Lebensdaten
1770 bis 1837
Geburtsort
Erfurt
Sterbeort
Erfurt
Beruf/Funktion
Professor der Chemie in Erfurt ; Pharmazeut
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118624113 | OGND | VIAF: 32789501
Namensvarianten
  • Trommsdorf, Johann Bartholomäus
  • Trommsdorff, Johann Bartholomäus
  • Trommsdorff, Bartholomäus
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Zitierweise

Trommsdorff, Bartholomäus, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118624113.html [18.09.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Wilhelm Bernhard (1738–82), o. Prof. d. Med. in E., Bes. d. Schwanring-Apotheke ebd., Leibarzt v. Karl Theodor v. Dalberg (s. Meusel; Pogg. II; Bio-Bibliogr. Hdb. Ak. Erfurt), S d. Hieronymus Jacob (1710–68), Apotheker in E., u. d. Catharina Christiana v. Gerstenberg (1714–62);
    M Maria Dorothea (1746–1831, 2] Johann Jacob Planer, 1743–89, Prof. d. Med. in E., Botan., Leibarzt v. Karl Theodor v. Dalberg, 1775 Mitgl. d. Ak. gemeinnütziger Wiss. z. Erfurt, 1781 d. Kfl. Teutschen Gel. Ges. in Mannheim u. 1788 d. Leopoldina, s. Pogg. II; Bio-Bibliogr. Hdb. Ak. Erfurt), T e. kurmainz. Beamter, dann Grundbes. u. Brauherr;
    B Christian Friedrich Johann (1773–1812), Kaufm. in E., Friedrich Caspar Christian (1782–1822), Arzt in Sömmerda, Schw Martha Dorothea (1774–1858, Andreas Friedrich Dufft, 1772–1849, Bgm. v. E.);
    Erfurt 1797 Johanna Elisabetha Martha (1776–1836), T d. Daniel Friedrich Hoyer ( 1799), 1784 Pfarrer in Wandersleben, u. d. Martha Magdalena Friederike Ritsch(e)l v. Hartenbach (1737–84);
    4 S u. a. Hermann (s. 2), 5 T Maria Dorothea (1798–1871, 1] Johann Friedrich Keyser, 1788–1819, Buchhändler in E., 2] Johann Friedrich Möller, 1789–1861, Pfarrer an d. Barfüßerkirche in E., Gen.sup. d. Prov. Sachsen in Magdeburg, s. ADB 22; RGG3; BBKL V; Magdeburger Biogr. Lex.), Martha Caroline (1799–1843, Johann Friedrich Müller, 1794–1873, Pfarrer in Windischholzhausen b. E., später in Mühlberg a. d. Gleichen, Thür.), Anna Sabina Sophia (1802–84, Johann Gottlieb Wilhelm Mensing, 1792–1864, Prof. am Gymn. in E., s. Pogg. II), Rebecca Auguste (1804–54, Ludwig Franz Bley, 1801–68, Dr. phil., Apotheker in Bernburg, pharmazeut. Fachschriftst., 1842–67 Oberdir. d. Apothekerver. im Nördl. Teutschland, Mitgl. d. Preuß. Ak. d. Wiss. u. 1857 d. Leopoldina, s. Pogg. I; Dt. Apotheker-Biogr. I; Bio-Bibliogr. Hdb. Ak. Erfurt; L), Sophie Luise (1813–50, ⚭ Friedrich [Fritz] Fikentscher, 1799–1864, Apotheker, Chemie- u. Glasfabr. in Marktredwitz, seit 1845 in Zwickau, s. NDB V);
    Gvm d. Ehefrau Johann Wilhelm Ritsch(e)l v. Hartenbach (1705–65), Buchdruckeibes., Ratsherr in E.;
    N Fritz (Johann Friedrich Theodor) Müller(-Desterro) (1822–97), Biol. (s. NDB 18).

  • Leben

    Nach dem Besuch der Parochialschule in Erfurt wechselte T. 1782 an das dortige Gymnasium. Aufgrund des frühen Todes des Vaters und unter dem Einfluß des in der väterlichen Apotheke wirkenden Provisors Friedrich Albrecht Carl Gren (1760–98) begann er 1784 eine Lehre als Apotheker in der Hof-Apotheke Weimar bei Wilhelm Heinrich Sebastian Bucholz (1734–98), wo er dank der gut ausgestatteten Bibliothek und des Laboratoriums eigene chemische Studien durchführte. 1787 erschien seine erste Veröffentlichung „Chemische Untersuchung des sauren Salzes der rothen Beeren des Sumach oder Gerberbaumes (Rhus coriaria Linn.)“ in Crells „Chemischen Annalen“. 1788 kehrte T. nach Erfurt zurück, wo er unter Anleitung seines Stiefvaters weitere Studien betrieb und erste wissenschaftliche Ergebnisse auf der Versammlung der „Kurmaynzischen Akademie der Wissenschaften“ vorstellte. 1788/89 war er als Gehilfe in der Apotheke von Carl Friedrich Gottlieb Zittelmann in Stettin tätig, danach in der Fischer’schen Offizin in Stargard in Pommern. Nach dem Tod des Stiefvaters kehrte T. nach Erfurt zurück, um die Leitung der verschuldeten elterlichen Schwan-Apotheke, zunächst als Pächter seiner Mutter, zu übernehmen. In den ersten Jahren beschäftigte er sich mit der Analyse verschiedener Mineralwässer und wurde in Anerkennung dieser Ergebnisse in die Erfurter Akademie nützlicher Wissenschaften aufgenommen. 1793 begründete er das „Journal der Pharmacie für Aerzte, Apotheker und Chemisten“, mit dem er einen Beitrag zur Verwissenschaftlichung der Pharmazie leistete (26 Bde. bis 1816, 1817–34 u. d. T. „Neues Journal der Pharmacie für Aerzte, Apotheker und Chemiker“, 27 Bde.). Zwischen 1792 und 1795 vollzog sich T.s Wandel vom Phlogistiker zum Befürworter der neuen Oxidationstheorie Antoine Laurent Lavoisiers. Im Sept. 1794 wurde er an der Univ. Erfurt zum Dr. phil. promoviert und ein Jahr später zum ao. Professor der Chemie – ohne Gehalt – ernannt. Seine Vorlesungen hielt er nach seinem „Handbuch der pharmaceutischen Chemie“. Seit 1800 bekam T. eine Besoldung von 60 Talern, vier Jahre später wurde er Braukommissar mit einem jährlichen Salär von 300 Talern. 1805 an der Univ. Erfurt zusätzlich zum Dr. med. promoviert, avancierte er 1811 zum o. Professor an der Medizinischen Fakultät.

    1795 begründete er mit seiner „Chemischphysikalisch-pharmazeutischen Pensionsanstalt für Jünglinge“ das bedeutendste pharmazeutische Privatinstitut zur wissenschaftlichen Weiterbildung vornehmlich von Apothekergehilfen, aber auch Kameralisten und chemischen Fabrikanten. Weit über 300 Personen, darunter auch 27 Ausländer, v. a. aus der Schweiz, Frankreich, Rußland und Norwegen, hörten Vorlesungen zur Chemie, Pharmazie, Botanik, Zoologie, Mineralogie, Mathematik sowie Physik und arbeiteten im Laboratorium der Erfurter Apotheke, so daß dieses Institut als eine erste wissenschaftliche Schule auf dem Gebiet der Pharmazie und Chemie gelten kann. Die 10–15 Schüler jährlich wurden sehr intensiv betreut. 22 der Ehemaligen wurden später promoviert, einige von ihnen ergriffen eine Laufbahn an einer Hochschule oder leisteten Bedeutsames, wie der spätere Professor der Pharmazie Johann Andreas Buchner (1783–1852), der Mitentdecker des Anilins Otto Unverdorben (1806–73) und Heinrich Emanuel Merck (1794– 1855), Begründer einer pharmazeutischen Fabrik. 1823 setzte das preuß. Kultusministerium die Ausbildung in T.s Institut einem Studium an einer Universität gleich, so daß den Studierenden 1–2 Jahre der Servierjahre (Dienstzeit) erlassen wurden. 1809 gründete T. gemeinsam mit fünf Erfurter Apothekern das „Erfurter Apothekerkränzchen“ als einen der frühesten Apothekervereine in Deutschland. Mit dem Erfurter Apotheker und Professor Christian Friedrich Bucholz (1770–1818) initiierte er 1811 eine Unterstützungskasse für arme Apotheker und Apothekergehilfen. 1812 gründete T. in Erfurt eine Indigofabrik und im selben Jahr mit seinem ehemaligen Schüler Georg Heinrich Heun (* 1787) in Teuditz (heute Tollwitz, in der Nähe von Merseburg) eine geschäftlich erfolglose, chemische Fabrik, aus der er sich 1820 mit beträchtlichen finanziellen Verlusten zurückzog. Allerdings stellte T. Arzneimittel und einige chemische Stoffe semiindustriell in seiner Apotheke her. Auf seine Initiative hin entstand 1830 eine Sektion Pharmazie innerhalb der Gesellschaft Dt. Naturforscher und Ärzte in Hamburg.

    T. hinterließ ein umfangreiches wissenschaftliches Werk: 34 Bücher, z. T. mehrbändig, verfaßte er allein, vier mit anderen Autoren, 16 Bücher übersetzte er; zudem gab er 7 Zeitschriften und Buchreihen heraus. Viele seiner Bücher erreichten mehrere Auflagen und wurden in andere Sprachen, wie Französisch, Spanisch, Italienisch, Portugiesisch, Russisch, Holländisch und Polnisch, übersetzt. 512 Aufsätze erschienen in Zeitschriften, insbesondere in seinem Journal. Im Mittelpunkt seiner wissenschaftlichen Arbeiten standen pharmazeutisch-chemische Fragen, so Untersuchungen über Säuren und Salze, Metalle und die Herstellung pharmazeutischchemischer Präparate sowie die chemische Analyse pflanzlicher Drogen (70 Arbeiten). Intensiv beschäftigte sich T. mit der Qualitätssicherung und Herstellung von Arzneimitteln, mit Untersuchungen von Mineralien und Mineralwässern, mit Physik und verschiedenen Gewerben, wie der Textilfärberei. 1827 zählte er zu den Initiatoren des Erfurter Gewerbevereins und der Gothaer Lebensversicherung. Zu seinen bedeutenden Entdeckungen gehört die Tatsache, daß es sauerstoffreie Säuren gibt; Lavoisier hatte den Sauerstoff noch als Bestandteil jeder Säure angesehen. T. gilt als „Vater der wissenschaftlichen Pharmazie“ in Deutschland und erhielt ehrenvolle Rufe an die Akademie St. Petersburg und die Univ. Dorpat, Warschau und Coimbra in Portugal, die er alle ausschlug. Sein zu großen Teilen erhaltener und inzwischen gedruckter Briefwechsel mit über 390 Partnern, darunter bedeutende in- und ausländische Naturforscher und Mediziner, wie die Apotheker Martin Heinrich Klaproth (1743–1817) und Friedrich Wilhelm Sertürner (1783–1841), die Chemiker Jöns Jacob Berzelius (1779–1848) und Justus v. Liebig (1803–73), der Mediziner ChristophWilhelm Hufeland (1762–1836), der Verleger Friedrich Justin Bertuch (1747–1822) sowie Johann Wolfgang v. Goethe, spiegelt seine umfangreichen Kommunikationsbeziehungen wider.

  • Auszeichnungen

    A Rr. d. Roten Adler-Ordens 3. Kl. (1819); preuß. GHR (1834); Mitgl. d. Erfurter Ak. nützl. Wiss. (1792) u. d. Leopoldina (1795); Ehrenmitgl. d. Physikal. Ges. Göttingen (1796), d. Westfäl. Correspondierenden Ges. d. Pharmacie u. Ärztl. Naturkde. (1800), d. Physikal. Ges. Heidelberg (1807), d. Ges. Correspondirender Pharmazeuten Aschaffenburg (1809), d. Ksl. Med.-Chirurg. Ak. St. Petersburg (1810), d. Pharmazeut. Ver. Bayern (1817), d. Pharmaceut. Ges. St. Petersburg (1819), d. Polytechn. Ver. f. d. Kgr. Bayern (1819), d. Apotheker-Ver. im Großhgzt. Baden (1822), d. Märkisch-Ökonom. Ges. Potsdam (1823), d. Leipziger Ökonom. Soc. (1825), d. Naturforschenden Ges. Görlitz (1826), d. Ver. Studierender Pharmazeuten München (1834), d. Physikal. Ver. Frankfurt (1836) u. d. Med. Fak. d. Univ. Kasan (1817) u. Pecz (1830); T.-Str. u. Gedenktafel in Erfurt.

  • Werke

    Weitere W Lehrb. d. pharmaceut. Experimentalchemie n. d. neuen System z. Gebrauch f. Aerzte u. prakt. Apotheker, u. als Leitfaden z. Vorlesungen, 1796, 21803, 31811;
    Chem. Receptirkunst oder Tb. f. pract. Aerzte welche bey d. Verordnen d. Arzneyen Fehler in chem. u. pharmacevt. Hinsicht vermeiden wollen, 1797, 21799, 3 1802, 41807, 51826;
    Hdb. d. pharmacevt. Waarenkunde z. Gebrauch f. Aerzte, Apotheker u. Droguisten, 1799, 21806, 31822;
    Systemat. Hdb. d. gesammten Chemie z. Erleichterung d. Selbststudiums dieser Wiss., 8 Bde., 1800–07, 21805–20;
    Kallopistria, oder d. Kunst d. Toilette f. d. elegante Welt, 1805;
    Versuch e. allg. Gesch. d. Chemie, in drei Abtheil. aus d. Tb. f. Ärzte bes. ausgegeben, 1806;
    Die Grundsätze d. Chemie, mit Berücksichtigung ihrer techn. Anwendung in e. R. allg. faßlicher Vorlesungen entwickelt u. durch Versuche erläutert, Für Fabrikanten, Künstler u. Gewerbetreibende, 1829.

  • Literatur

    L ADB 38;
    J. G. W. Mensing, Des geh. HR u. Prof. Dr. J. B. T. Lebensbeschreibung, 1839;
    L. F. Bley, Das Leben d. Geh. HR u. Prof. Dr. J. B. T. in bes. Rücksicht auf seine Leistungen f. Chemie u. Pharm., in: Archiv d. Pharm. 68, 1839, S. 1–20, 113–45 u. 225–37;
    K. Soballa, J. B. T. (1770–1837), Der „Schöpfer d. dt. Pharm.“ im Spiegel seiner Reformen u. Reformbestrebungen, Diss. Erfurt 1961;
    W. Götz, Bibliogr. d. Schrr. v. J. B. T., 1985;
    H. R. Abe, J. B. T. (1770–1837), Leben u. Werk d. Begr. d. modernen wiss. Pharm., in: Beitrr. z. Gesch. d. Univ. Erfurt 16, 1971/72, S. 11–50;
    W. Götz, Zu Leben u. Werk v. J. B. T. (1770–1837), Darst. anhand bisher unveröff. Archivmaterials, 1977;
    Ch. Friedrich u. ders. (Hg.), J. B. T. (1770–1837), Zwischenbilanz d. Forsch., 1996;
    H. Bettin u. Ch. Friedrich, Der Briefwechsel v. J. B. T. (1770–1837), mehr als e. pharm.geschichtl. Qu.ed., in: Berr. z. Wiss.gesch. 25, 2002, S. 213–27;
    R. Stolz, in: Naturforscher in Mitteldtld., Bd. 1, Thüringen, 2003, S. 307–12;
    Ch. Friedrich, H. Bettin u. D. Quast, Der Apotheker als sorgsamer Haushalter, J. B. T. (1770–1837) u. d. wirtsch. Lage seiner Schwan-Apotheke, in: Gesch. d. Pharm. 61, 2009, S. 1–10;
    Ch. Friedrich, Zum 175. Todestag v. J. B. T., ebd. 64, 2012, S. 23–26;
    Complete DSB.

  • Portraits

    P Ölgem., anon., 1834 (Dt. Apotheken-Mus. Heidelberg)

  • Autor/in

    Christoph Friedrich
  • Empfohlene Zitierweise

    Friedrich, Christoph, "Trommsdorff, Bartholomäus" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 443-445 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118624113.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Trommsdorff: Johann Bartholomäus T., bedeutender Pharmaceut und Chemiker, Begründer des Journals der Pharmacie, Professor an der Universität Erfurt, wurde daselbst am 8. Mai 1770 geboren, am 8. März 1837. Der Name T. ist in Erfurt seit anderthalb Jahrhunderten mit der Pharmacie und Chemie eng verknüpft; im J. 1734 erwarb Hieronymus T. die dortige Schwanen-Ring-Apotheke und noch heute ist eine Erfurter Apotheke im Besitze der Familie. Hieronymus T. hinterließ die Apotheke 1768 seinem Sohne Wilhelm Bernhard, der Professor der Medicin an der dortigen kurmainzischen Universität war und Leibarzt des damaligen Statthalters von Erfurt, des Coadjutors Karl v. Dalberg. Er starb 1782 im Alter von 43 Jahren und da die Apotheke, welche er nicht selbst betrieben hatte, in verschuldeten Zustand gerathen war, so mußte sich seine Wittwe, eine überaus thatkrästige Frau, die Tochter eines mainzischen Beamten, Namens Schellhorn, entschließen, das Geschäft selbst zu übernehmen, um ihre neun Kinder, deren ältestes, Johann Bartholomäus, damals zwölf Jahre alt war, erhalten und erziehen zu können. Es war unter diesen Umständen natürlich, daß der Sohn den Beruf des Großvaters ergriff. Man ließ ihn noch zwei Jahre das Gymnasium besuchen und gab ihn dann zu dem weimarischen Leibarzt und Bergrath Bucholz in die Lehre, dessen Apotheke eines großen Rufes genoß. Obwohl T. hier vom frühen Morgen bis zum späten Abend mit den groben und rein mechanischen Arbeiten eines damaligen „Gesellen“ und mit der Persönlichen Bedienung seines Lehrherrn betraut war, so machte er sich in den Nachtstunden dessen reichhaltige Büchersammlung durch eifriges Studium und Anfertigung von Auszügen aus den wichtigsten chemischen Lehrbüchern|so gründlich zu Nutze, daß Professor Crell in Helmstedt eine Abhandlung des „Lehrjungen“ in seine Chemischen Annalen (1787) aufnehmen konnte. Nach drei Jahren kehrte T. in die Heimath zurück, wo sich seine Mutter inzwischen mit dem Professor der Medicin Planer, einem Freunde seines Vaters, verheirathet hatte, unter dessen Leitung er sich noch für ein halbes Jahr dem Studium der Mathematik und der Naturwissenschaften widmete. Die nächsten anderthalb Jahre finden wir ihn als Defectarius bei dem Apotheker Zitelmann in Stettin, welcher mit seiner Apotheke ein großes Chemikalienlager und Drogengeschäft verband, wodurch T., dem der Versand der Waaren anvertraut war, seine Kenntnisse wesentlich bereichern konnte. Seine Studien ruhten dabei nicht; 1789 gab er eine „Allgemeine Uebersicht der Salze“ heraus, die in Gotha auf vier Foliotafeln erschien. Der plötzliche Tod seines Stiefvaters veranlaßte ihn, nach Hause zurückzukehren und die Apotheke selbst zu übernehmen, um der Mutter die Sorge für die Geschwister zu erleichtern. Planer war, wie der Vater Trommsdorff's, Leibarzt bei Dalberg gewesen und so fand auch T. Gelegenheit, mit diesem wohlwollenden Manne in nähere, ja vertraute Beziehungen zu treten und dadurch zugleich mit einem Kreise bedeutender Persönlichkeiten, wie dem Präsidenten v. Dachröden, den beiden Humboldts, dem Astronomen Zach und den beiden Herzögen Ernst und August von Gotha.

    Dem regen Geiste Trommsdorff's genügte die Beschäftigung mit der handwerksmäßigen Apothekerkunst nicht, welche damals einer rohen Empirie und einer marktschreierischen Geheimnißkrämerei verfallen war. Das Wissen des Apothekers beschränkte sich auf wenige Handgriffe. Ohne Kritik waren die unglaublichsten „Heilmittel“ in den damaligen Arzneischatz aufgenommen und man staunt, wenn man beispielsweise in einer Pharmakopöe vom Jahre 1786 Medicamente findet wie: Mondmilch, Alabaster, Bergkrystall, gestoßenes Glas, Perlmutter, weißer Hundsdreck, getrocknete Kröten, Schweinszähne, Menschenhirnschale und ähnliche Dinge, oder wenn daselbst zur Bereitung eines heilsamen Oeles zwei junge Hunde, zwölf lebendige Frösche und acht Loth lebende Regenwürmer verwendet werden.

    Diesem mittelalterlichen Unfug konnte nur gesteuert werden, wenn der wissenschaftlichen Kritik Eingang in die Apothekerkunst verschafft wurde. Dazu aber war jetzt gerade der richtige und mögliche Zeitpunkt gekommen; die Chemie, bis dahin eine verachtete Dienerin der Goldmacherkunst und der Medicin, hatte eben ihr Haupt erhoben und für sich den ihrer würdigen ungeschmälerten Rang einer Wissenschaft in Anspruch genommen; noch wogte der Kampf um ihre Fundamente. Die Phlogistontheorie, auf deutschem Boden erstanden, fand auch hier ihre eifrigsten Vertheidiger. Auch T. gehörte noch zu den Anhängern der Stahl'schen Lehre, aber die Macht der Thatsachen und die eigene Beobachtung lassen ihn bald den Irrthum erkennen, aus dem die falsche Theorie erwachsen, und nicht ohne Erfolg ist er sogleich bemüht, einen ihrer letzten und scharfsinnigsten Vertheidiger, den Professor Gren in Halle, für die neue Anschauung zu gewinnen. Trommsdorff's Verdienst ist es, diesen Zeitpunkt erkannt zu haben. Die kritische Methode auch in der Pharmacie zur Geltung zu bringen, die wissenschaftliche Chemie hier zur Gesetzgeberin zu machen, zugleich den Bildungsgrad und den ganzen Stand seiner Fachgenossen auf ein höheres Niveau zu erheben, das waren die Ziele, deren Erreichung und Erstrebung er sich zur Aufgabe seines Lebens gemacht und die er bis an sein Ende mit seltener Energie und unermüdlichem Fleiße verfolgt hat. Um auf die Fachgenossen einwirken zu können, bedurfte es zunächst eines geeigneten Organs. Er gründete daher 1794 das Journal der Pharmacie für Aerzte, Pharmaceuten und Chemiker. Diese erste pharmaceutische Zeitschrift der Welt wurde bald der Sammelplatz aller wissenschaftlichen Bestrebungen auf dem Gebiete der pharmaceutischen Wissenschaften. Unter Trommsdorff's Leitung erreichte sie in zwei Folgen die Anzahl von 53 Bänden und als er sich dann 1834 von der Redaction zurückzog, war es kein Geringerer als Justus Liebig, der dem Journal in seinen „Annalen der Pharmacie“ eine würdige Fortsetzung schuf, aus denen später die heutigen „Annalen der Chemie“ hervorgegangen sind. Es ist nicht möglich auf die zahlreichen Abhandlungen näher einzugehen, welche in dem Journal aus Trommsdorff's Feder stammen; neben rein wissenschaftlichen Untersuchungen sind die Aufsätze von Interesse, in denen er sich über allgemeine Angelegenheiten an seine Fachgenossen wendet, ihr Standesbewußtsein zu stärken, Mißbräuchen zu begegnen, die Erziehung und Belehrung der Gehülfen zu discutiren und die Nothwendigkeit einer wissenschaftlichen Vorbildung des Apothekers klar zu machen.

    Das zweite, noch wirksamere Mittel, den Bildungsstand der Fachgenossen zu heben, erkennt T. in der Beschaffung brauchbarer und auf der Höhe der Wissenschaft stehender Lehr- und Handbücher. Da es daran fast gänzlich mangelt, so vergeht fast kein Jahr, ohne daß ein solches oft vielbändiges Werk seiner nie rastenden Feder entfließt. Schon während seines Aufenthaltes in Stettin 1790 entstand ein „Kurzes Handbuch der Apothekerkunst", bald darauf, 1792, ein „Systematisches Handbuch der Pharmacie“, das bis 1831 drei Auflagen erlebte und ins Schwedische übersetzt wurde. Zugleich erscheint eine „Uebersicht der wichtigsten Entdeckungen in der Chemie“, dann 1796 eine „Monatsschrift für den Bürger und Landmann" und ein „Lehrbuch der pharmaceutischen Experimentalchemie", wovon 1811 die dritte Auflage gedruckt wird. Sein „Taschenbuch für Aerzte", 1797, wurde fünfmal und sein „Handbuch der Waarenkunde" dreimal aufgelegt. 1800—1804 erscheint ein achtbändiges „Systematisches Handbuch der Chemie" und bald darauf eine „Allgemeine chemische Bibliothek“ in fünf Bänden. „Das chemische Probircabinet“, 1801, wird in fünf Sprachen übersetzt und dreimal in Wien nachgedruckt. Bald folgt das „historische Taschenbuch für Chemiker“ und 1803 das „Gartenbuch für Apotheker"; dann „Die Apothekerkunst in ihrem ganzen Umfange“ in fünf Bänden, 1805—1813. Eine neue Pharmakopöe, die T. verfaßt hatte, wurde in Schwarzburg-Rudolstadt gesetzlich eingeführt. Erwähnen wir noch das fünfbändige „Handbuch der Färbekunst“, 1815—1820, den „Grundriß der Physik“, 1817, und sein „Taschenbuch für Chemiker und Pharmaceuten“, so ist die Reihe seiner Werke keineswegs erschöpft, denn daneben hat T. noch Zeit gefunden, seinen Fachgenossen Werke bedeutender Ausländer zugänglich zu machen. So übertrug er Lehr- und Handbücher von Socquet, van Man, Orfila, Branthom, Thenard und Chevreul aus dem Französischen, von Henry, Cavallo, Parke aus dem Englischen und die österreichische Pharmakopöe aus dem Lateinischen ins Deutsche. Bei verschiedenen Zeitschriften war er ständiger Mitarbeiter, wie bei der Hallischen und Jenaer Allgemeinen Litteraturzeitung und in vielen in- und ausländischen Journalen sind Abhandlungen von ihm zerstreut.

    Man sollte denken, daß mit einer so ausgebreiteten litterarischen Thätigkeit die Lebensarbeit eines Menschen erschöpft wäre; keineswegs! T. stand zugleich der Apotheke vor, die unter seiner Leitung bald von Schulden befreit war, und als er mit Martha Hoyer, der ältesten Tochter des Pfarrers zu Wandersleben, einen glücklichen Hausstand gegründet hatte, in welchem bald vier Söhne und fünf Töchter heranwuchsen, errichtete er in seinem Hause aus eigenen Mitteln eine pharmaceutische Bildungsanstalt, aus der im Laufe von 33 Jahren nicht weniger als 300 tüchtige Schüler, spätere Apotheker, Aerzte, Professoren und Fabrikanten hervorgegangen sind. An dieser Schule wirkten neben T., welcher Chemie und Pharmacie, zuerst auch Physik und Logik selbst vortrug, tüchtige|Kräfte, unter denen die Namen Naumburg (Medicin), Siegling und der spätere Schwiegersohn Trommsdorff's, Mensing (Mathematik), der gelehrte Apotheker Biltz (Botanik) und der Mineraloge und Arzt Bernhardi genannt werden mögen.

    Daß einer so reichen Wirksamkeit auch die äußere Anerkennung nicht gefehlt hat, braucht kaum gesagt zu werden. Mit 25 Jahren wurde T. zum Universitätsprofessor, im J. 1823 zum Director der Erfurter (späteren königlich preußischen) Akademie der Wissenschaften erwählt. 47 Akademien, gelehrte Gesellschaften und wissenschaftliche Vereine schätzten ihn als ihr Mitglied oder Ehrenmitglied. Nachdem 1816 die Erfurter Universität aufgehoben worden, wurde T. mehrfach an andere Universitäten berufen, darunter nach St. Petersburg und später an Klaproth's Stelle nach Berlin, allein die Liebe zu seiner Vaterstadt hieß ihn diese ehrenvollen Anerbietungen ablehnen. In Kriegs- und Friedenszeiten war Trommsdorff seinen Mitbürgern ein stets hülfsbereiter Freund und Berather gewesen; kein Wunder, daß der Ehrentag, an dem er den Höhepunkt seines Lebens erreichte, unter allgemeiner froher Betheiligung gefeiert wurde. Umgeben von seiner Familie, im Kreise von 21 Enkeln, von zahlreichen dankbaren Schülern und Freunden von Nah und Fern, feierte er am 1. October 1834 sein 50jähriges Pharmaceutenjubiläum. Der König hatte ihm schon früher den rothen Adlerorden 3. Classe verliehen, jetzt erhielt T. den Titel eines Geheimen Hofrathes, seine Verehrer hatten zum Gedächtniß des Tages eine Denkmünze mit seinem Bildniß schlagen lassen und Freunde und Fachgenossen ehrten ihn durch die Errichtung einer Trommsdorffstiftung, deren Erträgnisse dem von ihm gegründeten Gehülfen-Unterstützungsfonds zu Gute zu kommen bestimmt waren. In den ihm noch bleibenden Jahren hatte T. die Freude, seinen jüngsten Sohn um sich zu haben, der den Beruf des Vaters ergriffen und die vielen von diesem begonnenen Unternehmungen ganz im Sinne desselben fortzuführen bestrebt war. In der frohen Ueberzeugung, sein geistiges Erbe in guten Händen zu wissen, verschied T. am 8. März 1837.

    Es muß schließlich noch erwähnt werden, daß T. der Begründer einer der ersten chemischen Fabriken gewesen. In dem Laboratorium der Apotheke, sowie (1813) in einer kleinen Fabrikanlage in Teuditz wandte er sich der Herstellung von seltenen Alkaloiden, namentlich von Morphium zu. Aus diesen Anfängen ist später (1842) unter der Hand des ihn einzig überlebenden Sohnes Christ. Wilh. Hermann (geb. 24. Sept. 1811, 3. Juli 1884) die weltberühmte Trommsdorff'sche Fabrik in Erfurt entstanden, welche sich mit der Darstellung von in Form und Reinheit vollendeten pharmaceut. und chem. Präparaten befaßt.

    • Literatur

      J. G. W. Mensing, Joh. B. Trommsdorff's Lebensbeschreibung. Erfurt 1839. — L. F. Bley, Das Leben J. B. Trommsdorff's. Archiv der Pharmacie 1839, 2. Reihe, Bd. 18, S. 1, 113, 225. — A. Tschirch, Entwicklungsgeschichte der pharm. Universitätsinstitute. Wien 1894. — E. Biltz, Christ. Wilh. Herm. Trommsdorff. Halle 1884.

  • Autor/in

    B. Lepsius.
  • Empfohlene Zitierweise

    Lepsius, Bernhard, "Trommsdorff, Bartholomäus" in: Allgemeine Deutsche Biographie 38 (1894), S. 641-644 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118624113.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA