Lebensdaten
1760 bis 1798
Geburtsort
Bernburg
Sterbeort
Halle/Saale
Beruf/Funktion
Chemiker ; Physiker ; Philosoph ; Arzt
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 119301008 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Gren, Friedrich Albert Karl
  • Gren, Friedrich Albert Carl
  • Gren, Friedrich Albert Karl
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Zitierweise

Gren, Friedrich Albert Carl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119301008.html [22.11.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Joh. Magnus (1715–75), Hutmachermeister in B., S d. Handelsmanns Magnus in Jönköping/Schweden;
    M Dorothea Elis. (1726–96), T d. Gottlieb Sieber, Handschuhmachermeister in B.;
    Halle/S. 1788 Joh. Sophie (1762–1800), T d. Wenceslaus Joh. Gustav Karsten (1732–87), Prof. d. Math. u. Physik in Bützow u. Halle (s. ADB XV; Pogg. I);
    Vt d. Ehefrau Karl Joh. Bernh. Karsten (1782–1853), preuß. Geh. Oberbergrat (s. ADB XV; Pogg. I);
    1 T.

  • Leben

    G. fand den Weg zur Chemie über die Apothekerlehre, die er nach dem frühen Tode des Vaters anstelle eines Studiums der Theologie aufnehmen mußte. Nach Lehrjahren in Bernburg und Offenbach kam er 1781 nach Erfurt. Den begabten jungen Provisor in seiner Apotheke förderte und unterrichtete J. B. Trommsdorff der Ältere , der ihm auch zum Studium riet. Daraufhin ging G. 1782 nach Helmstedt. L. von Crell, mit dem G. bereits in Briefwechsel gestanden hatte, gewährte ihm freie Unterkunft, vermittelte ein Stipendium und empfahl ihn als chemiekundigen Gehilfen W. J. G. Karsten in Halle, G.s späterem Schwiegervater, wo G. nebenher seine medizinischen Studien fortsetzen und beenden konnte. – Nachdem er schon als Student mit Einwilligung der medizinischen Fakultät chemische Vorlesungen an der Universität Halle gehalten hatte, wurde G. 1786 zum doctor medicinae, 1787 zum Dr. phil. promoviert und kurz darauf zum außerordentlichen Professor der Arzneiwissenschaft ernannt. 1788 wurde er ordentlicher Professsor der Philosophie, später auch der Medizin. G. las anfangs auch über Naturgeschichte, später nur noch über Chemie, Pharmakologie – die Bezeichnung soll von ihm herrühren – und über Physik. Nach dem Urteil von K. J. B. Karsten zeichnete sich G.s Vortrag durch flüssige Darstellung, Unbefangenheit und Gründlichkeit aus; er sei ebenso genau im Ausdruck wie glücklich im Experimentieren gewesen. G. starb an Schwindsucht.

    Außer einer großen Zahl kürzerer Notizen und Aufsätze in Zeitschriften verfaßte G. etliche, zum Teil mehrfach aufgelegte Lehr- und Handbücher, darunter ein dreibändiges „Systematisches Handbuch der gesamten Chemie“ (Halle 1787–90, 31806/07, bearbeitetet von M. H. Klaproth), das als das „erste zweckmäßige, wissenschaftliche und systematische Lehrbuch“ der Chemie gerühmt wurde. Die unter dem Namen G. F. J[aspen] von P[irch] erschienenen „Betrachtungen über die Gährung und die dadurch erhaltenen Producte und Educte“ (Halle 1784) sind vermutlich zwar unter G.s Mitwirkung entstanden und von ihm herausgegeben, aber, trotz mehrerer gegenteiliger Angaben, wohl nicht von ihm verfaßt.

    Als eine hervorragende und für die Entwicklung der physiko-chemischen Wissenschaften in Deutschland wesentliche Leistung G.s muß die Herausgabe des „Journals der Physik“ (8 Bände, Leipzig 1790–94), des „Neuen Journals der Physik“ (4 Bände, ebenda 1795-97) und der „Annalen der Physik“ gelten (G. selbst konnte nur noch das 1. Heft der Annalen fertigstellen, sie wurden durch L. W. Gilbert fortgesetzt). Diese Zeitschriften vermittelten der deutschen Leserschaft vor allem die Kenntnis der neuen grundlegenden Arbeiten des Auslands auf dem Gebiete der Verbrennungslehre und des Galvanismus. G., der zu dem ersten Fragenkreis mehrfach ausführlich Stellung nahm, verwandelte sich dabei aus einem unermüdlichen und einfallsreichen Verteidiger der Phlogistontheorie und Gegner der „antiphlogistischen“ Chemie – ein Ausdruck, den R. Kirwan 1787 prägte – zu einem bedingten Anhänger der neuen Lehre von der Verbrennung. Ursprünglich vertrat er mit großem Nachdruck die Hypothese von einer absoluten Leichtheit des Phlogistons, eine Anschauung, die mit der Aussage, er habe dem Phlogiston negative Schwere beigelegt, begrifflich unscharf wiedergegeben wird. Später erkannte G. die Berechtigung der neuen französischen Verbrennungstheorie an und rückte von der eigentlichen Phlogistontheorie ab. Er hoffte aber alte und neue Verbrennungstheorie dadurch miteinander verschmelzen zu können, daß er nicht wie Lavoisier Licht (lumière) und Wärmestoff|(calorique), sondern Brennstoff (Phlogiston) und Wärmestoff als imponderable Grundstoffe annahm und im Licht eine Verbindung der Basis Phlogiston mit dem Wärmestoff sah.

  • Werke

    Weitere W u. a. Diss. inauguralis physico-medica sistens observationes et experimenta circa genesin aëris fixi et phlogisticati, Halle 1786;
    Grundriß d. Naturlehre, ebd. 1787, 61820 (hrsg. v. K. W. G. Kastner);
    Grundriß d. Pharmacol. …, 2 T., ebd. 1790;
    Hdb. d. Pharmacol. od. der Lehre v. d. Arzneimitteln…, 2 T., ebd. 1791 f., 31814 f. (hrsg. v. J. J. Bernhardi u. Ch. F. Bucholz);
    Grundriß d. Chemie zum Gebrauche akadem. Vorlesungen, 2 Bde., ebd. 1796, 31809 (hrsg. v. Ch. F. Bucholz). - Hrsg.: W. J. G. Karsten, Anfangsgründe d. Naturlehre, 2Halle 1790.

  • Literatur

    ADB IX;
    A. N. Scherer, F. A. C. G., in: Allg. Journal d. Chemie 2, 1799, S. 357-416, 615-18, 4, 1800, S. 720;
    K. J. B. Karsten, Kurze Nachrr. v. d. Leben d. Prof. G. zu Halle, in: Der Ges. Naturforschender Freunde zu Berlin Neue Schrr. 2, Berlin 1799, S. 404-13 (verläßlichste Mitt.);
    ;
    J. C. P. Elwert, Nachrr. v. d. Leben u. d. Schrr. jetztlebender teutscher Ärzte, Wundärzte, Thierärzte, Apotheker u. Naturforscher, 1. Bd. (einziger), Hildesheim 1799, S. 171-85; Über G.s Phlogistontheorie s. J. R. Partington u. Douglas Mc Kie, Historical Studies on the Phlogiston Theory, The Negative Weight of Phlogiston, in: Ann. of Science 3, London 1938, S. 1-58 (P)
    ;
    J. R. Partington, A History of Chemistry III, ebd. 1962, S. 575-77;
    O. Zekert, Berühmte Apotheker, 1955, S. 93 (P);
    Pogg. I;
    BLÄ.

  • Autor/in

    Hans Schimank
  • Empfohlene Zitierweise

    Schimank, Hans, "Gren, Friedrich Albert Carl" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 45 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119301008.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Gren: Friedrich Alb. Karl G., der Sohn eines in Bernburg nationalisirten Schweden, wurde daselbst am 1. Mai 1760 geboren. Ursprünglich der Theologie bestimmt, trat er nach dem frühen Tode seines Vaters als Lehrling in die Apotheke Schulze's in Bernburg, ging 1779 nach Offenbach, wo ihm als zwanzigjährigem jungen Mann die Administration der Apotheke übergeben wurde, und im folgenden Jahre 1780 zu Tromsdorf nach Erfurt. Auf dessen Rath wandte er sich dem Studium der Medicin zu, ging 1782 nach Helmstädt, 1783 nach Halle zu Karsten und wurde dort 1786 Doctor der Medicin, 1787 Doctor der Philosophie und Privatdocent. Sehr bald darauf wurde er Professor und heirathete Karsten's Tochter. Seine Schriften erfreuten sich einer großen Verbreitung: sein „Handbuch der gesammten Chemie" (1787—94) erschien noch 1819 in vierter Auflage, sein „Grundriß der Naturlehre“ (1787) 1820 in sechster Auflage. Er ist der Gründer des später von Gilbert unter dem Titel „Annalen“ fortgesetzten Journals der Physik. Er starb am 26. November 1798. Allgemeiner Nekrolog der Deutschen. Poggendorff.

  • Autor/in

    Carus.
  • Empfohlene Zitierweise

    Carus, Victor, "Gren, Friedrich Albert Carl" in: Allgemeine Deutsche Biographie 9 (1879), S. 638 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119301008.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA