat er doch entscheidend die politische Entwicklung der Pfalz, mit der wichtige reichsfürstliche Funktionen verbunden waren, bis 1228 bestimmt. Gemessen an den zahlreichen Nachrichten über L.s reichspolitische Tätigkeit, sind die Quellen über seine rhein.-pfalzgräfl. Territorialpolitik freilich sehr bescheiden. Erst nach seiner Rückkehr vom Kreuzzug scheint er hier aktiver geworden zu sein im Sinne einer rasch voranschreitenden Territorialisierung, die aber in der aus recht heterogenen Herrschaftskomplexen und -splittern bestehenden rhein. Pfalzgrafschaft viel schwieriger war als etwa in Bayern. 1225 wurde L. vom Wormser Bischof mit der Burg zu Heidelberg belehnt, die später die pfalzgräfl. Residenz der Wittelsbacher werden sollte.

    Die bayer. Territorialpolitik: L. hatte von Anfang an das Ziel ins Auge gefaßt, seine Herrschaft über das Stammesherzogtum Bayern in ein Territorialfürstentum umzubilden, d. h. möglichst viele Herrschaften dieses Herzogsraumes zu mediatisieren oder dem eigenen Territorium einzugliedern. Dabei kam ihm das Erlöschen zahlreicher Adelsgeschlechter zugute. Die Hauptschwerpunkte seiner Ausdehnungsbestrebungen in Bayern waren der Donauraum mit Regensburg, das Salzburger Umfeld mit Reichenhall sowie das andechs. Herrschaftsgebiet im Südwesten Altbayerns. Vornehmlichstes Mittel zur Gewinnung neuer Adelsherrschaften war ihm die Handhabung des sog. Heimfallsrechts beim Aussterben der Adelsfamilien, das freilich nicht nur auf Lehen, sondern auch auf Eigen ausgedehnt wurde. 1196 konnte sich L. beim Aussterben der landgräfl. Linie der Burggrafenfamilie von Regensburg zwar nur partiell gegen den Bischof von Regensburg als Anwärter durchsetzen, doch 1204 bereits vermochte er das gesamte Erbe der Markgrafen von Cham-Vohburg (aus der Familie der Diepoldinger) anzutreten, so daß er große Gebietsteile nördlich der Donau herrschaftlich kontrollieren konnte. Dieses Heimfallsrecht wurde – wenn möglich – verbunden mit Verwandtschaftsansprüchen. Daher waren auch L.s sieben Schwestern mit Vertretern bedeutender Adelsfamilien vermählt worden. L. selbst vermählte sich 1204 mit Ludmilla von Böhmen, Witwe seines Widersachers, des Grafen Albert von Bogen. Und als der vorletzte Bogener Graf starb, gründete L. gegenüber von Bogen 1218 die Stadt Straubing, die später der Zentralort der gewonnenen Bogener Erbmasse wurde.

    Überhaupt war die Gründung von Städten für seine Territorialpolitik ein außerordentlich effizientes Mittel. Mit L. beginnt offensichtlich erst die Städtegründungspolitik der Wittelsbacher. In der Regel wurden diese Städte in Grenzzonen errichtet, wo sie der Expansion bzw. Defension des herzoglichen Territoriums als Stützpunkte und Landesfestungen vorzüglich dienen konnten. Sie wurden aber auch wie die herzoglichen Burgen rasch Zentren der Territorialverwaltung. Während es L. trotz zeitweise massiver Ansätze auf die Dauer nicht gelang, die herzogl. Positionen in der reichen Königs- und Herzogsstadt Regensburg zu halten, drängte er mit neuen Städten an die lukrativen Fluß- und Landstraßensysteme. Ob er sich bereits den herrschaftlich-politischen Zugriff auf die Stadt München erzwingen konnte, läßt sich noch nicht mit Sicherheit sagen.

    Das Verhältnis L.s zu den bayer. Bischöfen war unterschiedlich; insgesamt aber waren die Bischöfe von großem Mißtrauen gegen den Herzog erfüllt. Am konfliktreichsten war das Verhältnis zum Erzbischof von Salzburg und zum Bischof von Regensburg. 1201 wird L. erstmals als Schädiger des Erzstifts bezeichnet; nach dem Tode EB Adalberts III. 1200 muß sich L. rigorose Übergriffe erlaubt haben, wenn man die Schädigung nach der Bußsumme bemißt. Da sowohl der Erzbischof als auch der Herzog enge Parteigänger der Staufer waren, mußte sich L. in der Folgezeit zurückhalten. Nachdem 1218 mit dem Aussterben der Grafen von Peilstein die Hauptvogtei des Erzbistums frei wurde, versuchte L. diese zu gewinnen. Immerhin gelang es ihm, nach kriegerischen Auseinandersetzungen das Peilsteiner Erbe im wichtigen Salzort Reichenhall und im Gasteiner Tal zu behaupten. Eigenartig wirkt die Rückgabe der Alpengrafschaften Ober- und Unterpinzgau an das Reich, die dann Kg. Heinrich (VII.) 1228 dem Erzbischof von Salzburg auftrug. 1230 kam es beim Aussterben der Grafen von Lebenau (bei Laufen/Salzach) zu einem Kompromiß zwischen L. und Salzburg.

    Das Verhältnis L.s zum Bischof von Regensburg gestaltete sich seit dem Aussterben der|Burggrafen von Regensburg und seit den Versuchen des Bischofs, die Herrschaft über die alte Herzogs- und Königsstadt Regensburg zu gewinnen, recht krisenreich. 1203 entstand eine erbitterte Fehde zwischen beiden wegen des Burggrafen- und des Landgrafenerbes. Da der Bischof vom Salzburger Erzbischof militärisch unterstützt wurde, konnte L. sich nicht voll durchsetzen. 1204 reagierte er mit der Gründung der Stadt Landshut im südlichen Machtbereich des Bischofs. Der Friede von 1205, den Kg. Philipp vermittelte, war von außerordentlicher Bedeutung für den Herzog: Zwar vermacht L. für den Fall des kinderlosen Todes dem Regensburger Bischof wertvolle Besitzungen in der Donauzone; dafür belehnt der Bischof den Herzog nicht nur mit der Regensburger Burggrafschaft, sondern auch mit den strategisch wichtigen Lehen in den Alpen. 1226 versuchte L. – um erneut stärkeren Zugriff auf die Stadt Regensburg zu gewinnen – massiven Einfluß auf die Bischofswahl in Regensburg auszuüben, freilich vergeblich. 1229 konnten die Streitigkeiten durch Vergleich beigelegt werden.

    Es erstaunt, daß es zur Zeit L.s dem Freisinger Bischof gelang, die wittelsbach. Vogtei über das Hochstift weitgehend abzuschütteln. Unter dem verschuldeten Bischof Gerold (1220–30) freilich glaubte L. bald wieder zu seinen politischen Zielen zu gelangen, denn um 1229 (oder insgeheim vorher) belehnte der Bischof den Herzog mit der Bischofsstadt Freising. L. war nahe daran, aus Freising ein „Haus“- oder Landesbistum zu machen. Der massive Protest des gesamten bayer. Episkopats erzwang 1230 die Zurückweisung dieser Belehnung durch den Papst und durch den Kaiser.

    Das Verhältnis L.s zum Bischof von Bamberg war bereits belastet durch die Tatsache, daß auf diesem Bischofssitz ein Andechser saß. Zusätzlich erstrebte L. die Bamberger Lehen an der Donau. Erst als er dem verbannten Bruder des Bischofs 1228 die Rückkehr nach Bayern gestattete, erhielt er Bamberger Lehen, die bisher die Herren von Hals und die Grafen von Bogen innegehabt hatten.

    Alles in allem zeigt sich das energische Bemühen L.s, mit allen Mitteln das Herzogtum Bayern in einen wittelsbach. Territorialstaat umzuwandeln. Diesem Zweck dienten auch eine eigene herzogl. Kanzlei, Hofämter und eine Hofkapelle, zu der vor allem verschiedene Kollegiatstifte herangezogen wurden.

    L.s Ende: Mitten in der energischen territorialpolitischen Aufbautätigkeit wurde L. sein reichspolitisches Amt als Reichsverweser und Vormund Kg. Heinrichs (VII.) zum Verhängnis. Der Konflikt zwischen dem ehrgeizigen jungen König und seinem ebenso ehrgeizigen und machtbewußten Vormund spitzte sich rasch zu. Offen wurde das Zerwürfnis an Weihnachten 1228 in der Pfalz Hagenau, wo der König L. vorwarf, mit dem Papst zu konspirieren. Überraschend fiel Heinrich 1229 in Bayern ein und zwang den Herzog zum Friedensschluß. Erst seither fanden L.s territorialpolitische Widersacher in Bayern wie in der Pfalz Gehör und Zustimmung beim Kaiser. Als Papst und Kaiser schließlich am 27./28.8.1230 Frieden schlossen, gehörte L. zwar zu den Bürgen des Kaisers, doch fehlte ihm nun der Rückhalt des Papstes gegen die Staufer, die ihn des Verrats verdächtigten. Am 15.9.1231 wurde er auf der Donaubrücke bei Kelheim von unbekannten Tätern ermordet. Verschiedene Quellen bezichtigen den Kaiser der Mitwisserschaft, doch könnte auch dessen Sohn, Kg. Heinrich (VII.), dabei im Spiele gewesen sein.

  • Literatur

    ADB 19;
    M. Spindler, Die Anfänge d. bayer. Landesfürstentums, 1937;
    ders., Die entscheidenden territorialpol. Erfolge Hzg. L. I. (1183–1231), in: M. Spindler (Hrsg.), Hdb. d. bayer. Gesch. II, 1966, S. 21-36;
    B. Huesmann, Die Fam.pol. d. bayer. Herzöge v. Otto I. bis auf Ludwig d. Bayern, 1940;
    A. Kraus, Das Herzogtum d. Wittelsbacher: Die Grundlegung d. Landes Bayern, in: H. Glaser (Hrsg.), Wittelsbach u. Bayern I/1, 1980, S. 165-200;
    A. Gerlich, Die rhein. Pfalzgfsch. in d. frühen Wittelsbacherzeit, ebd., S. 201-22;
    W. Liebhart, Die frühen Wittelsbacher als Städte- u. Märktegründer in Bayern, ebd., S. 307-17;
    S. Hofmann, Urkk.wesen, Kanzlei u. Regierungssystem d. Herzoge v. Bayern u. Pfalzgrafen bei Rhein v. 1180/1214 bis 1255/94, 1967;
    G. Schwertl, Die Beziehungen d. Herzöge v. Bayern u. Pfalzgrafen b. Rhein z. Kirche (1180–1294), 1968;
    G. Diepolder, Herrschaftsträger um 1200 in Bayern, in: Bayer. Gesch.atlas, hrsg. v. M. Spindler u. G. Diepolder, 1969, Karte 18/19;
    P. Fried, Hochadelige u. Iandesherrl. Burgenpol. im hoch- u. spätmittelalterl. Bayern, in: Vorträge u. Forschungen 19/II, 1976, S. 331-52;
    W. Störmer, Stützpunktpol. im 13. u. 14. Jh., Wittelsbach. Territorienbildungsversuche in Mainfranken, in: Festschr. f. Andreas Kraus, 1982, S. 61-78;
    E. Franzel, Kg. Heinrich VII. v. Hohenstaufen, 1929.

  • Autor/in

    Wilhelm Störmer
  • Empfohlene Zitierweise

    Störmer, Wilhelm, "Ludwig I. der Kelheimer" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 355-357 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100952429.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Ludwig I., Herzog von Baiern (11. Juli 1183 bis 15. Septbr. 1231), Sohn Herzog Otto I. und der Gräfin Agnes von Looz. Beim Tode des Vaters etwa zehn Jahre alt, übernahm er die Regierung unter der Vormundschaft seiner Oheime, Konrads von Salzburg und des Pfalzgrafen Otto. Seine Wehrhaftmachung erfolgte — wie es scheint, erst im fünften Jahre seiner Mündigkeit — am 24. Mai 1192 zu Worms durch Kaiser Heinrich VI. Durch die Einziehung einer langen Reihe von Grafschaften und Herrschaften, deren Besitzer als die letzten ihres Stammes starben, wurde unter ihm das herzogliche Territorium bedeutend vergrößert und abgerundet. Dies gelang jedoch nicht immer ohne Kampf mit anderen Großen des Landes, zumal den Bischöfen, und da mit diesen auch über die Begrenzung der landesherrlichen Gerechtsame mancher Streit durchzufechten war, reihte sich, besonders in den ersten Jahrzehnten von Ludwigs Regierung, ein innerer Krieg an den anderen. Mit Freising wurde ein solcher geführt wegen des Zolls und der Brücke zu München, an deren Gefällen dem Bischofe zuletzt doch ein Antheil eingeräumt werden mußte, und wegen der vogteilichen Ansprüche des Herzogs. Eine unerhörte Wendung schien hier das Verhältniß der beiden Gewalten zu nehmen, als einer der späteren Freisinger Bischöfe, Gerold, sich vom Herzoge bestimmen ließ ihm seine Bischofsstadt selbst als Lehen aufzutragen, doch wurde dies 1230 von Kaiser Friedrich als ungiltig aufgehoben. In große Gefahr brachte L. ein wahrscheinlich über das Erbe der Regensburger Burggrafen im August 1192 ausgebrochener Krieg mit dem Grafen Albert III. von Bogen, den Ottokar von Böhmen unterstützte. Kaiser Heinrich nahm sich des jungen Fürsten an, befahl zuerst Waffenstillstand, erklärte dann den Grafen von Bogen als Reichsfeind und entsetzte den Böhmen seines Herzogthums. 1199 kam L. dem Bischofe Wolfger von Passau gegen einen Angriff der Grafen von Ortenburg zu Hilfe und zerstörte das ortenburgische Kreiburg. Wegen des Erbes der Landgrafen von Stefflingen überwarf sich L. mit Bischof Konrad III. von Regensburg, dieser aber fand, als im Herbste 1203 die Fehde, eröffnet ward, einen Bundesgenossen an Erzbischof Eberhard von Salzburg, der auch seinerseits, vornehmlich wegen der Rechte in Reichenhall. Händel mit L. hatte. Nach furchtbarer Verheerung des Landes ward mit Bischof Konrad zu|Anfang 1204 ein vorläufiger Frieden vereinbart, der unter seinem gleichnamigen Nachfolger das Jahr darauf durch einen definitiven ersetzt wurde, während mit Salzburg die Irrungen noch länger fortwährten und erst 1219 ein Ausgleich zustande kam. Während des Krieges mit Regensburg und wol aus diesem Anlaß wurde von L. 1204 Burg und Stadt Landshut erbaut. Da er dort, nicht in Kelheim, in der Folge am häufigsten wohnte, ist der Beiname: der Kelheimer, der ihm zuweilen, doch erst von Neueren gegeben wird, nicht zu rechtfertigen. In seiner Reichspolitik erwies sich L., so lange Heinrich VI. und Philipp das Scepter führten, nicht uneingedenk der Dankespflicht, welche die Wittelsbacher für ihre Erhebung auf den Herzogsstuhl Baierns dem staufischen Hause schuldeten. Heinrich VI. folgte er 1193 und 1194 auf der Reichsheerfahrt nach Apulien und Sicilien. Nochmals zog er 1197 nach Sicilien. Als einer der Führer der staufischen Partei half er dann die Wahl König Philipps durchführen, betheiligte sich auch, wie es scheint, an den ersten Feldzügen des Neugewählten gegen den Welfen Otto am Niederrhein und gegen den Bischof von Straßburg und den Grafen von Dachsburg im Elsaß. Vergebens suchte die Curie bei ihm auf Anerkennung des Welfen hinzuwirken; er blieb Philipp getreu, ließ seine Truppen mit dem königlichen Heere gegen Ottos Anhänger in Thüringen kämpfen und schloß sich 1205 selbst dem Krönungszuge des Staufers nach Aachen und seiner Heerfahrt gegen Köln an. Nach Philipps Ermordung durch seinen Vetter, Otto VIII. von Wittelsbach, erhielt L. des geächteten Mörders Eigengüter und Reichslehen (doch ohne die bairische Pfalzgrafschaft), auch Lehen des andechsischen Markgrafen Heinrich von Istrien, der unschuldig in den Proceß des Mörders verwickelt wurde. Durch die Uebertragung dieser Güter (deren Besitzergreifung L. nur mit Gewalt vollziehen konnte) und durch die Erklärung, daß das bairische Herzogthum in Ludwigs Hause erblich sein sollte, erlangte Otto IV. des Herzogs Uebertritt zur welfischen Partei. Zu Pfingsten 1209 war L. einer der Brautführer bei Ottos Vermählung mit Philipps Tochter Beatrix und im Sommer darauf begleitete er den Welfen zur Kaiserkrönung nach Rom. Mit dem nun ausbrechenden Zerwürfnisse zwischen Otto und Papst Innocenz aber trat Ludwigs Politik in ihre zweite, unerfreuliche Periode, wo mehr als einmal die Abhängigkeit von der Curie und rücksichtsloser Ehrgeiz das Pflichtgefühl gegen den Lehensherrn und das Oberhaupt des Reiches im Herzoge gänzlich erstickten. Nachdem der Papst den Welfen excommunicirt hatte, schloß sich L. der staufischen Opposition an und wohnte im September 1211 der Fürstenversammlung in Nürnberg bei, auf der die Wahl des jungen Friedrich beschlossen wurde. Nochmals auf Ottos Seite zurückgetreten, gelobte er diesem im März 1212, aus keiner Veranlassung von ihm abzufallen, ihm vielmehr sein Leben lang gegen den Papst und gegen Jedermann zu dienen. Rasch aber ward dies Gelöbniß vergessen und gebrochen, nachdem im Sommer 1212 Friedrich in Schwaben erschienen, diese Provinz auf seine Seite getreten, gleichzeitig Ottos staufische Gemahlin gestorben war. Zu Anfang December nahm L. auf dem Fürstentage der staufischen Partei in Frankfurt theil an der Königswahl Friedrich II. Nachdem er dann den neuen Herrscher an den Rhein begleitet hatte, konnte dieser in Regensburg Treu- und Lehenseid der geeinigten bairischen Großen entgegennehmen. Auf dem Heereszuge des Königs gegen den Herzog von Brabant und andere Anhänger des Welfen am Niederrhein hatte L. im Juli 1214 das Unglück in die Gefangenschaft des Grafen Walram von Limburg und Wilhelm von Jülich zu gerathen, die ihn auf der jülich'schen Burg Nideck bei Zülpich in Gewahrsam hielten. Dem von seinen Unterthanen aufgebrachten Lösegelde, wenn nicht schon dem Frieden, den der König nach der Erstürmung Jülichs im September vom Grafen Wilhelm erzwang, dankte er die Befreiung, und um Weihnachten, wie es scheint,|konnte er in Friedrichs Gefolge in Metz dem Friedensschlusse mit Dänemark beiwohnen. Um diese Zeit fiel seinem Hause die rheinische Pfalz zu, auf deren Erwerb ihm schon in früher Jugend eine gewisse Aussicht eröffnet worden war, da Heinrich VI. ihn mit Agnes, der Erbtochter des staufischen Pfalzgrafen Konrad, zu vermählen beabsichtigt hatte. Der Plan war damals vereitelt worden, da sich des Pfalzgrafen Tochter heimlich mit dem Welfen Heinrich Verlobte. Jetzt wurde dessen zweite Tochter Agnes mit Ludwigs Sohne Otto verlobt und brachte diesem ihr Allodialgut zu, während ihn der König mit der Pfalzgrafschaft und den dazu gehörigen Reichslehen belehnte. Als Vormund seines Sohnes übernahm L. die Regierung der neu erworbenen Lande, die er 1225 durch Heidelberg, ein Wormser Lehen, erweiterte. Als Herr der Pfalz hatte er Händel mit Engelbert von Köln, der ihm 1217 die Burg Thurand an der Mosel wegnahm unter der Anschuldigung, daß von dort aus Räubereien verübt würden. L. erhob Beschwerde bei Papst Honorius, dessen Befehl auf Rückgabe der Burg jedoch erst 1230 durch Engelberts Nachfolger vollzogen wurde. Ueber einen wahrscheinlich rasch gehobenen Zwiespalt Ludwigs und des Markgrafen von Meißen mit dem Könige im J. 1216 verlautet nichts Näheres. Im August 1217 stieß L. in Fulda zum Könige, um den letzten Feldzug gegen den welfischen Kaiser mitzumachen, und die nächste Zeit weilte er, von Friedrich durch manche Gunstbezeigung ausgezeichnet, oft an dessen Hofe. Im August 1220 zog er mit ihm über den Brenner, wohnte in Rom seiner Kaiserkrönung bei und erneuerte hierbei wahrscheinlich das Kreuzzugsgelübde, das er am 1. Mai 1215 in Andernach geleistet hatte. Als Beisteuer für die Kreuzzugskosten hatte ihm Friedrich 5000 Mark versprochen; nun gewährte ihm der Papst Aufschub der Fahrt bis zum August, wenn der Kaiser diese Summe nicht eher bezahlen würde. Die Ausführung sollte sich indessen noch länger verzögern. Erst im April 1221, wie es scheint, schiffte sich unter Leitung des Baiernherzogs, den der Kaiser, den eigenen Aufschub verschiebend, zu seinem Stellvertreter auf dem Zuge ernannt hatte, in Tarent die erste Abtheilung der deutschen Kreuzfahrer ein. Aegypten, wo vor anderthalb Jahren die Christen Damiette erobert hatten, war das Ziel der Expedition und am 17. Juli trat das stattliche Heer der Kreuzfahrer von Damiette aus den Marsch gegen Kairo an. Auf der Landzunge zwischen dem Nil und dem Kanal von Aschmun stieß man auf das sarazenische Lager und beschloß auf Ludwigs und des päpstlichen Legaten Pelagius Rath sich diesem gegenüber zu verschanzen. Bald aber riefen Ueberschwemmungen und der Verlust der Proviantflotte große Noth hervor. In der Nacht des 26. August ward, auf das Drängen der Baiern, zumal des Bischofs von Passau, der Rückmarsch angetreten, aber nach zweitägigen harten Kämpfen mit der von allen Seiten das Heer bedrängenden seindlichen Uebermacht mußte man Unterhandlungen anknüpfen und sich zu dem Vertrage vom 30. August bequemen, worin Sultan Kamel nur gegen die Auslieferung Damiette's den eingeschlossenen Kreuzfahrern freien Abzug gewährte. Wiewol der Feldzug so den kläglichsten Ausgang nahm, erntete L. als Feldherr wenigstens das Lob angestrengter Thätigkeit und Wachsamkeit. Er war unter den Geiseln, die bis zur Uebergabe Damiette's dem Sieger auf seine Burg Mansurah folgen mußten. L. war vermählt mit Ludmilla oder Ludemia, Tochter des Premysliden Königs Friedrich und Nichte Königs Ottokar I. von Böhmen, seit 1197 Wittwe des bairischen Grafen Albert III. von Bogen. Durch diese Heirath stand er dem böhmischen Königshause nahe und als nun Ottokar von Böhmen seine Tochter Agnes Heinrich, dem bereits zum Könige gekrönten jugendlichen Sohne des Kaisers, zur Frau antrug, trat L. eifrig für diesen Plan ein und bestimmte der böhmischen Königstochter eine Hochzeitspende von 15,000 Mark. Im Rathe des Kaisers aber beschloß man Heinrich mit der Tochter des Herzogs|Leopold von Oesterreich zu vermählen. Ludwigs Verhältniß zu diesem Fürsten war wol ohnedies ein gespanntes; es scheint, daß er seit dem Aussterben der steirischen Ottokare (1190) deren von Oesterreich eingezogene Grafschaft Steier als heimgefallenes bairisches Land beanspruchte. Jetzt verbanden er und Ottokar von Böhmen sich mit Ungarn gegen Oesterreich; nach kurzen Feindseligkeiten nahm jedoch L. einen durch den Landgrafen von Thüringen zu Znaim vermittelten Waffenstillstand an und im November zeigt seine Anwesenheit bei der zu Nürnberg gefeierten Doppelhochzeit König Heinrichs mit der Oefterreicherin und Heinrichs von Oesterreich mit Agnes von Thüringen seine völlige Aussöhnung mit dem Gegner. Auch mit Leopolds Verbündetem, dem andechsischen Markgrafen Heinrich von Istrien, erneuerte L. Frieden und Freundschaft, gab ihm sogar die Grafschaft Wolfratshausen zurück. Zu Pfingsten 1228 feierte L. in Straubing die Schwertleite seines Sohnes Otto, der nun die Regierung der Pfalz übernahm. Nochmals scheint sich in L. Verstimmung gegen Oesterreich und nun auch gegen den Kaiser geregt zu haben, als dieser nach der Ermordung Engelberts von Köln Leopold zum Vormund seines Sohnes ausersah. Dann aber bot des Oesterreichers Kreuzzugsplan Friedrich Gelegenheit die Ansprüche des Baiern zu befriedigen. Im Juni 1226 ließ er durch den Landgrafen von Thüringen L. die Vormundschaft des jungen Königs antragen. Die Schwierigkeiten, welche die Fürsten auf einer Versammlung zu Augsburg entgegensetzten, wurden gehoben und im Juli übernahm L. die Zeitung Heinrichs, der ihm an sein Hoflager folgte, und die Regierung des Reichs. Nach beiden Seiten war seine Thätigkeit unglücklich: der Charakter seines königlichen Zöglings entwickelte sich nicht günstig und seine eigenen Anschläge führten nur zu Mißerfolgen. Die geplante Annäherung an England wurde durch den Kaiser selbst durchkreuzt, der es vorzog das Bündniß mit Frankreich zu erneuern. Ein Versuch Ludwigs die Besitzungen der braunschweigischen Welfenlinie für sich zu gewinnen scheiterte, da er mit König Heinrich im August 1227 Braunschweig fruchtlos belagerte. Zuletzt ward L. auf Geheiß des Papstes dem Musischen Kaiser, der ihm soviel Vertrauen erwiesen, ebenso untreu wie dereinst dem welfischen. Als Gregor IX. die Reichsfürsten vom Eide der Treue gegen den Kaiser entband, dem er Verletzung seines Kreuzzugsgelübdes vorwarf, trat L. mit dem Papste in Einverständniß, ohne darum den Sohn des Kaisers aus seiner Aussicht zu entlassen. Nach seinem Rathe gab der Papst seinem Legaten Weisung, wie die Fürsten gegen das staufische Haus aufgewiegelt und König Heinrichs Absetzung erzielt werden könnte. Dem jungen Könige selbst aber wurden zu Weihnachten 1228, als er mit L. in Hagenau weilte, durch den Abt Konrad von St. Gallen über seines Vormunds schlimme Absichten die Augen geöffnet, auch die Fürsten gewannen die Ueberzeugung von Ludwigs Untreue und als erklärter Feind trennte sich L. vom Könige. Im Sommer 1229 zog Heinrich gegen seinen früheren Vormund zu Felde; Herzog Otto von Meranien war mit ihm verbündet. Gegen den letzteren wandte sich L. Während er jedoch Wolfratshausen vergebens belagerte, wurden seine eigenen Lande um die Donau von dem königlichen Heere verwüstet. Am 27. August sah er sich genöthigt um Waffenstillstand, bald auch um Frieden zu bitten, der ihm gegen das Gelöbniß der Treue und von Geiseln gewährt ward. Nochmals kam es dann zu inneren Fehden: mit dem Grafen Konrad von Wasserburg und mit den Herren von Tölz und Hohenburg. Der Wasserburger nahm den Bischof Gebhard von Passau, der 1230 nach Italien ging und ein Entschuldigungsschreiben Ludwigs an den Kaiser mit sich trug, gefangen und beraubte ihn seiner Briefe und Habe. In Freising scheint L. den abgesetzten Bischof Gerold, der sich dem Absetzungsurtheil nicht fügen wollte, gegen seinen Nachfolger Konrad von Tölz und Hohenburg unterstützt zu haben. Dafür überrumpelte des|letzteren Bruder die im Gemeinbesitze Ludwigs und der Grafen von Vallei befindliche Burg Vallei. Im Sommer 1231 brachte L. durch einen glücklichen Feldzug den Grafen von Wasserburg zur Unterwerfung. Im Frieden von San Germano war mittlerweile L. als einer der Bürgen des Friedens bezeichnet und vielleicht in Folge dieses Vertrags war ihm die Stellung von Geiseln, wozu er sich vorher gegen König Heinrich hatte verpflichten müssen, erlassen worden. Friedlichere Tage schienen anzubrechen, da erlag L. in Kelheim am 15. September 1231 dem Mordstahle eines unbekannten Fremdlings, den das wüthende Volk auf der Stelle ebenfalls tödtete. Die That wird sich nie völlig aufklären lassen; soviel aber steht fest, daß die öffentliche Meinung ziemlich einmüthig den fernen Kaiser als Anstifter bezeichnete. Abweichende Auffassungen treten erst später hervor und können gegenüber der Wucht der zeitgenössischen Anklagen keine Bedeutung beanspruchen. Von besonderem Gewicht unter den letzteren ist das Zeugniß des Chronisten Konrad von Pfäffers, da diesem Mittheilungen des mit dem Hofe vertrauten Abtes Konrad von St. Gallen zu Grunde liegen. Dieser Stimme gegenüber versagt auch der Hinweis auf die allgemeine mittelalterliche Leichtgläubigkeit und auf den Umstand, daß alle unsere Berichte von Geistlichen herrühren, die dem Kaiser von vornherein feindlich gesinnt seien. Daß eben dieser Abt von St. Gallen kurz nach der That kein Geleite durch Baiern aufzutreiben vermochte, scheint in der allgemeinen Verstimmung gegen die Schwaben, die dort herrschte, begründet gewesen zu sein. Auch des Ermordeten Sohn, Herzog Otto II., theilte wenigstens zeitweilig den Verdacht, daß der Kaiser den Mörder seines Vaters gedungen. Friedrichs Urheberschaft läßt sich dann gar nicht bezweifeln, wenn richtig ist, was vier von einander unabhängige zeitgenössische Berichte melden, daß der Thäter ein Assassine vom Libanon war, ein Umstand, über den jene, die den Mörder gesehen, nicht im Zweifel bleiben konnten. War der Kaiser in der That der Schuldige, so beging er weniger einen politischen Mord, der einen gefährlichen Gegner beseitigen, als eine verspätete oder lange gezeitigte Handlung der Rache, die einen Verräther strafen sollte. Zum Andenken des Gemordeten, der in Scheiern begraben ward, stiftete seine Wittwe in Landshut das Kloster Säldenthal, sein Sohn Otto an der Stätte der Blutthat eine dem heiligen Johannes geweihte Kirche.

    • Literatur

      Böhmer, Wittelsbachische Regestens; Muffat, Beiträge z. Lebensgeschichte H. Ludwig I.; Winkelmann, Friedrich II. u. Jahrbücher des deutschen Reichs unter Philipp und Otto; Riezler, Geschichte Baierns, II.

  • Autor/in

    Riezler.
  • Empfohlene Zitierweise

    Riezler, Sigmund Ritter von, "Ludwig I. der Kelheimer" in: Allgemeine Deutsche Biographie 19 (1884), S. 493-497 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100952429.html#adbcontent

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